Leben in Thailand
Bambus für Muschelzucht in Chumphon Thailand

Bambus und Muschelfarm in Thailand

Aktualisiert am 4. September 2022

Was sich vielleicht wie eine Überschrift, geschrieben im angetrunken Zustand liest, ist tatsächlich eine ziemlich tolle Sache hier. Hier, dies ist meine neue Heimat in Chumphon, Thailand, wo ich oftmals auf mir Fremdes stoße. So auch vor einigen Jahren, als ich die lokale Muschelzucht „entdeckte“. Was haben Bambus und Muscheln hier in Chumphon gemeinsam? Es ist die wohl natürlichste Methode der Muschelzucht, frische Biomuscheln aus dem Golf von Thailand zu ernten. Ganz ohne Chemie und Umweltzerstörung macht Thailand erfolgreich Bioanbau bei der Muschelzucht seit Generationen. Ähnlich läuft es auch mit dem ufernahen Fischfang unzähliger kleiner und mittlerer Fischerboote, siehe hierzu auch:

Bambus ist wohl nach der Kokosnuss die Pflanze mit den meisten Verwendungsmöglichkeiten. Es wächst fast überall in Thailand, braucht wenig Pflege und eigentlich auch keinen Dünger. Die Sprossen und Wurzeln werden in der thailändischen Küche sehr oft eingesetzt und weitere Anwendungen reichen von Medizin bis Hausbau, von Bambusgerüstbau bis zur Muschelzucht. Auch beim Bambus hat China einen enormen technologischen Vorsprung vor der westlichen Welt. Klicken Sie hier für einen diesbezüglichen externen Beitrag. Mein Beitrag: Wenn Weltpolitik nach Chumphon kommt, beschreibt das selbstverursachte Dilemma der westlichen Welt hinsichtlich China.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Bambus im Garten: schön, robust, pflegeleicht und tut weh

Das Bild zeigt einen von mir angebauten Bambus auf unseBambus im Baan Metawi Chumphon Thailandrem Anwesen, Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Um eine zu große Wucherung zu verhindern, haben wir den Bambus in große Betonrohre „eingesperrt“, da jede Art von Folie keine Chance gegen die bärenstarken Bambuswurzeln hätte. 2 bis 3 Mal im Jahr setze ich mit schwerem Gerät zum Schnitt an und jedes Mal endet es blutig. Die kleinen hauchdünnen Blätter sind zwar unscheinbar, aber auch extrem scharf. Abstehende Aststumpen sind knochenhart und sorgen regelmäßig für blaue Flecken bei mir. 

Nicht nur ist das Wachstum des Bambus extrem schnell, aber auch wie dieser sich zu einem Strauss durch unzählige Verästelungen verbindet, ist beeindruckend. Getrockneter Bambus ist extrem hart, biegsam und widerstandsfähig. Vor vielen Jahren hatte ich selbst mal ein Hochhausgerüst komplett aus Bambus in Hong Kong gesehen. Diese und andere Eigenschaften machen Bambus auch für die Muschelzucht sehr interessant. Klicken Sie hier, um die in Thailand wachsenden Bambusarten näher kennenzulernen.

Bambus und Muscheln in Chumphon, Thailand – fast schon eine Symbiose

Kanchanaburi, Phetchaburi und Lampang sind die Provinzen in Thailand, wo meine Heimatprovinz Chumphon und alle südlicheren Provinzen den Bambus beziehen. Warum wird er nicht im großen Stil bei uns in Chumphon angebaut? Ganz einfach, hier wächst einfach alles. Palmöl, Kokosnüsse, Kautschuk, Durian, Kaffee, etc. ist nicht nur viel ertragreicher hier, sondern bringt auch höhere Einnahmen als beim Anbau von Bambus. Da o.g. Provinzen eher ein tropischen Savannenklima haben, wachsen viele Plantagenfrüchte gar nicht oder nur mit erheblich geringerem Ertrag.

Hierzu empfehle ich Ihnen nachfolgende Beiträge:

Wie bereits im Beitrag: Schmierfinken beschrieben, ist der Golf von Thailand über tausende von Quadratkilometer sehr flach. Die Sturmsaison endet bei uns, im oberen Süden von Thailand, meist im Januar. Hierzu sollten Sie sich mal eine Karte von Thailand zurechtlegen. Thailand ist vom Norden bis Süden weit über 2.000 km lang und der Süden fängt offiziell in Chumphon an und endet ca. 800 km weiter südlich an der Grenze zu Malaysia. Genau so eine flache Meerestopographie ist natürlich ideal für die Bio Muscheln und Chumphon ist mittendrin.

Januar ist dann auch die Zeit, wo hunderttausende Stangen von 4 bis 6 Meter langem Bambus aus o.g. Provinzen geordert werden. Mit dem Boot werden diese in Küstennähe „ausgesät“. Nachdem die Bambusstangen in den Meeresboden gerammt wurden, verbleiben sie dort bis zu 8 Monate. Ohne groß etwas zu machen, siedeln sich in diesem Zeitraum Miesmuscheln an. Manchmal wird alles noch mittels eines Netzes ein wenig abgesichert. Trotzdem darf es während der Zeit keine Sturm geben, sonst war all die Mühe umsonst.

Wie kann sich Bambus für die Muschelzucht in Thailand rentieren?

Die Oberfläche von Bambus ist ideal für Muscheln und manch robuste Stange kann sogar 2-mal verwendet werden. Der Bambus, selbst der aus dem 1.000 km entfernten Lampang im Norden von Thailand, kostet ca. 2 bis 3 Baht pro Meter, also durchschnittlich 20 Baht pro Stange.

An einer einzelnen Stange können sich nach 8 Monaten 20 bis 40 kg Muscheln ansiedeln. Bei 30 Kg Muschelausbeute pro Bambus verkaufen sich diese im Großhandel für ca. 25 Baht pro Kg und bis zu 35 Baht auf dem Markt, siehe hierzu: Markttag in Chumphon, jedes Mal ein Abenteuer. Ferner verkaufen die Fischerfamilien die tagesfrischen Muscheln auch auf der Straße, ohne Zwischenhändler einschalten zu müssen.

Je nach Gewicht, bekommt der Züchter ca. 400 bis 700 Baht pro 20 Baht Bambus, also ein hervorragendes Geschäft. Es gibt noch andere Methoden der Muschelzucht in Thailand, auch ertragreichere. Jedoch sind diese alle teurer und aufwendiger. Da aber die Gegend hier ideal für die „einfache“ Methode ist und Thailänder grundsätzlich mit einem gesunden Menschenverstand (siehe: Der gesunde Menschenverstand) ausgestattet sind, wird sich herbei nicht viel ändern. Es lässt auch unheimlich viel Zeit für Muse zu. Von dieser Lebenseinstellung der meisten Fischer und Plantagenbesitzer hier könnten wir Mittel- und Nordeuropäer uns schon eine Scheibe abschneiden.

Jetzt ein paar Bilder mit Bambus für Muscheln und Muschelzucht, wie es im Januar in Chumphon, am Golf von Thailand ausschaut:

Kein immer mehr und mehr, jedoch mehr Lebensqualität

Nicht nur bei der Muscheln mit Bambus, sondern eigentlich bei der gesamten Plantagenwirtschaft und auch bei allem, was sonst noch aus dem Meer kommt, sieht man diese Lebenseinstellung der Thailänder aus Chumphon und dem ganzen Süden Thailands. Kein immer mehr und mehr, sondern einfach mit dem vorhandenen zufrieden sein. Dies sind Kalendersprüche in Deutschland und hier wird es ganz natürlich gelebt.

Würde ich mit meinen europäischen Bankeraugen hinschauen, kämen mir sofort viele Einfälle, um die Rendite nach oben zu schrauben. Mehr Einsatz von Maschinen, mehr Dünger, größere Netze und Boote, längere Arbeitszeiten, mehr legale Ausbeutung meiner Angestellten. Aufkaufen von Wettbewerbern, nachdem ich diese vorher preislich ruiniert habe. Dies sind alles Tugenden des ehrbaren Kaufmanns aus der westlichen Welt. Daher sind wir auch dort, wo wir sind. Für mich behaupte ich, dass ich den Absprung aus dieser Absurdität geschafft habe und endlich lebe.

Was passiert mit Muscheln und Bambus im Golf von Thailand, nach der Ernte in Chumphon?

Speziell Ende Oktober, Anfang November finden sich überall Spuren der Muschelzucht am Golf von Thailand. Direkt am Fluss Chumphon gibt es einen Dorf, welches sich darauf spezialisiert hat und überall liegen Berge der Muscheln, nachdem das kostbare Weichtier in dieser gekocht und weiterverarbeitet wurde. Es ist genossenschaftlich organisiert und jeder hilft mit. Meiner Beobachtung nach haben die Menschen hier Spaß bei der Arbeit. Habe ein paar dieser Arbeiter befragt und jeder meinte nur, dass es gerade in dieser Zeit ein sehr auskömmliches Gehalt sein.

Irgendwie verständlich, sie werden nicht ausgebeutet oder als Tagelöhner von vielen Zwischenhändlern unterirdisch bezahlt, so wie es im Abendland, z.B. im hochgezüchteten und dem moralischen Schein frönenden Deutschland bei Kaffee, Obst und selbst auch bei Schlachtereien im Inland üblich ist. Sogar Nordseegarnelen werden nach Marokko zum Pulen gefahren, um dann im deutschen Supermarkt wieder verkauft zu werden, warum? Wir gönnen uns eine gezinkte soziale Marktwirtschaft für Privilegierte und Thailand lebt soziale Marktwirtschaft auf natürliche Weise. Einige Beiträge, die es mehr veranschaulichen:

Jetzt noch ein paar Fotos vom November 2021, die ich bei einer Radtour, genau im oben beschriebenen Dorf am Chumphon Fluss, mit dem Duft gekochter Muscheln, machen konnte. Nachdem Tonnen von Muscheln gekocht und von der Schale befreit waren, wurden diese noch sortiert und sofort in bereitstehenden Kühllastwägen zum Verpacken gefahren. Danach machen viele davon dann eine lange Reise und landen nicht selten auch in Supermärkten in den DACH Länder (D=Deutschland, A=Österreich, CH=Schweiz).

Der Kreislauf beginnt von Neuen

Seit Dezember 2021 sieht man langsam wieder mehr Bambus auf den Straßen. Die Halden sollen voll sein, bevor, wie üblich im Januar, wenn mit keinem Sturm mehr gerechnet wird, der Bambus in den Golf von Thailand gepflanzt wird.

Bambus für Muscheln

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