Leben in Thailand
Soloselbständig Tuk Tuk Cafe Chumphon

Soloselbständige, Thailands Geheimwaffe gegen Arbeitslosigkeit

In Thailand gibt es den informellen bzw. unregulierten Wirtschaftssektor, der für die meisten Touristen allgegenwärtig ist. Meist sind es in der Tat Soloselbständige in Thailand, die Ihnen Obst oder ein leckeres Reisgericht auf der Straße verkauft haben. Am Strand sind es die „Dies und Das“ Verkäufer oder Masseurinnen und dann natürlich die vielen fahrenden Händler, die mit ihrem umgebauten Moped mit Beiwagen, auf Thailändisch: „Saläng“ (ซาเล้ง), fürs leibliche Wohl sorgen. Ich empfehle Ihnen hierzu auch die Beiträge: Corona Hilfe: Eine App in Thailand, die sogar funktioniert und Gong Xi Fa Cai! Oder so ähnlich

Soloselbständige sind meistens Handwerker in Thailand, viele davon einfache Tagelöhner aber auch deren Chefs. Unzählige Tante Emma Läden, kleine Gärtnereien, unsere Haushälterin, die Marktfrauen aber auch manchmal Marktmänner und die unzähligen Nachtmärkte in Thailand bestehen aus einem Sammelsurium an Soloselbständigen. Oft ist die Selbständigkeit auch nur ein Nebenjob, der aber bei vielen mehr Einkommen generiert als die eigentliche Hauptbeschäftigung. Mehrere bebilderte Beiträge kann ich Ihnen hierzu empfehlen:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Was bedeutet Soloselbständig in Thailand und was macht es zur Geheimwaffe?

Freiberufler in Deutschland können sicherlich ein Lied davon singen, mit welchen administrativen Aufwand Soloselbständige zu kämpfen haben. Sind sie erfolgreich, möchte das Finanzamt auch ganz schnell seinen Anteil. Können Sie nicht erfolgreich sein, zum Beispiel während der Covid-19 Pandemie, dann bekamen viele für lange Zeit keine staatliche Hilfe.

In Thailand bedeutet soloselbständig zu sein in erster Linie, keine Steuern oder sozialen Abgaben zahlen zu müssen. Ein Privileg, welches Deutschland nur einigen Großkonzernen gewährt. Es bedeutet auch, keine Buchführungspflicht, keine Anmeldungen, keine Leistungsprüfungen und eigentliche kaum Schnittpunkte mit der staatlichen Verwaltung haben zu müssen. Im Gegenzug gibt es aber auch kein Arbeitslosengeld, welches in Thailand ohnehin nur für wenige Monate bezahlt wird. Da jeder Thailänder automatisch auch krankenversichert ist, können sich diese Unternehmer voll und ganz aufs Geldverdienen konzentrieren. Es ist ein typisches Same Same but different Thema und in ganz Südostasien hat es Vorbildcharakter.

Ich kann es lange beschreiben, aber schauen Sie sich mal über die letzten 30 Jahre die Arbeitslosenquote in Thailand an. Selbst von der aus Thailand ausgehenden Asienkrise war die Quote nie über 3,5 % und in den letzten 10 Jahren gar immer unter 1 %.

Arbeitslosenquote Thailand

Wer jetzt an geschönte Zahlen denkt, sollte gut recherchieren. In der Tat, sind wir geschönte Arbeitslosenzahlen in Deutschland gewöhnt. Die offizielle deutsche Definition schließt alle Arbeitslosen ab 58 aus, wie auch Kranke, Personen in Weiterbildung, 1 Euro Jobber und es gibt viele andere offizielle Schlupflöcher um die amtliche Statistik schöner ausschauen zu lassen.

Wer zahlt in Thailand Steuern?

Erst ab 25.000 Baht Monatseinkommen müssen Steuerformulare ausgefüllt werden. Dies ist ungefähr das 2,5 fache des Mindestlohns und selbst davon kann man aber in Thailand leben. Siehe hierzu die Beiträge:

Auf Deutschland übertragen würde dies bedeuten, dass eine Steuerpflicht eigentlich erst so ab knapp € 3.000 beginnt. Gerade Soloselbständige in Deutschland mit nicht hohem Einkommen aber oftmals hohem Arbeitsaufwand müssen eine gar nicht unerhebliche Zeit für staatliche Administration aufbringen und auch gar nicht wenig Steuern und andere Abgaben zahlen. Zusätzlich muss für die meisten Tätigkeiten zumindest eine oder gar mehrere Genehmigungen von diversen Behörden im Vorfeld eingeholt werden.

Thailand gruppiert Soloselbständige, die keine Steuern zahlen, in den unregulierten Wirtschaftssektor. Deutschland hat ein lustiges Wort dafür: Schwarzarbeit, siehe auch Bestechung in Thailand oder doch nur Entscheidungshilfe? Es kriminalisiert diese und wen wundert es, dass dies für viele abschreckend wirkt. Daher ist es keine Überraschung, dass sich viele dann doch lieber dem Sozialstaat, der Lebensvollkaskoversicherung, zuwenden, anstelle sich proaktiv um den Lebensunterhalt zu kümmern. Deutschland beschützt lieber Großunternehmen und gewährt diesen unfaire Vorteile gegenüber dem 08/15 Bürger; soziale Marktwirtschaft für Privilegierte eben. In der Tat durfte ich lange die staatlichen Vorteile dieser Privilegierung genießen, daher weiß ich ganz gut, wovon ich schreibe.

All diese Hürden fallen beim thailändischen Soloselbständigen weg und ist für diesen ein immenser Vorteil. Da es für den Thailänder normal ist, könnte man auch sagen, Soloselbständige in Deutschland haben einen immensen Nachteil. Trotz fehlender Besteuerung sind die Steuereinnahmen des thailändischen Staates gar nicht wenig. Wieviel und woher diese kommen, können Sie in diesem Artikel der Bangkok Post lesen.

Auch unsere Kinder sind mal schnell soloselbständig

2 Monate große Ferien in 2019, 3 schulpflichtige Kinder, davon 2 über 15 … was tun? Ich schlug den beiden älteren vor, sich doch eine Ferienbeschäftigung zu suchen, da ab 15, ähnlich wie in vielen europäischen Ländern auch, eine Beschäftigung – mit besonderen Auflagen – grundsätzlich möglich ist. Gesagt, nicht getan, da die thailändischen Unternehmen fast alle unter 18-jährige für Teilzeitbeschäftigung ausschließen. Also machte ich mir den Spaß, den offiziell zwei Ü15 – inoffiziell wurde der 8-jährige Neffe auch daran beteiligt – Unternehmertum näherzubringen. Sie sollten sich einen Unternehmenszweck, nebst Planung, Buchhaltung, Kassensturz, Einkauf, Vertrieb, etc. überlegen.

So motiviert man soloselbständige Jungunternehmer in Thailand

Schnell war klar, dass sie einen Laden am Fronteingang unseres Hauses aufmachen. Wachtelspiegeleier, Instant-Nudelsuppe, Omelett auf Reis, Toast mit Marmelade und Getränke wurden billigst verkauft. Alles wurde in einer Exceltabelle erfasst. Schlichen sich anfangs noch mehr Fehler ein, wirkte es nach 2 Monaten Sommerferien schon recht professionell.

Ich dachte nicht wirklich an einen großen Profit, aber am Ende hatten die zweieinhalb Unternehmer beachtliche 12.000 Baht Gewinn. Viel mehr als sie mit einer Ferienarbeit zu zweit hätten verdienen können. Zudem lernten Sie viel über das Leben eines Unternehmers. Es war für alle ein voller Erfolg. Die Entscheidung für den Laden fiel binnen Tagesfrist, keine Behörden, keine Steuern, keine Abgaben und auch keine Genehmigungen – alles vollkommen legal.

Das Gegenbeispiel ist Sohn Nummer 1, er studiert in Passau und hat einen ca. € 500 Nebenjob und bekommt kein Bafög oder ähnliches. Er muss aber bereits dafür Sozialabgaben zahlen, immerhin rund 10 Prozent. Die Miete nebst Nebenkosten macht für seine 35 m2 schon knapp € 450 aus. Er hat keinen Anspruch auf staatliche Leistungen. Selbst Hartz 4 wäre nicht möglich, denn um dieses zu bekommen, müsste er dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und könnte somit nicht mehr studieren – soziale Marktwirtschaft eben.

Meine Schwiegermutter mit ihrem Tante Emma Landen ist soloselbständig, auch der Schwager mit seinem Schülerfahrdienst und je nach Laune auch meine bessere Hälfte, die ab und an gerne schöne Tücher online und auf Märkten verkauft. Nachfolgend ein paar Fotos typischer Soloselbständige in Thailand.

Durch diese Politik gibt es ein wirtschaftlich äußerst erfolgreiches Dreiergespann. Lesen Sie hierzu auch die Beiträge:

Was ist besser: Hartz 4 in Deutschland oder Soloselbständige in Thailand?

Die Antwort sollte eigentlich klar sein. Deutschland gab 2019 über 6 Milliarden Euro für die Verwaltung der Jobcenter aus und Rückforderungen bei Hartz 4 gerade im kleinen Bereich sind oftmals geringer als die zugrunde liegenden Verwaltungskosten, siehe FAZ. Wer soll hierbei motiviert werden? Gerade bei Mindestlohnempfänger die Vollzeit arbeiten, kann oft erheblich weniger herauskommen, als der Hartz 4 Satz, da bei Hartz 4 auch die Wohnung bezahlt wird. Dies ist gerade in Ballungsräumen ein nicht unerheblicher Faktor. Lesen Sie dazu auch die Beiträge:

Da Thailand keinen überbordenden Sozialstaat hat, lebt es die von deutschen Mietmaulpolitikern oft geforderte Devise: „Fördern und Fordern“ in anderer Weise perfekt vor. Das System fordert von Thailändern Eigeninitiative und die Förderung besteht darin, dass der Staat sich vollständig bis zum ca. 2,5 fachen des Mindesteinkommens mit Steuer- und anderen Abgabeforderungen zurückhält. Das nenne ich gesunden Menschenverstand und der Erfolg gibt Thailand recht.

Viele Vollbeschäftigte sind auch nebenbei Soloselbständige in Thailand, davon auch sehr viele gut bezahlte Beamte. Das Tolle an diesem System, die Gewinne der Nebentätigkeit werden auch nicht auf das Gehalt der Vollbeschäftigung aufaddiert, um dann noch mehr Steuern zahlen zu müssen. Den Progressionsvorbehalt kann sich nur eine deutsche, völlig fehlgeleitete Bürokratie ausdenken.

Wenn Sie dann noch die klasse Infrastruktur – Straßen, Krankenhäuser, Geschäfte, Verkehr, etc. – sehen, dann fällt es einem schon schwer, Thailand – aus Sicht Europas – als Entwicklungsland zu sehen.

Matt als Comic Freude

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… das Lebensmotto schlechthin für den „Thai way of life“


Kokosnusspalme und Meer

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