Leben in Thailand
Muscheln sind wie Devisen in einem Spielcasino, in Zeiten von Sanktionen mit SWIFT nicht unwichtig

Devisenhandel, der Welt größtes Spielcasino

Aktualisiert am 25. April 2022

Ich hab seit ein paar Jahren eine entspannende Strandbeschäftigung: Muscheln in allen möglichen Formen, Farben und Größen an diversen Stränden zu suchen. Was haben jetzt aber Devisen (Buchgeld anderer Länder) und Sorten (Bargeld anderer Länder) mit Muscheln gemeinsam (tagesaktuell gehören natürlich auch SWIFT, ja SWIFT, und Sanktionen gegen Russland dazu)? Muscheln waren früher tatsächlich auch eine Währung, das Muschelgeld, und heutzutage scheinen Muscheln wie auch Devisen beim Devisenhandel endlos vorhanden zu sein. Es ist das größte Spielcasino der Welt, oder? Natürlich ist der Devisenhandel nicht mit einem Casino vergleichbar. Ein Casino ist nämlich in den meisten Ländern reguliert und gar nicht einfach zu manipulieren.

Die Muscheln übrigens sammle ich für Außendekoration auf unserem Anwesen, Baan Metawi. Anders als bei Devisen scheinen diese an der Nordsee auch nicht mehr unendlich vorhanden zu sein. Hier in Thailand wohl noch und beim Sammeln kann ich gut über Dies und Das nachdenken. So auch über den blutrünstigen Putin, der schlachtet gerade die Ukraine ab und ein Großteil der Welt versucht durch einen Finanzkrieg mittels Sanktionen die Wirtschaft Russlands auszutrocknen. Viele haben dabei wahrscheinlich erstmals von SWIFT und Währungsreserven gehört und wie Sanktionen dabei helfen könnten. Mit berechenbaren Sanktionen einen unberechenbaren Putin zu stoppen scheint schwierig zu werden, lesen Sie hierzu Gedanken von Tim Harford. Noch unberechenbarer sind die Neben-und Wechselwirkungen durch Sanktionen. Nicht nur bei Devisen, sondern dem gesamten weltweiten Wirtschaftsleben. Ich möchte jedenfalls in diesem Beitrag versuchen, das Thema Devisen und insbesondere den Devisenhandel mal aus dem Dunklen zumindest ins Kerzenlicht zu bringen.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 10 Minuten

Devisen, SWIFT und Währungsreserven

Beim Waren- und Dienstleistungsverkehr mit anderen Ländern hat oft entweder der Exporteur oder der Importeur ein Währungsrisiko. Nicht immer, da seit Einführung des Euros immerhin zur Zeit 19 Länder untereinander keine Devisen mehr tauschen müssen. Der gesamte Welthandel hat ein ungefähres Volumen von umgerechnet 16 Billionen US$. Abzüglich des Handels innerhalb der 19 Euroländer bleiben immer noch rund 13 Billionen US$ jährlich, wo Währungen, also meist Devisen gehandelt werden müssen und SWIFT bei den Überweisungen dieser an erster Stelle steht.

Hierbei zählt natürlich auch der Urlaub mit. Wenn Sie in ein anderes Land, wo eine andere Währung vorherrscht, reisen, dann werden Devisen oder Sorten getauscht und es entsteht ein Währungsrisiko. Zahlen Sie Ihre Reise in Euro, dann trägt dieses möglicherweise der Exporteur, also zum Beispiel das Hotel im Urlaubsland. Sie heben im Urlaubsland Geld am Automaten ab, dann gibt es ein Währungsgeschäft, Devisen wurden zum tagesaktuellen Kurs getauscht. Wechseln Sie Eurobargeld, dann sind dies für die Bank oder Wechselstube im Urlaubsland Sorten.

Allerdings werden Währungen vorwiegend als Devisen über Banken getauscht und überwiesen. Hier kommt nun SWIFT, siehe Wikipedia, ins Spiel, welches einen Großteil der Auslandsüberweisungen (in manchen Ländern, z. B. Russland, sogar auch Inlandsüberweisungen) ermöglicht. Sehen Sie es als eine Art sichere WhatsApp für Banken, die dadurch die jeweiligen Details der Transaktion mit hohen Sicherheitsaufwand austauschen können.

Wenn jetzt einer in Ihrer WhatsApp Gruppe sehr negativ auffällt, dann schließen Sie ihn aus der Gruppe aus und dieser schaut in die Röhre. So können Sie sich sehr vereinfacht die Sanktion gegen Russland und viele seiner Banken vorstellen. Ohne SWIFT wird es sehr schwierig Geld zu überweisen, aber bei weitem nicht unmöglich. Wenn dann noch die beiden großen Kreditkartengesellschaften Zahlungen von Russen ausschließen, dann trifft es natürlich auch den russischen Urlauber in Thailand und anderen Ländern heftig.

Kurzer Ausflug zum Bargeld

Zum Thema SWIFT, Devisen und Sanktionen gegen Russland muss ich immer an Schweden und Dänemark denken. Die nordischen Länder versuchen ja eifrig, das uncoole Bargeld abzuschaffen. Jetzt sind ja die gesamten Sanktionen gegen Russland und deren Führung grundsätzlich was Ehrbares, aber es braucht keine allzu große Vorstellungskraft, um zu sehen, dass Sanktionen auch für nicht so ehrbare Zwecke zukünftig missbraucht werden könnten. Hierzu hatte der BR einen interessanten Artikel.

Gerade in Thailand, einem sehr beliebten Urlaubsland auch für Russen, sind tausende russische Touristen von den Sanktionen gegen Russland betroffen, klicken siehe dazu hier. Am Geldautomaten kommt nichts mehr raus, der Einsatz von Kreditkarten wurde unterbunden und wenn die Touristen kein akzeptables Bargeld mit sich haben, dann schaut es echt zappenduster aus. Ich mutmaße, dass die allermeisten Russen gegen den Krieg sind, aber die Sanktionen gegen Russland treffen sie natürlich auch, man nennt es neudeutsch: Kollateralschäden.

Wie so vieles im Leben, denkt man in guten Zeiten nicht daran, dass es auch mal schlechte Zeiten geben kann. Und gerade jetzt wirkt und wird dann das dreckige Bargeld auf einmal wieder richtig cool und modern. Passende Finanzbeiträge zu Thailand:

Spielcasino Devisen

Die Finanzmärkte allgemein, mit ihren vielen Interessensgruppen, sind ein bisschen wie der Anti Robin Hood. Deren Motto könnte lauten: Stehle es legal von den vielen kleinen Investoren und gib es den wenigen großen. Dies funktioniert bei Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Derivativen und natürlich bei Devisen hervorragend. Namen wie: Dark Pool schreien ja förmlich nach Manipulation. Alleine der Hochfrequenzhandel bei Aktien beläuft sich auf über 50 % aller gehandelten Papiere weltweit. Dies ist legaler Trickbetrug mittels Künstlicher Intelligenz im Spielcasino. Der einfache Investor steht einem hoch gedopten, professionellen Goliath ohne Chancen gegenüber. Lesen Sie hierzu auch das Buch: Flash Boys. Siehe auch:

Im Thailändischen nennt man in Aktien investieren (เล่นหุ้น), mit Aktien spielen, also wie im Spielcasino. Da mag ja auch einiges an Wahrheit drinstecken, aber passender wäre es eigentlich, wenn wir uns alle bei Devisen, genauer beim Devisenhandel auf „spielen“ anstelle von „handel“ verständigen könnten. Es hat vernachlässigbar wenig mit Fundamentalem zu tun, daher auch ein Spielcasino.

Devisen werden täglich in einem Volumen von ca. US$ 6,6 Billionen weltweit gehandelt. Die Betonung liegt auf täglich und Billionen. 1 Billion entspricht 1.000 Milliarden. Dies wird oft verwechselt, da es in der englischen Sprache keine Milliarden gibt, sondern Billionen (entspricht unseren Milliarden) und eine Trillion in der englischen Sprache entspricht unserer Billion. Für die meisten dieser Transaktionen gibt es dann auch eine Zahlung über SWIFT. Diese Zahlen werden alle 3 Jahre von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel erhoben. Hinter diesem sperrigen Namen steht umgangssprachlich die Zentralbank der Zentralbanken. Diese Bank ist das Gehirn hinter allen großen Zentralbanken weltweit.

Zudem kommt, dass der Devisenmarkt so gut wie nicht reguliert ist. Dies macht staatliche und private Marktmanipulation grundsätzlich recht einfach.

Der Staat spielt im Spielcasino mit

Mit ein Grund, warum der Devisenhandel sich großer Beliebtheit erfreut, sind die Staaten dieser Erde. Die Manipulation der eigenen Währung meist mittels der eigenen Zentralbank kann für den Moment wirtschaftliche Vorteile bringen. Eine eigene schwache Währung verbilligt den Export und eine eigene starke Währung verbilligt den Import.

Vielleicht kann sich der ein oder andere noch daran erinnern, dass vor der Einführung des Euros, bestimmte EU Länder ihre Währungen gern abgewertet haben. Mit dem Euro allerdings ist dies nicht mehr so einfach möglich und insbesondere bei der Griechenlandkrise musste dieses Land selbstverschuldet teuer dafür bezahlen.

Letztendlich sind Devisenmanipulation von Staaten meist auch ein Zeichen von schlecht geführten Ländern, also eine versagende politische Klasse.

Ein bisschen einfachste Mathematik

Der jährliche Welthandel, also Handel der Länder untereinander, bei dem Devisentransaktionen nötig werden (ohne Euro-Binnenmarkt), ist ca. 13 Billionen US$ schwer. Demgegenüber steht der 6,6 Billionen auf US$ umgerechnete Devisenhandel täglich. Wissen Sie, was dies für eine Summe jährlich ist?

Weit über 2 Billiarden (im Englischen sind dies Quadrillion), umgerechnet in US Dollar, ist der weltweite jährliche Devisenhandel schwer. Schon alleine diese Zahl klingt wie Spielgeld in einem Spielcasino. Demgegenüber stehen 13 Billionen US$ wo Devisen aufgrund eines Geschäftes (Import, Export, Touristen, etc.) gehandelt werden, dies entspricht gerade mal ein halbes Prozent! Hier nun meine Frage:

Was sind die verbleibenden 99,5 %?

Dabei kommen dann Antworten wie: es handelt sich darum, den Devisenmarkt liquide zu halten oder um Absicherungsgeschäfte. Letzteres ist schon süß naiv, da selbst eine 100 % Absicherungsquote gerade mal ein weiteres halbes Prozent erklärt. In Wirklichkeit werden nicht mal die Hälfte aller Währungsgeschäfte abgesichert. Liquidität ist natürlich wichtig und niemand möchte an einem Handelsplatz verkaufen oder kaufen müssen, wo es kaum Käufer oder Verkäufer gibt. Denken Sie einfach an Ebay, wenn nur ein potentieller Käufer da ist, dann wird es nichts mit einem guten Preis. Daher ist eine 10-fache Liquidität gemessen am eigentlichen Geschäft sicher normal. Aber dies würde dann auch nur 5 Prozent der gigantischen 2 Billiarden Summe erklären. Was ist dann der Rest?

Die Antwort ist simpel: Pure Spekulation. Wo sonst finden Sie noch pure Spekulation? Richtig, im Spielcasino. Georg Soros berühmte Spekulation gegen das britische Pfund in 1992, welches mit dem Black Wednesday in die Geschichte einging. Der KfW Skandal, wo diese Staatsbank in 2008 schlappe 320 Millionen an die bankrotte Lehman zwecks eines Devisengeschäfts mittels SWIFT überwies. Millionen weniger bekannte Skandale pflastern den Weg des größten Spielcasinos der Welt.

Natürlich ist es gerade die Spekulation, die eben für die Liquidität sorgt und auch durchaus ihren Nutzen hat. Allerdings sind die größten Spieler im Spielcasino Devisen auch die größten Banken der Welt. Diese haben in den letzten 20 Jahren über umgerechnet 21 Milliarden US$ für Straftaten beim Devisenhandel bezahlt. Peanuts, im Vergleich zu den Gesamtstrafen dieser Banken, die sich auf weit über umgerechnet 600 Milliarden US$ belaufen. Diese Zahlen kommen vom Schreiberling, von einer seit über 15 Jahre lang geführten Liste. Siehe hierzu auch: Deutsche Bank, Verbrechen aus Leidenschaft

Devisen und Auswandern nach Thailand

Leben Sie als Europäer in Thailand, können Sie sich dem Spielcasino Devisen wahrscheinlich nicht gänzlich entledigen. Ihre Rente bekommen Sie in Euro oder Franken, aber Ihre täglichen Ausgaben bestreiten Sie in Baht. Nur wenn Sie in Thailand arbeiten und auch hier leben, entfällt das Währungsrisiko größtenteils. Gerade jetzt, wo die Sanktionen gegen Russland greifen, gibt es natürlich auch seltsame Reaktionen bei den meisten anderen Währungen. Binnen ein paar Tagen hat sich der Baht gegenüber dem Euro von ca. 36,6 auf 35.5 verteuert. Dies bedeutet, beim Tausch von 1.000 Euro bekamen Sie in diesen Tagen über 1.000 Baht weniger. Und vielleicht ist es morgen schon wieder umgekehrt, oder noch schlimmer oder gar nichts von beiden, es hängt wahrscheinlich von der Richtung des Windes ab, oder ob das Kugellager am Roulettetisch des Spielcasinos eiert.

Vielleicht hilfreich

Um den Beitrag ein bisschen nützlich für Auswanderer in Thailand zu machen: Der SWIFT Code (BIC Code) ist nichts anderes, als die Kontonummer einer Bank in einem Land. Kombiniert mit der Kontonummer des Empfängers der Auslandsüberweisung sollte es dann keine Probleme mehr geben. Wollen Sie den SWIFT Code einer Bank in einem Land in Erfahrung bringen, dann geben Sie in Google z. B.: SWIFT Code Bangkok Bank Thailand ein. Die sperrige IBAN findet fast ausschließlich in der EU Anwendung und ist für Auslandszahlungen nach Thailand nutzlos.

Wie Sie sich so gut wie möglich gegen Währungsschwankungen schützen können, steht auch im Beitrag: Geldwechseln Thailand, dann aber richtig. Hier noch weitere Beiträge, die sich mit Finanzen beschäftigen:

Mehr zum Thema Auswandern? … dann …


Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


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