Leben in Thailand
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Büro ade, es lebe entfesseltes Arbeiten, aber?

Haben Sie die Begriffe „Workation“ oder „Digitale Nomaden“ schon gehört? Es bedurfte schon einer Pandemie, um der Welt die Augen fürs Arbeiten aus dem Homeoffice zu öffnen. Selbst in Deutschland, wo die Internetabdeckung auf dem Leistungsniveau seiner Politiker ist, hat man auf Arbeitgeber- und -nehmerseite festgestellt, dass Büroarbeit nicht unzertrennlich mit Arbeiten im Büro verbunden ist. Die unsägliche Work Life Balance kommt endlich zu Gunsten des Lebens in eine Schieflage. Arbeiten von überall verspricht entfesseltes Arbeiten, ein Lebensabenteuer mit zu erwartenden drastischen Konsequenzen.

Bei mir hat sich auch das mobile Büro auf dem Fahrrad herauskristallisiert, daher bin ich dann wohl ein mobiler digitaler Nomade, der auf dem Fahrrad eine Workation betreibt. Viele Anfragen zum Überwintern und Auswandern auf Baan Metawi beantworte ich während ich strample. Selbiges für diesen Blog, da E-Mails stetig steigen. Mein mobiles Fahrradbüro hilft mir viel mehr Zeit fürs Faulenzen, Muse oder zeitaufwendiges Liegen in der Hängematte zu haben ;-). Meine Work Life Balance war schon immer zu Gunsten des Lebens in einer angenehmen Schieflage. Keine Angst, unsere Straßen am Golf von Thailand sind nicht nur hervorragend ausgebaut, sondern meist kaum befahren, speziell die Küstenstraßen und die sind auf Bilderbuchniveau. Da lässt es sich vortrefflich ortsunabhängig im mobilen Homeoffice als digitaler Nomade arbeiten 😉 Hier ein paar passende Beiträge zur Einstimmung:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 15 Minuten

Work Life Balance – ein seltsamer Quatsch

Im Besonderen die Menschen in den D A CH Länder (Deutschland (D) Österreich (A) Schweiz (CH)), aber auch viele nordeuropäische Nachbarn lieben die örtliche Trennung von Privat (Life) und Beruf (Work), also von arbeiten und wohnen in einem. Der Modebegriff Work Life Balance ist in aller Munde und suggeriert, dass Arbeiten (Work) nichts mit Leben (Life) zu tun hätte; was für eine dumme Vorstellung. Eine Mischform von Wohnen und Arbeiten wollen sich viele Europäer nicht antun, daher dann der seltsame Trend zur Work Life Balance. Beim Wohnen soll es leise sein, ohne die störenden Geräusche, die Arbeiten und der Handel machen. Die Anzahl der Anrufe bei der Polizei wegen Ruhestörung sind insbesondere in Städten weltmeisterlich.

Asiaten hingegen definieren all dies nicht als Lärm, sondern Geräusche, die das Leben so mit sich bringt. Das quirlige Treiben lieben auch die Europäer, wenn sie ihren Urlaub in Asien verbringen. Wieder im Heimatland angekommen ist dann wieder Ruhe angesagt. Work Life Balance ist ein dummer Begriff aus dem Abendland und fast völlig unbekannt in Südostasien. Aber Digitale Nomaden kennt man hier, da es doch hauptsächlich Abendländer in die exotischen Länder Südostasiens zieht. Warum eigentlich, gibt es denn im Abendland nicht auch vollumfänglich lebenswerte Gegenden? Oder denken sich Abendländler, dass Asiaten so arm sind und sich Europa nicht leisten könnten? Siehe auch: Südostasien, was bedeutet dies eigentlich?

Das Shophouse in ganz Südost- und Ostasien, siehe: Shophouse, ein Katalysator für die Wirtschaft, hat auch viel damit zu tun, dass das Homeoffice augenscheinlich in Asien noch nicht so stark verbreitet ist. Seit über 100 Jahren gibt es diese geniale Erfindung und gerade in der kommenden Zeit dürfte das Haus für Leben und Arbeiten noch attraktiver für Asiaten werden.

Was machen und denken andere über Homeoffice?

Bleisure, siehe FT und BBC, ein Kunstwort aus Busines and Leisure, also Geschäftsreisen und Freizeit zu kombinieren, scheint stark wachsend zu sein. Quasi eine Vorstufe zur ortsunabhängigen Arbeit, dehnt es die Dienstreise mit Urlaub bzw. Freizeit aus. Die noch gedehntere Form nennt sich dann: Workation, eine lustiger Begriff aus Work und Vacation, also Arbeit und Urlaub. Thailänder sind da wohl gut dabei, da selbst der Premierminister Workation für Thailänder empfahl. Das Endziel ist natürlich ortsunabhängige Arbeit vom weltweiten Homeoffice aus. Dies sehen einige aber kritisch.

Im Handelsblatt vom 18.9.22 versucht zwar eine Lobbyistin verbissen zu erklären, warum in Zukunft noch mehr Büroimmobilien als vor der Pandemie benötigt werden, aber die Argumentation ist schon sehr löchrig. Es hat einen Grund, dass der Boom zum Homeoffice und ortsunabhängiger Arbeit nach der Pandemie nicht wirklich enden möchte. Südostasiatische Länder führen neue Visa für eben Digitale Nomaden und gut betuchte Ausländer ein und einige bekannte US Unternehmen gewähren doch nicht aus Barmherzigkeit flexiblere Arbeitsmodelle.

Zum Beispiel können Airbnb Angestellte an jedem Ort in Ihrem Heimatland und an 90 Tagen auch in einem Land, in dem das Unternehmen vertreten ist, arbeiten. Von Dropbox Mitarbeitern wird erwartet, dass sie 90 % ihrer Arbeitszeit nicht im Büro verbringen. Nur Musk besteht auf Anwesenheitspflicht im Büro und meinte noch: Wer sich nicht im Büro blicken lässt, von dem nehmen wir an, dass er gekündigt hat. Apple hingegen besteht nur auf 3 Tage Arbeit pro Woche im Büro, ansonsten ist Homeoffice, anscheinend völlig ortsunabhängig angesagt.

Wie definiert sich Arbeit

Als ich noch für Geld in einer Bank arbeitete, hatte ich es nie verstanden, warum Arbeitgeber besessen wissen wollen, wie lange, was, wann, wer, wo gemacht hat? Warum sollte eine Dienstreise zum Ergebnis für das Unternehmen primär von Interesse sein und nicht das Ergebnis der Reise selbst? Wenn ich meine Jahresziele binnen Ende Januar erfülle, dann erwartet mich 11 Monate Urlaub, bzw. falls gewünscht, monetäre Anreize meist in Form von Boni um noch mehr Kohle zu machen. So hielt man sich seine Angestellten zu meiner Zeit im Hamsterrad bei Laune. Vielleicht empfinden Sie dies extrem, aber genau so habe ich 2 Jahrzehnte für Geld gearbeitet.

Ohne Büroanwesenheitspflicht und elektronischer Überwachung muss die Leine ohnehin viel länger werden und Zielerfüllung verwandelt sich mehr und mehr in Auftragserfüllung, was letztendlich eine Wandlung vom Arbeitnehmer zum Soloselbständigen, also Digitalen Nomaden darstellt. Nicht über Nacht, aber kommen wird es.

Ich vermute, dass auf lange Sicht nur die Arbeitgeber / Auftraggeber eine Zukunft haben, die zum einen die Zielerfüllung und nicht das Drumherum als Nonplusultra sehen. Zum anderen bedingt dies, dass es keine formellen Einwände seitens des Arbeitgebers für ortsunabhängige Arbeit, also weg vom Büro ins Homeoffice von irgendwo, geben kann und wird. Dies macht dann auch die blöde Work Life Balance überflüssig, da Sie ja ortsunabhängig, zum Beispiel vom Homeoffice am Golf von Thailand, arbeiten. Die Work Life Balance verwandelt sich dadurch in eine Life Life Balance, die eben auch Arbeit beinhaltet. Googeln Sie doch mal nach Workation oder Digitale Nomaden in Thailand, Sie werden über die hohe Anzahl überrascht sein.

Wenn natürlich reisen, dann auch natürlich arbeiten

Ein Indiz für eine dauerhafte Wende ist das Wohnmobil, welches mit der Pandemie einen noch nie dagewesenen Höhenflug bei den Verkaufszahlen vorweist. Wenn also Camping und Wohnmobil so ideal zum Zeitgeist passen, warum sollte dann Homeoffice z. B. in Thailand nur eine vorübergehende Randerscheinung sein? Ob tatsächliche Nomaden mit dem fahrenden Haus oder digitale Nomaden mit dem Homeoffice, also Büro von überall, in der Begründung gibt es keinen Unterschied. Das Wohnmobil wie auch Überwintern war früher mit einem Rentner-Image behaftet. Beim Ersteren gibt es seit 2020 einen Imagewandel und Überwintern heißt zukünftig: Work Live Balance durch Longstay Workation.

Befeuert wird dieser Trend auch durch die Gas- und Stromkrise insbesondere in Deutschland. Reiseveranstalter vermarkten seit August 2022 quasi Pakete zum Überwintern für ein Workation. Warum? Um bei den horrenden Preisen für Strom und Gas in Deutschland zu sparen, da ein Aufenthalt in tropischen Ländern, wie zum Beispiel Thailand, durch die während der Heizperiode ersparten Energiekosten im Heimatland bezahlt wird.

Workation wird bei vielen Reiseveranstalter als Langzeitaufenthalt im Hotel beworben. Hierbei kann ich die Kundschaft, wenn es diese denn in nennenswerten Zahlen überhaupt gibt, ganz und gar nicht verstehen. Wie kann man über Monate in einem Hotel leben und auch dort arbeiten wollen, egal wie viele Sterne es hat? Wenn schon Workation, dann doch dort wo die Einheimischen leben und nicht in einer künstlichen Hotelblase. Siehe auch: Warum ist Auswandern nach Thailand ungleich Urlaub machen?

Ein Kalauer zum Homeoffice, Workation und ortsunabhängiger Arbeit

Im Handelsblatt vom 28. September 2022 steht unter der Überschrift „Flucht vor den hohen Energiepreisen“ zum Thema Workation der beste Witz seit Jahren:

Wer aus dem Ausland arbeiten will, sollte unbedingt darauf achten, dass er die dafür passende Infrastruktur hat. Den Laptop am idyllischen Strand aufzuklappen, wie es manche Werbung suggeriert, ist häufig sinnlos. Denn es fehlt eine Internetverbindung, ganz zu schweigen von der Energieversorgung.
Handelsblatt, 28.09.2022

Für mich ist dieser Satz zwar richtig, da ich weiß, dass Deutschland eine entsetzliche Internetabdeckung und im Moment keine sichere Energieversorgung hat, aber im Artikel ist das Gegenteil gemeint. Es wird suggeriert, dass Länder mit idyllischem Strand unterentwickelt sein müssen. Ist dies eigentlich nicht ein wenig rassistisch zumindest aber entsetzlich dumm? Jedenfalls kann ich als Digitaler Nomade von Chumphon, am Golf von Thailand, mit dem Boot übers offene Meer nach Koh Tao, Koh Phangan oder Koh Samui fahren, während ich die ganze Fahrt über schnelles mobiles Internet habe, um tatsächlich ortsunabhängig zu arbeiten. Versuchen Sie doch mal Workation vom Bayrischen Wald aus zu machen, dies geht eigentlich nur mittels Rauchzeichen. Siehe auch:

Ausblutende Innenstädte

Letztlich gibt es die Vorboten für weg vom Brick (Ziegel) Geschäft und hin zum Klick Geschäft schon seit der Jahrtausendwende. Asien, insbesondere Thailand hat bisher einen 3 beinigen Spagat zwischen Innenstadtgeschäfte, Shoppingmalls im Zentrum und auf der grünen Wiese sowie den Onlinehandel hervorragend hinbekommen. In Touristenorten in Thailand allerdings zeigte Covid-19 ganz anschaulich, wie Malls vorübergehend geschlossen wurden, weil deren größte Käufergruppe, die Touristen, ausblieben.

Geschäfte in europäischen Innenstädten hingegen wurden in vielen Ländern schon vor der Pandemie aufgegeben und ein ähnliches Ende ereilt nun auch mehr und mehr die Malls. Ich finde es eigentlich eine logische Konsequenz, dass hin zur Onlinewelt auch bedeutet, weg von Büros und dem Angestellten vom letzten Jahrhundert. Warum dies in Asien nicht so heftig ausfallen wird, ist ganz einfach: Asiaten hatten viel weniger Trennung zwischen Privat- und Geschäftsleben. Siehe auch oben im Absatz Work Life Balance.

Gibt es noch eine Zukunft fürs Büro?

Preise und Bautätigkeit für Büroimmobilien fallen nicht so stark, wie von mir erwartet. Es ist aber auch ein verzögerter Indikator, da Entscheidungen für den Bau bzw. Anmieten großer Büroimmobilien teilweise schon vor der Pandemie getroffen wurden. Sollte sich Deutschland mal entschließen, für die Digitalisierung auch in ein flächendeckendes schnelles Internet zu investieren, wird es meiner Meinung noch maximal ein Jahrzehnt dauern, bis der Leerstand der Immobilien in Städten stark steigen wird. Eventuell werden diese auch als Wohnimmobilien umgebaut, aber dazu bräuchte man ja einen denkenden und flexiblen Staatsapparat – also eher nicht. Hierzu passen diese Beiträge gut.

Die ortsunabhängige Arbeit wird auch für fallende Mieten in Innenstädten sorgen und Pendler werden früher oder später zu Exoten in Zeiten des Homeoffice und Digitaler Nomaden. Der Blick in meine Kristallkugel sagt mir aber auch, dass es Länder geben wird, bei denen große Konzerne keine Zukunft mehr haben, da Digitale Nomaden so überhaupt nicht mit einem 08/15 Angestellten kompatibel sind. Nur Deutschland wird mal wieder mit seinen politischen Mietmäulern die Vorherrschaft der Konzerne so lange wie möglich verteidigen; soziale Marktwirtschaft für privilegierte Großkonzerne eben.

Wenn das Kapital auf politische Mietmäuler trifft

Deutsche Politik ist dem Kapital verpflichtet und ganz besonders den großen Konzernen. Verkrampft wird seitens des Kapitals aus Beton, der Immobilienbranche, versucht, Homeoffice als unproduktiv darzustellen und digitale Nomaden als Spinner.

Im Deutschlandfunk darf man lesen, dass die Begrifflichkeit wichtig sei, typisch Deutsch natürlich. Auch beschreibt der Artikel die Weisheit, dass LKW Fahrer eher doch nicht im Homeoffice arbeiten können. Dann noch eine Ethnologin, die Digitale Nomaden wohl mit Nomaden verwechselt und eigentlich völlig das Thema verfehlt. Aber es sollte ja zur angeblichen Illusion der selbstbestimmten Arbeit passen.

Seit 2015 (siehe Statista) lag das jährliche durchschnittliche Transaktionsvolumen bei Gewerbeimmobilien bei schlappen € 60 Milliarden. Meine sehr grobe Schätzung für alle Büroimmobilien in Deutschland belaufen sich auf mindestens € 2 Billionen, also € 2.000 Milliarden. Diese 2 Billionen haben eine finanzstarke Lobby bei den politischen Mietmäuler und insbesondere die aus Deutschland kommenden fühlen sich schon sehr diesem Geld verpflichtet, siehe auch: Deutsche Bank, Verbrechen aus Leidenschaft. Wenn es also mit dem Homeoffice und der ortsunabhängigen Arbeit so weit kommt, dass die Leerstände in den Büros keine Milliarden Boni mehr zulassen, dann werden sehr schnell Gesetze geschaffen, deren Text von der Immobilienindustrie für die politischen Mietmäuler geschrieben werden wird.

Frankfurt, wo Büroimmobilien so schön gen Himmel wachsen, hat jetzt schon ein wenig das Nachsehen. Die allermeisten Jobs dort sind tatsächlich fürs Homeoffice geeignet. Was wird dann in Zukunft aus diesen Hochhausruinen?

Ortsunabhängig – Arbeit mit drastischen Konsequenzen

Wie vieles im Leben gibt es auch beim Homeoffice zwei Seiten einer Medaille. Es ist zwar richtig, zurzeit gibt es wohl mehr offene Stellen als Arbeiter und Angestellte, aber viele dieser offenen Stellen eignen sich nicht fürs Homeoffice. Ortsunabhängige Arbeit ist schlecht in der Kranken- und Altenpflege oder als Handwerker, Fließbandarbeiter oder im Hotel möglich.

Auf der einen Seite können alle Berufstätige, die Homeoffice machen können, grundsätzlich ortsunabhängig arbeiten. Sicherlich gibt es sehr viele Punkte, wie Versicherungsschutz im Ausland, Betriebsstättenproblematik, Datenschutz, soziale Anbindung, etc. zu klären, aber Digitalen Nomaden werden in Zukunft stark zunehmen, da es tatsächlich ein sehr ansprechendes Lebensmodell sein kann. In der Masse werde diese natürlich von ihrem Heimatland aus ihrem Homeoffice aus arbeiten. Dann entfällt entweder das Pendeln oder die völlig überteuerten Kauf- und Mietpreise in den Ballungszentren werden fallen.

Dies führt unweigerlich zu starken Verschiebungen im Immobiliensektor, der sich wie eine Lawine, auf viele andere Industriezweige ausbreiten wird. Zum Beispiel sind hunderte Milliarden Euros in Immobilienfonds investiert, die eigentlich mit potenten Mietern ausgestattet waren, die aber jetzt die Büroflächen nicht mehr vermietet bekommen. Auf der anderen Seite …

… die gewonnene Freiheit gilt auch für Unternehmen

Lufthansa möchte fliegendes Personal aus dem teuren Haustarif in Billigtöchter mit schlechterem Tarif verpflanzen. Warum hat das Management es eigentlich in der Vergangenheit zugelassen, dass fliegende Busfahrer und Bedienungen so übertrieben hoch bezahlt wurden?

Outsourcing und Offshoring machen schon seit Jahrzehnten von sich reden. Im IT Bereich wurde viel nach Indien verlagert oder Bekleidung wurde in Bangladesch viel billiger produziert als in Europa. Letztendlich ist dies nichts anderes als Arbeitsplätze aus dem Heimatland ins Ausland zu verbannen. Bisher funktionierte dies nur, wo es sich lohnte, eine ganze Fabrik bzw. Produktionslinie ins vermeintlich billigere Ausland zu verlagern oder outzusourcen.

Die Pandemie scheint zwar für Angestellte im Büro befreiend zu sein, da Homeoffice eigentlich nur bedeutet, dass keine Anwesenheitspflicht im Büro herrscht. Aber das Homeoffice bedeutet ortsunabhängige Arbeit und kann daher grundsätzlich überall sein. Diese gewonnene Freiheit gepaart mit dem Mangel an Arbeitskräften gibt Angestellten erstmals mehr Verhandlungsmacht.

Es wird aber nicht mehr lange dauern, dann drehen Unternehmen großflächig den Spieß um. Homeoffice bedeutet dann auch, dass ein Unternehmen sich seine Bürokräfte auf der ganzen Welt suchen kann und nicht importieren muss. Was für den Fabrikarbeiter schon lange gilt, ist in Zeiten des Homeoffice für Angestellte genauso relevant.

Ich spreche Deutsch in Thailand

Es gibt Millionen von Bürojobs, wo der Angestellte keinen physischen Kundenkontakt haben muss. Nehmen Sie den Schreiberling des Blogs, ein ehemaliger Bankkaufmann. Ich könnte von meinem Homeoffice, in meiner Hängematte auf Baan Metawi, zum Beispiel für jedes Callcenter einer Bank in Deutschland arbeiten. Aufgrund der Zeitverschiebung könnte ich in Deutschland zur schlafender Stunde arbeiten, da 24/7 seitens der Bank angeboten wird. Es wäre aber vormittags bei mir in Thailand, meine Work Life Balance käme in keine Schieflage. Da meine Lebenshaltungskosten viel günstiger sind als in Deutschland, wäre ich hier mit € 8 pro Stunde hochbezahlt. Zudem sind keine großen Sozialleistungen von der Bank in Deutschland zu zahlen und diese könnte mich ohne große Probleme immer kündigen bzw. keinen Auftrag mehr vergeben. Warum wäre es einfach so einen Job zu bekommen? Ich spreche Deutsch, eine gar nicht unwichtige Eigenschaft, für ein Dienstleistungsunternehmen in Deutschland.

Ein Bürokaufmann könnte jede typische Arbeit einer Spedition oder eines Produktionsunternehmen ortsunabhängig verrichten, also auch von Thailand aus. Die Zeitverschiebung Richtung Osten (von Deutschland aus gesehen) bedeutet nur ein wenig länger am Abend arbeiten, aber bis Mittag in Thailand schläft ganz Deutschland noch. Die Bangkok Post hatte eine netten Artikel über Workation und Digitale Nomaden, die für Wohnungsknappheit sorgen.

Meine Schwester verbrachte wegen der Pandemie fast 2 Jahre im Homeoffice. Dies hätte sie auch als Workation bei uns in Chumphon machen können und es hätte keine Qualitätseinbusen für den Arbeitgeber noch für meine Schwester gegeben. Ganz im Gegenteil, sie mag das Meer, die Wärme und sie ist kein Morgenmensch. Allerdings in einem ehemaligen Staatsbetrieb arbeitend, hat ihr Arbeitgeber ortsunabhängiges Arbeiten aus dem Ausland untersagt.

Homeoffice und Digitale Nomaden anders denken

Erstens: Workation, Bleisure, Digitale Nomaden bzw. Homeoffice, warum haben wir da keine deutsche Namen dafür, ist die deutsche Sprache wirklich so verstaubt? Zweitens sagt der Begriff ortsunabhängige Arbeit eigentlich alles. Wie sich dies im Einzelnen ausgestaltet, wird sich mit der Zeit herauskristallisieren. Jedenfalls müssen sich viele Millionen Büroangestellte nicht mehr zum Sklaven des Büros machen und dies ist schon eine ganz besondere Freiheit.

Es kann doch politisch nicht wirklich gewollt sein, am Morgen Millionen Angestellte in die Innenstädte zu karren und am Abend wieder zurück. Wir vergeben sogar steuerliche Anreize, wie zum Beispiel Dienstwagen, Pendlerpauschale oder steuerliche Absetzbarkeit von Firmenwägen in Zeiten der globalen Klimaveränderung. Die Pandemie hat gezeigt, dass Homeoffice grundsätzlich auch in Deutschland funktionieren kann, warum wollen wir dann die dadurch gewonnene Freiheit noch nicht wirklich greifen?

Homeoffice von Thailand aus, eine wirklich schöne neue Welt

Zum Schluss ein kleiner Schwank aus meinem Leben. Als selbständiger Bankberater, Consultant klingt natürlich gleich viel besser, war ich ziemlich oft in Singapur und Kuala Lumpur. Immer für ca. 4 Tage, hatte ich eine Gruppe von ca. 25 Banker, denen ich beibrachte, noch mehr für die Bank zu verdienen. Dabei verwendete ich auch eine von mir programmierte Banksimulation.

Ca. 10-mal pro Jahr flog ich in diese südostasiatischen Hauptstädte, blubberte 4 Tage lang, wurde fürstlich pro Tag bezahlt und flog wieder zurück nach Chumphon via Bangkok oder Phuket. Trotz der guten Bezahlung wurde mir mit der Zeit diese Arbeit überdrüssig. Also schlug ich einer Bank vor, anstelle von 25 Banker über 100 gleichzeitig auszubilden, meine Software war natürlich skalierbar. Gedehnt über mehrere Wochen – dies konnte relativ leicht in die Banksimulation integriert werden – mussten die verschiedenen Gruppen gegeneinander antreten und am Ende wurden die besten Performer mit einem netten Geschenk geehrt.

Die ganze Zeit war ich aber aber auf Baan Metawi, unserem Zuhause in Chumphon. Oft in meiner Hängematte schrieb ich Feedback anstelle vor Ort mündliches zu geben. Gepaart mit einer Videokonferenz und E-Learning, war dies in 2014 mein Erlebnis zum Homeoffice mit ortsunabhängiger Arbeit, eine umgekehrte Workation sozusagen. Zugegeben, danach hatte ich irgendwann keine Lust mehr für Geld zu arbeiten und meine Workation wandelte sich in ein paradiesisches Leben.

Beiträge hierzu:

Leben und wohnen auf Baan Metawi in Chumphon am Golf von Thailand

Wenn Sie sich für einen Langzeitaufenthalt bei uns in Chumphon interessieren, lesen Sie sich das Mietangebot meiner Frau auf Baan Metawi gut durch. Es zeichnet sich im Besonderen dadurch aus, dass es ein sehr nützliches und vielfältiges Servicepaket bietet, welches Ihnen den Schritt zum Überwintern oder Auswandern nach Thailand erheblich erleichtert. Zudem spricht der Ehemann meiner Frau sogar auch Deutsch.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

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2 Kommentare

  1. hallo matt,
    da sprichst du uns aus der seele. das einzig gute an dieser furchtbaren pandemiezeit ist unsere umstellung in home-office bzw. rein digitaler betreuung unserer kunden. und wir sind zwar zur zeit noch viel mehr in den usa unterwegs – aber auch da ist ueberall auch im hinterland south-west in der blanken wueste das internet und whatsapp telefonie um welten besser, als in unserem haus nur 10 minuten von der stadt entfernt auf dem land, da musste ich in einer stunde telefonieren meist 2-3 mal wieder neu anwaehlen, weil die mietmaulpolitiker es nicht mal schaffen, uns internet und 4g telefon zu legen … aber dann noch ueber laender mit strand laestern, das passt. wir haben nun – heute an tag 85 der 90 tage dauernden usa reise wieder einige laengere telefonate, vergangene woche auch mit bild (da bin ich dann auch rasiert und habe ein polo an ueber der badehose) diverse nette gespraeche mit kunden gehabt – niemand hat gemerkt, dass wir 10000 km weit weg sind. es endet oft mit einem „schoenen abend noch“ und wir gehen dann erstmal mittags (…) an den strand … besser kann es wirklich nicht sein. nun wollen wir das auch in asien ausprobieren – da ist es halt noch etwas waermer – und internet ist mit sicherheit auch besser, als in D… zwei lange aufenthalte sind schon gebucht und wir sehen uns ja spaetestens dann anfang 2024 … mal sehen, wo wir dann in mittelfristiger zukunft unser ueberwintern machen. deine ansichten zu deutschland und den absolut schraegen arbeitsmodellen teile ich voll und ganz – es ist natuerlich fuer selbstaendige etwas einfacher, solchen hamsterraedern zu entkommen … aber dein artikel hier hat erfrischend bestaetig, was wir nun seit einer weile immer mehr leben.
    witzig auch – der pickup – hatte davor den artikel pickup als eierlegende wollmilchsau gelesen – genau den sehe ich immer hier in den usa – auch noch ein groesseres modell … und so was brauche ich dann als erstes, wenn ich mal ausgewandert bin, oder zumindest an einem ort ueberwintere … vll kann ich den ja die wenigen montag, die ich in deutschland bin, irgendwo sicher abstellen – denn so ganz auswandern, thema krankenversicherung – das ist noch nicht so ganz absehbar … aber oktober bis april – daran haben wir uns schnell gewoehnt. sind so gespannt auf die gegend um chumpon – freuen uns schon riesig. auch im vergleich dann zu phuket, ko samui und bangkok … vielen dank fuer deine immer erfrischenden beitraege! lg andreas & cynthia

    1. Wenn ich das richtig berechnet habe, müsstet Ihr jetzt schlafen, so ca. 03:00 Uhr bei Euch. Finde ich toll, dass dies so funktioniert und irgendwann wird es auch für die Millionen Büroangestellten eine Alternative sein, nur wann? Der Pickup in Thailand ist wirklich klasse, allerdings die viele Elektronik darin spinnt schon ab und an, wenn Künstliche Intelligenz – Dummheit passt eher – ein Mitspracherecht hat. Der nächste Neuwagen wird auch wieder ein Pickup sein, dann wahrscheinlich schon elektrisch, davon bin ich allerdings noch nicht wirklich überzeugt. Viele Grüße – Matt

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