Leben in Thailand
Heimweh, Leberkäs, Gewohnheit, alte neue Heimat, Heimweh, Thailand

Nudeln mit Soße – Heimat in Thailand

Einer meiner beliebtesten Vorsätze beim Auswandern war und ist: In Rom mach es wie die Römer. Mit dieser Einstellung lag ich meist sehr richtig. Dies sorgte bei mir jedenfalls dafür, dass Thailand meine neue Heimat nicht nur postalisch, sondern im Kopf und auch im Herzen wurde. Gefühle wie Heimweh, Verbitterung oder Scheitern meines Lebensabenteuers kamen dadurch erst gar nicht auf. Dennoch werde ich in erster Linie immer Europäer bleiben und dies erfüllt mich auch mit einem positiven Grundgefühl. Selbstverständlich werde ich mich nicht assimilieren, sondern integriere mich mit meinen europäischen Ecken und Kanten. In einem weit entfernten und für uns Europäer exotischen Land wie Thailand sorgt dies manchmal auch für Kurioses, darum geht es auch in diesem Beitrag. Nudeln mit Soße, ist die Macht der Gewohnheit, die ich ändern könnte, nur zu welchem Zweck?

Mein Zuhause ist ganz klar Baan Metawi in Chumphon und der Golf von Thailand ist meine neue Heimat. Meine alte Heimat wird aber immer Deutschland und Europa bleiben. Heimat sehe ich grundsätzlich auch nicht statisch, sondern im Wandel. Thailändisch lernen ist für mich daher pure Integration und stellt sicher, dass ich mich in meiner neuen Heimat wohl fühle ohne Heimweh. Heutzutage ist dies bereits zur Gewohnheit geworden und hilft mir sozial integriert zu sein.

Viel wichtiger, ich gettoisiere mich dadurch nicht. Das bedeutet, so wie ich Pauschalreisen für mich als verschwendete Zeit ablehne, könnte ich mir auch niemals vorstellen in Thailand zu leben und mich ständig mit Deutschen, Deutschsprachigen und Deutschem zu umgeben. So ein Leben hätte dann auch aus einer Geschichte von Kipling kommen können und ist bestenfalls nur negativ altmodisch. Auch wäre dann das wärmende Gefühl der Heimat für mich verloren. Einige passende Beiträge vorab:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 9 Minuten

Beliebtheit sticht Gewohnheit außerhalb der Heimat

Werden Urlaubsgeschichten in Deutschland erzählt, wird oft sehr viel Wert darauf gelegt, dass man die Küche seines Urlaubslandes selbstverständlich zu bevorzugen hat, nur so grenzt man sich vom gewöhnlichen Touristen ab. Diejenigen, die dort nur Deutsch oder Fastfood essen, vermissen doch sehr viel. Da steckt nicht wenig Wahrheit drin, aber es ist schon ein sehr mittel- und nordeuropäisches Denken. Ein typischer Chinese, Japaner oder Thailänder wird im Urlaub in Deutschland versuchen, so viel wie möglich aus dem eigenen Heimatland, zumindest aber aus Asien zu essen. Vielleicht aus Gewohnheit, aber im Falle von Japan und Thailand doch eher wegen deren hervorragenden Küchen. Im Übrigen glaube ich, dass zumindest die wenigen italienischen Touristen, die nicht in Italien Urlaub machen, im Ausland doch eher … italienisch speisen. Wer kann es ihnen auch verdenken?

Natürlich ist italienisches Essen global mit großem Abstand am beliebtesten. Viele asiatische Länder, natürlich auch Thailand, sind in den Top 10 weltweit (siehe Chart im Economist). Deutsches Essen taucht dabei nicht auf, da es doch eher für deutsche Gaumen gemacht wurde. So ist es mit den meisten Ländern der Welt. Es gibt einen Grund, dass es zum Beispiel in Thailand nur sehr wenige deutsche Restaurants gibt, aber Unmengen kommen aus Japan, Südkorea, China und Italien. Siehe hierzu auch:

Gewohnheit aus der Heimat im besten Sinne

Ich lebe in Thailand seit 2009, esse geschätzt 80 % thailändisch, aber meine alte Heimat hat mich geprägt. Breze & Brot, Bratkartoffel und Nudeln mit Soße begleiten mich auch hier seit Jahren, siehe hierzu: 6-Tage Brot mit 6-Jahre Sauerteig – Back Dich ins Glück. Zum einen schmeckt es mir, aber zum anderen ist es auch eine Art Prophylaxe gegen Heimweh. Ich würde eigentlich ab und an auch anderes aus Deutschland essen, aber daran scheitern dann meine Kochkünste, z.B. Sauerbraten. Auch gibt es im Umkreis von 200 km in Chumphon kein deutsches Restaurant. Dies stimmt nicht wirklich, da Koh Samui so etwas hätte, aber wer will schon nach Koh Samui? Das gibt wieder lustige Zuschriften.

Wie schon oft in anderen Beiträgen beschrieben, wird dann der Mangel zu einem wahren Glücksgefühl, wenn ich zum Beispiel 1-mal im Jahr meine deutschen Lieblingsspeisen in der alten Heimat esse. Es bekommt dadurch, wie von Geisterhand, eine höhere Wertigkeit in meinem Köpfchen und somit auch mehr Glückshormone. Würde ich hingegen eine Leberkässemmel immer und überall bekommen, dann klappt dies natürlich nicht, selbst dann nicht, wenn zur Krönung noch süßer Händlmaier Senf dazugepackt wird.

Früher bat ich auch unsere zahlreichen europäischen Besucher, mir aus der alten Heimat zum Beispiel Pfanni Bratkartoffel mitzubringen. Erst die Pandemie und das Ausbleiben von Besuchern lehrte mich Erstaunliches. Vielleicht wissen Sie das nicht, aber man kann Bratkartoffeln auch selber machen, verrückt oder?

SomTam ist Heimat immer und überall

Ich bin mir nicht sicher, ob Thailänder irgendwo auf der Welt auf ihren geliebten Papayasalat SomTam verzichten könnten? Nicht nur aus Gewohnheit, sondern es scheint manchmal, dass ein Leben ohne diesen Wundersalat für den Biothailänder nicht möglich ist.

Vor ca. 30 Jahren hatte ich öfters mal größere Reisegruppen aus Thailand zeitweilig auf ein paar Etappen in Deutschland begleitet. Schon im Reiseprogramm stand als Verkaufsargument, dass man sich immer bemühe, zumindest einmal pro Tag ein thailändisches Restaurant anzusteuern und wenn es das nicht gibt, dann zumindest ein chinesisches.

Erst kürzlich hatte Sohn Nummer 1 in Passau Verwandtschaftsbesuch aus Thailand. Allerdings kamen Onkel und Tante nicht alleine, sondern waren in einer Reisegruppe mit weiteren 30 Thailänder in Passau und warteten auf die Einschiffung für eine Flusskreuzfahrt. Dabei wurde Sohn Nummer 1 dann auch zum gemeinsamen Mittagessen in ein exotisches deutsches Restaurant eingeladen. Es war für die Gruppe lustig, dass ein Neffe zufällig in Passau lebte. Er meinte nur, dass er selten so gequälte Gesichtsausdrücke in dieser großen Gruppe gesehen hatte, während alle die deutschen Speisen aßen. Siehe auch:

Thailänder, ähnlich wie Italiener, lieben ihr Essen und vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die Gruppe sich eines der vielen guten italienischen Restaurants in Passau ausgesucht hätte.

Was ist sonst noch alte Heimat in Thailand?

Ab und an schaue ich mir bayrische Serien wie Hubert mit oder ohne Staller an, danach hab ich dann mein Alpenakku für Wochen wieder gefüllt. Beim Auto- bzw. Mopedfahren fluche ich auf Deutsch, wenn mal ein Thailänder wieder ohne Vorwarnung links, rechts oder gleich schräg überholen möchte. Siehe hierzu auch:

Thailand ist ja kein Milchland, aber für mich als Milchliebhaber gibt es mit der Meiji Milch (ein Jointventure zwischen der thailändischen Charoen Pokphand Gruppe und dem japanischen Meiji Konzern), schon wirklich sehr gutschmeckendes weißes Gold, erhältlich auch im: 7-Eleven in Thailand. Seit ein paar Jahren gibt es zudem auch mehr Auswahl bei Joghurt und vor allem gibt es mittlerweile auch lokal hergestellte Mozzarella.

Sie sehen schon, Heimat und Heimweh hat viel mit Essen zu tun, dennoch ist auffällig, dass ich mich heutzutage viel mehr für das politische Deutschland und Europa interessiere als früher, als ich noch dort lebte. Dies unterscheidet sich dann schon sehr, wenn ich im Zusammenhang mit Essen über Heimat schwärme. Warum ist dies so? Die Antwort darauf finden Sie auch in den Büchern von Geert Hofstede und Fons Trompenaars.

Fusion Food, vermischen bringt Neues

Wie auch in vielen anderen Lebenssituationen entwickelt sich durch Kombinieren oftmals Neues bzw. bestehendes wird meist besser, neudeutsch: Fusion Food. Pizza und Pasta wurden von mir schon adoptiert, angepasst und als Heimat bezeichnet, als die alte Heimat nur die Heimat war.

Natürlich kommt heutzutage in meinen selbstgemachten Marmeladen viel exotisches Obst, aber auch Chili, Ingwer und thailändische Kräuter zum Einsatz. Thailändische Gerichte vermische ich ab und an mit Käse & Co, breite Reisnudeln werden wie Pasta verkocht und Pizza wirkt schon sehr thailändisch. Japaner machen dies schon seit Jahrzehnten mehr oder weniger erfolgreich und wenn es am Ende schmeckt, warum nicht. Gerade beim Kochen kann man so wunderschön die alte und neue Heimat verbinden und die Gewohnheit aufpeppen.

Thailänder in der Familie und im Freundeskreis essen dies nicht nur immer häufiger, sondern probieren selbst Neues aus. Meine Frau, die Biothailänderin, macht mittlerweile gerne Breze und Schnitzel, da Sohn Nummer 2 (siehe: Erfahrungsbericht Adoption Thailand und Auslandsadoption Deutschland) sich auf seinen Europatrips sehr dafür erwärmt hat. Dies wird dann auch mit thailändischen Speisen kombiniert und es schmeckt.

So ist letztendlich die thailändische Küche entstanden, da ursprünglich z.B. überhaupt kein Chili verwendet wurde. Auch sieht man die Einflüsse durch Indien und China sehr stark. Dennoch ist den Thailändern dabei etwas Bemerkenswertes gelungen, es wurde nicht nur besser, sondern ist heute weltweit typisch thailändisch. Ein paar Beiträge hierzu:

Erlauben Sie mir ein bisschen zu meckern

Hand aufs Herz, wer kombiniert beim Essen nicht gerne mal verschiedene Küchen. Da wird der thailändische Papayasalat SomTam gerne mit Karotten gemacht oder eine Pizza mit Weißwurst und Bolognaise. Für die einen ist es Abwechslung bei der Gewohnheit und für die anderen ist es der Heimat ein bisschen näher zu sein. Keiner käme hierbei auf die Idee, etwas Negatives darin zu sehen.

Es ist nichts anderes als etwas zuerst kopieren, dann anpassen und, wenn möglich, danach besser zu machen. Man nennt es Fortschritt. Aber insbesondere in der westlichen Welt gilt dies in der Wirtschaft heutzutage als negativ. Erst waren es aus deutscher Sicht die Japaner und dann die Chinesen, die von uns alles kopierten und billiger verkauft haben.

Dann wurde es von diesen Ländern nicht nur verbessert, es entstand oft etwas Neues daraus und wurde teurer verkauft und so weiter. Erst durch eifriges Kopieren konnte das Römische Reich entstehen und uns die Grundlage für ein industrialisiertes Europa geben. Heutzutage verschwendet der Westen aberwitzige Ressourcen mit Patentverletzungen und überlässt das Erfinden den Asiaten, hauptsächlich den Chinesen. Fortschritt wird durch Anwälte ersetzt, wie dumm ist dies denn? Lesen Sie hierzu auch:

Bangkok, Würze für die Gewohnheit

Für mich ist daher Heimat kein Fels in der Brandung, sondern ein dynamischer Prozess. So wie sich meine Mentalität, Einstellung und Weltauffassung hoffentlich zum Besseren verändert, so verändert sich auch meine Heimat und Gewohnheiten.

Ich liebe das Leben in Chumphon, nur manchmal wollen wir den Kontrast zur Gewohnheit und da ist dann Bangkok ideal. Beim Essen wird es für uns vorzugsweise italienisch, chinesisch oder japanisch. Auch ist Bangkok ein herrliches Sprungbrett in die alte Heimat.

Zumindest vor der Pandemie kamen wir mindestens einmal im Jahr nach Europa, sozusagen als Touristen zum Urlauben. Dort waren wir dann aber gute Touristen, da wir uns an das einheimische Essen herangewagt haben. In Rom mach es wie die Römer, könnte man sagen. Allerdings ein wenig Medizin aus Thailand hatten wir auch in Rom und sonst wo in Europa dabei, nämlich unseren gut gefühlten Chilistreuer.

Mehr zum Thema Auswandern? … dann …

Leben und wohnen auf Baan Metawi in Chumphon am Golf von Thailand

Wenn Sie sich für einen Langzeitaufenthalt bei uns in Chumphon interessieren, lesen Sie sich das Mietangebot meiner Frau auf Baan Metawi gut durch. Es zeichnet sich im Besonderen dadurch aus, dass es ein sehr nützliches und vielfältiges Servicepaket bietet, welches Ihnen den Schritt zum Überwintern oder Auswandern nach Thailand erheblich erleichtert. Zudem spricht der Ehemann meiner Frau sogar auch Deutsch.


Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Tragen Sie sich in die E-Mailliste ein! Nachfolgend, die neuesten Beiträge:

4 Kommentare

  1. Hey Matt,

    sehr schöner Artikel. So wahr.
    Mittlerweile gibt es ja alles auch in Thailand zu kaufen. Incl. deutsches Essen. Wie bei Mutti schmeckt es halt nicht immer. Aber das tut es auch in Hamburg nicht, wenn jemand aus Bayern kommt.

    Zum Thema Fusion Food: Schon seit vielen Jahren gibt es das auf dem kleinen Koh Chang dank eines Münchers, der dort viele Jahre überwinterte. Kartoffelpuffer mit Ingwer und Spinat mit Kokosmilch stehen bei Mamas Bungalow auf der Speisekarte. https://stefaninthailand.de/koh-chang-ranong/
    Vor ein paar Wochen kam ich in den großen Genuss, in Chiang Rai im Locus Native Food Lab ein exquisites Menü zum Thema „Mediterranean meets Lanna“ genießen zu dürfen. Der Tomatenschaum mit Chilli-Note hat einen riesengroßen Eindruck bei mir hinterlassen obwohl er sich auf der Zunge schnell verflüchtigte und nichts als Geschmack hinterließ.

    Immer wieder gerne erzähle ich die Geschichte als meine thailändische Frau zum ersten Mal nach Deutschland kam. Der Koffer war fast so groß wie sie selbst und zur Hälfte gefüllt mit Essen incl. einer übel riechenden Fischsoße. Sogar viele Pakete Mama Instant Noodles waren dabei. Sie hatte Angst zu verhungern. https://stefaninthailand.de/thai-essen-in-deutschland

    Viele Grüße aus Chiang Rai
    Stefan

    PS: Bin gespannt auf weitere Artikel von dir. Nach dem Essen bin ich auch wieder bereit für politische Themen 🙂

    1. Vielen Dank für den tollen Kommentar. Da wir diesen Winter wieder eine Reise in den Norden Thailands planen und hoffentlich Chiang Rai diesmal dabei ist, freue ich mich schon auf den Chilischaum mit einem Hauch von Tomate ;-). Viele Grüße mit gerade herrlichem Meeresblick. Matt

  2. Wir können dir ja Weißwurst und Leberkäse in Dosen mitbringen 😂 bis dahin empfehle ich den Film „Leberkäsjunkie“ aus der Eberhofer-Krimi-Reihe
    LG nach Chumphon vom Ammersee
    Nicole

    1. Dankeschön aber bitte nicht! Die will ich schon schön in Passau oder München essen. Zumal es in Supermärkten in Bangkok zumindest Weißwürste gibt. Ja klar kenne ich Leberkäsjunkie und die ganze Reihe. Die kann man sich auch in Thailand anschauen. Euch auch liebe Grüße an den Ammersee, wir kamen gerade von unserer Badewanne zurück, hab ich mal in diesem Beitrag beschrieben: Auf zum Cabana Strand in Chumphon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Share via
Copy link
Powered by Social Snap