Leben in Thailand
Sauerteigbrot selbst gemacht in Chumphon Thailand

Back Dich ins Glück

Leben im Hamsterrad

Mein Leben war seit Jahrzehnten geprägt mit dem Bild des Hamsters im Hamsterrad. Lange glaubte ich an das Streben nach Glück durch Streben nach mehr Kohle. Je mehr Kohle – oft auch ohne große Anstrengung – ich heranschaffte, desto weiter schien das Glück zu entfliehen.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Glücklicherweise bedeutete in meinem Job mehr Geld zu verdienen auch viel mehr zu reisen. Zu meinen Hochzeiten als Bankangestellter und parallel dazu freiberuflicher Bankberater verbrachte ich ca. 200 Tage im Jahr in Hotelbetten. Hunderttausende jährliche Flugkilometer machten mich zum mehrfachen Meilenmillionär.

Schneller drehendes Hamsterrad

Schon alleine wegen meines Verhaltens befand ich mich nicht nur im Hamsterrad, ich war auch noch ein ziemlich dummer Hamster obendrein. Zumindest aber noch nicht so verbohrt und engstirnig, dass ich meine eigene Dummheit nicht mehr erkennen konnte. Ich hinterfrage anfangs nur wenig und am Ende sehr heftig meinen Lebensstil. Dabei half mir tatsächlich das viele Fliegen. Ich konnte intensiv am Leben von Menschen in vielen anderen Ländern und Kulturen teilnehmen.

Reisen, nicht Urlaubsreisen, bildet wirklich

Vor meinen Reisen war ich im wahrsten Sinne der Frosch unter der Kokosnussschale. Ein thailändisches Sprichwort, wo der Frosch glaubt, die Welt wäre die Kokosnussschale. Ich sollte natürlich niemals von mir auf andere schließen, obwohl ich davon überzeugt bin, dass wir viel zu selten unsere Kokosnussschale anheben, um über den Tellerrand hinaus blicken.

Das meine neue Heimat Thailand werden sollte, war schon lange bevor ich meine heutige Frau kennenlernte durfte, klar. Kein anderes Land bot mir so viele Chancen, mich mit den Dingen, die mir wichtig sind, zu beschäftigen und zu entfalten. Sehr hilfreich war natürlich auch, dass ich mich schon frühzeitig mit der thailändischen Sprache beschäftigt habe.

Der Bankkaufmann

Anfänglich war ich ein voller Verfechter der Finanzindustrie. Ich saugte alles über diese Industrie auf und war fast schon ein Aushängeschild. Ich durfte sogar mal im niederländischen Fernsehen als Bankexperte auftreten. Mit der Zeit wurde ich zu einem brutal ehrlichem Kritiker einer heutzutage völlig überflüssigen Industrie.

Viele Bücher, Berichte und selbst erlebtes zeigten eine für mich damals nicht nachzuvollziehende Lebenswende von meist erfolgreichen und sicherlich nicht armen Bankaussteigern. Diese hatten oft Millionen pro Jahr verdient, um dann einfach so, etwas gänzlich anderes zu machen. Nicht wenige haben sich im weitesten Sinne der Agrarwirtschaft und Gärtnerei zugewandt.

Gemein war allen, dass sie Hobbys oder Beschäftigungen wählten, deren Sinnhaftigkeit und Nutzen auf der Hand lagen und es keiner Erklärung bedurfte. Ähnlich sollte es mir ergehen, da das Handwerkliche mir nie schwerfiel. Ich hatte eine gewisse Begabung für Arbeiten, bei denen Hände wichtig und folglich zwei linke Hände nicht hilfreich sind.

Leise Zweifel am System raubten mir das Glück

Mein berufliches Schaffen und dessen Bedeutung und Nutzen, insbesondere in meinen ersten Berufsjahren als Banker, zu erklären, ist oft ins Leere gelaufen. Völlig sinnfreie Produkte und Leistungen, zu verkaufen, lässt sich nicht erklären.

Mit den Jahren konnte ich die Lebenswendungen der Ex-Banker mehr und mehr nachvollziehen, oft sprachen diese auch von Glück und glücklich sein.

Ist es doch insbesondere die Bankenindustrie, hauptsächlich in dem für Angestellte hoch bezahlten Bereichen, die eigentlich überhaupt nichts Sinnvolles oder Sinnstiftendes für Bürger, Wirtschaft, Gesellschaft und für Länder macht.

Dies zu erklären, wäre ein eigenes Buch wert aber vertrauen Sie mir, dem Ex-Banker, dass Banken größtenteils abgeschafft werden könnten und keiner würde es merken. Es würde keinen Qualitätseinbruch für die Gesellschaft geben, sondern es würde die Welt sicherer machen. Allerdings bräuchte man hierfür intelligente und vorausschauende Politiker. Diese zu finden wäre wie eine Stecknadel im Stecknadelhaufen zu finden.

Meine interne Revolution

Mein Lebenswendepunkt, also der sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass bei mir zum Überlaufen brachte, war die Bankenkrise 2008. Der Umgang damit und das katastrophale Versäumnis diese Krise aufzuarbeiten.

Lassen Sie mich es mit einer Analogie erzählen, dann ist nicht mehr künstlich komplex. Ein Flieger droht abzustürzen, da ein Verbrecher an Bord eine Bombe gezündet hat. Die Passagiere, die Piloten, der ganze Flughafen und die angrenzende Stadt leisten übermenschliches um das Flugzeug und alle an Bord, durch eine Notlandung zu retten. Das war die von verbrecherischen Banken verursachte Bankenkrise, die die Welt beinahe in die wirtschaftliche Steinzeit katapultiert hat. Der Bombenleger wäre vor Gericht gestellt worden, die Banken und Banker durften aber weitermachen ohne wirkliche Konsequenzen und bekamen sogar noch Milliardenboni.

Von Luft und Liebe kann Glück sein, aber es lässt sich nicht davon leben

Zum einen habe ich sehr schnell aufgehört für Geld zu arbeiten. Insbesondere einer Industrie zu helfen, die in den letzten Jahren so großen Schaden für die westliche Welt und davon ausstrahlend für die ganze Welt verursacht hat. Zum andern, Geld, obwohl bescheiden vorhanden, bekam in meinem Leben keinen hohen Stellenwert mehr; bestenfalls Mittel zum Zweck

Es sei Ihnen gestattet, wenn Sie glauben, dass ich dies leicht sagen kann, da das Geld ja bereits vorhanden war. Ein bisschen recht haben Sie auch, da wir für unser heutiges Zuhause und alle anderen Anschaffungen keinen Kredit aufnehmen mussten. Wir schulden niemandem Geld. Dies ist Glück und Freiheit zugleich.

Zu meiner Entlastung, ich habe mich mit knapp 43 Jahren pensioniert und hatte also mindestens noch 22 Jahre auf meine erste Rentenzahlung zu warten. Jetzt, also in 2020, sind es immerhin noch 11 Jahre. Daher musste natürlich noch ein Plan B her, in Form von Ersparnissen. Wenn Sie bereits Rentner sind, oder kurz davor stehen, brauchen Sie natürlich nicht unbedingt einen Plan B, es sei denn, die Rente ist nicht ausreichend. Mehr dazu in der Checkliste fürs Auswandern

Freiheit durch Eigenverantwortung

In Thailand, ist Eigenverantwortung die erste und wichtigste Versicherung und die Familie ist das erste Sicherheitsnetz. Vom Staat wird überhaupt nicht erwartet, dass es eine Vollkaskoversicherung für alle Eventualitäten gibt, so wie bei uns.

Meine Frau und ich haben eine Kasse und jeder hat Zugriff auf das Bankkonto vom anderen. Trotzdem hat sie am Anfang ein nettes Sümmchen auf einem Sparkonto liegend, nicht in den gemeinsamen Topf eingebracht. Nicht etwa, weil sie gerne eine schwarze Kasse haben wollte, sondern weil sie europäisches Verhalten sehr gut kannte. Dieses Sparbuch war jedenfalls für wichtige eventuelle Hilfsleistungen für ihre Geschwister oder Mutter gedacht. Mir war es egal, aber für meine Frau war der einzige Grund es mir zu verheimlichen, das Wissen, dass Europäer solche Hilfsleistungen eigentlich an den Staat ausgliedern.

Die gewonnene Freiheit durch tatsächliche Eigenverantwortung, sicherlich aus meiner europäischen Sichtweise, ist eben befreiend, mit Glück verbunden und bedeutete für mich mehr Lebensqualität. Dies bedeutet nun in keinster Weise, die Zustände in Thailand wären so schrecklich, wie in den USA.

Es gibt eine universelle Krankenversicherung für alle Thais, wer zum Beispiel HIV hat, bekommt eine monatliche Hilfszahlung und selbstverständlich alle nötigen Medikamente umsonst. Bei unter 100.000 Baht Jahreseinkommen, wird gar nicht so wenig, seitens des thailändischen Staates getan, um den Menschen zu helfen. Der informelle Sektor, am bekanntesten sind fahrende Händler, Garküchen, viele Tante Emma Läden und noch viel mehr andere Dienstleistungsbetriebe, sind von der Besteuerung gänzlich befreit.

Freiheit lässt Dummheit walten

Die Freiheit hat auch eine andere Seite der Medaille, die sich zum Beispiel bei der sehr hohen Todesrate im thailändischen Straßenverkehr zeigt. Ungefähr Dreiviertel aller tödlichen Unfälle betrifft Mopedfahrer. Dies ist schrecklich, aber schaut man sich mal für längere Zeit an, wie wenig den Thais ihr Leben als Mopedfahrer wert ist, versteht man auch diese hohe Anzahl. Hier sind Deutschland und viele andere Länder sichtlich besser, aber der Preis dafür ist extrem hoch.

Deutschland macht es ja ähnlich dumm bei Covid-19, dort ist uns auf einmal die Freiheit keine Maske tragen zu müssen und sich nicht um Distanzierung zu bemühen viel wichtiger als zum Beispiel in Thailand. Verwirrend, und auch Komplexes sehr vereinfacht beschrieben. Dennoch, die thailändische Freiheit gibt mir eine viel höhere Lebensqualität, sowie eine geistige und auch körperliche Gesundheit durch Glück, Glückheit eben.

Pippi Langstrumpf hat viel mit Glück zu tun

Ich mache mir hier tagtäglich die Welt, wie sie mir gefällt, aber aller Anfang war natürlich schwer. Sich vom Leben im Hamsterrad zu verabschieden fällt gar nicht so leicht. Hat sich doch eine gewisse Bequemlichkeit breit gemacht, die uns ein Gefühl der falschen Geborgenheit geben. Neues zu wagen erscheint darin eher als Bedrohung und nicht als Lösung. Wir finden es toll im öden 08/15 Hamsterradleben, staatlich behütet und bis zum Tod durchgeplant, zu leben. Als ich mich aber im Kopf entschloss, sicherlich mit Hilfe der Bankenkrise, aus meinem seltsamen bisherigen Leben auszusteigen, ging es eigentlich ganz leicht.

Chumphon, glücklich in meiner neuen Heimat

Thailänder haben den Ruf zurecht, viel lockerer und cooler im Leben zu stehen. Aber Chumphon ist eine vom Massentourismus verschonte Stadt und Provinz, in herrlichster Meereslage mit einem dem Körper wohltuendem Klima. Die Natur beschenkt die Bewohner dieser Gegend seit Jahrhunderten mit Reichtum. Chumphon, ein magischer Ort und mein Paradies ist ein Beitrag, den ich Ihnen hierzu empfehle. Geopolitisch hoffe ich natürlich, dass das Beschriebene im Beitrag: Wenn Weltpolitik nach Chumphon kommt niemals eintritt.

Genau diese Eigenschaften machen die Thailänder hier und in großen Teilen des Südens, auch besonders. Deren Streben nach Glück ist, nachdem die Grundbedürfnisse gedeckt sind, Müßiggang, eine natürliche Unaufgeregtheit und eine zweckmäßige Ignoranz. Kein Streben nach mehr und mehr, sondern mit dem vorhandenen zufrieden sein.

Zugegeben, dies ist so ganz anders als Thailänder in Bangkok oder in den vom Massentourismus überlaufenen Gegenden. Thailänder aus dem Süden sind auch bekannt dafür, viel mehr im Einklang mit der Natur zu leben. Armut ist so verbreitet, wie zum Beispiel in Bayern oder in der ganzen Schweiz. Es gibt trotzdem gar nicht wenige, die ein sehr einfaches Leben vorziehen.

Ideale Zustände für mich

Glück hatte ich, dass meine Frau aus Chumphon kam. Hier gibt es Meer und Natur satt und Touristen sind Mangelware. Genau meine Hauptbestandteile für ein paradiesisches Leben.

Auf unserem Anwesen, Baan Metawi, lebe ich intensiv und neugierig, mehr als je zuvor. Es lässt sich alles ohne große Auflagen und Genehmigungen und Verboten machen und bauen. Dies bereits seit 10 Jahren und anfangs hat sich Erstaunliches bei mir ergeben.

Gezeichnet von 25 Jahren Hamsterradfahren als Krawattenträger wurde mir schnell klar, wie toll doch schweißtreibende körperliche Arbeit ist. Bis zum heutigen Tage sehe ich dies als sportliche Betätigung.

Über die Jahre waren viele Handwerker hier beschäftigt. Selbstverständlich bin ich kein Maurer, Elektriker oder Schweißer und musste all diese Arbeiten Profis überlassen. Waren es doch Arbeiten für einen Ungelernten, wie Sand schleppen und Beton anrühren, die für mich nicht nur einen extremen Anstieg von Glück bedeuteten, sondern auch eine erhebliche gesundheitliche Verbesserung einbrachte. Als Nebenprodukt kann ich mittlerweile in ansehnlicher Qualität Mauern hochziehen, Fließen legen und tropische Gärten anlegen und pflegen. Qualitäten die Personen, die mich nur aus Deutschland kennen, niemals mit mir in Verbindung bringen würden.

Das Leben ist interessant hier

unser Grunstück in Meeresnähe, glücklich in Chumphon Thailand
24 Stunden / Tag, 12 Monate pro Jahr
unaufhaltsames Pflanzenwachstum

Da es keinen Winterschlaf für Pflanzen gibt, ist die Geschwindigkeit des Pflanzenwachstums für europäische Augen unglaublich. Ein völlig leeres Grundstück von uns in Meeresnähe lag für 5 Jahre brach. Die Folge: sehr viele 10 bis 15 Meter hohe Bäume und unzählige Sträucher. Eine 2 Meter hohe, 5 Meter breite und ca. 40 Meter lange undurchdringliche Dschungelwand trieb auch noch ihr Unwesen darauf. Dieses zu roden war nicht nur ein Vergnügen, sondern schweißtreibend wie nichts anderes in meinem Leben.

Hier mit einer Machete sich einen Durchgang zu schaffen, wäre aussichtslos. Überall wucherte giftiger Efeu und es gibt gerade dort nicht unbedingt wenig ungefährliche Tiere. Vielleicht habe ich ein bisschen geflunkert mit der Behauptung ich hätte mich voll integriert. Thais würden diese Art Arbeit nur aufgrund wirtschaftlicher Zwänge selbst machen. Andernfalls ein paar Myanmaren für ein paar Tage über dem Mindestlohn bezahlen und selbst in der Hängematte versinken. Ich sehe es für mich als sportliche Betätigung, der Rest der Familie wohl eher nicht. Der Beitrag Leben in den Tropen, leben in Chumphon befasst sich mehr damit.

Back Dich ins Glück, Sie erinnern sich?

Selbst nach tausenden Flügen ist es für mich immer noch ein Wunder, dass so ein Stahlklotz fliegt. Genauso verhält es sich mittlerweile mit Backen und Betonieren. Wenn ich 2 Wannen voll mit Sand, Zement, Steinen und Wasser vermische, hat am Ende alles in einer Wanne Platz. Am nächsten Tag das Ergebnis zu sehen, ist immer ein kleines Kuriosum für mich.

Nicht nur dies, ich betrachte mittlerweile betonieren, im Garten arbeiten oder Radfahren (jährlich fahre ich ca. 6.000 km mit dem Drahtesel) als eine Art Meditation. Wenn das Gebaute dann schön ausschaut bzw. Pflanzen sich prächtig entwickeln und ich meinem Idealgewicht trotz häufigem Schokoladenkonsums nach 100 km Tagespensum näher komme, dann hat dies für mich sehr viel mit Glück zu tun.

Ich habe mich zu einem großen Teil von der Komplexität unseres künstlichen Lebens befreit. Man merkt auf einmal, wie es sich wohltuend durchatmen lässt. Mein in Passau studierender Sohn meinte mal als Kritik an mir, dass ich mich wie ein Kind benehme. Ich empfand es als ein Kompliment.

Keine Zivilisationskrankheiten mehr

Natürlich ist mir klar, dass je weiter sich eine Gesellschaft entwickelt, je komplexer die Zusammenhänge werden, desto schwieriger wird es für viele einzelne Jobs das große Ganze zu erkennen. Daher sehe ich eine hoch entwickelte Gesellschaft grundsätzlich skeptisch, pflücke mir dann lieber die Punkte heraus, die ich gut vertreten kann und integriere es dann doch lieber in mein Lebenssystem.

In meinem Leben in Thailand gibt es kaum mehr Zwänge. Keinen Arbeitgeber, der mich zu unnatürlicher 9 bis 17 Uhr Arbeit drängt oder Kunden, die irgendetwas wollen oder eine selbstherrliche, niemals zur Verantwortung gezogene Verwaltung, die in allen Bereichen des Lebens sich eher als Würgeschlange, bestenfalls als Kracke anfühlt.

Daher gibt es dann auch keine künstlichen Bremsen für selbstbestimmtes Leben mehr. Ich muss mich nicht mehr verbiegen oder selbst verleugnen. Da all dies keinen Einfluss auf mein Leben mehr hat, wurde Glück und Glücklich sein in meinem Leben in ungeahnte Höhen katapultiert. Doping für Ihre Gesundheit ist ein Blogbeitrag, der sich damit näher beschäftigt.

Glück durch Mangel

Wir müssen zwar auf fast nichts verzichten, aber manchmal ist es schwierig, Liebgewonnenes, hauptsächlich bestimmte Lebensmittel aus Deutschland, zu bekommen. Die immer weiter ansteigende Besucherzahl von Freunden und Verwandten bei uns, viele davon gerngesehene Mehrfachbesucher, bekommen meist einen Einkaufszettel von mir, um zum Beispiel Pfanni Bratkartoffel (es gibt selbstverständlich auch Kartoffeln in Thailand), SchokoMac von Schwartau, bestimmten Käse, anständige Schokolade und Gesichtscremes ohne Weißmacher mitzubringen.

Was in Deutschland billig ist und zur Normalität wurde, ist hier dann für mich etwas Besonderes und bekommt dadurch, wie von Geisterhand, eine höhere Wertigkeit in meinem Köpfchen und somit auch mehr Glückshormone. Glück durch Mangel … wo habe ich dies schon mal gehört?

Insbesondere für mich hat sich Essen in Restaurants in Deutschland stark verändert. Ich liebe thailändische Küche und bin vollkommen eingetaucht in die thailändische Schärfe, sprich Chilis ohne Ende. Da ein Restaurantbesuch in Deutschland, egal welche Küche, uns dann eher geschmacklich sehr unterfordert, haben wir zu unserer Freude und zum Fremdschämen für meinen in Passau studierenden Sohn, immer einen Chilistreuer dabei, um das Gekochte auch für unseren Gaumen schmackhaft zu machen. Richtig lustig ist es manchmal, die Gesichter der Köche oder Bedienungen zu sehen. Nicht nur diese Glücksgefühle habe ich meiner neuen Heimat zu verdanken.

Mein paradiesisches Leben

Ich koche heutzutage auch selbst gerne und manchmal sogar gut. Backe seit Jahren, unzählige Fehlversuche sind natürlich vorausgegangen, ganz wohl schmeckendes Brot. Da der Hauptbestandteil hierbei, ein seit mittlerweile 7 Jahren wöchentlich von mir gefütterter Sauerteigansatz ist, mache ich mir manchmal Sicherungskopien. Ein kleiner Teil wird getrocknet und hält dann Jahre. Nicht nur für meine Familie gänzlich unverständlich, wahrscheinlich auch für Sie, habe ich eine dieser „Sicherungskopien“ in unserem Safe weggesperrt; ich lache selbst über mich. Brotbacken macht nicht nur Spaß, es ist eine Möglichkeit für mich, meiner Heimat verbunden zu bleiben. Insbesondere im Reis- und nicht Brotland Thailand.

In der Hängematte liegend und an diesem Artikel schreibend, erfreue ich mich, wenn an unseren vielen Fuchsschwanzpalmen neue Wedel sich bilden. Oder wenn die ersten Kokosnüsse, nach eigenem Anpflanzen vor 5 Jahren, heranwachsen. Mich hat es erstaunt, dass Ananas nicht am Baum oder Strauch wächst, Bananen, je nach Sorte, durchaus unangenehme Kerne haben, dass Maracuja Kletterpflanzen sind, Jackfrucht am Baumstamm wächst, die Drachenfrucht an kaktusähnlichen Armen wachsen und Pfeffer am besten an einem Wirt, zum Beispiel einer Palme, gedeiht. Viel wichtiger, ich darf in einem Land leben, wo der Pfeffer wächst!

Wir leben in einem absoluten Kobragebiet und zusammen mit etlichen anderen giftigen und ungiftigen Schlangen arrangierte ich mich, zwar wider Willen, in einem Schlangenparadies zu leben. Paradiesisch leben bedingt nun mal auch, dass man sich mit Gefahr auseinandersetzt. Ausblenden, da mit einer staatlichen Lebensvollkaskoversicherung ausgestattet, geht hier nicht.

Unlängst, an unserm Meerwasserkanal arbeitend, lief ein ca. 3 Meter langer Waran, mit einem Abstand von max. 5 Meter, an mir vorbei. Hätte ich früher kreischend die Flucht ergriffen, bedeutet es heute für mich privilegiert zu sein.

Die Macht der Natur

Sich mit der Natur arrangieren, auch wenn es blöd klingt, mit der Natur im Einklang zu leben, ist hier eine weitverbreitete Praxis und es gibt ein ganz besonderes Lebensgefühl. Man merkt hier aber auch, dass die Natur viel mächtiger ist, als in Europa und was für ein kleines Sandkorn man im Spiel durch die Natur ist; ein Leben im Paradies eben. Die Beiträge: Leben in den Tropen, leben in Chumphon, sowie November, der thailändische April, der weiß was er will gehen mehr darauf ein.

Eines meiner Bestandteile zum Glück haben und angekommen zu sein, ist nun tatsächlich auch Brot backen und Betonieren. Für andere mag es mehr Gartenarbeit oder kochen, Gutes tun, etc. sein. Allen ist gemein, dass es keine großen Erklärungen bedarf und ein idealer Ausgleich für die komplexen, unübersichtlichen, widersprüchlichen und unendlich dummen Geschehnisse auf der Welt ist.

Betoniere Dich ins Glück, wird das eventuell mal zu schreibende Buch von mir betitelt werden und Back Dich ins Glück dieser Bericht. Beides ist für mich die beste Therapie, um wieder Mensch sein zu können und letztendlich artgerecht zu leben. Gerne bin ich hierbei ein ewig Gestriger und verweigere mich manchem Fortschritt. Ein Lebensplan muss nicht komplex und widersprüchlich sein und niemand muss sich freiwillig als Rädchen fühlen, dessen Sinn sehr diffus und oft gar nicht mehr vorhanden ist.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

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