Leben in Thailand
Produktivität Angestellte Thailand Deutschland

Marktwirtschaft am Beispiel Thailand / Deutschland

Aktualisiert am 26. Oktober 2021

Gähn … schon wieder so ein Wirtschaftsbeitrag von mir. Dies ist halt mein Steckenpferd und seitdem ich in Thailand lebe, schaue ich auf vieles mit anderen Augen und kann auch sehr gut Vergleiche ziehen (siehe auch: Über den Schreiberling). Auch wenn es um langweilige Dinge wie Produktivität, Marktwirtschaft und Angestellte in Thailand und Deutschland geht, so habe ich Selbsterlebtes und Lustiges versucht zu kombinieren. Meine Liebe zum Kaffee und einem Café eignen sich bestens, dies alles recht einfach zu erklären. Würde mich auf Ihre Kommentare und eigenen Beispiele freuen.

Baan Metawi, unser Zuhause in Chumphon am Golf von Thailand ist nicht nur mitten in einem Großanbaugebiet für Kaffee (hauptsächlich Robusta), sondern hat eine rasante Steigerung bei der Anzahl der Cafés gemacht. Als ich 2009 hier meine Zelte aufschlug, gab es in der Stadt Chumphon 2 Cafés nach westlichem Stil. Thailändischen Kopio gibt es schon seit Jahrzehnten, trifft aber meist nicht den Geschmack von Europäern und es lässt auch kein Kaffeehausgefühl zu. Heutzutage gibt es weit über Hundert Cafés in allen Ausführungen. Wir haben sogar eines in Chumphon mit dem sehr thailändischen Namen: Das alte Kaffeehaus! Diese Steigerung ist typisch für die Marktwirtschaft in Thailand. Übrigens, Kaffee ist, obwohl in Thailand angebaut, absolut und natürlich kaufpreisbereinigt teurer als in Deutschland, wie kann dies denn sein? Hier noch einige Beiträge zur Einstimmung:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 8 Minuten

Wirtschaftlicher Erfolg vor Menschenwürde

Stolz weisen wir darauf hin, wie hochproduktiv wir sind. Um eine ähnliche Produktivität wie in Deutschland zu bekommen, benötigt es 2, 3 oder mehr Angestellte in Thailand und natürlich viel mehr Maschinen. Hier verwenden unsere Politiker oft Sätze wie: „Wir haben Top Angestellte in Deutschland“ oder „Für gute Arbeit, müsse es gutes Geld geben“. Dass dabei letzteres für Millionen ganztags arbeitende Mindestlohnempfänger nicht stimmt, wissen wir. Dass die Arbeit unwürdig organisiert ist, verdrängen wir. Natürlich auch, dass die Produktivität unserer Amateurpolitiker, derer von Profis uneinholbar zurückliegt. Dazu empfehle ich Ihnen:

Jemand mir sehr nahestehend, musste mal für mehrere Monate wegen einer Autoimmunkrankheit in den Krankenstand. Dabei war auch eine abschließende Kur für 4 Wochen, bei der die betreffende Person 2 weitere Wochen ärztlich geratener Verlängerung ausschlug. Warum? Sie müsse so schnell wie möglich wieder funktionieren, da sie in der Arbeit gebraucht würde.

Eigentlich haben wir Deutschland 4.0, also der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz, die zukünftig von allen gefürchtet wird, schon lange. Wir brauchen dazu keine Roboter, sondern Menschen, die sich immer mehr dem Verhalten von Maschinen anpassen müssen. Wie unsere Ökonomen, die Sklaven ihrer dummen Formeln, in der menschliches Verhalten außen vor bleibt, da es nicht in Formeln gepackt werden kann. Wir sind so hochgezüchtet und durchgetaktet, dass wir es als Gesellschaft überhaupt nicht mehr sehen wollen, wie verachtenswert das Ganze ist. Mietmaulpolitiker preisen es dann als Errungenschaft und hochprofessionelles Verhalten an.

Produktivität und Mindestlohn in Thailand

Deutsche oder Europäische Ökonomen würden hier nun stark widersprechen. Produktivität ist ihr Zauberwort und aus deren Sicht ist Thailand unproduktiv. Ähnlich dem, was Westdeutsche den Ostdeutschen vor Mauerfall großspurig bezüglich niedriger Arbeitslosenquote vorgeworfen haben. Einer schaufelt ein Loch, der andere schaufelt es wieder zu und der dritte überwacht das Ganze. Ob es dies jemals gab, ist egal. Es ist allemal besser als das unmenschlich organisierte Hartz 4 Monster – Mietmaulpolitiker in Aktion. Hierzu passt auch der erste Teil des Beitrages: Strom gegen Hartz4 und Müll gegen Steuern sparen.

In einem durchschnittlich frequentierten Café würde in Deutschland ein Angestellter arbeiten. In Thailand sind es mindestens 3 – siehe Beitragsbild. An jeder Zapfsäule gibt es einen Tankwart. In jedem Restaurant laufen viele Bedienungen herum und in Parkhäusern gibt es oft eine menschliche Einparkhilfe. In den meisten Geschäften gibt es fast schon ein Übermaß an Verkäufern und anderen Servicekräften. Ganz sicher ist dabei, dass aufgrund der seltsamen Formel der Produktivität, diese in Thailand niedriger als in Deutschland ist. Natürlich lässt dies den Mensch und menschliches außen vor. Eine bisschen holprige Analogie wäre der Mensch, der zur Hälfte im Gefrierschrank steckt und zur anderen Hälfte im Feuer. Statistisch geht es diesem Menschen also gut, da extreme Kälte, extreme Hitze ausgleicht. Dazu passt auch thematisch:

Angestellte / Arbeiter werden in Deutschland, trotz hochgelobter Arbeitnehmerrechte, viel stärker ausgenutzt als in Thailand!

Gute Arbeit ist uns nichts wert! Covid-19 hat den Wert und die Wertschätzung bei Krankenhausangestellte aufs Klatschen reduziert. Angestellte Pflegekräfte werden in Thailand weit über dem Mindestlohn bezahlt, warum? Warum ist Thailand eigentlich so blöd und zahlt seine Krankenschwestern und Krankenbrüder menschenwürdig? Warum dient nicht die Marktwirtschaft in Deutschland hierbei in Thailand als Vorbild?

Zur weiteren Veranschaulichung schauen wir mal in ein Café. Die Baristas, schon alleine aufgrund der Berufsbezeichnung, sollten richtig gut bezahlt werden. Sie sollten, aber machen wollen wir es nicht. In der Realität zahlen wir nur den Mindestlohn, von dem man in Deutschland nicht leben kann. Ähnlich verhält es sich auch beim angestellten thailändischen Barista, der sich auch mit dem Mindestlohn in Thailand zufriedengeben muss, aber davon kann man sogar leben. Es gibt aber für die ungefähr gleiche Anzahl von Kunden im Café 3 Baristas in Thailand und nur einen in Deutschland.

Der Arbeitgeber hat also eine niedrigere Produktivität, da er 3-mal den Mindestlohn in Thailand zahlen muss und nur einmal in Deutschland. Gerecht wäre es, wenn der deutsche Angestellte den dreifachen Mindestlohn bekäme, da er ja auch 3-mal mehr arbeiten muss. Wirtschaftswissenschaftler würden natürlich genau gegenteilig argumentieren, indem der thailändische Arbeitgeber die schlechteren 2 feuern sollte. Eventuell einen Angestellten noch besser trainieren, damit dieser dann die Arbeit von 3, ohne Lohnerhöhung versteht sich, erledigen kann. Dies ist gelebte deutsche soziale Marktwirtschaft, Hut ab.

Urlaub in Deutschland

Auf einer Urlaubsreise nach Deutschland in 2017 kurz nach Ankunft in München, mussten wir auf ein Mietauto warten. Ich ging mit meiner Frau am Flughafen in die dortige McDonalds Filiale zum Kaffeetrinken. Eine lange Schlange (Kulturschock Thailand – Ein multidimensionaler Sprachschwank) von Kunden war vor mir und ich hatte daher Zeit mir alles anzusehen. Die weibliche Barista arbeitete alleine und in einer für mich unglaublichen Professionalität. Jeder Handgriff saß und war in der zeitlichen Ablaufkette punktgenau, sie schien mir sehr konzentriert.

Eine typische Angestellte in Deutschland eben, die augenscheinlich aus Asien, meine Vermutung Philippinen oder Thailand, stammte. Der Dame gelang es die Schlange an Kaffeehungrigen schnell abzuarbeiten. Ihr Namensschild sehend war mir klar, dass sie Thailänderin war. Sie arbeitete schon einige Jahre bei McDonalds und jetzt freute sie sich, dass jemand mit ihr Thailändisch sprach. Ruckzuck und ebenso schnell und professionell wurde meine Hinterfrau von ihr bedient.

Ich dachte mir nur, wie viel besser sie es wohl hätte, bei McDonalds in Thailand zu arbeiten? Zumindest wäre sie über dem gar nicht schlechten Mindestlohn bezahlt worden und es gäbe mindestens 2 weitere Kollegen, um nicht permanent Akkordarbeit hinlegen zu müssen. Ich vermute aber leider, dass diese Wahlmöglichkeit zu diesem Zeitpunkt für sie nicht gegeben war.

Dieses Bild ist mittlerweile so verstörend normal. Wir sind so abgestumpft und merken nicht mehr, wie entsetzlich dies ist. Das wirklich perverse, die Angestellten, die es betrifft, merken es oft auch nicht mehr. Wenn sie es dann merken, wissen sie genau, dass Wahlmöglichkeiten fehlen. Hier ist der große Unterschied zur sozialen Marktwirtschaft in Thailand, die meisten haben diese Wahlmöglichkeit und nützen diese auch aus.

Schon wieder Produktivität, Thailand lebt es vor

Ökonomiegenies lachen über so viel Naivität ohne zu merken was für Kleingeister diese doch sind. Dieser Produktivitätsgewinn wird einzig und alleine auf dem Rücken der Arbeitnehmer gewonnen. Sie müssen nur funktionieren und Akkordarbeit hinlegen und alles ohne Murren. Diese Art menschenunwürdige Produktivität auf Thailand bezogen, würde bedeuten: ohne Spaß kein Kaffee. Deutsche unsoziale Marktwirtschaft funktioniert in Thailand nicht.

Sie würden auch in Thailand niemanden finden, der alleine in einem Café auf Dauer arbeitet, da es dann ja keine Unterhaltungsmöglichkeit gäbe und die Lebensqualität aufgrund der Arbeitsbelastung sinkt. In einem solchen sehr unwahrscheinlichen Fall würden Thailänder ohne zu kündigen einfach nicht mehr kommen. Sie müssen sich nicht zum Sklaven ihrer Arbeitgeber machen, da sie immer eine Wahl haben und diese auch ausnutzen. Für mich ist dies gelebte soziale Marktwirtschaft in Thailand mit einer starken Anerkennung des gesunden Menschenverstandes.

Die größte Cafékette in Thailand heißt Amazon (ja schon wieder Kaffee und nein, diese ist nicht verbandelt mit dem Versandhaus Amazon). Sie gehört zum thailändischen Konzern PTT. Dem Schwachsinn unsere sogenannten Wirtschaftswissenschaftler folgend, kann dieser Konzern ja von Produktivität, Marktwirtschaft und Wirtschaftlichkeit nichts verstehen, logisch, dieser kommt ja aus dem unterentwickelten Thailand. Wäre es ein, von politischen Mietmäulern hochgelobter deutscher Konzern, hätte dieser die Hälfte seiner Mitarbeiter bereits entlassen. Verbleibende würden zu viel mehr Produktivität angepeitscht, natürlich bei gleich schlechter Bezahlung.

So geht soziale Marktwirtschaft in Thailand

Dies ist auch der Grund, dass dieser Konzern in 2017 umgerechnet gerade mal 3 Milliarden Euro netto verdient hat. Alle Mitarbeiter bekamen Anfang 2018 für das Jahr 2017 einen Bonus in Höhe von 7 Monatsgehältern. Wenn Sie es nicht glauben, im Internet ist es einfach zu finden, sogar nicht nur auf Thailändisch.

Für viele private und staatliche thailändische Unternehmen ist es gänzlich normal mehrere Monatsgehälter Bonus an alle Mitarbeiter zu zahlen. Nicht, wie in Deutschland und auch alle anderen westlichen Länder üblich, an ein paar wenige, sondern an alle Mitarbeiter.

7 Monatsgehälter Bonus ist noch nicht mal das Ende der Fahnenstange. Ein Unternehmen hat in 2018 seinen Mitarbeiter 11 Monate Bonus für die geleistete Arbeit bezahlt, Respekt. Nennen Sie mir nur ein einziges Unternehmen aus Deutschland, welches all seine Mitarbeiter ähnlich großzügig am Unternehmensgewinn teilhaben lässt! Für viele Angestellte in Thailand funktioniert Marktwirtschaft, etwas wovon Angestellte aus Deutschland nur träumen können.

Millionen Wanderarbeiter aus Myanmar, Kambodscha und Laos schuften in den hunderttausenden Fabriken, bekommen aber zumindest den Mindestlohn, oft auch darüber. Wir gehen mit unseren Bulgaren, Rumänen, Türken, etc. anders um. Wiederum hat Covid-19 die entsetzlichen Zustände in der Fleischindustrie (Tönnies) oder bei den Erntehelfern in unser Gedächtnis gedrängt.

Übrigens, der Grund, dass in Thailand der Rohstoff Kaffee teurer ist als in Deutschland, ist, dass die Plantagen oft genossenschaftlich organisiert und in Familienhand sind, ohne viel Großgrundbesitzer. Auch werden anständige Preise für die Arbeiter bezahlt. Deutschland ist dies egal, da es ja die südamerikanischen Arbeiter auf Kaffeeplantagen nicht selbst menschenverachtend ausbeutet. Es sind ja nur Subunternehmer.

Weitere Beiträge die zeigen wie soziale Marktwirtschaft in Thailand funktioniert und für Millionen in Deutschland, dank unserer Mietmaulpolitiker, ein Traum bleibt:

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
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