Leben in Thailand
Durian, Stinkfruch, Plantage, Durianplantage

Reichtum durch Durian – Pfui Deife!

Aktualisiert am 12. November 2021

Wahrscheinlich brauchen Sie für die Überschrift mehrere Wörterbücher. Eins für „Pfui Deifi“ und eines für die Durian in Thailand. Im deutschen Sprachraum, wenn überhaupt, nur als Stinkfrucht und nicht als Durian Frucht bekannt ist. Ein sicherlich diskriminierender Name, der durchaus seine Berechtigung hat. Warum stinkt das Teil so, lesen Sie es hier. Ich mag die Frucht nicht und damit gehöre ich als Europäer in Asien zur absoluten Minderheit. Jedenfalls kommen nach den Zahlen weiter unten Bilder zur Durian Frucht und in meinem ersten Video auf diesem Blog geht es um die Durianernte.

Wir leben hier auf unserem Anwesen, Baan Metawi, am Golf von Thailand, 2. größtes Anbaugebiet für Durian nach Chanthaburi. Gerade in der Mitte der Regenzeit, die Hauptsaison der Durian, können Sie den Duft der Frucht auf der Autobahn riechen. Dort gibt es nämlich reihenweise Großhändler, die die Durian fachgerecht verpacken und dann meist nach Bangkok in die Märkte fahren oder direkt zum Flughafen oder zum Hafen für den Export. Gerade dafür muss die Durian auf -3 °C gekühlt werden, ansonsten würde sie China nur verdorben und stinkend erreichen.

Nicht nur Thailänder, ganz Südostasien und insbesondere die Chinesen lieben diese, wie sie es nennen, „Königin der Früchte“. Klicken Sie hierzu auf einen Bericht in der Welt. Diese unglaubliche Erfolgsgeschichte dieser Frucht und auch die alljährlichen Durianfestivals sind, wenn überhaupt, nur mit unserem Klimbim bei der Spargelernte vergleichbar. Allerdings bei der Durian sind es immerhin rund 2 Milliarden Südost- und Ostasiaten, die dabei mitmachen. Wobei die Chinesen absolut verrückt danach sind. Auf dem Verrücktheitsgrad steht aber Singapur ganz oben. Hier noch weitere thematisch passende Beiträge:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Warum gibt es solche Schilder im Überfluss?

Durian, die WaffeFrüher, zu Zeiten von Papiertickets für die Flugreise, wurde bei asiatischen Fluglinien darauf hingewiesen, dass weder Waffen noch Durian mit an Bord dürfen. In 2018 wurde sogar mal eine Universität in Australien geräumt, da man anfangs einen Chemiewaffenangriff oder Gasunfall befürchtet hat. Es handelte sich aber nur um eine faulende Durian. Allerdings ist die Frucht selbst eine Waffe. Mit bis zu 8 kg und Stacheln, die eher an einen mittelalterlichen Morgenstern erinnern, muss man höllisch aufpassen. Ich kann Ihnen versichern, mein Bein ist zumindest der Schale, die gut 75 % der gesamten Durian ausmacht, kein Gegner. Die tiefen Kratzer bei der kürzlichen Durianernte spüre ich noch heute.

Auch ist es keine Jackfrucht, die noch größer und schwerer meist am Baumstamm reift. Ein Auswandererpaar bei uns liebte Jackfrucht, verwechselte diese aber mit der Durian. Die Gesichter der beiden waren erstaunlich, nachdem meine Frau ihnen eine Durian gegeben hat.

Das Wirtschaftliche, ich kann es Ihnen nicht ersparen

Seit Jahren werden gerade in unserer Gegend etliche Palmöl- und Kautschukplantagen platt gemacht und kurz darauf junge Durianbäume angepflanzt. Die Begründung ist ziemlich einfach, es lohnt sich viel mehr als bei allen anderen Plantagen – der 2 bis 4-fache Gewinn ist dabei drin. Hier geht es zu einem Bericht in der Bangkok Post über den unglaublichen Wirtschaftsfaktor Durian.

Nach ca. 5 Jahren trägt ein Baum das erste Mal Früchte. Je älter dieser wird (100 Jahre sind drin), desto mehr Ernte gibt es. Bei einem ca. 12 bis 15 Jahre alten Baum, kann man pro Jahr ca. 100 Durian Früchte ernten, mit einem durchschnittlichen Gewicht von ca. 3 kg. Übrigens, die Frucht fängt erst an zu stinken, wenn diese reif ist.

Die Ernte erfolgt, ähnlich wie bei der Kokosnuss, von kleinen Familienbetrieben, die die Plantagenbesitzer pro kg Ernte bezahlen. 2021 lagen die Preise hier in der Hauptsaison zwischen 100 und 140 Baht. Außerhalb werden auch schon mal das doppelte bezahlt. Dies bedeutet, ein ca. 12 Jahre alter Baum kann jährlich ca. 40.000 Baht Umsatz und mehr bringen. Abzüglich Kosten für Dünger, Arbeiter, etc. bringt ein Baum dem Plantagenbesitzer ca. 30.000 Baht Gewinn pro Jahr. Profis mit sehr langer Erfahrung holen gut und gerne 10 bis 20 % mehr Rendite raus. Dies ist der Idealfall, denn die Ernte muss, ähnlich wie bei einem Starkoch, auf den Punkt erfolgen. Dies bedeutet ca. 3 bis 4 Tage vor der Reife (und vor dem Gestank). Ein heftiger Wind am Vortag wird dann ganz schnell zum Millionenschaden. Abgesehen von vielen Tieren, die die Frucht auch lieben und einige Krankheiten. Weitere Beiträge zur Plantagenwirtschaft:

Wieviel Kohle ist drin?

Bei einer normalen Plantage geht man von einem mittleren Umsatz von ca. 20.000 Baht pro Baum aus. Pro Rai (1.600 m2) werden ca. 25 bis 30 Bäume gepflanzt. Die durchschnittliche Plantagengröße ist ca. 10 Rai, was ca. 250 Bäume bedeutet. Wenn einmal die Vorlaufphase von ca. 5 Jahren überwunden ist, kann jährlich bei 10 Rai mit einem Umsatz in unserer Gegend von ca. 4 Millionen Baht und ca. 3 Millionen Baht Gewinn gerechnet werden. Wohlgemerkt, 2021 wurde wegen der Pandemie und den daraus folgenden Schwierigkeiten beim Export nach China kein guter Preis erzielt.

Unsere Freunde haben eine Mischplantage von Durian und Kokosnuss, mit insgesamt 7 Rai, aber auch vielen jungen Durianbäumen. Trotzdem hatten sie ca. 1 Mio. Baht Umsatz in den letzten 8 Wochen mit der Stinkfrucht machen können. Für die beiden ist es eher ein Nebenjob, denn ihr Hauptjob ist ihre Bar in Bangkok, die aber seit vielen Monaten, wegen Covid-19, geschlossen hat – landesweit sind Bars seit ca. April 2021 geschlossen. Siehe auch:

Bei solchen Gewinnen stünde man selbst in Deutschland gut da, aber in Thailand ist man hiermit schon bei den Top 10 % dabei. Daher ist es auch kein Wunder, dass sich der Landpreis für Durianplantagen in den letzten 30 Jahren vervierzigfacht (kein Fehler) hat. Heute müssen Sie für eine 8 Jahre alte Plantage schon bis zu 1 Million Baht pro Rai hinlegen. Die Gefahr ist allerdings, dass bei zu viel Ernte die Preise in den nächsten Jahren fallen. Wahrscheinlich werden ca. 1,5 Milliarden Chinesen dieses verhindern.

So sieht eine Durianplantage aus

Bilder einer Durianernte im August 2021

Nachdem ich mich bereits ca. 40 km mit dem Fahrrad von unserem Anwesen, Baan Metawi, entfernt hatte, rief meine Frau mich an. In ca. 1 Stunde kämen die Subunternehmer zur Durianernte auf die Plantage ihrer Schulfreundin. Ich hatte seit 2 Wochen auf diese Gelegenheit gewartet. Ich strampelte natürlich wie ein Weltmeister (ein alter Sack halt) und mit Energiestufe 3 von 5 konnte ich die 40 km in ca. 70 Minuten meistern. Als ich ankam, hat die Ernte bereits angefangen, dies sind nun die Bilder dazu.

Video von der Durianernte

Den Blog gibt es jetzt übrigens seit einem Jahr und der Beitrag dafür heißt: Einjährige Erfahrungen mit dem Blog Leben in Thailand. Viel Vergnügen beim Lesen.

Mehr zum Thema Auswandern? … dann …

Kokosnusspalme und Meer

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… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

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6 Kommentare

  1. ein sehr angenehmer beitrag. wir haben auch die durian mit der jackfruit verwechselt aber uns schmeckte beides sehr gut. wir lesen deinen blog sehr oft und finden in klasse, mach weiter so.
    mfg
    petra

  2. Ich liebe Durian (je nach Sorte und Reifegrad); allerdings muss man sich da erst „reinessen“.
    Das Video ist toll! Vor einiger Zeit habe ich einen Geschenkkarton mit Durian und auch einen Link mit einem Bericht über bestimmte Durian (alles auf Thai) erhalten. Ich fand es sehr interessant.
    วิถี “ทุเรียนลับแล” บ้านผามูบ ต.แม่พูล อ.ลับแล จ.อุตรดิตถ์ : ซีรีส์วิถีคน (10 พ.ค. 64)
    https://www.youtube.com/watch?v=m6hAKojbEFM
    Stephan
    P.S. Die Durian aus ลับแล (Lab Lä in Uttaradit) haben super geschmeckt

    1. Grüß Dich Stephan, danke für den Kommentar. Vielleicht bin ich ja voreingenommen bei der Durian, aber Du bist schon einer der wenigen Europäer, die ich kenne, die Gefallen an der Frucht finden. Aber was ich tatsächlich gerne mal probiere, sind Durian Chips – die kosten aber das 4-fache normaler Kartoffelchips! Viele Grüße Matt

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