Leben in Thailand
Kryptowährungen, Bitcoin, virtuelle schöne neue Welt oder Schneeballsystem wie die Mississippi Company

Bitcoin & Co – oder schon wieder Mississippi Company?

Ein Beitrag über Bitcoin und anderen Kryptowährungen, Teil der modernen virtuellen Welt. Wie kam es überhaupt dazu über Kryptowährungen und Mississippi Company Geschichtsunterricht zu schreiben? Mein paradiesisches Leben in Thailand müsste diese Schöne Neue Welt mit seinem potenziellen Schneeballsystem doch ausblenden?

Sohn Nummer 2 war der Auslöser. Er hat einen der begehrten Studienplätze an der Thammasat Universität in Bangkok ergattert und beginnt das Studium im August; anfangs virtuell wegen der gefühlt nie enden wollenden Covid-19 Pandemie. Wie bei Sohn Nummer 1 über Jahre in Passau, wird auch Sohn Nummer 2 in den Genuss einer Apanage seiner Eltern kommen. Allerdings bedingt diese auch, dass er sich, sofern die Zeit es zulässt, eine Nebenbeschäftigung sucht.

Im Beitrag: Soloselbständig: Thailands Geheimwaffe gegen Arbeitslosigkeit habe ich schon mal darauf hingewiesen, wie lange man vom Staatsapparat in Thailand als Freiberufler in Ruhe gelassen wird. Daher predige ich Sohn Nr. 2 seit Jahren die Vorteile einer Selbstständigkeit im Vergleich zu einem schlecht bezahlten Studentenjob oder eventuell auch zukünftigen Angestelltenjob. Siehe auch:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 15 Minuten

Axie Infinity bezahlt in Kryptowährung

Er hat es verinnerlicht und spielt jetzt ca. 2 bis 3 Stunden am Tag ein Spiel namens: Axie Infinity, bekam dafür im Juni 2021 durchschnittlich ca. 1.600 Baht/Tag (ca. € 41) in der Kryptowährung SLP (Smooth Love Potion), einem ERC-20 Token, also einem NFT (Non-Fungible Token). Dies nach einer Investition in Axie-Charaktere von knapp € 850. Kein kleiner Betrag für Thailand, aber in weniger als einem Monat hatte er bereits die volle Investitionssumme erspielt. Übrigens sind 1.600 Baht über das 5-fache des Tagesmindestlohns in Thailand. Dies für 2 bis 3 Stunden Aufwand pro Tag. Gemessen am Zeitaufwand liegt es sogar über dem erbärmlichen Mindestlohn in Deutschland. Siehe hierzu auch:

Lost in Translation

ERC-20, SLP, CryptoKitties, Metamask, NFT, Sidechain, Binance, Axie-Charaktere, etc. sind nette Worte, deren technische Funktionsweise ich nur begrenzt verstehe und ich mir auch nicht sicher bin, ob ich es wirklich verstehen will. Falls Sie Lust auf einen Selbstversuch haben, lesen Sie sich den Wikipediaeintrag für NFT hier durch. Nun, alles verstanden? Ich versuche einfach über diese Sprachvergewaltigung hinwegzusehen, um mich einigermaßen neutral dem Thema Kryptowährung zu nähern. Nicht die technische Seite, sondern Grundsätzliches. Mit anderen Worten: wird es eine langfristige, gesellschaftlich sinnvolle Verwendung von Kryptowährungen geben?

Der derzeitige Eigentümer des Spiels, Binance hat zurzeit weltweit mit den Finanzregulierer zu kämpfen. Nur in den letzten Wochen hat Britannien, Malaysia und Hong Kong ein Verbot ausgesprochen, Thailand stellt Strafanzeige und andere Länder, inklusive Deutschland denken auch über Verbote nach. Noch nicht weiter schlimm, da es noch genügend andere Handelsplattformen gibt und Mastercard und Visa der Kryptowelt weiterhin für Ein- und Auszahlungen die Stange hält. Hier einige Artikel der Financial Times und BBC: Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3.

Die wilde Schöne Neue Virtuelle Welt

Ist Axie Infinity ein Schneeballsystem? Es riecht zumindest nach einer modernen Variation der Mississippi Company. Noch stärker stinken natürlich Kryptowährungen nach einem Schneeballsystem à la Madoff oder wenn Sie so wollen, der Wilde Westen des privaten Geldes. Sohn Nummer 2 spielt daher mit Axie Infinity ein Spiel, welches als Schneeballsystem auf ein Schneeballsystem (Kryptowährungen) aufgesetzt wurde; sehr vielversprechend.

Allerdings verdienen gerade während Covid-19, insbesondere Filipinos (mehr dazu, klicken Sie hier), von diesem aus Vietnam stammenden Spiel, welches von Binance (eingetragen auf den Cayman Inseln und chinesischem Ursprungs) aufgekauft wurde, soviel, dass sie sich über ausreichende Ernährung keine Gedanken mehr machen müssen, zumindest bis der letzte Schneeball geworfen ist. Angesichts der katastrophalen Zustände auf den Philippinen wegen der Corona Pandemie ist dies schon eine richtig tolle Nachricht. Eigentlich ungewollt wäre dies fast schon eine Blaupause für moderne Entwicklungshilfe, dafür bräuchten wir allerdings moderne und professionalisierte Politiker. Siehe hierzu in Kürze einen Beitrag über Entwicklungshilfe.

Aber in diesem Beitrag geht es ohnehin nicht um das Spiel, sondern um die (Schein?)-Währungen, Marktplätze (Binance, Coinbase, etc.) und Technik (Blockchain, NFT), die das Spiel speisen. Gefühlt ganz Afrika liebt Bitcoin und tatsächlich macht es das Leben von wahrscheinlich Millionen Menschen einfacher und erhöht dadurch auch die Lebensqualität. Mehr dazu weiter unten.

Kryptowährungen sind modern und cool

Was vielleicht ursprünglich als alternatives Zahlungssystem ohne staatliche Beteiligung gedacht war, ist inzwischen zu einer Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe geworden.

Agustin Carstens, Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (diese Bank ist die Denkfabrik aller Zentralbanken und so die mit Abstand beste und seriöseste Expertenquelle für weltweite Bank- und Finanzangelegenheiten)

Im Großen und Ganzen sind die Anhänger der Kryptowährungen doch eher in jüngerer Generation zu finden. Aufgewachsen in einer virtuellen Welt mit virtuellen Spielen und einem virtuellen Leben; die Schöne Neue Welt eben. Viele glauben daran, dass man in einer virtuellen Welt auch wirklich leben kann. Filme wie die Matrix Serie gefallen mir zwar sehr gut. Ich würde sie aber nicht mit der Realität verwechseln wollen.

Die gelebte schöne neue Welt oder doch nur ein Taschenspielertrick? Bitcoin, genauer gesagt Kryptogeld oder Kryptowährungen sind in aller Munde; Scheinwährungen wäre die treffendere Bezeichnung. Die Entscheidung steht wohl noch aus, ob es sich hierbei um ein Schneeballsystem gigantischem Ausmaß handelt. Eventuell auch eine Spekulationsblase wie bei den Tulpen im Mittelalter, oder Fantasiegebilde wie der Mississippi Company erzählt durch John Law. Vielleicht sind Kryptowährungen auch Weltverbesserndes, was so wahrscheinlich wie ein Schneesturm bei uns in Chumphon, am Golf von Thailand ist. (siehe: Monsun, pure Exotik und Regenzeit in Thailand)

Nicht wirklich erheiternd, wurde die Kryptowährung Dogecoin vor Jahren als Satire auf Kryptowährungen von 2 Softwareingenieuren programmiert. Dieser virtuelle Welt Witz ohne Angestellte und Produkt hatte seinen bisherigen Höchststand Anfang Mai 2021. Er wurde zu diesem Zeitpunkt mit über 96 Milliarden US$ bewertet! Warum sehen wir überhaupt nicht alle Kryptowährungen als reinen Witz oder sehr gut ausgeklügelte Betrugsmasche an?

Bitcoin und Kryptowährung sehr vereinfachend erklärt

In den letzten Jahren und im Besonderen den letzten Wochen habe ich gar nicht so wenig über Kryptowährungen gelesen. Manch einer hat auch versucht mir die technische Seite zu erklären und ich habe es bis heute nur teilweise verstanden. Das, obwohl ich eigentlich vom Fach war, d.h. nutzlose Finanzprodukte Kunden zu verkaufen (näheres, klicken Sie hier). Eine vereinfachende Erklärung bedeutet für mich, das Grundsätzliche richtig darzustellen, auch wenn Details weggelassen oder eben vereinfacht erklärt werden. Dies vorausgeschickt, hier mein Erklärungsversuch:

Einer oder mehrere bis heute anonyme Personen erschufen in 2009 aus heißer Luft die erste Kryptowährung Bitcoin. Hierbei nahm diese Person(en) den falschen Namen Satoshi Nakamoto an. Es klinkt Japanisch und bedeutet für mich so viel wie: „Ich ziehe Ihnen das Geld aus der Tasche“. Bitcoins ist virtuelles bzw. digitales Scheingeld (dezentral, ohne Zentralbankeinfluss). Um permanentes Kopieren digitaler Bitcoins zu verhindern, gibt es die dezentrale, bisher wahrscheinlich fälschungssichere Buchhaltungssoftware Blockchain. Die Erklärung des Bitcoin Minings, also Bitcoin schürfen finden Sie etwas weiter untern.

Geld versus Kryptowährungen

Nun ist gerade der heutige Kapitalismus auch eine Sache, wo extrem viel Geld mit Geld gemacht werden kann. Arbeit ist schon seit Jahrzehnten auf der Verliererseite im Vergleich zum Kapital. Lesen Sie dazu das Buch: „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty. Der heutige Kapitalismus ist voll mit Schneeballsystemen und anderen legalen und illegalen Betrugsmaschen (kann man eigentlich legal betrügen? Natürlich, lesen Sie hierzu: Deutsche Bank, Verbrechen aus Leidenschaft). Trotzdem musste Geld irgendwo herkommen, irgendeinen Ursprung und auch eine Heimat und Eigentümer haben, insbesondere irgendjemanden haben, der für den Wert bürgt. Nicht aber für Kryptowährungen. Der bekannteste Geld aus Geld Macher, Warren Buffet meinte mal: Kryptowährungen haben keinen Wert und produzieren auch nichts.

Ein sehr wichtiger Unterschied zu Zentralbankgeld, z.B. Euros. Jeder der eine elektronische Zahlung macht, ist als natürliche oder juristische Person bekannt. Bei z.B. Bitcoins muss nur der private und öffentliche Zahlenschlüssel übereinstimmen, die natürliche oder juristische Person bleibt unbekannt. Dies ist auch der Grund, warum Geldwäscher Kryptowährungen lieben, Lösegeldzahlungen meist in Bitcoin oder neuerdings auch in Monero erfolgen … die Hinterfrauen bleiben unerkannt. Zumindest muss man sich beim Bargeld die Hände schmutzig machen und das Risiko erwischt zu werden, ist erheblich höher als bei Kryptowährungen.

Bitcoins

Bitcoins hatten per 15. Juli 2021 eine Marktkapitalisierung von US$ 613 Milliarden – der bisherige Höchststand war im April 2021 bei schlappen US$ 1,1 Billionen (1 Billion entspricht 1.000 Milliarden bzw. einer Zahl mit 12 Nullen! – etwas verwirrend, im Englischen sind unsere Milliarden „billions“ und unsere Billionen sind „trillions“). Sie werden durch den sogenannten Prozess des Mining generiert. Was bedeutet dies?

Sehr vereinfacht gesagt, ein Computer denkt sich eine Zahlenkette mit hunderten Stellen aus. Jetzt müssen Millionen andere Computer versuchen diese Zahl zu erraten oder zu erschürfen. Hierfür benötigt man dann die Serverfarmen, die mittlerweile für ca. 9 Prozent unseres weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Klingt dies in irgendeiner Welt, der realen oder virtuellen, vertrauenerweckend?

Tether, auch eine Kryptowährung

Tether, eine sogenannte „stablecoin“ Kryptowährung, da diese mit irgendwelchen fadenscheinigen US$ Wertpapieren unterlegt sei, wickelt heutzutage geschätzt 50 % aller Bitcoin Transaktionen ab. Warum? Weil Bitcoins mit seiner Blockchain Technologie viel zu groß und daher zu langsam geworden ist. Ein Financial Times Artikel im Juli 2021 (klicken Sie hier) trug den sehr vertrauenerweckenden Titel: „The Merlin of stablecoins“ und die Geschichte von Tether ist noch zauberhafter als der Titel. Kryptowährungen finden sich umschlungen von märchenhaften, abenteuerlustigen und fantastischen Erzählungen wie aus einer Geschichte aus Harry Potter oder Herr der Ringe. Alles, was in der realen Welt eigentlich nichts zu suchen haben sollte.

In der analogen Welt haben wir Monopoly Geld. Jedem Kind war und ist klar, dass dieses Geld in keinem Laden der Welt zum Kauf von Waren geeignet ist. Nur weil das Monopoly Geld jetzt virtuell und digital ist und Bitcoin & Co heißt, mit vielem modischen Schnickschnack wie einer Blockchain versehen wurde und sehr komplex aufgebaut ist, glauben viele es handelt sich um tatsächliches Geld bzw. eine Währung. Ein Schneeballsystem zeichnet sich auch dadurch aus, dass immer mehr Menschen daran glauben und letztendlich immer mehr Geld investiert wird. Wenn man dann aber ein weltumspannendes Schneeballsystem hat und potenziell jeder Erdenbürger daran teilnehmen kann, dann dauert es natürlich ein Weile bis das Schneeballsystem kollabiert … aber kollabieren wird es irgendwann dennoch.

Alles, was Banken überflüssig macht, ist gut, wirklich alles?

In vielen meiner Beiträgen vertrete ich die Meinung, dass die Menschheit auf Banken schon heutzutage verzichten könnte. Hierbei würde es uns erheblich besser gehen als jetzt und die Lebensqualität würde für die Mehrheit der Menschen stark steigen. Daher kommt mir natürlich eine Erfindung wie Bitcoin und viele andere Kryptowährungen eigentlich gelegen. Kryptowährungen versprechen in erster Linie einen weltweiten fälschungssicheren Zahlungsverkehr ohne Banken.

Aber Banken sind leider zu mächtig (Mietmaulpolitiker sei Dank) und machen sich jetzt vehement auf, ihr Schneeballsystem Devisenhandel bzw. Handel allgemein in die virtuelle Welt zu übertragen und geißeln daher bekannte Kryptowährungen und die Buchhaltung Blockchain für ihre Zwecke. Warum? Weil Kryptowährungen eine hohe Volatilität haben und Händler bei den Banken lieben alles mit hoher Volatilität. Ganz im Gegenteil zu Mietmaulpolitiker, die die Schöne Neue (virtuelle) Welt im Sandkasten, ohne Einhaltung von bestehenden Gesetzen, gewähren lassen.

Gerade sind wir noch mit der Covid-19 Pandemie beschäftigt aber Aktienkurse weltweit haben sich von allen fundamentalen Kriterien gelöst. Es ist natürlich eine Blase, zum größten Teil finanziert durch die sonderbare Politik in den USA und Europa, großen Kapitalgesellschaften mit viel mehr Geld zu helfen als dem Mittelstand und Kleinunternehmen (die letzten beiden sind meist keine an der Börse notierten Aktiengesellschaften). Letztendlich wurde den Aktienmärkten, für mich die beste Erfindung des Kapitalismus, ein Schneeballsystem der Regierungen und Zentralbanken aufgesetzt. Siehe hierzu auch:

Preis und Wert haben nichts gemein

Zur anschaulichen Erklärung: Wenn Sie Ihr neues Auto bekommen, zahlen Sie einen Preis aber der Wert hat sich in dieser Sekunde um ca. ein Drittel verringert.

Hier ist meines Erachtens auch der Unterschied zum Schneeballsystem Kryptowährung und Zentralbankgeld oder Aktien und Autos. Alle vier haben einen Preis aber nur die letzten drei haben einen Wert. Autos und Aktien, wie auch durch Zentralbanken kontrolliertes Geld, haben in der Gänze meist einen tatsächlichen Wert (das Auto oder die Kapitalgesellschaft) bzw. ein einheitliches Vertrauensfundament (ein Staat und die Bürger). Natürlich gehen Unternehmen in Konkurs oder Staaten gehen Pleite (Frankreich und Deutschland schon mehrmals, Frankreich ironischerweise auch wegen der Mississippi Company) aber als Ganzes bieten diese Werkzeuge des Kapitalismus mit vielen gesetzlichen Regeln und einer klar definierten Heimat einen tatsächlichen Wert.

Kryptowährungen sind ausschließlich in der virtuellen Welt zu finden, nicht fassbar und ohne Heimat. Sie sind daher noch scheuer als Karl Marx scheues Reh. Der angebliche Vorteil der Grenzenlosigkeit, sprich keine staatliche Kontrolle, öffnet doch gerade das Tor zur (Geld) Anarchie; was zu diesem Zeitpunkt den Wert auf 0 fallen lässt.

Hingegen wird zukünftiges digitales Zentralbankgeld einen immensen Wert haben. Diese virtuelle Welt des Zentralbankgeldes läutet dann tatsächlich das Ende der Banken, so wie wir diese kennen, ein. Da digitales Zentralbankgeld nichts anderes bedeutet, als den Zahlungsverkehr ohne Banken aber über Zentralbanken abzuwickeln. Hierin liegt auch das wirklich Positive von Kryptowährungen. Diese zwingen förmlich Zentralbanken zur schnelleren Einführung des digitalen Zentralbankgeldes, da ohne Bitcoin & Co der perverse Geldlobbyismus der Banken bei den politischen Mietmäuler freien Lauf hätte. Leider vermute ich aber, dass politische Mietmäuler sich wieder von der Bankenlobby einwickeln lassen werden. Nur mit professionalisierten und keinen Amateurpolitikern könnte dies verhindert werden – ein schöner Traum in einer nicht so schönen neuen Welt. Passend hierzu:

Betrug, Gier und Goldwahn gab es auch ohne Krypto zuhauf

Denken Sie an die Tulpenmanie Anfang des 17. Jahrhunderts oder nur gut 50 Jahre später als John Law die Erde betrat und seine Mississippi Company erfand. Seitdem haben sich unzählige kleinere und meist größere Finanzkatastrophen ereignet. Es liegt in der Natur des Menschen, die Gier oder die Liebe zum Geld. Den letzten großen Finanzgau durften wir alle mit der Bankenkrise erleben, die ihren Anfang durch minderwertige Grundschulden in den USA genommen hat. Hier wurde schon richtig viel von der analogen Finanzwelt in die künstliche, mit Algorithmen vollgestopfte Welt der Hochfinanz ausprobiert. Künstliche Intelligenz findet ohnehin hauptsächlich seit Jahren im Finanzbereich statt und lässt erahnen, wie es werden wird, wenn diese z. B. in der Medizin oder bei selbstfahrenden Autos großflächig und unreguliert eingesetzt wird. Siehe auch: Wirtschaftswissenschaft, ein Oxymoron.

Apropos Gold! Bitcoin und manch andere Kryptowährungen werden oft mit virtuellem Gold verglichen. Jünger der Sekte SNW (Schöne Neue Welt) sehen in Bitcoins gleiche Merkmale wie bei Gold. Was natürlich Quatsch ist, denn zum einen wird Gold zu ca. 40 % verbraucht (Schmuck, Medizin, Technik, etc.), während ich noch nie etwas davon gehört habe, dass ich mir virtuelle Welt Kryptowährungen um den Hals hängen kann oder meinen Zähnen als Krone dient. Zum anderen verpufft Gold nicht einfach so wie Kryptowährungen, wenn der Strom ausfällt oder ich meine Festplatte wegwerfe.

Des Weiteren hatten Alchemisten nie Erfolg bei Gold, jedoch mit Kryptowährungen schon. Bitcoin wurde 2017 aufgespalten, in Bitcoin und Bitcoin Cash – aus eins mach zwei. In 2018 wurde Bitcoin Cash weiter aufgespalten in Bitcoin Cash ABC und Bitcoin Cash. Eine wundersame Vermehrung, etwas, was eigentlich bis dato unmöglich schien, wurde möglich; Alchemie eben. In diesem Irrsinn wird zukünftig noch viel mehr möglich werden, was vorher unmöglich erschien und irgendwann wird es dann, wie jedes andere Schneeballsystem, implodieren.

Fälschungssicherheit bei Kryptowährungen

Bitcoin hat noch eine technische Erfindung hervorgebracht, die in aller Munde ist: Blockchain. Hierdurch ist bis jetzt ein fälschungssicherer Nachweis von allen möglichen Transaktionen möglich. Lesen Sie hierzu meine analogen Erfahrungen mit der Blockchain, bei der Adoption meines Sohnes Nummer 2 in Thailand im Beitrag: Künstliche Intelligenz – Natürliche Überschätzung.

Ich finde die Idee hinter Blockchain auch charmant und potentiell Einsatzgebiete sind vielfältig, wundere mich aber über folgendes: Staaten, Unternehmen, Privatpersonen geben jährlich hunderte Milliarden €, $, ¥, etc. aus, um sich vor Computerviren und Hackerangriffen zu schützen bzw. zahlen Lösegeld. Wie kann es sein, dass dies immer nur ein Katz und Maus Spiel bleibt aber digitale, virtuelle, sich im Computer und Internet befindende Bitcoins aufgrund von Blockchain angeblich so fälschungssicher sein sollen, dass angeblich niemand sie jemals angreifen kann? Blockchain wird als der virtueller Olymp gepriesen, wo Manipulation ausgeschlossen sei. Nur solange aber, bis Blockchain doch manipuliert werden wird – schließlich galt die Titanic auch als unsinkbar, bis sie halt sank. Ich werde es mit Sicherheit in meiner statistisch zu erwartenden Lebenszeit noch erleben, dass die Blockchain Buchhaltung manipuliert werden wird. Auch wenn es in diesem Artikel, klicken Sie hier, anders gesehen wird.

Wo werden Bitcoins bzw. Kryptowährungen erfolgreich eingesetzt?

Bis es zum implodierenden Schneeballsystem kommt oder wahrscheinlicher, dass Staaten es einfach verbieten, kann noch viel oder wenig Zeit vergehen. Bis dahin aber spricht grundsätzlich nichts dagegen in dieser virtuellen Welt, ähnlich wie in jedem Spielcasino, mitzuzocken. Sohn Nummer 2 hat seine Investition von knapp € 850 in Axie-Charaktere schon mehrfach wieder eingespielt, zurzeit (Ende Juli 2021) erspielt er sich sogar ca. 2.300 Baht (ca. € 59) in 3 Stunden pro Tag. Nur für die letzten 30 Tage hat er mittlerweile knapp € 1.500 „verdient“. Und er könnte seine Axie Charaktere sogar im Moment (Ende Juli 2021) für ca. € 1.300 auf dem Marktplatz Binance verkaufen.

Mittlerweile spielen täglich über 300.000 Axie Infinity. 100.000 Spieler allein auf den Philippinen und neuerdings auch vermehrt in Indonesien verdienen gut Geld damit. Da diese Länder extrem unter Covid-19 leiden, ist dies eine willkommene Mutation des Schneeballsystems Axie, welches auf dem Schneeballsystem Kryptowährung, hier SLP (Smooth Love Potion (kein Scherz)) und Etherum aufbaut. Eine virtuelle Schein Welt, die in der realen Welt tatsächlich Gutes tut.

Risse zeigen sich auch hier schon öfters durch Hackerangriffe und Serverauslastung und eben ständig steigende Preise für Axie-Charaktere. Diese Eintrittsgelder der neuen Spieler dienen dazu, den Arbeitslohn für die alten Spieler zu zahlen = Definition eines Schneeballsystems. Die erheblichen Provisionen beim Tausch der SLP in verpflichtende Ether und weitere sich ständige ändernde Provisionszahlungen um Ether in zum Beispiel Thailändische Baht zu tauschen, machen Strippenzieher im Hintergrund sehr reich, ein Riesenproblem aller Kryptowährungen. Mit digitalem Zentralbankgeld hingegen könnte jedoch für lau getauscht und bezahlt werden.

Das Anti-Beispiel Afrika

Krypto schafft Freiheit und die finanztechnisch Abgehängten in Afrika lieben es. Bitcoin boomt in Afrika bei den Überweisungen. Afrikaner lieben diese neu gewonnene Freiheit. Die Ursache dafür ist aber nicht Bitcoin oder eine andere Kryptowährung, sondern das absolute Versagen der Politiker und der Bankenwelt.

Es gibt bald 8 Milliarden Menschen auf der Welt, aber gerade mal weniger als 3 Milliarden haben ein Bankkonto. Mit ein Hauptgrund war und ist, dass die nimmersatten Banken – darunter die größten der Welt und auch nachweislich die größten Verbrecherbanken der Welt – 5 Milliarden potenzielle Kunden niemals haben wollten. Blutsauger wie Western Union bereichern sich bis heute an den ärmsten der Armen bei Geldtransfers mit manchmal auch 20 und mehr Prozent versteckten Provisionen. Lesen Sie hierzu auch: Deutsche Bank, Verbrechen aus Leidenschaft. Daher ist es für Afrikaner eine Wahl zwischen Pest und Covid-19. Diese Wahl hatten sie bisher nicht, es war also immer nur Pest. Nur deswegen sind Kryptowährungen und Bitcoins in Afrika so populär.

Interessanterweise gibt es aber 7 Milliarden aktive Mobiltelefone weltweit und dies ist mit ein Grund, dass das mobile Banking nicht in irgend einem reichen westlichen Land erfunden wurde, sondern aus Afrika kommt. Und wie üblich, hat keine Bank das Bankgeschäft mit dem Handy erfunden, sondern es war letztendlich Vodafone in Kenia mit ihrem Produkt M-Pesa in 2007.

Für ganz Afrika und auch viele arme südamerikanische Länder ist daher Bitcoin & Co ein Segen, es operiert außerhalb staatlicher Strukturen und benötigt keine Bank. Wenn das System Kryptowährung allerdings implodiert, wird wiedermal am stärksten Afrika darunter zu leiden haben.

Gedanken zum Thema Kryptowährung

Das ist für mich keine Währung, Bitcoins sind eher ein Computerspiel. Eine Idee, ein Bluff, eine Illusion. Ein Kind des allgegenwärtigen Gottes Internet. So, oder so ähnlich wie unsere ganze angebetete Börsenwelt nur ein einziges riesiges Roulette ist.

Milliarden werden in Sekunden von Künstlicher Intelligenz vernichtet, oder Wirecard Aktionäre von Verbrechern enteignet. Ein dazu grinsender Finanzminister und eine Bafin ohne Kompetenz; es herrscht jedenfalls kein gesunder Menschenverstand mehr. Und es herrscht. Es herrscht schlimmer als ein Diktator, schlimmer als all die armseligen Napoleons und Neros zu ihren Zeiten. Es ist allgegenwärtig und weltweit, es wacht, es lockt, es verführt, es kontrolliert, es speichert alles, es schläft niemals.

ein guter Freund von mir

Eine wunderschöne Sprache, fast wie Poesie und leider so wahr. Ein weltumspannendes Schneeballsystem, basierend auf Elektrizität, gespeist durch uneingeschränkte Gier und charmantestes Werkzeug um Geldwäsche für Klein- bis Schwerkriminelle zu ermöglichen. Beiträge, die dazu gut passen:

Hier können Sie noch auf mehrere Medienberichte zum Thema klicken. DW, DW, FT, Stanford, BBC, Bloomberg, CNBC, Reuters, FAZ

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Mehr zum Thema Auswandern? … dann …


Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Tragen Sie sich in die E-Mailliste ein! Nachfolgend, die neuesten Beiträge:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Share via
Copy link
Powered by Social Snap