Leben in Thailand
Erfahrungen Blog Thailand auf einer Insel in Thailand leben

Knapp am Paradies vorbei, ist auch daneben

Aktualisiert am 20. Oktober 2021

Leben auf einer Insel in Thailand

Oft schreibe ich in meinen Beiträgen über ein – für mich – paradiesisches Leben hier in Chumphon, ca. 500 km südlich von Bangkok, Thailand. Ohne mich verbiegen zu müssen, kann ich mein Lebensabenteuer seit 2009, als ich nach Thailand ausgewandert bin, tatsächlich so bezeichnen. Zwei von mehreren wichtigen Gründe hierbei: zum einen liegt Chumphon am Meer und zum anderen gibt es kaum Touristen. Dass ich es allerdings immer als selbstverständlich erachtete nie auf einer Insel leben zu müssen, scheint wohl eher nicht selbstverständlich zu sein.

Touristen auf der ganzen Welt zieht es beim Urlauben auf Inseln. Insbesondere in Thailand ist der Urlaub auf einer Insel groß in Mode und passt sehr gut ins Bild der Werbung (Bacardi). Natürlich regen Filme, wie „The Beach“ zum Träumen an. Wenn die Insel dann noch in einem exotischen und tropischen Land wie Thailand liegt, wird das Adjektiv paradiesisch recht häufig verwendet. Es ist kein Wunder, das vor Covid-19 eben diese Inseln in Thailand zu den beliebtesten Zielen für Fernreisen galt. Komischerweise zieht es aber auch nicht wenige Auswanderer auf eine der vielen Inseln in Thailand.

Warum zieht es Touristen und insbesondere Auswanderer oft weltweit auf Inseln? Warum überhaupt in Thailand auf einer oftmals überfüllten Insel leben? Welche zusätzliche Probleme bringen touristische Inseln in Thailand und auch anderswo mit sich? Dies und mehr finden Sie in diesem Beitrag. Weitere Beiträge die passend zum Thema sind:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 10 Minuten

Potenzierte Probleme beim Inselleben, nicht nur in Thailand

Massentourismus ist mittlerweile weltweit ein großes Problem. Denken Sie in Europa nur an Venedig, Barcelona oder Mallorca vor Covid-19. Wirtschaftlicher, schlecht verteilter Erfolg geht einher mit meist viel größeren umwelt- und gesellschaftspolitischen Problemen. Auf Thailand gemünzt bedeutet dies:

  • Anwachsen der Kriminalität an und durch Ausländer
  • Abfallberge bzw. fehlende fachgerechte Entsorgung
  • Probleme mit der Wasser- und Stromversorgung
  • Naturzerstörend und umweltbelastend
  • Zersplitterung der thailändischer Kultur
  • Überbeanspruchung der Infrastruktur – Straßen, Strände, Gesundheitsvorsorge, etc.
  • Verlust der thailändischen Identität

Auf kleinen bzw. mittelgroßen Inseln mit viel Tourismus in Thailand werden diese Probleme potenziert und nur durch extreme Maßnahmen sind diese überhaupt noch zu bewältigen. Für den oben genannten Film „The Beach“ war der Namensgeber die Maya Bay auf der Insel Phi Phi in der südlichen Provinz Krabi. Der Film sorgte für Touristenströme ohne Ende. Die Folge: der Traumstrand wurde teilweise über die Jahre bis zu 80 % zerstört (Korallen, verdrecktes Wasser und Strand, keine Haie mehr, etc.). Die Regierung griff 2018 durch und sperrte seitdem den Strand, wie auch viele andere Inseln in Thailand, vollständig für den Tourismus. Covid-19 hat zudem auch noch zur Erholung beigetragen; mehr dazu weiter unten.

Leben auf einer Insel in Thailand

Vielleicht habe ich ein bisschen die Unwahrheit gesagt, denn unser Anwesen, Baan Metawi, in Chumphon, Thailand ist technisch gesehen auf einer Insel gelegen. Die meisten Thailänder hier wissen das gar nicht, jedoch wenn man über 360 Grad ein Stück Land im Wasser umrunden kann, dann ist es per Definition eine Insel. Da spielt es auch keine Rolle, dass über ca. 10 km ein natürlicher und künstlicher Kanal teilweise nur 2 bis 3 Meter breit ist und während Ebbe manchmal weniger als 20 cm Tiefe vorweist. Diese Erkenntnisse habe ich durch Kajakfahrten selbst erfahren dürfen oder müssen, je nach Sichtweise. Toll dabei sind natürlich die riesigen Mangrovenwälder. Siehe hierzu den Beitrag: Mangroven; die wahre Lunge der Erde

In Thailand haben fast alle Inseln das Wort „Koh“ vor dem Namen und Koh bedeutet auf thailändisch eben Insel. Die meisten Europäer kennen natürlich Koh Samui, Koh Tao, Koh Phangan, Koh Phi Phi, Koh Chang und so weiter. Jedoch die berühmteste und größte Insel in Thailand wird offiziell nur Phuket genannt. Phuket ist die einzige Insel in Thailand, die auch einen Provinzstatus hat, daher fällt das Wort Koh häufig weg. Auch ist diese Insel nur durch eine ca. 200 Meter lange Brücke vom Festland getrennt.

Die Anzahl der Inseln in Thailand beläuft sich auf weit über 1.000. Die allermeisten davon sind aber überhaupt nicht bewohnt und sind sehr oft Teil eines Nationalparks. Auf einem nahe gelegenen Aussichtsberg bei uns kann ich schon 9 unbewohnte Inseln bei gutem Wetter sehen. Trotzdem, im Vergleich zu Indonesien und den Philippinen hat Thailand relativ wenig Inseln. Siehe hierzu auch den Beitrag: Südostasien, was bedeutet dies eigentlich? Geschätzt gibt es in Thailand circa 30-50 Inseln, die mindestens eine minimale Infrastruktur (Strom, Frischwasser, Internet) zum Leben aufweisen.

Bilder unbewohnter Inseln in Chumphon, Thailand

Leben auf einer touristischen Insel in Thailand; welche Probleme gibt es?

Je größer eine Insel, desto kleiner werden inselspezifische Probleme, aber auch das Gefühl auf einer Insel zu leben lässt nach, z.B. Phuket. Daher möchte ich beispielhaft die kleinste „unserer“ nahegelegenen Inseln im Golf von Thailand nehmen. Koh Tao: übersetzt bedeutet es Schildkröteninsel und wird oft auch die Taucherinsel genannt, da es dort gefühlt mehr Tauchschulen als Sandkörner gibt. Eine tropische Insel, die man auf einer Karte eher als winzige Fliege verwechselt. Sie wurde sogar mal in einer von unzähligen Umfragen zur schönsten Insel weltweit gekürt. Schön ist bzw. war bzw. ist sie im Moment schon. Warum dieses Rumgestottere? Covid-19 stoppte den doch zerstörerischen Massentourismus für den Moment und die Natur kann sich erholen; nur wie lange noch? Wenn man sich aber alle die Menschenmassen, Gebäude und Boote wegdenkt, dann kann man schon ins Schwärmen für diese Insel kommen.

Der Massentourismus hat dieser Perle im Golf doch ziemlich zugesetzt. Abfall ohne Ende, Frischwasser muss vom Festland importiert werden und häufige Stromausfälle. Überbevölkerung, viel zu viele Hotel- und Ressortanlagen und zerstörter Meeresboden, insbesondere Korallen, durch unzählige Tauchbote und Taucher. So geht es vielen teils noch berühmteren Inseln in Thailand, siehe oben. Covid-19 sei Dank, siedeln sich mittlerweile vielerorts wieder ganze Haischwärme an (Maya Bay) oder seltene Schildkröten legen ihre Eier (Koh Samui). Auch erholen sich Korallen viel schneller als von Experten vorausgesagt, einhergehend mit einer viel besseren Wasserqualität.

Weitere negative Insel-Beispiele

Ähnlich verhält es sich mit Koh Phangan und Koh Samui, wobei die Probleme teilweise noch größer sind. Die Full Moon Party am Haad Rin (Rin Strand) auf Phangan, hat einen ehemals wunderschönen Strand zum Slum gemacht und weitestgehend zerstört. Durch Hilfe von Covid-19 und mit ein bisschen Glück wird zumindest die Full Moon Party hoffentlich der Vergangenheit angehören. Aus allen Ländern weltweit kamen in den vergangenen Jahren meist die unter 30-jährigen, um dort zu tausenden abzufeiern.

Wieder zuhause angekommen, wurde dann laut über Umweltverschmutzung und Klimakatastrophe demonstriert. Ich verweise nur auf eine normale menschliche Eigenschaft, dass eigenes Handeln natürlich zwiespältig ist. Dennoch ist es dann leider schon sehr oft die jüngere Generation, die nur die eigene Einstellung/Meinung akzeptiert und alles andere wird niedergeschrien. Hierzu passende Beiträge:

Mehr oder weniger gelten diese Probleme für alle touristischen Inseln in Thailand und, soweit ich das beurteilen kann, wohl auch weltweit. Phuket hat in den letzten Jahren zur Hochsaison immer wieder Wasserknappheit. Man muss sich dies mal vorstellen, eine tropische Insel, die jährlich mehr als genügend Niederschlag hat, hat in der Hochsaison Wasserknappheit, da sich viel zu viele Touristen im Dezember bis Februar dort aufhalten.

Warum nicht Festland, warum muss es eine Insel sein?

Bleiben wir im Golf von Thailand und schauen uns die Karte an. Über hunderte Kilometer verläuft die Küstenlinie auf dem Festland, entlang der 3 berühmten Inseln (Koh Tao, Koh Phangan und Koh Samui) und beinhaltet 3 Provinzen. Es gibt auf dem Festland massenweise Traumstrände und gar nicht wenige haben eine ganz dezente und vor allem kultur- und umweltschonende Infrastruktur. Siehe hierzu auch:

Meine Heimatprovinz Chumphon hat so gut wie keine Touristen, ähnlich wie auf dem Festland der Provinz Surathani (obige 3 Inseln gehören zu dieser Provinz) sowie auch die Provinz Nakhon Si Thammarat (siehe hierzu: Khanom = Urlaub vom Urlaub, so macht Thailand Spaß). Genau diese 3 Provinzen mit einem riesigen Meeresabschnitt, wurde bereits einmal im Beitrag: Schmierfinken verewigt.

Menschen, die in diesen 3 Provinzen in der Touristenindustrie arbeiten sind fast ausnahmslos aus der Gegend (Ausnahme die 3 berühmten Inseln), was zumindest in den letzten Jahren ein Grund war, dass Massentourismus nicht Einzug hielt. Der Hauptgrund allerdings, der ganze Süden Thailands ist seit Ewigkeiten wirtschaftlich gut unterwegs. Plantagen und das Meer versorgen die lokale Bevölkerung sehr gut. Daher ist das Streben nach Massentourismus, sehr gering. Lässt sich auch daran messen, dass in diesen Provinzen der wirtschaftliche Einbruch durch Covid-19 eher gering ausfiel. Das Meer und Plantagen haben nämlich kein Problem mit Covid-19!

Exotisch ja, aber zu fremd dann auch wieder nicht

Wir lieben zwar Exotisches, jedoch scheint es, dass wir auf uns Bekanntes nicht verzichten können oder wollen, nachdem wir ausgewandert sind. Dies gilt zwar für alle Orte mit Massentourismus, wird aber auf einer Insel verstärkt, siehe oben. In Touristengegenden in Thailand bedeutet dies, dass alles auch auf Englisch, Russisch und seit einigen Jahren auf Chinesisch angeschrieben ist. Mehr ausländische Speisen (Pizza, Pasta, etc.) als thailändische werden beworben. Oft findet auch eine Art Gettobildung der Nationen statt und kultureller Austausch bleibt auf der Strecke. Sehr gut zu sehen, dass viele Auswanderer überhaupt nicht die thailändische Sprache lernen wollen, siehe: Thailändische Sprache lernen. Kein Buch mit sieben Siegel.

Die thailändischen Gerichte sind auf die Gaumen der Touristen angepasst. Insbesondere die Preise nicht nur im Restaurant sind oft um einige 100 Prozent teurer als anderswo und die Qualität ist nicht mal befriedigend. Dazu kommt dann noch, dass die meisten Thailänder – oftmals sind es überhaupt keine Thailänder, sondern meist aus Myanmar stammende Gastarbeiter – keine lokalen Thailänder sind. Hierzu geht es zum Beitrag: Kosten und Preise in Thailand, worin auch zwischen touristisch und nicht-touristisch unterschieden wird.

Im Großen und Ganzen ist das Leben für Auswanderer auf einer Insel in Thailand mit viel Tourismus ein sehr künstliches Leben. Der Vergleich zu einem Aufenthalt in einem Vergnügungspark drängt sich auf. Für 3 Wochen als Tourist auf der Insel ist ja noch verständlich, aber warum wollen so viele Menschen im Disneyland auf Dauer leben?

Leben auf einer Insel in Thailand während Covid-19

Oben beschriebene Beispiele treffen natürlich auf Pattaya oder Hua Hin, etc. zu, jedoch befinden sich diese auf dem Festland und schon alleine das Gefühl jederzeit wegzukommen ist beruhigend. Da alle vom Massentourismus betroffenen Gegenden in Thailand extrem hart wirtschaftlich durch Covid-19 getroffen wurden, ist es auf den Inseln noch viel schlimmer, siehe: Covid-19 in Thailand, 2 Gesichter, 1 Land. Alle haben nur auf Tourismus gesetzt und jetzt sind selbst die Fährverbindungen von und zu den Inseln auf ein Mindestmaß reduziert. Da kaum Angestellte aus der Gegend dort arbeiteten, sind viele davon in ihre Provinzen bzw. Länder (Myanmar, Laos und Kambodscha) zurück. Diese bedrückende Leere spürt man auf den Inseln extrem.

Im Übrigen verteilen sich die Orte mit Massentourismus auf ca. 8 Provinzen von insgesamt 77 Provinzen in Thailand. Von den 40 Millionen Touristen in 2019 entfielen gut 80 Prozent auf 8 von 77 Provinzen! Hierzu passt auch der Beitrag: Wo wollen Sie in Thailand leben?

Thailand hat zwar bis jetzt (April 2021) Covid-19 mustergültig eingedämmt und daher kam es nie zu Szenen wie in jedem Land in Europa oder beiden amerikanischen Kontinenten, jedoch nicht nur während einer Pandemie auf einer kleinen oder mittelgroßen Insel zu leben hat schon etwas mit Glücksspiel zu tun.

Knapp am Paradies vorbei, ist auch daneben

Um nochmal die Beitragsüberschrift zu bedienen. In den Jahren vor Covid-19 fuhren täglich tausende Touristen ein paar hundert Meter von unserem Anwesen in Richtung diverser Schiffsanlegestellen, um die 3 beschriebenen Inseln im Golf von Thailand anzufahren. Oft sah ich die Busse während meiner umfangreichen Fahrradtouren und konnte mir ein Be-Lächeln nie verkneifen. Nach ein paar Jahren hörte ich damit auf, mich zu wundern. Danach frönte ich bis heute und hoffentlich noch sehr lange meinem paradiesischem Leben im tropisch exotischen Chumphon.

Mehr zum Thema Auswandern? … dann …


Kokosnusspalme und Meer

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