Leben in Thailand
Massentourismus Tourismus Urlaub Thailand

Tourismus in Thailand mit Covid-19

Wahrscheinlich gibt es keine Industrie weltweit, die von Covid-19 so schwer getroffen wurde, wie die Reiseindustrie. Noch mehr als bei Geschäftsreisen lag der Tourismus in vielen Ländern sehr lange brach. Allerdings wurde bereits vor Covid-19 der Massentourismus weltweit und natürlich auch in Thailand von vielen Seiten heftig kritisiert und seitens der betroffenen Bevölkerung bekämpft. Und in Zukunft? Wie wird sich der Urlaub allgemein, der gemeine Tourist und der (Massen) Tourismus am Beispiel von Thailand entwickeln? Werden wir hierbei gegen die Natur einfach so weitermachen oder für die Natur und dem eigenen Wohlergehen Neues ausprobieren?

Da wir uns wahrscheinlich mit Corona lange arrangieren müssen, habe ich die Hoffnung, dass uns die Pandemie einen anderen Umgang mit Tourismus aufzwingt. Was dies für Fernreisen bedeutet, möchte ich am Beispiel Thailand festmachen. Wir sind auf unserem Anwesen, Baan Metawi, auch ein wenig vom erschwerten Reisen durch Covid-19 betroffen. Über 14 Monate hatte kein Überwinterer und Auswanderer mehr bei uns gebucht. Klar, denn die Pandemie hat vieles, auch die Einreise nach Thailand erschwert. Mehr dazu am Ende.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 8 Minuten

Massentourismus erklärt am Beispiel des Golf von Thailand

Alleine 40 Millionen Touristen machten in 2019 Urlaub in Thailand, dies setzte der Natur sehr stark zu. Zerstörte Korallen, verdreckte und verbaute Strände, Wildtiere auf dem Rückzug, schlechte Wasserqualität, Überbevölkerung, etc. Dies waren die sichtbaren Spuren der vom Massentourismus betroffenen Regionen in Thailand. Die Touristenströme waren allerdings sehr unterschiedlich verteilt; um die 80 % des Massentourismus spielte sich in 8 von zur Zeit 77 Provinzen in Thailand ab. Weit über die Hälfte davon liegen an einem der beiden Meere, der Golf von Thailand und die Andamanensee.

Wir leben am Golf von Thailand in der Provinz Chumphon mit einzigartiger Meereskulisse und von Kraft strotzender Natur. Kein Massentourismus, eigentlich überhaupt kein Tourismus außer ein paar Tausend Thailänder, die hier am Golf von Thailand jährlich Urlaub machen. 50 km Luftlinie von uns ist Koh Tao, danach Koh Pangnan und Koh Samui. 3 Inseln, die jeder kennt und die vom Massentourismus zu unterschiedlichen Graden stark geschädigt wurden. Insbesondere waren es in der Vergangenheit eine viel zu starke Bebauung, saisonale Überbevölkerung und starke Vermüllung der Inseln nebst Küste. Folgen waren kaputte Korallen, verdrecktes Meerwasser und Rückzug heimischer Tierarten. Dies ganz abgesehen von einer Zersplitterung der thailändischer Kultur, Anstieg der Kriminalität mit und an Ausländern, Überbeanspruchung der Infrastruktur und Verlust der thailändischen Identität durch Massentourismus. Wirtschaftlich sind die 3 Inseln hauptsächlich Monokulturen, da es außer Tourismus fast nichts anderes gibt. Lesen Sie hierzu auch:

Das Gegenteil vom Massentourismus findet sich in Chumphon

Der Kontrast zu Chumphon könnte größer nicht sein. Die Wasserqualität des Golf von Thailand in Chumphon zählt hier regelmäßig zu den besten in Thailand. Kein Müllproblem, Süßwasser im Überfluss und die Meerestierwelt ist weitestgehend intakt. Die Bevölkerung ist nicht zersplittert und die Wirtschaft musste selbst während Covid-19 keine starken Einbußen verkraften.

Die Menschen hier leben mit der Natur und dies bereits seit Generationen. Die Hauptwirtschaftsfaktoren sind das Meer und die Plantagen. Chumphon ist Großanbaugebiet für Kaffee, Palmöl, Kautschuk, Kokosnuss, Durian, Salak und viele andere Obst- und Gemüsesorten. Zusätzlich zur wichtigen Fischerei, gibt es großangelegte ökologische Muschelzucht, sowie viele Garnelenfarmen.

Für westliche Augen ist die Gegend hier traumhaft und sämtliche unserer Langzeitmieter waren von Chumphon begeistert. Hier erleben Sie Thailand als Thailand. Das Leben hier ist ursprünglich, pur und intensiv; das Klima ist tropisch und die Temperaturen sinken so gut wie nie unter 25 Grad tagsüber und nachts nicht unter 20 Grad. Die typische Infrastruktur, die in Orten mit Massentourismus normal ist, fehlt hier, am Golf von Thailand, fast gänzlich.

Eine schnell wachsende Anzahl europäische Rentner, die auswandern oder überwintern wollen, ziehen Gegenden, wie zum Beispiel Chumphon, Orten mit Massentourismus in Thailand vor. Thailand strukturiert den Tourismus auch langsam um, für genau diese Gruppe, die über viel Zeit und Geld verfügt.

Covid-19 wirtschaftlicher Fluch aber gut für die Natur

Erst die Pandemie bereitete dem Massentourismus ein jähes Ende und binnen kürzester Zeit erholte sich die Meereswelt rasant. Haie siedelten sich wieder an der Maya Bay an, die bereits in 2019 für den Tourismus geschlossen wurde. Seltene Schildkröten legten ihre Eier erstmalig seit Jahrzehnten wieder an Stränden, die sonst durch den Tourismus besetzt waren. Die Wasserqualität hat sich sichtbar verbessert, etc. Hier einige Artikel in verschiedenen Medien dazu: thaizeit, SRF, Sky, Business, Bangkok Post, Nikkei Asia

Natürlich setzt Covid-19 der Wirtschaft nicht nur in Thailand zu, jedoch die Übertreibungen diesbezüglich bei westlichen Medien sind auch weltmeisterlich. Lesen Sie hierzu: Thailand ist wirtschaftlich viel mehr als nur Tourismus. Trotz wirtschaftlicher Folgen von Covid-19 scheint jedenfalls die thailändische Regierung entschlossen zu sein, dem Naturschutz Vorfahrt vor Massentourismus zu geben. Es gibt neue Gesetze, die ein Umdenken beim Massentourismus und Tourismus allgemein in Thailand forcieren, manche davon bereits vor Corona, z.B.:

  • Verbot bestimmter Sonnencremes
  • Nationalparks werden zukünftig für 2 bis 4 Monate im Jahr geschlossen
  • Verbot von Einwegplastik
  • Umfangreiches Rauchverbot, auch an beliebten Stränden
  • Keine Übernachtungen mehr auf den Similan Inseln
  • Maya Bay, bekannt aus „The Beach“, ist seit 2019 für Touristen gänzlich, auf unbestimmte Zeit geschlossen
  • Seit mehreren Jahren wurden tausende kleinere und größere Hotels, auch Luxushotels, abgerissen, die illegalerweise in Nationalparks gebaut wurden. Siehe hierzu auch: Bestechung in Thailand oder doch nur Entscheidungshilfe?
  • Vor etlichen Jahren wurden sogenannte Zero Dollar Tours (Kaffeefahrten mit verpflichtenden Kaufprogrammen) Chinesischer Touristen nach Thailand verboten. Dies war zwar wirtschaftlich motiviert, hat aber dazu geführt, dass hunderttausende weniger „Billig“ Touristen ins Land kamen.

Thailändische Regierungen schützen den natürlichen Reichtum Thailands

Wahrscheinlich ziemlich überraschend für viele, in Thailand gibt es, Stand 2020, 147 Nationalparks und über 200 andere geschützte Gebiete mit steigender Tendenz. Im Ganzen entspricht dies ca. 20 % der Landfläche Thailands. Es gibt Pläne, dies in den nächsten Jahrzehnten auf 50 % zu erhöhen. Im Vergleich, Deutschland lässt ca. 0,6 % bis 4 % seiner Landfläche, einen besonderen Schutz zukommen. Siehe hierzu auch:

Zwingt uns Corona beim Massentourismus zum Umdenken?

Jetzt, im September 2021, ist noch gar nicht klar, wie sich Corona weiter entwickeln wird. Im Moment laufen die Diskussionen folgendermaßen:

  • Weltweit werden Geimpfte, gerade beim Reisen, Ungeimpften vorgezogen; vielerorts gibt es die Impfpflicht für Touristen bereits. Insbesondere für Familien mit kleinen Kindern wird die jährliche Fernreise dadurch erschwert bis unmöglich.
  • Die Wirksamkeit von Impfstoffen lässt je nach Impfstoff bereits nach 6 Monaten nach. Es ist eine Frage der Zeit, bis Einreiseregelungen für Geimpfte mit einem Verfallsdatum versehen werden.
  • Bei bestimmten Virusvarianten, im Moment Delta, scheinen Impfstoffe grundsätzlich und bei bestimmten Personenkreisen weniger zu wirken. Neue, noch gefährlichere bzw. Impfstoff resistente Virusvarianten (Bericht 1, Bericht 2) können sich zukünftig bilden. Bei Reisebuchungen mit mehrmonatiger Vorlaufzeit, erhöht sich das Risiko von neuen Beschränkungen erheblich.
    • Kurzfristige Änderungen bezüglich Quarantäne können langfristig geplante Ferien auf den Kopf stellen.
    • Obwohl geimpft, könnte die Einreise verweigert oder die Rückreise zum Spießrutenlauf werden.
  • Ankunfts- und Abflugflughäfen und die Flugreise an sich, sind grundsätzlich mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko versehen, was zu einer unerwarteten Quarantäne selbst bei Kurzreisen führen kann.

Es scheint, dass wir mit Corona uns arrangieren müssen. Was dies für den Urlaub in Thailand und anderswo bedeuten wird, ist im Moment noch zu diffus. Jedoch kristallisiert sich heraus, dass Kurzreisen, typisch für den Massentourismus, höheren Risiken unterliegen, als der Langzeittourismus.

Letztendlich habe ich die Hoffnung, dass Menschen ein Virus nicht politisieren wollen und der gesunde Menschenverstand Vorfahrt bekommt: Der gesunde Menschenverstand

Wie könnte der Tourismus positiv für Wirtschaft und Natur ausschauen?

  • Geht es nach der Reisebranche, dann soll alles wieder so wie vor Covid-19 werden. Der Massentourismus beschäftigt Millionen Menschen in Thailand. Ein Argument, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überall zieht. Die Natur und Kultur werden noch mehr zerstört und der Widerstand in der Bevölkerung gegen Massentourismus wird zu heftigen Protesten führen. Immer vorausgeschickt, es gibt keine neuen Pandemien.
    • Wahrscheinlichkeit 50 bis 70 %
  • Rentner als Auswanderer und Überwinterer ersetzten mehr und mehr wirtschaftlich den Massentourismus. Kurzfristige Visa werden erheblich teurer bzw. verknappt und bei langfristigen werden die Voraussetzungen vereinfacht. Baugenehmigungen für Hotels werden stark eingeschränkt und örtliche Touristensteuern eingeführt.
    • Wahrscheinlichkeit 20 bis 50 %
  • Covid verlagert Flugreisen aufs Auto und Thailand forciert daher auch seit längerem den Inlandstourismus. Ferner werden Städtereisen abnehmen und Urlaub in der Natur zunehmen. Ohnehin ist Thailand ein „Draußen“ Land und hat dadurch natürliche Vorteile zu einem „Drinnen“ Land. Massentourismus wird insbesondere in Megastädten wie Bangkok einbrechen, mit mittelfristig drastischen Folgen für Hotels.
    • Wahrscheinlichkeit 40 bis 60 %
  • Familien werden mehr und mehr Langzeit verreisen, folglich fallen viele Kurzurlaube weg und auch die Erpressung durch hohen Reisepreise während der Schulferien kippt. Solche Langzeitreisen könnte durch ein gemeinsames Sabbatical oder auch Arbeitsaufenthalte im Ausland erfolgen. Es zeichnet sich stark ab, dass qualifizierte Arbeitskräfte weltweit gesucht werden und schon heute verschiebt sich die Verhandlungsmacht vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer.
    • Wahrscheinlichkeit 5 bis 15 %
  • Die jüngere Generation wird mehr und mehr auf flexible Urlaubsmodelle bei den Arbeitgebern pochen und bekommen. Kombinationen für einen mehrmonatigen Urlaub (bezahlt und unbezahlt), auch kombiniert aus mehreren Jahren und eventuell arbeiten in Teilzeit im und aus dem Ausland könnte den Kurzurlaub und somit Massentourismus erheblich einschränken.
    • Wahrscheinlichkeit 20 bis 30 %
  • Thailand zieht durch bereits bestehende freundliche Steuergesetze und Aufenthaltsvorschriften mobile Angestellte an, die vom Homeoffice in Thailand ihre Arbeit in Deutschland erledigen. Entscheidend hierfür wird die Internetabdeckung sein, die in Thailand seit Jahren weltmeisterlich ist und in Deutschland … was soll ich sagen. Siehe hierzu auch: Das Internet in Thailand, so geht Marktwirtschaft
    • Wahrscheinlichkeit 25 bis 50 %
  • Medienbeiträge hierzu: Bangkok Post, McKinsey, BBC, PWC, Deutsche Welle, TheStar

Was bedeutet dies für unser Vermietgeschäft?

Natürlich ist es eine Hoffnung, dass sich wieder Langfristmieter bei uns im Baan Metawi einmieten. Aber die Hoffnung beruht auf Daten. Seit Monaten haben wir so viele Anfragen, dass wir locker noch 5 weitere Wohnungen ohne Probleme vermieten könnten. Es sind zwar auch wenige im 1 bis 2 Monate Bereich dabei, bei den meisten jedoch handelt es sich um Überwinterer, ca. 4 bis 6 Monate und nicht wenige wollen gänzlich auswandern.

Schon wieder hoffe ich, dass meine Prognose für die Zukunft des Tourismus in Thailand nicht deswegen so ausgefallen ist, weil genau dies unserer Kundenstruktur auf Baan Metawi entspricht. Vielmehr denke ich, dass Covid-19 einen bereits begonnene Strukturwandel weg vom Massentourismus unerwartet beschleunigt hat und letztendlich gut für die ganze Welt ist.

Was schreibe andere Blogger über den Tourismus in Thailand?

Der Blog „Stefan in Thailand“ wird von … ja, Stefan betrieben. Er hat sich Mitte der 80er mit dem Thailand-Virus infiziert. Seit 2014 lebt Stefan hauptsächlich in Chiang Rai, der nördlichsten Provinz. Auf Stefan in Thailand schreibt er über Leben, Reisen und Fahrradfahren in Thailand, in letzter Zeit aber immer mehr darüber, wie man überhaupt herkommen kann. Bei den ständigen Änderungen eine besondere Herausforderung.

Stefan hat mehrere Blogger in Thailand über deren Meinung gefragt, wie sich der Tourismus in Thailand zukünftig entwickelt wird; hier geht es zu seinem diesbezüglichen Beitrag.

Mehr zum Thema Auswandern? … dann …


Kokosnusspalme und Meer

Leben in Thailand – Der Blog …
… der Auswandern und Überwintern einfach macht.

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Tragen Sie sich in die E-Mailliste ein! Nachfolgend, die neuesten Beiträge:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Share via
Copy link
Powered by Social Snap