Leben in Thailand
Philodendron, Abhilfe gegen Chiang Mai Luftverschmutzung

Philodendron Manie und Arbitrage in Thailand

Ich dachte immer, dass ich Thailand und insbesondere die Thailänder ganz gut einschätzen kann. Ein Trugschluss und doch irgendwie lustig zugleich. Vor einiger Zeit hatte ich mal über Kryptowährungen, mit dem Titel: Bitcoin & Co – oder schon wieder Mississippi Company? geschrieben. Darin verglich ich, selbst aus heutiger Sicht zu Recht, Kryptowährungen mit der Tulpenmanie. Nichtsahnend, dass sich diese Geschichte vor 500 Jahren gerade eben in Thailand abspielt. Nicht Tulpen, sondern Philodendron, auch Baumfreund genannt, sorgt für das Fieber und Arbitrage ist die Medizin dagegen. Als botanischer Nichtschwimmer kannte ich die Namen dieser Grüngewächse nicht, aber übersehen kann man es auch nicht, es wächst am Golf von Thailand überall. Der ganze Wahnsinn hat auch viel mit der alljährlichen Luftverschmutzung in Bangkok und Chiang Mai zu tun, verwirrt?

Baan Metawi, dort, wo der Pfeffer wächst, beschreibt schon die Artenvielfalt der Flora und Fauna auf unserem Anwesen, Baan Metawi, am Golf von Thailand. Hier wächst alles in einer Geschwindigkeit und Vielfalt, das Wort Schlaraffenland ist gar nicht übertrieben. Das Klima ist ganzjährig sehr angenehm tropisch und so wohltuend für die Gesundheit. Dies ist allerdings nicht überall im Land so; hier erst mal einige Beiträge für diese Themen.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 8 Minuten

Die Brandsaison in Thailand

Ab Januar wird mit alljährlicher Regelmäßigkeit die Luftqualität in Bangkok und dem Norden Thailands, insbesondere Chiang Mai, extrem schlecht (siehe Artikel im Handelsblatt und Hallo Thailand). In dieser Zeit zählt aufgrund der Luftverschmutzung, insbesondere Chiang Mai, die Perle des Nordens, zu den am schlimmsten betroffenen Städten weltweit. Abbrennen von Zuckerrohrstoppeln und auch Reisfelder verursacht eine enorme Luftverschmutzung. Aufgrund der Lage in Chiang Mai, umgeben von Bergen, trifft es diese Stadt über einige Monate im Jahr am stärksten mit der Luftverschmutzung. Kombiniert mit einer bis April ansteigenden Hitze und Winden, beeinträchtigt dies auch die Luftqualität bis nach Bangkok zunehmend. Was hat dies alles mit Philodendron zu tun?

Kratom, Marihuana und Philodendron

Philodendron, nebst gezüchteten thailändischen Verwandten säubern die Luft. Wenn die Dinger dann noch für den thailändischen Geschmack schön ausschauen, dann gibt es seit Wochen keine Halten mehr bei den Preisen. Man muss wissen, dass Blumen, Bäume und Sträucher in Thailand und insbesondere im Süden Thailands extrem billig sind. Selbst Marihuana wächst hervorragend. Der politische Prozess läuft gerade, um es nicht nur für den medizinischen Bereich freizugeben, sondern grundsätzlich.

Wir sind auch unter die Drogenbauern gegangen. Thailändisches Kratom wurde gerade eben legalisiert und völlig freigegeben. Auf eines unserer brachliegenden Grundstücke hat sich in den letzten Jahren ohne unser Wissen (ganz ehrlich, kein Witz), Kratom wie Unkraut selbst angebaut. Die Schwester meiner Frau hatte es zufällig letzte Woche entdeckt und es kamen 30 kg Kratomblätter heraus. Nicht viel, jedoch gab es fast € 10 pro Kilo, insgesamt 10.000 Baht fürs Nichtstun; vor einem Monat war es noch doppelt so teuer.

All dies ist nichts gegen das Preisfieber beim Philodendron. Eine Pflanze, die hier für ca. 3 bis 6 Monate aufwächst und außer Wasser und ein bisschen Zeit nichts kostet. Diese können Sie in Bangkok ab 1.000 Baht verkaufen. Mit den richtigen Musterungen, was auch immer dies bedeutet, sind auch schon mal fast 2 Millionen Baht drin. Klicken Sie hier, um einen thailändischen Video dieser Pflanze auf dem Chatuchak Markt zu sehen, siehe auch: Chatuchak Wochenendmarkt, ein Sammelsurium von allem. Ein weiteres Video auf thailändisch zeigt am Anfang eine sehr junge Pflanze, die für 100.000 Baht den Eigentümer wechselte; einfach so (klicken Sie hier). Philodendron ist nicht zum Essen gedacht, ist auch kein Rauschmittel und ist zwar ganz hübsch anzusehen, aber dies trifft auf so ziemlich alle Gewächse, inklusive Unkraut im Süden Thailands zu. Warum dann dieses Blumenfieber?

Die Preisexplosion begann mit Corona

Corona gab den Menschen weltweit mehr Zeit zu Hause zu verbringen und in Thailand bedeutet dies oft auch, mehr garteln. Viele, die ihren Job in der Touristenbranche verloren hatten, machten kurzerhand Gärtnereien auf. In unserer Umgebung gab es schon immer viele Floristen, allerdings seit ca. einem Jahr hat sich die Anzahl mindestens verdoppelt. Nicht das es bei uns Touristen gäbe, aber viele Jobs auf Koh Tao sind weggefallen und Chumphon bot sich natürlich als Alternative an. Wir haben ein Ehepaar als Mieter bei uns, die vorher beide auf Koh Tao im Hotel und als Reiseleiter gearbeitet haben und jetzt Gärtner sind. Lesen Sie hierzu auch: Hongtail – Mietwohnung in Thailand – pure soziale Marktwirtschaft.

Lesen Sie hierzu auch einen Beitrag der Bangkok Post von Anfang letzten Jahres. Langsam zogen die Preise insbesondere von Philodendron an. Luftreinigung ist die einzige nachgewissene Eigenschaft dieser Pflanzen und eben wegen der bald zu erwartenden Luftverschmutzung in Bangkok, Chiang Mai und im ganzen Norden Thailands, kennen die Preise seit Wochen kein Halten mehr.

Im Beitrag: Klimaanlage in Thailand, Fortschritt durch Technik hab ich die neuen Generationen von Klimaanlagen, die extrem kostengünstig in Thailand, inklusive Einbau verkauft werden, beschrieben. Hervorragende Luftfilter reinigen die Luft, ionisieren diese und man hat tatsächlich das Gefühl im Wald zu stehen. Daher ist die luftreinigende Eigenschaft dieser Zimmerpflanzen schon ein wenig vorgeschoben. Zumal, warum sollte ich mehr für Pflanzen als für eine Klimaanlage zahlen? Sie müssten das ganze Zimmer voll mit diesen Grünpflanzen stellen, um eine ähnliche Luftreinheit wie bei der Maschine zu erreichen. Es ist eine Spekulationsblase, wie früher beim Goldfieber; nur handelt es sich nun um eine Philodendron Manie nebst anderem Grüngewächs. Eventuell hierzu interessant: Lotto in Thailand; ein Blick ins thailändische Gemüt. Einige Bilder, von diesen Pflanzen in unserer Gegend:

10 Millionen für Bananen

Das Philodendron Fieber ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Ein Thailänder hat heuer (bayrisch für dieses Jahr) 4 kleine Bananenbäume für sage und schreibe 10 Millionen Baht gekauft. Warum? Ist mir letztendlich vollkommen egal, ein Süchtiger eben. Bananenbäume dieser Größe bekommen Sie überall für lau. Nur weil lustige Blätter, Musterungen und einer Art Albino Gattung vorhanden sind, den Gegenwert einer Luxusvilla dafür zu bezahlen, ist nicht mehr so einfach zu erklären. Stimmt jetzt nicht ganz; hauptsächlich für die Geldwäsche werden ja Gemälde auch mit Phantasiepreisen gehandelt. Munchs „Der Schrei“ mit läppischen US$ 120 Millionen war ja ein Schnäppchen. Hingegen da Vincis „Salvator Mundi“ wurde mit US$ 450 Millionen über den Landentisch gereicht. Eine alte Oma muss dafür schon lange stricken.

Zurück zu den Bananen. Hier können Sie sich den Artikel auf Thailändisch ansehen. Wenn Sie nicht weiterkommen, einfach auf Google übersetzten lassen, wird schon so einigermaßen stimmen. Lesen Sie hierzu:

Vor kurzen wechselte nur eine Banane für alberne 6 Millionen Baht den Eigentümer in Thailand. Die Thailänder, ein bisschen verrückt sind sie schon. Es ist eben eine Geschichte so typisch thailändisch, also Same Same but different. Wenn Sie hier mal leben, wird Ihnen hier viel typisch Untypisches auffallen; es macht jedenfalls Spaß.

Die Marktwirtschaft funktioniert hier

Warum jetzt diese exorbitanten Preise für Philodendron in Thailand bezahlt werden, ist mit objektiven Fakten nicht zu erklären. Ob Goldrausch, Tulpenmanie oder jeder Art von Spekulationsblasen, es weckt Eigenschaften – nicht nur gute – im Menschen, die zu diesen Exzessen führen. Auch wenn es sich um pure Spekulation handelt, kommt nun eine der besten Attribute der Marktwirtschaft zum Vorschein: die Arbitrage.

Philodendron, Arbitrage Bangkok
Arbitrage in Aktion

Ich sprach mit der Dame, die diese Ansammlung von Philodendron Blumentöpfe in ihren Kofferraum verstaute. Insgesamt sollte es 35 Töpfe werden, viele davon auch auf der Rückbank (dort eher die teureren). Die meisten hatte sie in Chumphon selbst angepflanzt, einige noch dieser Tage für wenig Geld gekauft. Heute Nacht fährt sie 500 km nach Bangkok, wo diese Pflanzen zurzeit ab mindestens 1.000 Baht verkauft werden. Sie möchte es direkt vom Kofferraum aus zwischen 700 und 1.000 Baht verkaufen. Ein Umsatz von mindestens 30.000 Baht ist ihr ziemlich sicher. Benzinkosten, Anschaffungskosten, Zeit und Übernachtung wird wohl 5.000 Baht nicht übersteigen. Also ein super Gewinn, allerdings trägt sie auch dazu bei, dass die Preise sehr schnell sinken werden. Der Luftverschmutzung in Chiang Mai wird es aber überhaupt nicht helfen. Nicht nur die Dame aus Chumphon hatte diese Idee, viele machen es schon für noch geringere Preisunterschiede, pure Arbitrage also.

Arbitrage hält die Preise niedrig in Thailand

Arbitrage ist mit der Grund, warum hohe Preise für Produkte und Dienstleistungen sich sehr schnell nach unten bewegen. Dabei ist es egal, ob hohe Preise – in diesem Fall auch hohe Margen – aufgrund Innovation oder Blasen entstanden sind. Arbitrage sorgt dafür, dass Preise nicht zu lange die Bodenhaftung verlieren. Es wird oft kopiert und billiger verkauft, dann innoviert und wieder teurer verkauft bis jemand anders dieses Neue wieder kopiert. Erst durch eifriges Kopieren konnte das Römische Reich entstehen und uns die Grundlage für ein industrialisiertes Europa geben. Heutzutage verschwendet der Westen aberwitzige Ressourcen mit Patentverletzungen und überlässt das Erfinden den Asiaten, hauptsächlich den Chinesen. Arbitrage wird durch Anwälte ersetzt, wie dumm ist dies denn?

In Deutschland gibt es oftmals keine Arbitrage mehr. Zum Beispiel mein E-Bike, welches ich mir vor 2 Jahren auf Alibaba gekauft hatte. Ich zahlte mit Ersatzbatterie ca. € 1.100. Das gleiche Teil war in Deutschland für das Fünffache (mit Ersatzbatterie) zu haben und bis heute gibt es keine Anzeichen, diese Wucherpreise zu unterbieten. So geht es ziemlich mit allen Produkten, selbst deutsche Autos und Medikamente sind im Ausland oft viel billiger. Die derzeitige Inflation in Deutschland ist zu keinem geringen Teil auch einer nicht funktionierenden Marktwirtschaft geschuldet. Bei Dienstleistungen ist es fast noch schlimmer. Staatlich beschützt bzw. geduldet dürfen hunderttausende ihre Produkte ohne große Preiszugeständnisse und auch ohne funktionierenden Wettbewerb an die Frau bringen. Kaminkehrer, Notare, Ärzte, Krankenhäuser, Pflegedienste, die gesamte Totenindustrie, Banken, viele Restaurants, noch mehr Friseure und so viele andere Branchen. Weitere Beiträge, die sich diesem Thema annehmen:

Ob das Philodendron Fieber der Luftverschmutzung in Chiang Mai, Bangkok oder sonst wo helfen wird, ist fraglich. Arbitrage wird es sehr schnell in die Schranken weisen, aber lustig ist es allemal.

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2 Kommentare

  1. Mal wieder ein unterhaltsamer Artikel. Wir haben diese Dinger auch im Garten stehen. Ich mag das Pink nicht so. Also werden die meisten davon kommende Woche auf Facebook verkauft. Auch so ein Wrtschaftstreiber in Thailand.

    Viele Grüße aus Chiang Rai
    Stefan

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