Leben in Thailand
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Hongtail – Mietwohnung in Thailand – pure soziale Marktwirtschaft

Während Covid-19 fallen Mietpreise in Thailand und steigen in Deutschland. In anderen Worten entwickeln sich Mietpreise in Thailand marktwirtschaftlich und in Deutschland? Die Miete im Verhältnis zum Einkommen übersteigt speziell in Ballungsräumen in Deutschland eine Schwelle von 40 %, wohingegen selbst in Bangkok für Niedriglohnempfänger 25 % und weniger möglich ist. Die Probleme bei Mietwohnungen in Deutschland sind sicherlich vielschichtig und haben ihren Ursprung weit vor der Jahrtausendwende. Unseren politische Mietmäuler sei Dank; dabei ist schon egal welche Parteien in den letzten Jahrzehnten Regierungsverantwortung hatten. In Thailand mietet aber selbst der Mindestlohnempfänger sozialverträglich, dem Hongtail sei Dank. In nachstehenden Beiträgen wird das Problem der Mietpreise aus diversen Sichtweisen beschrieben:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 10 Minuten

Ein Beispiel der Entwicklung der Mietpreise für Mietwohnungen in Deutschland

Ende Mai 2021 wurde bekannt, dass Vonovia die Deutsche Wohnen für rund € 18 Milliarden kaufen möchte. In Deutschland haben beide Unternehmen ca. 500.000 Wohnungen. Ein Bericht im Handelsblatt verwies darauf, dass Vonovia im Zeitraum 2010 bis 2020 die durchschnittliche Vertragsmiete pro m2 von ca. € 5 auf € 7,16 erhöhte. Der Mietpreis erhöhte sich also beim größten Wohnungsvermieter in Deutschland um über 43 % in einem Zeitraum von 10 Jahren. Im gleichen Zeitraum stieg das durchschnittliche Bruttomonatseinkommen von € 3.227 auf € 3.975. Dies entspricht einer Steigerung von 23 %. Alleine dadurch hat sich schon die Miete zum Einkommen kräftig erhöht, wobei die Steigerung in Ballungsräumen viel höher ausfiel als auf dem Land. Das dies auch für alle Mietwohnungen, hauptsächlich in Ballungsräumen gilt, beleuchtet folgender externer Beitrag.

Man sollte auch nicht vergessen, woher diese 500.000 Wohnungen größtenteils stammen. Weit über 1 Million Wohnungen hat der einfältige Staat – versus ein denkender vorausschauender Staat mit ebensolchen Politikern und Bürokraten – in den letzten Jahrzehnten verkauft. Zur Sanierung der Haushalte war die kindische Begründung. Keiner dieser Politiker und Kämmerer musste für diese perversen Entscheidungen jemals dafür Rechenschaft ablegen, viele Millionen Mieter wurden und werden allerdings bis heute dafür bestraft. Siehe auch:

Was macht der Staat bei Mietwohnungen?

Man kann sagen, dass Mietwohnungen und Mietpreise in Deutschland der gezinkten Marktwirtschaft unterliegen. Der Staat gibt seit Jahren den Vermietern, insbesondere den Großvermietern, eine Steilvorlage nach der anderen und zeitgleich wird Mietern oft das Leben schwer gemacht. Hier einige Beispiele:

  • weit über eine Million Sozialwohnungen wurden seit Anfang 2000 von den Städten zur Sanierung der öffentlichen Kassen verkauft. Das Käufer eine Gewinnerzielungsabsicht haben, die klar auf Kosten der Mieter geht, musste jedem bewusst gewesen sein.
  • Absichtlich wird Bauland von den Ländern/Kommunen knapp ausgewiesen, um die riesigen Preisunterschiede zwischen Ackerland und Bauland einzustreichen. In der Ammerseegegend zum Beispiel kostet Ackerland um die € 10 pro m2. Wird es als Bauland ausgewiesen, sind es auf einmal € 1.000 pro m2! Natürlich ist dies auch nicht anfällig für Bestechung, der deutsche Staatsapparat ist doch unbestechlich 555.
  • Mindestlöhne, die in Ballungsräumen nicht zum Leben reichen (siehe: Mindestlohn Thailand). Dies zieht ein Rattenschwanz nach sich:
    • mehr staatliche Leistungen in Form von Hartz4, Aufstocker, Wohngeld, etc.
    • noch weniger Wohneigentum
    • unglaublich niedrige Renten, die wiederum staatlich subventioniert werden müssen
    • soziales Gefälle nimmt zu (siehe: Die böse Arm Reich Schere, das Märchen der Ökonomie)
  • Luxuswohnungen, die tausendfach von Ausländer (oft Russen und Chinesen) ungehindert gekauft wurden und dadurch die Mietsituation weiter verschlimmert haben (siehe: Bestechung in Thailand oder doch nur Entscheidungshilfe?).
  • Ein Zeitarbeitssektor wurde geschaffen, damit hauptsächlich große Unternehmen, das eigene unternehmerische Risiko an den Arbeitnehmer, ohne Ausgleich, abwälzen können. Fehlende Langfristperspektive bei den 2. Klasse Arbeitnehmer bedeutet vermehrt in Miete leben. Zudem bekommen diese 2. Klasse Arbeitnehmer nur ein 3. Klasse Gehalt.
  • Die Miete für die Mietwohnung kann nicht von der Steuer abgesetzt werden. Jedoch für den Kauf einer Wohnung, um diese an andere zu vermieten, gibt es 1.001 legale Steuertricks und Absetzmöglichkeiten. Auch hier wird das Kapital (Investition in Mietwohnung) gegenüber der Arbeit (in Miete wohnende Arbeitnehmer) bevorzugt.

Seltsame staatliche Abhilfsversuche und deren Konsequenz

Anstelle diese katastrophale und staatsgefährdende Entscheidung zu heilen, glauben unserer Politiker, dass eine mieterfreundliche Gesetzgebung Abhilfe schafft. Der extreme Mieterschutz zeigt sich, abgesehen von der extrem strengen AGB Kontrolle in Mietverträgen, insbesondere daran, dass es kaum möglich ist, einem Mieter wirksam zu kündigen. Dies selbst auch, wenn der Mieter gegen den Mietvertrag verstößt. Selbst tatsächlicher Eigenbedarf kann oftmals nicht durchgesetzt werden.

Potenzielle Vermieter überlegen daher seit geraumer Zeit sehr lange, ob sie überhaupt noch in ein Mietshaus investieren wollen. Ihnen ist natürlich bekannt, dass kaum Chancen bestehen, Problemmieter loszuwerden bzw. dass der Staat Mieten plötzlich reduziert, siehe Berlin.

Günstige Miete im Hongtail im Verhältnis zum Einkommen ist gelebte soziale Marktwirtschaft in Thailand

Die Miete für eine Mietwohnung in Thailand ist im Verhältnis zum Einkommen für Arm und Reich erschwinglich. Ich muss nicht viel über das Luxussegment erwähnen, welches schon alleine dadurch luxuriöser ist als wahrscheinlich in allen Ländern in Europa, da Thailand eine weltmeisterliche Servicekultur hat. Thailand hat das Hongtail für die unteren Einkommensgruppen, welches sich für Mieter und Vermieter rechnet, ganz ohne Sozialstaat und irren Gesetzen. Hier brauch auch der Staat nicht groß einschreiten, da es tatsächlich marktwirtschaftlich organisiert ist und es funktioniert.

Erstickend sind hingegen die Mietpreise in Ballungsräumen für Geringverdiener in Deutschland und das Gegenteil ist der Fall in Thailand. Keine überbordenden und nach idiotischen Regeln lechzenden staatlichen Stellen, aber auch keine Vermieter, die mit unverschämten Gewinnmargen operieren können, da der Staat erfolgreich wirklichen Wettbewerb verhindert. In Thailand, selbst auch in Bangkok, ist der Mietpreis in einem im Hongtail bei niedrigem Lohn selten über 20 % vom Einkommen; zugegeben, dort ist es dann eher ein mehrstöckiges Hongtail. Siehe hierzu auch diese Beiträge:

Hongtail (ห้องแถว) – Thailands Mietpreis Wunderwaffe

Ein Hongtail könnte wohl am besten als Reihenmietwohnung übersetzt werden. Hierbei ist für die Vermietung oft eine gängige Breite von 4 m und einer variierende Länge von 8 bis 15 m üblich. Bei der spartanischen Version gibt es verputzte Mauern, innen oft ohne Farbanstrich und einem einfachen Estrich, auch ohne Farbe. Meist Holzfenster und einfachste Sanitäre Anlagen ohne Fliesen. Die bessere Version hat Fließen, schöne Farben, bessere Fenster, manchmal auch Hitzedämmung auf dem Dach und in der Stadt oft auch mit Klimaanlage. In Thailand lohnt es sich natürlich für den Vermieter bei den niedrigen Mietpreisen nur, wenn er viele dieser Hongtail Wohnungen in Reihe gleichzeitig baut.

Die Mietpreise in Chumphon, im Süden von Thailand, bewegen sich für diese spartanische Kategorie von ca. 40 m2 Mietwohnungen bei ca. 1.000 Baht pro Monat warm (kalt wäre die Bezeichnung bei den Mietpreisen in Deutschland). Hauptsächlich sind die Mieter hier im Süden Thailands Wanderarbeiter aus Myanmar, daher sind gerade bei Fischfabriken viele solcher einfachen Hongtail Wohnungen vorhanden.

Die besseren und längeren Versionen des Hongtail gibt es je nach Lage und Anbindung in Chumphon ab 2.000 bis 3.000 Baht warm (zuzüglich Strom und Wasser). Meine Frau hat auch 2 dieser Mietshäuser mit mehreren Wohnungen. Aufgrund der billigen Baustoffe (siehe: Schaffe Schaffe Häusle baue) bestand ich aber darauf, höherwertig und mit Wärmedämmung zu bauen. Dies hat sich nach meinen Berechnungen mit einer jährlichen Rendite nach Steuern von ca. 10 % mit steigender Tendenz wirtschaftlich gerechnet. Da wir zum einen viele langjährige Mieter haben und zum anderen kaum Leerstand zeigt es aber auch, dass trotz großem Angebot auf Qualität bei Mietwohnungen mit billigen Mietpreisen in Thailand Wert gelegt wird. Für Thailänder im Niedriglohnsektor gibt es eben auch Alternativen.

Warum baut der thailändische Vermieter ein Hongtail?

Die einfachste Antwort darauf wäre wohl, dass es sich für den Investor in Thailand lohnt, in ein Hongtail, einer Wohnungen mit billigen Mietpreisen für Niedriglohnempfänger, zu investieren. Warum klappt dies, also eine günstige Miete im Vergleich zum Einkommen, in Thailand aber nicht in Deutschland? Hierbei gibt es viele Gründe:

  • Es lohnt sich nur für ortsansässige Investoren wegen hoher Umzugshäufigkeit. Ferner wird oft bar bezahlt und oft auch unregelmäßig. Großinvestoren müssten in einen Hausmeister investieren, dies lohnt sich aber aufgrund der bescheidenen Mieteinnahmen nicht.
  • Die fast vollständig fehlende staatliche Regulierung bedeutet Flexibilität für Mieter und Vermieter. Problemmieter sind per Tagesfrist aus der Wohnung und Problemvermieter bekommen keine Mieter, da es ein Überangebot gibt; das System ist dadurch selbstregulierend.
  • Substanzfreier und überbordender Regulierungswahn deutscher Behörden macht Bauen für viele private Investoren unrentabel und teuer. Wie im Beitrag: Schaffe Schaffe Häusle baue beschrieben, ist Bauen in Thailand ziemlich frei von Behörden.
  • Abseits großer Städte gibt es in Thailand kaum einen Unterschied zwischen Land und Bauland. In Deutschland ist die Umwandlung in Bauland gerade wegen des amateurhaften Staatsapparats zum Spekulationsobjekt verkommen. Lustigerweise profitiert gerade der Staat von seinem Monopol, Bauland auszuweisen am meisten.
  • Deutsche Regierungen bevorzugen Großkonzerne, die teils monopolartig Wettbewerb verhindern. Siehe hierzu auch die Beiträge:
  • Deutschland erlaubt jeden Devisenausländern ungehindert Wohnungen in Ballungsräumen zu kaufen, die kaum vermietet werden. Thailand unterbindet dies und lässt so keinen Mangel in Ballungsräumen aufkommen.
  • Zu guter Letzt, vom thailändischen Mindestlohn kann man in Thailand leben und in Deutschland nicht. Deutsche Gesetzgebung sorgt für billige und willige Arbeitskräfte für arme Großkonzerne, während Thailand auf natürliche Art und Weise soziale Marktwirtschaft und Eigenverantwortung betreibt. Siehe folgende Beiträge:

Fazit

Keine vom Staat bevorzugten Großinvestoren, die monopolartig walten können. Kein Regulierungswahn, ein selbstregulierendes System und ein Mindestlohn, der den Namen verdient, hilft Thailand, die Mietpreise unten zu halten. Die Miete im Verhältnis zum Einkommen ist und bleibt, Dank des Hongtail sozialverträglich. Für mich ist dieses System, wie auch vieles andere hier, gelebte Freiheit und eine wichtige Säule einer sozialen Marktwirtschaft.

Wären die Verhältnisse beim Mieten in Thailand wie in Deutschland, wären die Thailänder sicherlich nicht so gut drauf und es würde mir schwerer fallen, mein Leben hier als paradiesisch zu bezeichnen.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.



Kokosnusspalme und Meer

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