Leben in Thailand
Alibaba Werbung, Preise überteuert in Deutschland und billligst in Thailand

Billige Preise in Thailand und teure in Deutschland, nur warum?

Ein Leben in Thailand bedeutet auch, mit einer völlig anderen Wirtschaftspolitik und letztendlich Gesellschaftspolitik, im Vergleich zu Mitteleuropa, zurechtzukommen. Viel habe und werde ich bezüglich letzteren Punkt schreiben, meist zu finden in der Kategorie: Zeitgeistkritik. Aber in diesem Beitrag geht es zudem über die Art zu wirtschaften und zu verkaufen, am Beispiel der Preisgestaltung. Die Wirtschaftsstruktur, Denkweise der Menschen und sicherlich auch die Nähe zu China erlauben es, extrem billigere Preise für gleiche oder ähnliche Produkte zu verlangen. Nur warum ist dies so, dass die Preise selbst kaufkraftbereinigt extrem überteuert in Deutschland / Europa und billigst in Thailand ist?

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Thailand hat günstigere Preise als Deutschland, logisch. Darum geht es aber nicht!

Weder ist Thailand ein Staat, der seinen Bürgern eine Art Vollkaskoversicherung für alle Lebenslagen gibt, noch so ein entsetzlich hoch entwickeltes und modernes Land wie Deutschland. Daher sind nicht nur absolut, sondern auch relativ zum Durchschnittsgehalt, die Preise für einen Großteil des Lebens doch erheblich günstiger. Der überbordende Sozialstaat muss sich natürlich irgendwie in den Preisen für Produkte und Serviceleistungen widerspiegeln.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir insbesondere in Deutschland extrem viel Besitzstand haben. Diesen gilt es für den Inhaber zu wahren und bis aufs Messer zu verteidigen. Die gesamte Gesellschaft hat dafür meist ungefragt teuer zu bezahlen. Eine besitzstandwahrende politische Klasse, die auf dem Stand des letzten Jahrhunderts ihren Status Quo hält, sei Dank. Sie weigert sich mit Händen und Füßen ihre Zunft zu professionalisieren und trägt die Hauptschuld. Wir heißen es sogar für gut, wenn unsere Spitzenpolitiker über ihre jeweilige Materie nichts wissen. Hier ist anzumerken, dass zwar pures Silodenken und Fachidiotentum auch seine Tücken haben – aber zumindest eine gewisse Grundlagenkompetenz in ihrem jeweiligen Fachgebiet wäre schon hilfreich. Auch dadurch sind sie einfach nur beliebig austauschbare Mietmäuler. Eben diese Mietmäuler nennen dies dann eine zu akzeptierende Tatsache der Demokratie. Folgende Beiträge gehen mehr auf diese Gesellschaftspolitik ein:

Beispiele für Besitzstandswahrer und daraus folgend, künstlich überhöhte Preise in Deutschland

Diese irrsinnige Politik treibt die Preise in Deutschland, da oft frei von Mühe und Anstrengung der Besitzstand staatlich beschützt wird. Hier einige Beispiele, die zu den künstlichen überhöhten Preisen führen. Letztendlich hat dies mit Preisgestaltung in einer sozialen Marktwirtschaft nichts zu tun:

  • Die staatliche Verwaltung ist in der Gänze extrem teuer, inkompetent und vollkommen unwirtschaftlich. Ist ein Beamter doch der Inbegriff des Bewahren des Besitzstandes. Würde man anständige Gehälter für kompetente Menschen bezahlen, wären schon mal geschätzt 50 % unserer Beamten, dies entspricht immerhin ungefähr 1 Million, überflüssig. Eine immense Einsparung für die Gesellschaft. Bei gleichzeitiger Professionalisierung und Ausstattung mit Technik des 21. Jahrhunderts, würde dies sogar einen Produktivitätsschub auslösen. Insbesondere die vielbeschworene Digitalisierung könnte hier Wunder leisten.
  • Öffentlichen Rundfunkanstalten (siehe auch: Deutsches Fernsehen in Thailand schauen, geht das?) sind die Weltmeister für staatlich beschütztes Ausgeben von Geld anderer. Der Erfinder der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten, die BBC, hat eine weltweite Reichweite, ist in jeder Hinsicht qualitätsmäßig besser, unvoreingenommener und kommt mit ca. 60 % des deutschen Budget aus. Was die leitenden, völlig überbezahlten Köpfe der Rundfunkanstalten, wiederum Hand in Hand mit dem Staat hier treiben, ist Besitzstandwahren auf sehr hohem Niveau. Alleine schon der Intendant des WDR erhält EUR 400.000 pro Jahr, und damit genauso viel wie Frau Merkels Kanzler- und Abgeordnetengehalt zusammen. Offenbar ist im Öffentlichen Dienst die Leitung des WDR genauso viel Wert wie die Leitung der Bundesregierung. Eventuell finden Sie den Bericht: Die Qualitätsmedien, die nicht schrieben interessant
  • Die Steuerindustrie, die durch künstliche Komplexität, hunderttausenden Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Fachanwälten sowie Unmengen an Finanzbeamten in Deutschland, ein gutes Einkommen gewährt. Dies obwohl bei geringerer Komplexität eine viel bescheidenere Anzahl, zumindest für die normale Einkommenssteuer, notwendig wäre.
  • Absolut überbezahlte Bankangestellte, deren Industrie alles andere als profitabel und innovativ ist, werden seit ewigen Zeiten staatlich besonders geschützt und alle zahlen die Rechnung. Passend der Beitrag: Deutsche Bank, Verbrechen aus Leidenschaft
  • Alle Berufe mit Gebietsschutz – Schornsteinfeger, Notar, Totenindustrie, etc.

Die Konsequenzen dieser Politik sind auch nicht billig

  • Die Autoindustrie, Deutschlands Aushängeschild, wurde erst wegen der ewigen staatlichen Bevorteilung und Schutzmaßnahmen zur Gefahr für die gesamte Wirtschaft.
  • Besonders gut erklärt sich dies am Beispiel der Solarindustrie. Hier sind unsere Mietmaulpolitiker vor Jahrzehnten zu einem intelligenten Subventionsgesetz hin gestolpert ohne es jemals intelligent anzupassen. Die besitzstandswahrende und selbstzufriedene Solarindustrie hat danach Innovationen eingestellt und es den Chinesen überlasen, technisch hochwertige Anlagen zu bauen. Zehntausende deutsche Arbeitskräfte wurden dann nach China umverteilt und deutsche Subventionen helfen bis heute chinesischen Unternehmen.

Besitzstandswahrung für Millionen von Menschen mit meist hohen Gehälter führt zwangsläufig zu künstlich überhöhten Preisen in Deutschland. Dennoch gibt es noch gravierende Unterschiede bezüglich einer aktiven Preisgestaltung, die Deutschland und Europa doch sehr stark von Thailand und Ost- und Südostasien unterscheiden.

Zum Warmwerden, Preise erlebter Beispiele in Thailand

Im September 2020 kaufte ich mir das gerade neu platzierte Apple iPhone SE auf Lazada, Thailands Amazon ähnlichen Onlinemarktplatz. Lustigerweise wurde Lazada mal von einem deutschen Unternehmen gegründet. Heutzutage gehört es aber zu Alibaba, dem mit enormem Abstand größten Onlineunternehmen der Welt. In 2020 hatte Alibaba am „Single Day“, 11. November, 75 Milliarden US$ Umsatz und Amazon an 2 Tagen „Prime Day“, 13. und 14. Oktober, 10 Milliarden US$. Die Preisgestaltung der chinesischen Hersteller ist schon beachtenswert, die der europäischen Händler, die von chinesischen Händlern kaufen, ist eher verachtenswert.

Ich kaufte mir aber mein Handy an einem normalen Tag und zahlte für das Teil mit üblichen Rabatt 10.900 Baht. Im September entsprach dies umgerechnet € 294. Es wurde aber in Deutschland zu dieser Zeit auf Amazon für € 464 angeboten. Immerhin 57 % teurer in Deutschland.

Sogar schweizer Markenhörgeräte werden in Thailand zu weniger als die Hälfte des Preises, inklusive des ganzen Drumherum (Hörtest, Abdruck, Anpassung, Einstellung, etc.) verkauft. Erlebtes Beispiel meiner Mutter in Deutschland und Thailand. Ähnlich auch die Beiträge: Qualität hat nicht ihren Preis und Beton, das bessere Holz

Schnäppchen-Preise in Deutschland sind weiterhin Wucherpreise

Mein Neffe in Deutschland erzählte mir mal im Herbst 2020 ganz stolz, dass er die neuesten AirPods für den sagenhaften Preis von € 120, incl. € 50 Rabatt, bekam. Ich hatte mir fast zeitgleich auf Lazada chinesische Ware gekauft. Nach 3 Monaten ergiebigen Gebrauch, kann ich sagen, die Teile sind 1A. Was habe ich dafür bezahlt? € 3,50 und dies ist kein Schreibfehler.

Eine Computerlesebrille, die Blaulicht herausfiltert für € 0,92 inklusive Versand – die billigste auf Amazon für € 20. Hochwertige Doppelwandgläser zwischen € 0,50 und € 2,5 für 0,2 bis 0,6 Liter Fassungsvermögen – zehnfach und mehr die Preise auf Amazon Deutschland. Mehr oder weniger alle industriell hergestellten Produkte, die meisten kommen aus China, sind in Thailand um ein vielfaches billiger als die vergleichbaren Produkte in Europa, die aber auch aus China kommen.

Mein E-Bike, Chinesische Topqualität

Auf Alibaba habe ich mir Anfang des Jahres 2020 ein E-Bike, noch dazu ein Fatbike gekauft. Mit diesem strampelte ich auch für den Beitrag: Vom Pazifik zum Indischen Ozean und zurück. Immerhin ein 1.000 Watt/48 Volt Motor und 48 Volt/17 Ah Batterie. Ferner hat es Hydraulikbremsen und allerhand anderen nützlichen und nicht nützlichen Schnickschnack.

Das Rad, 2 Akkus, inklusive Seefracht nach Thailand, Verzollung und Anlieferung bei mir Zuhause, im Baan Metawi, kostete insgesamt gut 37.000 Baht. Zum Umrechnungskurs im Januar entspricht dies ca. € 1.095. Seltsamerweise habe ich das gleiche Fahrrad, vom gleichen chinesischen Hersteller in Deutschland für den „Mond“ Preis von € 4.800 gesehen und dies ohne Ersatzbatterie. Wurde dort die Ersatzbatterie für € 600 angeboten, kostete dies auf Alibaba US$ 150. Welche Art der Preisgestaltung liegt hier zugrunde?

Beim Haareschneiden wird es noch deutlicher und teurer

Seit über 30 Jahren war ich in Deutschland nicht mehr beim Friseur. Die letzten 11 Jahre lebe ich ohnehin in Thailand und gehe hier ca. 10 im Jahr zum Barbier. Die 20 Jahre vorher war ich jährlich mehrmals in Asien, daher immer mit Haareschneiden verbunden. Warum habe ich dies getan? Schon vor 30 Jahren empfand ich für 15 Minuten Arbeit den Preis ohne Waschen von 15 Mark in Deutschland zu viel. Heutzutage wird es unter € 20 schon schwer. Ganz zu schweigen von der typisch deutsche Eigenart, einen Termin fürs Schneiden machen zu müssen.

Der Barbier hier braucht für einen Haarschnitt ca.10 Minuten, sollte noch Rasieren und Ohrenpflege dazukommen, dann eben 20 Minuten. Zwischen 50 und 70 Baht kostet das Schneiden, also um die € 2. Jedoch das 10-fache kostet es für einen Allerweltsschnitt in Deutschland. Selbst kaufpreisbereinigt kostet es immer noch zwischen den 2 und 4-fachen Preis. Ganz zu schweigen von der erbärmlichen Bezahlung von angestellten Friseuren in Deutschland. Hingegen hat in Thailand der Barbier gutes Mittelmaß beim Gehalt. Trotz Ausbeutung der Angestellten im Niedriglohnsektor in Deutschland, zahlt man durchschnittlich das 10-fache, warum? Welche Preisgestaltung und welches Menschenbild liegt hier eigentlich zu Grunde?

Profit durch hohe Preise oder durch viele Kunden?

Letztendlich ist jeder Unternehmer in der Preisgestaltung ziemlich frei. Ob einen Unternehmensgewinn durch hohe Preise, d.h. hohe Margen aber wenig Kunden oder niedrige Preisen aber viele Kunden erzielt wird, entscheidet der Unternehmer. Hier ein paar typische Beispiele: Europäische Juweliere verkaufen wenig aber mit atemberaubenden Margen, die auch mal bei einigen tausend Prozent liegen. Asiatische Juweliere verkaufen ihr Zeug zum tagesaktuellen Goldpreis, zuzüglich 1 bis 2 Prozent für die Handwerkskunst. Europa hat wenig Kunden, Asien hat viele, von arm bis reich. Im Übrigen wird Goldschmuck auch als Notgroschen gesehen, der immer zu aktuellen Tageskursen verkauft werden kann, versuchen Sie dies in Deutschland, Sie werden Ihr blaues Wunder erleben.

Deutsche Restaurants verkaufen vielleicht nicht mit 1.000 Prozent Marge aber einige 100 sind insbesondere bei den Getränken schon drin. Die Restaurantdichte in Deutschland ist gering, so auch die Anzahl der Kunden, die regelmäßig Essen gehen. Thailand hat mit die höchste Anzahl an Restaurants auf der Welt und jeder Thailänder geht meist täglich einmal zum Essen. Bei Imbissen ist manchmal der Preis geringer als Selbstgekochtes und trotzdem rechnet es sich für den Betreiber, aufgrund der Preise im Großhandel und der hohen Anzahl von Kunden. So verhält es sich auch beim oben beschriebenen Barbier, oder bei Massagen oder oder oder.

Zu alledem kommt noch, dass staatlich sanktioniertes Besitzstandwahren dazu führt, dass in vielen Bereichen der angeblichen Marktwirtschaft kaum Wettbewerb vorhanden ist. Apotheken, Hörakustiker, Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Tankstellen, Stromversorger, Krankenkassen, etc. All diese Berufe genießen eine Planwirtschaft, die Innovation und billige Preise durch fehlenden Wettbewerb verhindert. Soziale Marktwirtschaft ist fast das Gegenteil davon.

Warum aber auch bei industriell hergestellten Produkten?

Logisch, China ist billiger, jedoch eine große Fülle an Produkten kommt auch in Europa aus China und trotzdem sind die Preise überirdisch. Ich hätte kein Problem mit vielleicht 50 bis 100 Prozent Aufschlag für mein oben genanntes E-Bike in Deutschland. Längerer, daher teurerer Transport, höhere Einfuhrumsatzsteuer, höhere EU Auflagen und höhere Lohnkosten für den innerdeutschen Transport aber weit über 400 % teurer? Eine Preispolitik die eigentlich abschreckt? Es schwächt die Wirtschaft im Ganzen, verhindert Wettbewerb und Innovation, da Kunden es nolens volens akzeptieren und oft eben lieber verzichten. Auch treibt es die Spaltung einer Gesellschaft voran, da viele Produkte durch überhöhte Preise einer ganzen Käuferschicht vorenthalten bleiben. Eine funktionierende soziale Marktwirtschaft lebt aber gerade von diesen Punkten.

Früher habe ich mich schon immer gewundert, warum deutsche Autos in den USA viel billiger verkauft werden als in Deutschland. Letztendlich ist die ziemlich flapsige aber, wie ich meine, richtige Antwort: Der Deutsche hat es sich gefallen zu lassen, da Mietmäuler ohnehin mehr die Großunternehmen als den Bürger beschützen. Dies ist die Folge, wenn man absurden Geldlobbyismus durch Unternehmen und deren Mittelsmänner erlaubt und das Ganze nicht als Bestechung und Korruption definiert. Covid-19 hat dies bei den Staatshilfen wieder eindrucksvoll gezeigt. Siehe auch:

Für Preise ist Asien oftmals eine schöne neue Welt

Es ist oftmals ein Traum in vielen Ländern Asiens und insbesondere in Thailand einzukaufen. Unternehmer verlangen oft sozial verträglichere Preise und erhöhen ihren Gewinn dann durch eine hohe Anzahl verkaufter Produkte. Dazu kommt natürlich auch, das Großunternehmen hier nicht so schamlos vom Staat beschützt werden wie, insbesondere in Deutschland.

Wollen Sie das Leben hier auch mal erleben. Ist Auswandern oder Überwintern nach Thailand ein Herzenswunsch von Ihnen. Nachfolgende Beiträge sollten Ihnen die Entscheidung leichter machen:

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

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