Leben in Thailand
Scheidung Thailand Scheidungsurkunde

Scheidung in Thailand und Deutschland: Ein Vergleich

Aktualisiert am 26. August 2021

Ähnlich wie Deutschland, wollen Sie in Thailand die Scheidung, dann ist grundsätzlich eine Heirat in Thailand erforderlich, eigentlich logisch. Jedoch wenn ein Thailänder Ihnen Ihre Frage, ob er/sie verheiratet ist mit Ja beantwortet, dann heißt es noch lange nicht, dass dies – nach unserem Verständnis – so ist. Für uns Europäer und leider insbesondere Deutsche, hängt an der Heirat ein langer Rattenschwanz. Wir verbinden Verheiratet sein so stark mit Gesetzen artfremder gesellschaftlicher Entscheidungen, dass es schon verwundert, wofür Liebe alles den Kopf hinhalten muss. Oder gibt es vielleicht wirklich einen natürlichen Zusammenhang zwischen Heirat und Steuern, Kinder, Immobilien, Erbe, etc.?

Wir machen aus der ureigensten menschlichen Privatsache eine hoheitliche Angelegenheit. Wenn es gut geht, dann spielt sicherlich vieles keine Rolle mehr und man lebt ein gemeinsames Leben. Wir haben mit der Heirat ein juristisches Monster in Deutschland geschaffen. In schlechten Zeiten, also bei der Scheidung, wird es einen erst absolut klar. Richtig erfrischend, in Thailand ist die Scheidung auch ein Musterbeispiel des gesunden Menschenverstandes und in Deutschland? Am Rande passen hier auch sehr gut die Beiträge:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Heirat in Thailand bedingt oft, trotz Scheidung, keine Scheidung

So ein Unsinn würde sich der deutsche Anwalt denken, jedoch im wahren Leben ist für den Thailänder bei der Frage nach der Heirat nicht das Standesamt gemeint, sondern die buddhistische Heirat. Ich vermute mal die Hälfte aller thailändischen Paare lebt ohne Trauschein zusammen und sagt von sich selbst, dass sie verheiratet sind. Dies ist fast schon ein wenig Same Same but different, jedoch ist es wohl auch ähnlich in Myanmar und Laos. Natürlich gibt es auch die standesamtliche Heirat, die manchmal durchaus sinnvoll sein kann. Ohne dieser ist dann folglich auch keine Scheidung in Thailand oder sonst wo nötig.

Bei einer Trennung, ob mit oder ohne Scheidung, gibt es auch seltsamerweise kaum wirtschaftliche Probleme bei den alleinerziehenden Elternteilen. In der Tat sind dies in Thailand, ähnlich wie in Deutschland, meist die Mütter. Diese erziehen aber, obwohl alleinerziehend, meist nicht alleine. Es ist fast schon ein Generationsvertrag, dass Kinder, wenn irgendwie möglich, bei den Großeltern aufwachsen bzw. tagsüber mitbetreut werden. Dies ist auch ziemlich normal bei Paaren, die zusammenleben. Nur so ist auch die auf die Bevölkerung geringe Kinderquote in Bangkok zu erklären, da sehr viele Paare oder Mütter ihre Kinder bei Oma oder Opa in den jeweiligen Heimatprovinzen lassen und selbst in Bangkok arbeiten. Hierzu kann ich folgende Beiträge empfehlen:

Eine Scheidung in Thailand ist kein Armutsrisiko

Sind in Deutschland alleinerziehende Mütter oft wirtschaftlich abgehängt, ist dies kaum ein Problem in Thailand. Daher muss Thailand auch seine Beamten nicht zu völlig realitätsfremden Regelungen drängen, wie zum Beispiel eine Düsseldorfer Tabelle zu erschaffen oder dass alles bei einer Scheidung vom Staat geregelt wird. Meist legen thailändische Mütter überhaupt keine große Aufmerksamkeit auf Unterhaltszahlungen des Vaters. Beide haben nach einer Scheidung selten Probleme eine Vollzeitstelle zu finden, bzw. sie waren ohnehin die ganze Zeit in einem Job. Siehe hierzu auch:

Da es keine Herdprämie, kein Kindergeld oder Baukindergeld, keine Steuerklassen und auch kein Ehegattensplitting gibt, ändert sich in Thailand wirtschaftlich nichts bei einer Scheidung. Hingegen in Deutschland sind unter anderem diese Regelungen dafür verantwortlich, dass es bei einer Scheidung wirtschaftlich abwärts geht. Es kommt de facto einer Bestrafung für eine gescheiterte Ehe gleich; mir fällt dazu nur „mittelalterlich“ ein.

Der Akt der Scheidung in Thailand

Das Beitragsbild zeigt eine übliche thailändische Scheidungsurkunde. Wenn sich ein Paar, welches standesamtlich verheiratet ist, in Thailand für eine gütliche Scheidung interessiert, dann geht es zum örtlichen Standesamt, zieht eine Nummer und nach ca. 20 Minuten ist alles vorbei. Am Ende gibt es noch eine hübsche Scheidungsurkunde für beide ehemaligen Partner. Die Kosten hierfür betragen unter € 10. Dies ist im Übrigen meine eigene Erfahrung aus meiner ersten Ehe.

Befindet sich das Paar allerdings im Streit und/oder ist viel Geld im Spiel, dann gleicht sich das ganze tatsächlich auch mal an Deutschland an. Dies sind jedoch die wenigsten Fälle, wo die Scheidung gerichtlich verläuft. Für mich ist es der gelebte gesunde Menschenverstand, siehe Beitrag: Der gesunde Menschenverstand.

Es ist auch ein bisschen lustig, dass eine Heirat in Thailand relativ leicht und ohne großen Aufwand auch in Deutschland anerkannt wird. Hier können Sie sich die Gedanken der Deutschen Botschaft in Bangkok dazu durchlesen. Dies war bei meiner ersten Ehe der Fall, allerdings die folgende Scheidung in Thailand wurde nicht in Hessen, mein damalig zuständiges Bundesland, anerkannt. Anscheinend gilt dies nicht unbedingt für jedes Bundesland in Deutschland, was das ganze noch lächerlicher macht. Auch findet eine Gewichtung statt, die eine Seite der Medaille – Heirat in Thailand – ja, die andere Seite – nicht gerichtliche Scheidung in Thailand nein, sie wird nicht anerkannt. Sicherlich gibt es irgendwelche juristische Erklärungen dafür, jedoch wenn interessiert es schon. Thailändische Behörden sind aus meiner bisherigen Erfahrung eigentlich ganz umgänglich, wie auch nachfolgende Beiträge zeigen:

Scheidung, eine lukrative Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Deutschland

Scheidung ist zu einer einträglichen Industrie für Anwälte geworden, da der deutsche Rechtsstaat das zu scheidende Ehepaar zwingt, 2 Anwälte einzuschalten. Da meine Scheidung in Thailand in Deutschland, zumindest Hessen, nicht anerkannt wurde, mussten wir uns damals nochmals scheiden lassen. Da wir uns beide einig waren, wählten wir ein vereinfachtes Verfahren, jedoch an den Kosten änderte dies kaum etwas.

Im Großen und Ganzen ist die Scheidung eine staatlich angeordnete Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von Feld-, Wald- und Wiesenanwälten, die ihre beiden juristischen Staatsexamen schlecht abgeschlossen haben. Dies ist für über 50 % aller Volljuristen jährlich der Fall und selbst für den Staatsbetrieb als Richter und Staatsanwalt sind diese nicht zu gebrauchen. Wenn Sie dies nicht glauben, googeln Sie selbst mal, sie werden überrascht sein. Da kommt doch der staatliche Anwaltszwang beim stetig anwachsenden Scheidungsgeschäft wie gerufen. Andernfalls wäre ja Taxifahren für diese Anwälte angesagt. Die Erklärung finden Sie im Beitrag: Geiz ist geil in Deutschland: Das passende Motto unseres Staatsapparats

Zum Abschluss, eine wahre Geschichte des deutschen Behördenwahnsinns

Zu guter Letzt noch ein Schmankerl aus eigener Erfahrung. Als sich meine Frau und ich das erste mal traffen, ließen wir uns gerade beide scheiden. Sie in Frankfurt und ich in Bad Schwalbach, beides Orte in Hessen. Die Scheidung meiner Frau verlief reibungslos – natürlich mit Anwaltszwang. Allerdings lebte sie zum eigentlichen Gerichtstermin schon mit mir in Thailand. Die Richterin in dieser Angelegenheit, ansässig in Frankfurt, Hessen, schrieb ihr, dass das persönliche Erscheinen eigentlich erforderlich wäre, aber sie könne auch bei einer öffentlichen Stelle in Thailand nach Feststellung der Personendaten erklären, dass sie weiterhin geschieden werden möchte. Das tat sie und die Scheidung wurde rechtskräftig, ohne persönlicher Anwesenheit.

Meine Scheidung dauerte allerdings Monate länger. Ich lebte auch in Thailand und mein mir aufgezwungener Anwalt meinte nur, dass ich gefälligst vor Gericht zu erscheinen habe. Dieser typische Anwalt ließ sich nur von einer Kopie des Schreibens der hessischen Richterin für die Scheidung meiner jetzigen Frau überzeugen, um dies so dem örtlichen Richter in Bad Schwalbach kundzutun. Dieser wiederum war wahrscheinlich von meiner Bitte auf Verzicht persönlichen Erscheinens so überwältigt und überfordert, dass er dies nur in Erwägung zog, wenn ich einen von ihm verordneten Text, handschriftlich schreibe und unterschreibe und an das Gericht zurückschicke. Gesagt, geschrieben, geschieden.

Dies ist schon lustig genug, aber seltsam ist es dann schon, dass den Text nebst Unterschrift jeder hätte schreiben können, da er keine Feststellung meiner Personendaten durch eine öffentliche Stelle anordnete. Ein Bundesland, mehrere Auslegungen der Gesetze und niemals wird im deutschen Behördenalltag über die Sinnhaftigkeit nachgedacht. Lässt sich auch sehr gut seit 2020 an der Covid-19 Pandemie sehen.

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Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

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2 Kommentare

  1. Ist man nicht gerade auf Rechtsgebiete, die Eheschließung und Scheidung betreffen, spezialisiert, wird eine kompetente Beratung beim Rechtsanwalt erforderlich. Durch seine Erfahrung und das Wissen über alle möglichen Vorgehensweisen, steht er dem Mandanten als professioneller Ansprechpartner zu verschiedenen Rechtsfragen zur Verfügung. Gerade wenn man in einem anderen Staat aufgewachsen und folglich eher mit den dortigen Regelungen vertraut ist, fehlen dem Betroffenen oftmals die Kenntnisse über das mit der Scheidung verbundene Verfahren.

    1. Vielen Dank für Ihr Feedback. Sie haben natürlich Recht, dass ein Fachanwalt oft nötig ist. Aber die Tatsache, dass Thailand bei Ehescheidungen keine Anwaltspflicht vorsieht, finde ich persönlich viel moderner als eine Anwaltspflicht. Bei Streitigkeiten ist es ohnehin kein Problem vor Gericht zu gehen, allerdings wenn die Ehepartner sich einig sind, warum sollten dann überhaupt Anwälte, geschweige ein Gericht eingeschalten werden?

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