Leben in Thailand
Fahrradtour von Meer zu Meer, von Chumphon nach Ranong und zurück

Vom Pazifik zum Indischen Ozean und zurück

Aktualisiert am 22. Juli 2021

… mit dem Fahrrad in 2 x 6 Stunden … kein Problem

Chumphon – Ranong – Chumphon, meine erste größere Fahrradtour in Thailand sollte es werden. Diese begann am 1. Dezember um 7:33 Uhr im Baan Metawi und endete auch dort am 2. Dezember um 14.33 Uhr. Dazwischen lagen 308 gefahrene Kilometer, davon ca. 35 Kilometer ohne Batterie, 70 Kilometer mit niedriger Batterieunterstützung und gut 200 Kilometer auf mittlerer Energiestufe. Von Chumphon nach Ranong und zurück.

Es begann mit der Absicht, am 1. Dezember um spätestens 6:00 Uhr loszufahren und dementsprechend früh aufzustehen. Als geübter Spätaufsteher habe ich es dann tatsächlich um 7:00 Uhr geschafft aufzustehen, um dann 30 Minuten später im Sattel zu sitzen.

Eine Fahrradtour von Chumphon nach Ranong, eine Provinz im Süden von Thailand, sollte es werden. Unsere Nachbarprovinz an der Andamanensee, letztendlich Teil des Indischen Ozeans. Schon lange war dies in Planung aber für die Realisierung musste ich mich erst aufraffen. Geholfen hat sicherlich, dass ich diese, wie im Beitrag: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt erst aufschieben musste und dann letzte Woche den Beitrag: Wenn Weltpolitik nach Chumphon kommt geschrieben habe, der mich nochmals anspornte.

Es war also eine Fahrradtour mehr oder weniger auf dem kürzesten Weg vom Golf von Thailand, also Teil des Chinesischen Meeres und letztendlich Teil des Pazifik, zur Andamanensee, dem Indischen Ozean. Circa auf halber Strecke lag dann auch Anfangs- bzw. Endpunkt des Isthmus von Kra. Eine Landenge zwischen den beiden Ozeanen und ideal für einen Kanal. Genau dort in Kraburi gibt es auch eine Meerenge, wo geschätzte 60 Kilometer Kanalbau bereits von der Natur erledigt wurde. Hier ein paar Bilder zur Landenge und zur Meerenge:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Die eigentliche Fahrradtour begann am Golf von Thailand

Chinesisches 1A Qualitätsprodukt für FahrradtourDas Ziel für die Fahrradtour war die Provinzhauptstadt Ranong, der gleichnamigen Provinz Ranong. Diese Miniprovinz hat den meisten Niederschlag in ganz Thailand, bei immerhin 8 Monaten Regensaison. Mehr oder weniger die ganze Fahrt über ist man nur von Bergen, Hügeln und immergrüner Natur umgeben. So ist es auch kein Wunder, dass die Provinz zu über 80 Prozent aus Nationalparks, Dschungel und Plantagen besteht und gepaart mit den Bergen und der Andamanensee es zu einem so feuchten Klima kommt. Auf der Rückfahrt hatte es auch in der Nacht geregnet und alle Hügel waren daher am Morgen mit Nebel, aufsteigender Dampf, bei knapp 30 Grad umkreist.

Jedenfalls sind es von meinem Zuhause, Baan Metawi, Chumphon 140 km nach Ranong Stadt und so habe ich dann die ersten Stunden mit schimpfen auf mich und was ich denn für einen Quatsch mache, verbracht. Was ich allerdings bei der Planung der Fahrradtour vergessen habe, die Strecke ist mit sehr viel Höhenmetern ausgestattet und die letzten 30 km bis in die Stadt Ranong, gleichen eher einer Straße in den Alpen, was dann nicht zu immer jugendfreien Gefühlsausbrüchen bei mir führte. Zum Glück war es an beiden Tagen stark bewölkt, dies macht in einem tropischen Land schon einen großen Unterschied. Egal bei welchem Wetter, es wäre nie „kälter“ als 25 Grad geworden; dies ist ein großes Plus für das Leben hier.

Ich habe auch am 2. Tag mitgerechnet, wie viel Flüssigkeit ich während der Fahrt getrunken habe. Immerhin gut 5 Liter einfach, was also für beide Tage ungefähr 11 Liter entspricht. Dennoch brachte ich nach der Tour 4 Kilogramm weniger auf der Wage als zu Beginn. Dies ist normal für ein tropisches Land und ich empfehle Ihnen hierzu die Beiträge:

Baugeschwindigkeit in Thailand ist phänomenal

Vor gut zwei Jahren war die Straße von Chumphon nach Ranong über 110 km einspurig. Binnen zwei Jahren wurde diese vierspurig ausgebaut, was sicherlich bei den vielen Bergen ein schwieriges Unterfangen war. Nur die letzten 15 Kilometer vor Ranong sind noch nicht ganz fertig und bei nasser Fahrbahn wird dies dann für ein Fahrrad zur Schlammschlacht. So durfte ich dies dann bei der Rückfahrt nach Chumphon leidlich erfahren.

Es erinnert mich aber auch daran, wie vor einigen Jahren insgesamt 300 Kilometer Autobahn von Chumphon nach Hua Hin in Rekordzeit von weniger als 2 Jahren abgetragen und völlig neu gebaut wurde. Dies ganz ohne groß angelegte Sperrungen, tausenden Warnschildern, Megastaus und, laut Auskunft der Polizei, keiner erhöhten Unfallhäufigkeit. Ähnlich auch zur Zeit, wo die Zugstrecke Hua Hin nach Chumphon zweigleisig ausgebaut wird. Über 40 riesige Betonbrücken werden für die Gleisüberquerungen in rekordverdächtiger Zeit aus dem Boden gestampft werden. Man sieht es überall im Land; der Vergleich zu Deutschland, wo Großprojekte, wenn überhaupt nur in Zeitlupe vorankommen, drängt sich auf. Jetzt erst mal ein paar Fotos der eigentlichen Fahrradtour:

Die Stadt Ranong, eher Little Singapore als Thailand

Was kann man in Ranong eigentlich machen? Ich erreichte Ranong ca. um 15:00 und nachdem ich in einem klasse Hotel untergekommen war, radelte ich die Stadt ab. Übrigens, das Hotel, Sino Manshion, liegt in Chinatown von Ranong. Zuerst schaute ich mir die Preise auf Booking an, diese lagen im Schnitt bei 900 Baht für die Nacht. Im Hotel selbst handelte ich noch ein wenig und bekam die Nacht für 700 Baht. Nicht wenig, wenn man bedenkt, dass mehrere kleine Hotels in der näheren Umgebung die Nacht ab 500 anboten. Allerdings die Qualität war schon beachtenswert und eher einem 4 Sterne Hotel entsprechend. Damit will ich sagen, dass Handeln schon eine wichtige aber auch unterhaltsame Beschäftigung in Thailand ist.

Gut 25 Km meiner Fahrradtour war für die Stadt Ranong bestimmt, eine der kleinsten Provinzhauptstadt in Thailand. Gefühlt nicht mehr als 10.000 Einwohner; Chumphon Stadt, mit seinen 50.000, fühlt sich im Vergleich schon fast als Großstadt an. Was aber nicht zu übersehen war, dass Offizielles und auch Kommerzielles oft in Thailändisch und Myanmarisch angeschrieben war. Chumphon hat schon sehr viele Gastarbeiter aus Myanmar. Ranong aber teilt sich eine lange Grenze mit Myanmar, der Fluss Kraburi entspricht dem Grenzverlauf und dementsprechend sind hier sehr viele Myanmaren ansässig.

Chumphon – Ranong: Visarun und Inseln

Mehr zu den Myanmaren in meinem Meckerabsatz weiter unten. Ständig wurde mir auch erzählt, wie stolz Ranong darauf ist, keinen einzigen Covid-19 Infizierten jemals gehabt zu haben, siehe hierzu den Covid-19 Situationsbericht, dies trotz des regen Grenzverkehrs. Bis jetzt, Dezember 2020, gibt es in Thailand, mit immerhin 70 Millionen Einwohnern, gerade mal 60 Coronatote. Deswegen ist es mir und mehr oder weniger allen anderen Menschen in Thailand möglich, ein völlig normales Leben zu führen. Mein Sohn Nummer 1 in Passau hat quasi eine Ausgangssperre und im Rest Deutschlands und Europa ist es auch eine Tragödie, die in ihrem Ausmaß vermeidbar gewesen wäre. Ist dies wirklich der Preis, den lupenreine Demokratien zu tragen haben? Siehe auch: Corona Hilfe: Eine App in Thailand, die sogar funktioniert

Übrigens ist Ranong auch der Standort, den wir für unsere Gäste im Baan Metawi, für einen Visarun hernehmen. Hierzu empfehle ich Ihnen die Beiträge:

Ab und an, kombinieren wir dies auch mit einem Urlaub auf Ranongs zwei noch recht unbekannten Inseln, Koh Chang und Koh Phayam. Beide haben ein wenig Touristeninfrastruktur und sind zum Entspannen ideal. Mein Frau hatte mal große Freude daran, kleine Hummer mit den Händen zu fangen und abends schön zu verspeisen.

Chinatown Ranong

Was aber im Chinesenviertel von Ranong sehr auffällig ist, die hohe Anzahl an Goldläden und die typischen Shophouses. Hierzu werde ich demnächst einen Beitrag schreiben. Mich hat es jedenfalls stark an Singapur’s Chinatown erinnert, könnte aber auch Phuket, Kuala Lumpur oder Penang sein. In nicht all zu naher Zukunft werde ich auch mal über die Geschichte der Overseas Chinese Community schreiben, die, die Altstädte, bis heute in vielen Ländern von Südostasien, prägen, siehe:

Hier einige Impressionen von meiner kleinen Fahrradtour durch die Stadt Ranong:

Mein Meckerabsatz, nicht unbedingt für eine Fahrradtour Thailand relevant

Wie funktioniert das nun mit den Wanderarbeitern, hier vornehmlich aus Myanmar? Zwischen ein und 4 Millionen Wanderarbeiter, je nach Wirtschaftslage und Saison kommen aus Myanmar, Laos und Kambodscha und arbeiten in Thailand. Sie alle bekommen den Mindestlohn. Von diesem kann man in Thailand auch leben, so im krassen Gegensatz zu Deutschland. Am Beispiel von Ranong zeigt sich, dass die Hauptkundschaft dieser vielen Goldläden Myanmaren sind. Dies wäre ungefähr so, als wenn in Deutschland, bei den Autohäuser der Luxusklasse alles auch auf Türkisch angeschrieben steht und die Hauptkundschaft eben Türken wären.

Gutmenschen in Deutschland empören sich regelmäßig über die Menschenrechte in Thailand. Zum Beispiel myanmarische Sklavenarbeiter auf thailändischen Fischerbooten. Auch wird auf die schlechten Arbeitsverhältnisse dieser Wanderarbeiter hingewiesen, aber jegliche Art der Differenzierung ist verpönt. Mit Halbwahrheiten und Lügen wird argumentiert, damit die dumme Arroganz dieser Empörten nicht zu offensichtlich wird. Die schwarzen Schafe hier gibt es sicherlich. Thailand macht auch gar nicht wenig etwas zu verändern. Jedoch warum schreien die Gutmenschen, aufgestachelt von unseren Qualitätsmedien, nicht auch so laut, um die Zustände in Deutschland anzuprangern? Medien und Gutmenschen, Hand in Hand, diskriminieren durch ihr gefährliches Verhalten und leider all zu oft wird es dann auch rassistisch.

Erst durch Covid-19 wurden die entsetzlichen Arbeitsbedingungen für meist bulgarische und rumänische Arbeiter in deutsche Schlachthöfen, sowie polnische und tschechische Saisonarbeiter auf deutschen Feldern wiederentdeckt. Ganz zu schweigen von den Millionen Vollzeitarbeitskräften in Deutschland, die vom Mindestlohn nicht leben können und diesen aufstocken müssen. Darunter sicherlich auch systemrelevante Kassiererinnen! Folgende Beiträge schlagen alle in dieselbe Kerbe; viel Spaß beim Lesen:

Meine Fahrradtour Chumphon – Ranong, was war sonst noch?

Da ich doch sehr oft Trinkwasser und auch Kaffee benötigte, ist mir wiedermal die unglaubliche Dichte an Tante Emma Läden, 7-Eleven Convenience Märkte und die Amazon Cafékette bei Tankstellen aufgefallen, dies macht das Leben in vielen Situationen doch sehr angenehm. Nachfolgende Beiträge gehen eigens darauf ein:

Service wird fast immer in Thailand großgeschrieben

Schlammschlacht Fahrradtour Chumphon RanongRichtig toll und so typisch thailändisch war dann gestern bei der Rückfahrt ein Stopp in einem Café, welches zu einer Autowaschanlage gehört. Autowäsche in Thailand ist weiterhin händisch und alles wird richtig sauber. So kostet eine Wäsche außen und innen, nebst Motorwäsche bei uns in Chumphon zwischen 200 und 300 Baht, rechnen Sie sich das mal in Franken oder Euro um!

Jedenfalls war ich dort um 9:30 Uhr, das Café machte aber erst um 10:00 Uhr auf. Jedoch gab es im Außenbereich eine Steckdose, damit ich mir gleich auch die Batterie ein wenig auftanken konnte. Da starker Gegenwind war, konnte es also sein, dass mir kurz vor Zuhause der Saft ausgehen würde. Also wartete ich auf meinen Kaffee bis 10:00 und ein Mitarbeiter der Waschanlage erklärte sich kurzerhand damit einverstanden, mein doch sehr verschmutztes und mit Schlamm vollgespritztes Fahrrad für 30 Baht (war sein Vorschlag, ich gab ihm am Ende 50 Baht dafür) zu putzen.

Im Café gibt es auch Saft für das E-Bike

Frühstück Autowaschanlage Chumphon Ranong FahrradtourWährend er die von der Fahrradtour doch erheblichen Spuren säuberte, kam die Cafépächterin und ich gab meine Bestellung auf. Ein Cappuccino, in Thailand nur Capu genannt (siehe Beitrag: Die Abkürzung K). Eine Flasche Wasser, eine große Packung selbstgemachte Ananaskekse, ein Becher thailändische Instant-Nudelsuppe essfertig zubereitet, sowie eine Tasse Tee. Zudem natürlich noch den Saft für meine Batterie. Was hat das ganze gekostet? 75 Baht und der Cappuccino wurde noch in einer schönen Porzellantasse serviert. 

Das ist Thailand, oft nicht wirklich zu verstehen, wie etwas so billig sein kann und trotzdem wird Geld dabei verdient. Diese Geschichte passt hervorragend zur Rubrik Same Same but different, die thailändische Eigenarten aus europäischer Sichtweise beschreibt.

Als Ex-Banker schau ich meist mit anderen Augen auf so etwas. Eigentlich erscheint dies wirtschaftlich nicht möglich zu sein und dennoch funktioniert es. Was mich auch dazu veranlassen wird, demnächst einen Beitrag über die extrem unterschiedliche Unternehmenskultur und Preisgestaltung von Deutschland und Thailand zu schreiben. Geben Sie mir noch ein bis zwei Wochen dafür. Mittlerweile ist der Beitrag geschrieben, diesen und andere zum Thema passende finden Sie hier:

Endlich wieder Daheim

3. Dezember Starkregen Baan MetawiEs war für mich schon eine gewisse Strapaze und lässt mich wieder mal realisieren, dass ich keine 20 mehr bin. Aber Glück hatte ich allemal, da heute, am 3. Dezember, bei uns in Chumphon Starkregen vorherrscht – es ist Regensaison in Thailand – und die Realisierung für die Fahrradtour keinen Tag später hätte sein dürfen. Aber meine Beine machen doch sehr stark Aua, was natürlich eine super Ausrede für eine herrliche thailändische Massage ist. Lesen Sie auch: Auswandern als Rentner nach Thailand und Ein ganz normaler Tag in Chumphon, Alltag in Thailand

Die ganze Fahrradtour von Chumphon – Ranong – Chumphon hat mich jedenfalls für die Zukunft dazu angeregt, geführte Fahrradtouren in Thailand anzubieten. Diese werden dann für unsere Gäste auf unserem Anwesen, Baan Metawi, geplant und gestartet. Mit unserem, hoffentlich in diesem Monat zu kaufenden Pick-up (siehe: Thailands eierlegende Wollmilchsau), ist es dann ganz einfach, begleitete Fahrradtouren anzubieten, da die Drahtesel immer sehr schnell auf die Ladefläche befördert werden können. Dann hoffen wir mal alle, das der Covid-19 Spuck bald in den Bann gebracht wird und Sie mit mir kräftig in die Pedale treten können. Die erste Route ist ohnehin schon klar und im Beitrag: Auf zum Cabana Beach verewigt.

Mehr zum Thema Auswandern? … dann …

Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

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