Leben in Thailand
Müllabfuhr und Steuern sparen in Thailand

Strom gegen Hartz4 und Müll gegen Steuern sparen

Aktualisiert am 17. September 2021

Was haben Steuern sparen und Ablesen der Stromzähler gemeinsam?

Steuern sparen ist dem steuerzahlenden Deutschen seine liebste Freizeitbeschäftigung und der Strom- oder Wasserzählerstand interessiert ihn eigentlich nicht. In Thailand sind es typische Same Same but different Geschichten, von denen wir uns eigentlich eine Scheibe abschneiden könnten. Warum? Es geht um Marktwirtschaft, nur hat Thailand, anders als in Deutschland, eine soziale Marktwirtschaft.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Ablesen von Strom- und Wasserzähler erfolgt monatlich. Nicht als Abschlagszahlung wie bei uns, sondern jeden Monat werden die Zähler von Menschen abgelesen. Die Rechnung entspricht dann dem tatsächlichen Verbrauch. Dies für sich alleine genommen wäre nur anders als in Deutschland. Ein bisschen besser vielleicht, da unsere seltsamen Abschlagszahlungen niemanden eigentlich wirklich was bringen und ziemlich ungerecht sind. Allerdings gibt es hier eine interessante Variante, die mal wieder Menschenwürde unterstreicht. Lesen Sie dazu auch die Beiträge:

Gelebte soziale Marktwirtschaft

Die jeweiligen Ableser sind keinesfalls ausgegliederte Billiglöhner wie bei uns. Vielmehr sind sie bei den staatlichen Wasser- bzw. Stromversorger als Teilzeitkräfte angestellt. Sie lesen in einer Gegend ab, in der sie selbst leben. Dort wird ihnen eine gewisse Anzahl von Zählern zugeordnet und vom monatlichen Gesamtumsatz bekommen sie eine prozentuale Beteiligung, zurzeit ca. 12 %. Der Arbeitsaufwand ist selten mehr als 3 Tage pro Monat und die durchschnittliche Vergütung beläuft sich auf ca. 80 bis 100 Prozent des staatlichen Mindestlohnes für einen Monat Vollzeitarbeit, also eine sehr gut bezahlte Nebenbeschäftigung.

Lieber Hartz4 bezahlen als sozial zu wirtschaften

Es handelt sich hier nicht um eine sinnlose Tätigkeit, daher ist es allemal besser als jemanden Hartz4 zu bezahlen. Viel lobenswerter als in Deutschland ist auch, dass die Versorgung von Grundbedürfnissen nicht privatisiert wurde. Da Deutschland soziale Marktwirtschaft nur noch theoretisch lebt, werden privatisierte Jobs meist nur zum Mindestlohn ausgeschrieben. Siehe auch: Marktwirtschaft am Beispiel Thailand / Deutschland

Gesellschaftlich und aus Sicht des Aufstockers wäre eine gut bezahlter Job um Welten besser, als zum Amt zu gehen. Staatliche Unternehmen könnten daher solche Jobs eher anbieten, um den betroffenen Menschen ein bisschen mehr Würde zu geben. Ohnehin ist fraglich, ob Abschlagszahlungen und Outsourcen der Gesellschaft in der Gänze nicht viel mehr kostet als gut bezahlte Nebenjobs anzubieten.

Alleine die Klagen gegen fehlerhafte Abschlagszahlungen dürften die 100 Millionen Euro Grenze in Deutschland jährlich locker überspringen. Die Ableser können als Aufstocker beim Amt vorsprechen, um den Mindestlohn, der in Deutschland nicht zum Leben reicht, aufzustocken. Zu meiner Zeit als Banker war Steuern sparen für Reiche mittels Stromzähler sehr angesagt. Für Banker wie mich gab es auch einen höheren Bonus. Hier funktioniert die soziale Marktwirtschaft in Deutschland auf einmal hervorragend. Gezinkt für die Besserverdienenden, zu Lasten der wirtschaftlich Abgehängten.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Internet der Dinge, automatisiertes Zählerablesen in Echtzeit erlaubt. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz kreiert den befreiten Mensch und dieser darf sich dann auf das bedingungslosen Grundeinkommen freuen. Eine schöne neue Zeit und ein schönes Märchen! Thailand wird das Internet der Dinge ohnehin viel schneller einführen können als Deutschland. Es gibt seit vielen Jahren flächendeckendes und vor allem schnelles Internet in Thailand. In Deutschland setzen wir gefühlt auf Brieftauben, siehe Beitrag: Das Internet in Thailand, so geht Marktwirtschaft!

Keine Steuern sparen oder Müllbeseitigung

Richtig pfiffig sind die Thailänder bei der Müllentsorgung. Zum einen vielleicht überraschend für viele, wir haben eine tägliche Müllabfuhr bei uns in Chumphon. Allerdings ist dies regional geregelt und oft lese ich von Touristengegenden, dass die Müllabfuhr nicht wirklich nachkommt. Ab 6.00 Uhr wird der Müll abgeholt und seltsamerweise nicht von Wanderarbeitern aus zum Beispiel Myanmar, sondern von Thailändern. Dort wo viel Fisch verarbeitet wird, kommt die Müllabfuhr sogar 2-mal täglich. Zum anderen ist es ein gut bezahlter Job, wiedermal diametral unterschiedlich zur möchtegern sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Die monatlichen Kosten sind extrem niedrig und sicherlich nicht kostendeckend, wir zahlen zurzeit monatlich unter einem Euro dafür. Etwas anderes macht es dann aber richtig interessant.

Man muss wissen, dass man als Vermieter in Thailand jährlich Steuern auf die vermieteten, nicht aber leerstehenden Wohnungen zahlen muss. Viele Vermieter tricksen da schon mal gerne um Steuern zu sparen und erklären Wohnungen als leerstehend, obwohl vermietet. Was macht die thailändische Administration? Diese lässt die Müllabfuhr überprüfen, ob Müll bei einer Wohnung angefallen ist oder nicht. Die doch kreative Steuerfahndung funktioniert richtig gut und ganz ohne Steuerprüfung. Es dürfte den Vermietern schwerfallen, Wohnungen, die Abfall produzieren, als nicht vermietet zu deklarieren. Wir vermieten auch mehrere Wohnungen an Thailänder, sowie zwei an Europäische Auswanderer und Überwinterer (siehe unsere Website: Baan Metawi). Einer unserer thailändischen Mieter ist bei der örtlichen Steuerbehörde angestellt! Daher also kein Steuern sparen aufgrund 1.001 legaler Steuertricks wie in Deutschland. Hierzu passt auch der Beitrag: Bestechung in Thailand oder doch nur Entscheidungshilfe? Ich finde, dass Thailand der sozialen Marktwirtschaft viel näher ist, als das Erfinderland.

Gefällt Ihnen was Sie lesen, dann empfehle ich Ihnen auch den Beitrag: Thailand ist wirtschaftlich viel mehr als nur Tourismus, oder interessieren Sie sich auch für ein Leben in Thailand. Beginnen Sie mit der Checkliste fürs Auswandern nach Thailand oder der Checkliste für Überwintern. Bleiben Sie dem Blog gewogen und empfehlen diesen weiter.

Matt als Comic Freude

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Kokosnusspalme und Meer

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2 Kommentare

  1. Der vergleich mit den Stromzählern gegenüber Deutschland passt nicht so wirklich. In Deutschland hängen die Stromzähler nicht an der Strasse vor dem Haus für jedermann erreichbar. Das ist nicht mit den deutschen Vorschriften vereinbar. Ich denke auch das die Mehrzahl der Deutschen damit ein Problem hätte wenn die Zähler öffentlich zugänglich an der Strasse hängen würden. In Deutschland wird der Betrag monatlich vom Konto abgebucht und ich habe damit nichts zu tun. Am Jahresende gibt es eine Jahresabrechnung. Das ist praktisch! In Thailand muss ich jeden Monat bezahlen und ich darf es nicht vergessen. Wenn ich längere Zeit verreise muss ich jemanden bitten das für mich zu machen da ansonsten der Strom abgestellt wird. Bin mir nicht sicher welches System das bessere ist. Auch in Thailand werden langsam die Jobs gestrichen die man durch Automaten / Automatisierung ersetzten kann. Zwar fängt es hier erst ganz ganz langsam an aber der Trend ist da und sichtbar. Siehe Parktickets in den Parkhäusern. Die ersten Automaten gibt es schon….

    1. Hallo Rüdiger. Mit den deutschen Vorschriften liegst Du absolut richtig, würde wahrscheinlich einer Litanei von Vorschriften widersprechen. Allerdings kannst Du genau wie in Deutschland mittels Lastschrift Deine Stromrechnung abbuchen lassen. Einfach zum lokalen PEA gehen und Dich dafür anmelden. Wir machen das bereits seit vielen Jahren so. Ich gebe dir recht, auch in Thailand kommt Automation. Jedoch sieht man dann zum Beispiel einen Parkscheinautomaten, der von einem Angestellten bedient wird, auch nicht schlecht.

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