Leben in Thailand
shophouse ein katalysator für arbeiten und wohnen

Shophouse, ein Katalysator für die Wirtschaft

Haben Sie bereits einige Städte in Südostasien bereist; ist Ihnen dabei etwas bei den Ladengeschäften außerhalb der Shoppingmalls aufgefallen? Fast jede Stadt hat Shophouses, selbst in den Großmetropolen gibt es sie noch und es ist eine Erfindung aus Südostasien. Eine Mischform für Arbeiten und Wohnen in einem Art mehrstöckigen Reihenhaus. In Thailand finden Sie das Shophouse eigentlich überall. Es gibt viele verschiedene Fassaden, wobei die Ähnlichkeiten zum Beispiel mit Singapur, Kuala Lumpur und Ranong in Thailand auffallend sind. Es ist aus meiner Sicht nicht übertrieben, die Shophouses als einen Katalysator für den beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolg in Südostasien in den letzten Jahrzehnten zu benennen. Nachfolgend einige Beiträge, die sich mit Südostasien auseinandersetzen.

Stellen Sie sich mehrstöckige Reihenhäuser ohne Vorgarten mit meist 4 oder 5 Meter Breite vor. Egal wie gebaut wurde, allen ist eine ähnlich lange Bauform und der Zweck des Hauses gemein. Meist hinten bzw. oben sind private Zimmer und der vordere Teil des Erdgeschoss zur Straße hinaus entspricht der Geschäftsfläche. In Thailand nennt man diese speziellen Gebäude „Baan Panith“ (บ้านพาณิชย์). Baan kennen Sie bereits aus Baan Metawi, unserem Zuhause in Chumphon am Golf von Thailand und Panith bedeutet hier kommerziell, also ein kommerzielles Zuhause – ein Shophouse eben.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Historische Bedeutung des Shophouse

Überall dort, wo Platzmangel herrschte, also in Zentren, war das Shophouse die ideale Form viele Kunden und viel Auswahl auf kleinstem Platz zusammenzuführen. Die ersten dieser Art finden sich in Singapur Anfang des 19. Jahrhunderts. Insbesondere Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts breiteten sich die Shophouses überall in Südostasien und selbst auch im südlichen China aus, da der wirtschaftliche Faktor erkannt wurde, eben einem Katalysator ähnelnd. Wenn man so will, waren die Stadtzentren damals ein analoges Amazon. In Windeseile war zu Fuß alles zu kaufen, was für den Käufer wichtig war. Arbeiten und Wohnen auf engstem Platz war aber auch zu dieser Zeit die Domäne der Overseas Chinese in Südostasien. Daher ist es auch kein Wunder, dass bis zum heutigen Tage, die meisten traditionellen Shophouses in den jeweiligen Chinatowns – meist die ehemaligen Stadtzentren – in Südostasien zu finden sind.

In der moderneren Zeit musste in Großstädten wie Bangkok, Singapur, Kuala Lumpur, etc. das Shophouse oftmals dem Hochhaus und der Shopping Mall weichen. In den Zentren selbst sind die noch vorhandenen alten Gebäude meist unter Denkmalschutz und heiß begehrt. Allerdings in kleinen und mittelgroßen Städten in Südostasien haben neue bzw. renovierte Shophouses immer noch ihren festen Platz im Zentrum.

Ein Bekannter von mir hat in 2000 für ca. 800.000 Singapur Dollar ein dreistöckiges Shophouse in einer Seitengasse der Orchard Road gekauft (die Zeil oder Maximilianstraße von Singapur). Heutzutage hätte er kein Problem dafür einen 2-stelligen Millionenbetrag zu bekommen. Natürlich hat sich der ursprüngliche Zweck dieser Gebäude in den Großstädten meist in ein Luxuswohn- bzw. Spekulationsobjekt gewandelt. Aber Abseits dieser Zentren und in kleineren Städten sind Shophouses weiterhin von Eigentümer bewohnt und betrieben, also ein wirtschaftlicher Katalysator mit zunehmender Dynamik.

Unterschied zu Zentren in Mitteleuropa

Oft liest man vom Ausbluten der Innenstädte in Deutschland und vielen anderen Städten in Europa. Das Internet muss schnell als Hauptschuldiger für eine nicht vorausschauende Wirtschaftspolitik herhalten. Früher war es der Supermarkt, der alle Tante Emma Läden auf dem Gewissen hatte. Amazon gilt heute – insbesondere während der Covid-19 Pandemie – als Vorzeigesündenbock für das wirtschaftliche Aussterben der Innenstädte. Davor waren es dann die Shopping Malls auf der grünen Wiese, die die Innenstädte verdünnten. Diese sind aber heute im Abendland selbst am Aussterben und wieder sei der online Handel schuld.

Was aber immer vergessen wird: warum können Megashoppingmalls in Asien – diese gibt es in der Größe in Europa überhaupt nicht – sowie quirlige Stadtzentren, Millionen Tante Emma Läden und der Online Handel gemeinsam in Thailand, Philippinen, Singapur, Malaysia, etc. existieren? Es gibt zwar kaum Amazon in Südostasien aber es gibt unter anderem Alibaba mit seinen Ablegern. Dieser lässt Amazon als Tante Emma Laden erscheinen (siehe auch: Billige Preise in Thailand und teure in Deutschland, nur warum?).

Selbstzufriedenheit des Einzelhandels, fehlende Innovationen, eine Bürokratie, die den Status Quo erhalten möchte und Neues verpönt und die unsägliche staatliche Bevorteilung von Großkonzernen gegenüber dem Mittelstand und Kleinunternehmen in Deutschland erklären vieles, jedoch nicht den Hauptunterschied (siehe auch: Geiz ist geil in Deutschland: Das passende Motto unseres Staatsapparats).

Die Trennung von Schlafen und Arbeiten

Im Besonderen die Menschen in den DACH Länder (Deutschland (D) Österreich (A) Schweiz (CH)) aber auch viele nordeuropäische Nachbarn lieben die örtliche Trennung von Privat und Beruf, also von arbeiten und wohnen in einem. Der Modebegriff Work Life Balance ist in aller Munde und suggeriert, dass Arbeiten (work) nichts mit Leben (Life) zu tun hat. Eine Mischform von Wohnen und Arbeiten wollen sich viele Europäer nicht vorstellen. Beim Wohnen soll es leise sein, ohne die störenden Geräusche, die Arbeiten und der Handel machen. Die Anzahl der Anrufe bei der Polizei wegen Ruhestörung sind insbesondere in Städten, wo sich oft eine klare Trennung baurechtlich nicht durchsetzten lässt, weltmeisterlich.

Asiaten hingegen definieren all dies nicht als Lärm, sondern Geräusche, die das Leben so mit sich bringt. Das quirlige Treiben lieben auch die Europäer, wenn sie ihren Urlaub in Asien verbringen. Wieder im Heimatland angekommen ist dann wieder Ruhe angesagt. Natürlich ist es den Asiaten in den Megastädten auch oftmals – hauptsächlich wegen des Verkehrslärms – zu laut, dies unterscheidet sich aber auch nicht wirklich von Europa.

Bis heute hat sich die Vorliebe der Asiaten für die Gebäudemischform Arbeiten und Wohnen gehalten und das Shophouse verbindet alles sehr elegant und kostengünstig. Hohe Anzahl von Läden auf kleinstem Raum, bezahlbares Wohnen im Zentrum einer kleinen/mittelgroßen Stadt und hohe Frequentierung der Läden durch andere Anwohner. Das Shophouse mittendrin, als wirtschaftlicher Katalysator. Chumphon, meine Heimatstadt, ist typisch für so ein Leben; überall in Thailand, selbst auch in Randbezirken Bangkoks, ist es die Normalität.

Neu ist, dass öfters ein heruntergekommenes bzw. verlassenes Shophouse in Außenlagen aufgekauft und aufwendig, für zum Beispiel Eigentumswohnungen oder Hotels, renoviert wird.

Thailändisches Dreigespann einer erfolgreichen Wirtschaftsform

Wie ist das Shophouse in Thailand wirtschaftlich einzuordnen? Hauptsächlich handelt es sich um klein- und mittelgroße Unternehmen. Hier eine kurze, nicht vollständige Aufzählung von Geschäften, die ich über die Jahre erlebt habe: Nudelsuppenladen, Barbier, Brautkleider, Dim Sum, Werkzeug, Fischereiprodukte, Bäckerei, Gold, Fahrrad, Museum, Bar, Café, Restaurant, 7/11, Obst, Tante Emma, Stahlwaren, Elektroladen, Arzt, Apotheke, Optiker, Computerspiele, Computerreparatur, Handyladen, Schwalbennester (hierzu kommt mal ein eigener Beitrag), Anwalt, Massage, Hotel etc.

Das Shophouse ist für den Handel in Zentren ideal und von der Investitionssumme die teuerste Variante des Dreigespann. Eigner gehören oft zum landestypischen Mittelstand aber auch viele sind nur Kleinunternehmer und Soloselbständige. Diese zählen zum informellen Beschäftigungssektor, d.h. der Staat lässt diese Gruppe größtenteils in Ruhe. Siehe hierzu den Beitrag: Soloselbständig: Thailands Geheimwaffe gegen Arbeitslosigkeit.

Zu den immobilen Shophouses gesellt sich eine Heerschar von mobilen Selbständigen. Hierbei gibt es 2 Kategorien der Mobilität, den relativ teuren Pick-up und das sehr günstige Saläng (Moped mit Beiwagen). Viele davon findet man in den Bereichen: Handwerker, mobile Garküchen und Händler, sowie Subunternehmer für die vielen Plantagen im Land. Diese beiden komplettieren zusammen mit dem Shophouse das sehr erfolgreiche Dreigespann, welches in der thailändischen Wirtschaft allgegenwärtig ist. Siehe auch die nachfolgenden Beiträge:

Bilder von Shophouses in Chumphon

Mehr und mehr Ausländer kaufen sich legal in Shophouses ein, wobei hierbei die gleichen Gesetze gelten, wie bei den Kondominiums, von Thailändern nur Condos genannt. Meist handelt es sich um renovierte und nicht neue Shophouses. Siehe auch Beiträge wie:


Kokosnusspalme und Meer

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