Leben in Thailand
Schmierfinken, Medien, Journalisten

Schmierfinken

Na klar, auf die Presse rumhacken ist ja einfach und auch populär. Zu verallgemeinern, also von schwarzen Schafen auf alle schließen, ist auch nicht nur einfältig, sondern kann gefährlich werden. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass im Großen und Ganzen Medien und Journalisten in der Vermittlung von Nachrichten kein großes Interesse haben, als Hauptbeispiel verwende ich hierbei Thailand. Hier sieht man sehr gut was Schmierfinken anrichten können.

Natürlich haben wir keine Lügenpresse, zumindest nicht in Deutschland, jedoch Qualitätsjournalismus ist es auch nicht. Mir war selbst über sehr lange Zeit nicht klar, wie ich die von mir vertretene Meinung hinsichtlich Journalisten und Presse am besten und objektivsten rüberbringen kann. In meiner Paradedisziplin Bankwirtschaft würde ich zu sehr in technisches Kleinklein abschweifen. Lesen Sie hierzu auch: Die böse Arm Reich Schere, das Märchen der Ökonomie.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 19 Minuten

Pabuk und Schmierfinken

Dann kam der 2. Januar 2019 und erste Berichte über den Tropensturm Pabuk, dem „gewaltigsten Monstersturm seit einer Generation“, kamen zum Vorschein. Er sollte mitten in der Touristenhochsaison im Golf von Thailand zuschlagen. Ich war also mittendrin, hier in Chumphon, meiner Wahlheimat seit 2009. Thailänder bezeichnen Chumphon auch als das Tor zum Süden, für mich ist es mein Paradies. Für ca. 4 Tage waren Berichte darüber permanent in der europäischen Presse, den Schmierfinken, teilweise wurden diese online als meistgelesene Artikel gekennzeichnet.

Dazu muss man wissen, dass zur Jahreswende gefühlt ganz Europa nach Thailand kommt. Insbesondere die bekannten Touristeninseln Koh Tao, Koh Phangan und Koh Samui im Golf von Thailand sowie Phuket und die Festlandprovinz Krabi in der Andamanen See haben Hochsaison.

Schauen wir uns mal die Berichterstattung, nein das Geschmier darüber von unseren hochgelobten Medien, nein Schmierfinken, an, beispielhaft möchte ich hier ARD, ZDF, Süddeutsche Zeitung, FAZ, NZZ, Zeit, Focus, Euro News, T-Online und Wetter-AT nennen. Zugegeben, die der englischsprachigen Presse waren keinen Deut besser, eventuell sogar noch schlimmer. Eine rühmliche Ausnahme war hier die BBC; wie so oft kann hier tatsächlich Qualitätsjournalismus durch deren Journalisten, auch über Thailand, gefunden werden.

Der Sturm Pabuk zwischen 3. bis 6. Januar 2019 zeigt eindrucksvoll die Klasse unserer Medien und erklärt ohne große Verrenkungen meinen Titel für dieses Kapitel; was war geschehen?

Geografiewissen – Fehlanzeige und für Schmierfinken unerheblch

Bereits ab dem 2. Januar musste ich aufgrund deutscher und englischer Medien fürchten, dass der Sturm uns in Chumphon am 3. Januar voll treffen würde. Permanent wurde Chumphon als durch Pabuk gefährdete Region genannt.

Dann wurde mir allmählich klar, dass Journalisten die Provinz Chumphon in Thailand einfach mal gleichsetzen mit dem Chumphon Archipel. In Wirklichkeit beschreibt das Chumphon Archipel insgesamt 3 Provinzen, Chumphon, Surathani und Nakhon Si Thammerat, mit hunderten Kilometer Küstenlinie. Zudem kommt noch ein sehr großer Meeresabschnitt, indem auch die 3 touristischen Inseln, Koh Tao, Koh Phangan und Koh Samui liegen.

Ist Herr Google der bessere Journalist?

Jedoch konnte so ein unglaublich tiefes Expertenwissen über Thailand von ausgebildeten Schmierfinken nicht verlangt werden, dies hätte ja tatsächlich kritische Berichterstattung durch Journalisten erfordert. Hat doch von diesen Rechercheköniginnen und -könige noch niemals jemand etwas von Google Maps gehört. Einen Atlas eben, für Journalisten, die die analoge Form bevorzugen.

Es war auch permanent nur immer die Rede vom Süden Thailands. Dieser beginnt offiziell mit unserer Provinz Chumphon und endet an der südlichsten Spitze Thailands zum Grenzgebiet zu Malaysia. Dazwischen liegen über 800 km und 2 Meere, der Golf von Thailand und die Andamanen See.

Alles wurde von den Schmierfinken miteinander vermischt und plötzlich waren alle in Rede stehenden Inseln in einem Meer gelegen. Krabi wurde von den Schmierfinken zudem gleich noch als Insel erkoren. Es gibt ja für unsere Journalisten auch keinen Unterschied, ob ich eine Sturmflut auf der Nordsee oder in Bayern auf dem Ammersee erwarte. Sollte es dann eine Sturmwarnung in Barcelona geben oder sollte Grönland evakuiert werden?

Ist doch nur Thailand und Asien, was juckt es Journalisten aus Europa. Dieser berichte doch lieber über jede Milchkanne in der hochgelobten USA, als über einen Kontinent mit bald 4 Milliarden Menschen.

Aufmerksamkeit durch Todesopfer generieren

Am 3. Januar musste ein Russe für die Schlagzeile „Pabuk fordert 1. Todesopfer“ herhalten. Ein Russe ertrank im Meer. Tragisch und passiert in Thailand im Jahr sehr häufig. Insbesondere Russen und Chinesen, wenn sie auf Urlaub in Thailand sind, vergessen oft erst im Meer, dass sie überhaupt nicht schwimmen können. Obwohl der Sturm oder seine Ausläufer zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht eingetroffen waren, wurde er dann zum 1. Sturmopfer erkoren. Nicht nur die Boulevardpresse braucht Tote, um ihr Geschmier an den Mann/Frau zu bringen, die sich selbst lobende Qualitätspresse ist dabei gleich auf.

Warum brauchen unsere Schmierfinken eigentlich unbedingt Tote? Permanent wurden von den Journalisten Vergleiche zu den Stürmen Harriet (auch in Thailand) in 1962 mit fast 1000 Toten und Gay in 1989 mit fast 400 Toten gezogen. Warum, dies weiß kein Mensch. Wahrscheinlich klingen Spekulationen über wie viele Tote es schon mal gab und daraus suggerierend wie viele Tote es geben könnte, verkaufsfördernder, als sich auf Fakten zu verlassen.

Den vorläufigen Gipfel haben unsere Verlagshäuser und Medienanstalten diesbezüglich mit den permanenten Meldungen über die Anzahl von Covid-19 Infizierten und Ländervergleichen mit der Anzahl der Toten erreicht. Insbesondere durch dieses anhaltende, allgegenwärtige Geschmier darüber in den ersten Monaten, wurde die schon schlimme Pandemie durch unsere Medien verschlimmert.

Diskriminieren unsere Journalisten bei Thailand und Asien?

Als klar war, dass die Touristengegenden nicht stark betroffen waren, erschien noch eine Schlagzeile: „Zehntausende Einheimische im Süden Thailands haben ihre Wohnungen bereits verlassen müssen“

Hunderte Berichte über Koh Samui, Phuket, Krabi & Co. Kaum etwas über die Gegend, bei der tatsächlich am meisten Vorkehrungen seitens der thailändischen Verwaltungen getroffen wurden. Und auch wieder nur „der Süden Thailands“, als ob 800 km nichts wären.

Hat es etwas damit zu tun, dass es dort nur wenig westliche Touristen gibt? In der Tat traf dann auch der Sturm mit voller Wucht auf diesen Teil der Provinz Nakhon Si Thammerat (siehe hierzu auch den Beitrag: Khanom = Urlaub vom Urlaub, so macht Thailand Spaß), wo auch die meisten Sachschäden, die sich trotz allem in Grenzen hielten, letztendlich auftraten. Natürlich wurde hiervon, wenn überhaupt nur in Nebensätzen berichtet. Es betraf ja nicht die mit Europäern vollgestopften 3 Inseln und auf der Andamanen See, Phuket und Krabi.

Der Tsunami der Diskriminierung

Es gibt ja einen Qualitätsunterschied zwischen Einheimischen und Europäern für unsere Medien. Schon einmal musste der Süden Thailands, genauer die Andamanen See und hier eben hauptsächlich die Provinzen Phuket, Pangna und Krabi für seriösen europäischen Journalismus herhalten.

Der grauenhafte Tsunami von 2004, mit insgesamt über 230.000 Toten in ca. 14 Länder. In Thailand starben ca. 5.000 Menschen, die meisten davon kamen aus dem reichen Europa. Weltweit wurde fast ausschließlich über Thailand berichtet. Hier auf einmal spielt die Anzahl der Toten nur eine Nebenrolle. Der schreckliche Tsunami offenbarte massive Diskriminierung durch Journalisten und Medien und wir schauten zu.

Groß, größer, am größten, am allergrößten …

Bei allen Medien wurde immer vom schwersten Tropensturm außerhalb der Monsunzeit gesprochen. Was für ein doppelter Unsinn. Zum einen befindet sich dieser Teil des Golfs von Thailand bis Februar in der Monsunzeit. Zur Erklärung für unsere Journalisten: Januar kommt zeitlich vor dem Februar! Daher ist es schwer verständlich, warum dies außerhalb der Monsunzeit sein soll. Zum andern suggeriert „außerhalb der Monsunzeit“ ja eine noch stärkere Sturmgefahr innerhalb der Monsunzeit, purer Schwachsinn.

Ähnlich märchenhaft verhält es sich mit der Windgeschwindigkeit. Berichtet wurden sehr häufig von bis zu 104 km und in der britischen Presse war sogar von 100 Meilen (ca. 161 km) Windgeschwindigkeit die Rede. Von offizieller Seite wurden allerdings „nur“ 65 km und nach Erstarken von Papuk, 75 km genannt. Journalisten wählten hierfür willkürlich Begriffe wie „Tropensturm“, „Zyklon“, „Wirbelsturm“, „Zyklon-Hölle“ und „Monstersturm“.

Beim Taifun Mangkhut, der die Philippinen im September 2018 heimsuchte, wurden Geschwindigkeiten von bis zu 330 km gemessen. Welche Begrifflichkeiten verwendet man dann eigentlich dafür, wenn 65 km Windstärke schon eine Zyklon-Hölle oder einen Monstersturm darstellen?

Sind Journalisten bzw. Schmierfinken mathematische Nichtschwimmer?

Von 7 Meter hohe Wellen wurde überall durch Journalisten aller bekannten Medienhäusern berichtet. Seltsam nur, dass diese Angaben nirgendwo von offizieller Seite gemacht wurden. Es wurde vielmehr von 3 bis 5 m hohen Wellen im Golf von Thailand und 2 bis 3 m in der Andamanen See seitens der Behörden berichtet. Die unabhängige Presse hat wahrscheinlich beide Wellenhöhen irgendwie addiert und daraus dann 7 Meter hohe Wellen gemacht. Warum Journalisten es dann nicht auch noch mit 2 multipliziert haben, um dann von Wellenhöhen von 14 Meter berichten zu können, entzieht sich meinem Kenntnisstand. Schmierfinken bei der Arbeit.

Warum überhaupt die Wellenhöhe im Golf von Thailand als hilfreiche Information herhalten muss ist mir auch ein Rätsel. Selbst bei Wirbelsturm Gay vor 30 Jahren, den auch meine Frau miterlebt hat, gab es keine nennenswerten Überschwemmungen durch Meerwasser, sondern ausschließlich durch Regenwasser. Schmierfinken schmieren, Journalisten schreiben.

Es kann im Golf von Thailand auch keinen zerstörerischen Tsunami geben, was auch durch Seismologen aus aller Welt so gesehen wird.

Als Nichtexperte, der hier lebt, ist mir dies auch völlig klar, da der Golf von Thailand, anders als die Andaman See, nur sehr langsam in die Tiefe geht und in Küstennähe alles sehr flach ist. Dies durfte ich bei mehreren Kajakfahrten leidlich erleben, da ich auf einmal in ca. 2 km Küstenentfernung mit dem Kajak auf Grund lief. Danach watschelte ich rund 100 m auf dem Meer und zog das Kajak hinterher. Wo sollen bei so einer Topografie die Wellen ihre Kraft bekommen, um dann das Land zu verwüsten?

Journalisten informieren? Fehlanzeige

Als Leser würde ich mir dies als Information von unseren Schreiberlingen wünschen. Der normale Tourist erinnert sich natürlich an Bilder des schrecklichen Tsunami von 2004. Er kann auch nicht unbedingt wissen, dass dies in Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao nicht passieren kann. Nützliche und sicherlich für viele betroffene Touristen hilfreiche Informationen. Jedoch nicht durch die Presse? Berichterstattung, durch objektive Faktenvermittlung und gedeckte Expertenaussagen, was für ein seltsamer Gedanke von mir.

Allen Medien ist gemein, dass diese wie Weltmeister voneinander kopierten und überall war fast schon Gleiches zu lesen. Zum Beispiel 30.000 bis 50.000 Touristen haben die 3 Inseln (Koh Tao, Koh Phangan und Koh Samui) bereits verlassen und es sei jetzt so gut wie „fast leer“.

Seltsam, zur absoluten Hochsaison, wo auf den 3 Inseln gut und gerne 100.000 Touristen, Auswanderer und Überwinterer sich herumtummeln? Nach der durch unsere Medien, den Schmierfinken, mit verursachter Panikmache sind bis zu 50.000 aufgeschreckte Touristen vorzeitig abgereist. Jetzt sei es dort „fast leer“. Also 100.000 minus 50.000 ergibt so gut wie „fast leer“; sehr interessant.

Teilen auf Teufel komm raus

Nochmal kurz zurück auf das Kopieren von Nachrichten, was dem „teilen“ bei den Sozialen Medien entspricht. Ich würde keinem Medienhaus vorwerfen, keine eigenen Journalisten vor Ort zu haben. Jedoch alles unkontrolliert und ohne jeden Faktencheck zu veröffentlichen ist eigentlich das Niveau von Sozialen Medien. Dadurch setzen Medienhäuser ihren eventuell vorhanden guten Ruf höchst fahrlässig aufs Spiel. Letztendlich tragen diese selbst dazu bei, dass niemand für das Geschmier mehr was zahlen möchte, da es dies bei Facebook, Twitter & Co ja ohnehin umsonst gibt. Ein Affentheater nur warum? ist ein Bericht von mir, der den Schaden an einem realen Beispiel aufzeigt.

Ja, natürlich gibt es hervorragende Journalisten, auch bei umstrittenen Medienhäuser. Wenn aber das Geschmier und schlecht recherchierte Geschichten überhandnehmen, nur weil sich hier mehr Klicks und Werbeeinnahmen generieren lassen, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Branche als ganzes am Pranger steht.

Wenn Künstliche Intelligenz besser als Journalisten ist

Am 4. Januar um ca. 16.00 Uhr Ortszeit, nachdem eigentlich die 3 Inseln bereits leer und nach all den vorangegangenen Berichten gefühlt völlig verwüstet waren, schaute ich mir mal diverse Live Webcams in Koh Samui an.

Live Webcams liefern Fakten. Nicht Meinungen, Vermutungen oder Prophezeiung, sondern pure Fakten. Man könnte diese auch als Qualitätsjournalismus durch Künstliche Intelligenz bezeichnen. Es unterscheidet sich vollkommen von Schmierfinken.

Es war bereits seltsam, dass diese Webcams alle funktionierten, denn bei solch möglichen Verwüstungen, die durch die Presse suggeriert wurden, sollte es doch gar keinen Strom mehr geben. Was sah ich dort? Regen und windig, also völlig normal und gar nicht wenige Touristen auf einer Geschäftsstraße in Koh Samui, die eigentlich doch völlig leer sein sollte.

Coole Thailänder

Auf BBC wurde ein europäischer Tourist auf Koh Samui interviewt und frei übersetzt meinte dieser, dass er die Gelassenheit und das Desinteresse der Thailänder wegen dem herannahenden Sturm auf der Insel nicht verstehen könne.

Die Erklärung hierzu ist ziemlich einfach. Die allermeisten Thailänder, die Ehefrau des Schreiberlings natürlich auch, unterzogen sich ja auch nicht der Tortur, die Panikmache der westlichen Medien über sich ergehen zu lassen. Das Thai Meteorological Department hat mehrmals täglich Berichte auf Thailändisch und sogar auf Englisch veröffentlicht. Allerdings waren diese nur sehr nüchtern, objektiv und vollgestopft mit Fakten formuliert. Sprich gänzlich unverdaulich für Europäer, die dann doch eher den europäischen Qualitätsblättern mit ihren Schmierfinken näherstanden. Thailänder bevorzugen da doch eher den den gesunden Menschenverstand.

Eine deutschsprachige Zeitung hier in Thailand, Der Farang, war in der gesamten Berichterstattung hierüber unerwartet gut, objektiv und unaufgeregt. Sie haben es zudem geschafft, das Gekreische der internationalen Presse völlig korrekt so zu beschreiben:

„Die Nachrichten gehen um die Welt und Tausende von Urlaubern haben bereits die Inseln Koh Samui und Koh Phangan in Richtung Norden verlassen. Der tropische Sturm Pabuk sorgt für Panik in der Medienwelt und in sozialen Netzwerken – und doch blieb die Lage auf den Inseln auch am heutigen Freitag, 4. Januar, noch undramatisch und ohne besondere Vorkommnisse.“

Wider besseres Wissen, musste ich am eigenen Körper feststellen, was es anrichtet, wenn man sich von diesem Qualitätsjournalismus zum Lesen anstecken lässt. Die Nacht vom 3. auf 4. Januar 2019 lag ich wach, da ich ständig den nahenden Weltuntergang erwartete. Dies hatte dann auch dramatische Folgen bei mir am 4. Januar tagsüber … ich schlief die meiste Zeit. Von der Gelassenheit meiner Frau hätte ich, wie üblich, lernen können. Dies darf ich mir sicherlich noch öfters von ihr anhören.

Beamte informieren besser

Die Deutsche Botschaft in Bangkok sah sich sogar veranlasst, am 4. Januar nachmittags eine E-Mail an alle registrierten Nutzer zu verschicken. Schön herrlich erfrischend, in sachlich objektiver Weise wurde die Faktenlage dargestellt. Es wurde sogar ein Link zu einem Artikel auf der Webseite des Auswärtigen Amts genannt mit der Überschrift:

Hinweise zu Wirbelstürmen im Ausland

Nicht nur wurde dort eine allgemeingültige Einordnung des Tropensturms benannt, sondern auch Verhaltensregeln, wenn man sich schon in einem Sturmgebiet aufhält. Eigentlich wäre das Informieren der Leser doch auch Aufgabe der 4. Gewalt; wie so oft habe ich dabei wohl etwas missverstanden.

Ist hier eine Behörde gar die bessere Nachrichtenquelle? Die FDP müsste jetzt eigentlich schreien und der Botschaft per Gesetz gleich das Kommunizieren mit der Öffentlichkeit verbieten, da doch die Märkte alles besser können. Natürlich, dass professionelle Niveau der FDP kann gerade noch mit dem unseren Medien mithalten.

Wenn Ausnahmen zur Normalität werden

Kein Superlativ kann diesen Qualitätsjournalismus der Schmierfinken beschreiben. Es handelt sich hierbei um absolut keine Ausnahme, sondern um den Normalfall. Ob nun von gebührenfinanzierten Medien oder Medienunternehmen macht ohnehin keinen Unterschied. Journalisten glauben anscheinend, wenn sie sich ein wenig für Politik interessieren oder die Wettervorhersage mustergültig lesen können, dass sie dann Politikexperten oder Meteorologen sind.

Dies ist ungefähr so, als wenn ich meinem verletzten Finger ein Pflaster aufklebe oder ein Auto fahren kann oder ein paar Aktien mir ins Depot gelegt habe, und ich mich dann zum Medizinexperten bzw. Fahrzeugingenieur oder auch nur Börsenprofi wandle.

Beispiel Klimawandel

Wie sonst kann zum Beispiel erklärt werden, dass wirkliche Experten sich zu 99 % beim Klimawandel einig sind. Leugner bei den Medien aber immer und immer wieder als Experten auftreten dürfen. Unsere Medien tun so, als ob dies für Ausgewogenheit sorge.

Beispiel AfD

Ein schon länger zurückliegender Höhepunkt unserer Qualitätsmedien sind die unzähligen Berichte und Artikel über die AfD in 2013 und 2014. Nach Gründung der AfD, also zu Zeiten Lukes und Henkel, haben unsere Qualitätsmedien die AfD immer und immer wieder ins rechte Eck geschmiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte die AfD weit weniger braunes Gesocks in ihren Reihen, als die damalige CDU und CSU.

Sie erinnern sich vielleicht an deren Wahlkampfslogan, wie zum Beispiel: „Lieber Kinder statt Inder“ oder der CSU ihre Diskriminierung von Bulgaren und Rumänen, sowie die berühmte theoretische Ausländermaut.

Das Geschick der Medien zu jener Zeit hat es geschafft, eine sich selbsterfüllende Prophezeiung herbei zuschmieren; meine Hochachtung, eine Meisterleistung der Schmierfinken. Siehe auch: Besser ein zufriedenes Schwein als ein unzufriedener Narr

Beispiel Covid-19

Noch ein trauriger Negativrekord ist das Geschmier und die absolute Panikmache beim COVID-19 Virus und dessen Ausbreitung in den ersten Monaten. Es wurde sogar von mehreren Medien über die mediale Panikmache geschrieben und vor einem Nachrichtenvirus gewarnt. Medien titulieren sich selbst als Schmierfinken.

Die BBC scheint mir da als einsamer Leuchtturm dazustehen. Dies sogar in einem Land, wo der Großteil der Medien auf der Skala nach unten unseren überlegen sind. Meine Lieblingszeitung, die Financial Times ist ja mittlerweile japanisch, also nicht relevant für mein Argument. ZDF, ARD & Co spielen hier in der Dorfliga, bekommen aber erheblich mehr Milliarden durch die quasi Steuer, als die BBC. Besitzstandwahren, vollgestopfte Bäuche und eine Selbstzufriedenheit, hervorgerufen durch fehlendes Einfordern von positiver Leistung ist ein Hauptgrund dafür.

Panikmache, Falsch- und Desinformation und parteiisches Geschmier breiten sich zum Hauptgeschäft der Schmierfinken aus. Trotzdem verschanzen diese sich immer noch hinter der besonderen Rolle der Medien, der 4. Gewalt im Staat, obgleich sie diese zumindest heutzutage kaum noch ausfüllen. Gerade in Zeiten der Clowns Johnson und Trump, 5 Sterne, AfD, Facebook, Twitter & Co könnten Medienhäuser und deren Journalisten, die den Sinn von Journalismus und gehobene Berichterstattung verstanden haben, tatsächlich etwas zum Guten hinbewegen.

Hier fällt mir auch nur noch ein … hätte, hätte Fahrradkette. Ich vermute mal, dass viele wirkliche Journalisten in ihren jeweiligen Medienunternehmen kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen, da die Qualität der Berichterstattung sich der Anzahl der Klicks und Werbeeinnahmen unterzuordnen hat. 

Hierzu eventuell interessant: Geiz ist geil in Deutschland: Das passende Motto unseres Staatsapparats

Journalisten schreiben schön

Meinem ältesten Sohn wurde einmal durch einem ihm bekannten Literaturprofessor gesagt, wenn es überhaupt Berufschancen für Literaturstudenten außerhalb Hartz4 und Taxifahren gibt, dann meistens als Journalisten. Einzig und allein, weil sie schön schreiben können.

So einfach die Erklärung auch sein mag, ist sie doch schockierend und realitätsnah zugleich. Warum? Pabuk erklärt alles bestens und deckt sich voll und ganz mit meiner Erfahrung über die Berichterstattung in der Finanzbranche und der Wirtschaft im Ganzen. Befreundete Ärzte und Rechtsanwälte erklären mir, dass es in deren Industrien genauso ist. All denen ist gemein, dass es zwar komplizierter, komplexer und oft schwer nachzuvollziehen ist, aber die Qualität der Berichterstattung ist auf dem gleichen Niveau wie bei Pabuk.

Keine Pressefreiheit, keine Objektivität

In Thailand, Singapur, Japan, Malaysia und selbstverständlich beim europäischen Demokratiefeind Nummer eins, China, gibt es überall teils harte Strafen für das Verbreiten von alternativen Fakten und Panikmache. Dies nutzen unsere westlichen Regierungen unter anderem, um diese Länder als demokratiefeindlich anzuprangern.

Ich möchte dies auch gar nicht ins Lächerliche ziehen, es liegt auch hier sehr viel im Argen. Sehr deutlich für die Welt zu sehen am Umgang mit Hong Kong durch China. Aber der Gedanke eine freie Presse, wie die unsere wäre besser, objektiver, sachlicher oder vielleicht auch unparteiischer ist schon der Kaiser der alternativen Fakten. Mein Bericht über Palmöl passt hierzu sehr gut.

Schön zu sehen war dies auch, also westliche Medien die Wahlen 2019 in Thailand oft als undemokratisch beschrieben, wahrscheinlich auch zurecht. Jedoch im gleichen Atemzug die USA als Leuchtturm der Demokratie bezeichnet, obwohl mittlerweile mehrmals ein Präsident an die Macht kam, den weniger Menschen ihre Stimme gegeben haben als den jeweiligen Herausforderern.

Gesellschaftsschaden durch Medien

In einer Marktwirtschaft lebend, wollen Medien auch Gewinne machen. Da diese anscheinend unfähig dazu sind, wird das Qualitätsniveau so weit abgesenkt, dass kein Unterschied mehr zu Amateuren herrscht. Die Konsequenz, sie verkaufen nicht mehr Nachrichten, sondern leben von Werbeeinnahmen und den Klicks ihrer Online Plattformen. Frei nach dem Motto „Alternativer Fortschritt durch Banalisierung“. Trotzdem bestehen sie darauf, dass es ein Baron Münchhausen großen Unterschied zu den Bloggern und Sozialen Netzwerken gibt.

Möglicherweise versuchen zumindest bei einigen Medien hier in Asien Journalisten auch nur objektiv zu sein. Als Musterbeispiel fällt mir hier die Financial Times ein. Diese und viele andere sind durch eigene Recherche an gedeckte Fakten interessiert. Gelingt auch nicht immer, aber man kann den Professionalismus in der Gänze gut erkennen. Vielleicht wird aus einem professionellen Berufsethos heraus auf Stimmungs- und Panikmache verzichtet.

Ich frage Sie, wo ist der Schaden für die Allgemeinheit größer? In einigen Ländern hier in Ost- und Südostasien, wo sich insbesondere Journalisten 2 mal überlegen, ob sie etwas schreiben und wenn ja, ob sie die Fakten noch mal zusätzlich checken. Oder im freiheitsliebenden Europa, wo vorwiegend alles ohne wirkliche Konsequenzen untern dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung geschrieben werden darf. Wird hier nicht erst die Aushöhlung der Demokratie erst ermöglicht? Bestes Beispiel ist die USA.

Wo bleibt der Medienschutz für die Bevölkerung?

Werbung und Nachrichten sind in ihrer Struktur sehr ähnlich. Beide bedienen sich Medien wie Gedrucktes, über Fernseher/Radio und soziale Medien. Werbung scheint extrem gut zu funktionieren, da bei Google und Facebook & Co ihr gesamtes Geschäftsmodell nur funktioniert, solange sie durch Werbung Geld verdienen. Letztendlich funktioniert Werbung hauptsächlich durch geschickte, meist legale Manipulation.

Folgerichtig bedeutet dies, dass Nachrichten die Bevölkerung auch sehr beeinflussen, daher auch der besondere Schutz für Medien und Journalisten, um die Fakten ans Tageslicht bringen zu können. Gerne erinnere ich mich an journalistische Glanzleistungen, wie zum Beispiel bei der Mollath Affäre oder letztendlich auch bei den Panama Papers.

Oft ist es für den Journalisten und seine Informanten auch ziemlich gefährlich. Daher sollte man doch meinen, dass es unter Journalisten einen Ehrenkodex gibt. Da es diesen in der Masse, heutzutage jedoch nicht mehr zu geben scheint oder diese Journalisten sich bei ihren Arbeitgebern nicht durchsetzen können, sind diese tausenden und abertausenden ermordeten Journalisten eigentlich umsonst gestorben.

Was fehlt, ist der besondere Schutz der Bevölkerung gegenüber manipulierten, reißerischen, falschen, mit Halbwahrheiten gespickten und gelogenen Nachrichten. Werbung darf auch nicht alles und es gibt zumindest einen Basisschutz der Bevölkerung, nicht aber bei Nachrichtenmedien, warum?

Leider habe ich das Gefühl, das Nachrichtenauswahl der Medienanstalten nur nach den Trends der Stunde auf den Sozialen Medien ausgewählt werden. Alleine schon die politische Berichterstattung über die USA, wo jeder geistige Abfall eines noch so kleinen Provinzpolitiker in deutsche Medien übernommen wird. Wo ein Trump mehr Medienplatz und -zeit als jeder EU Staatenführer, inklusive unserer Kanzlerin bekommt, da hat unsere 4. Gewalt in der Gänze etwas total missverstanden.

Ehemals handwerklich gute Medienhäuser können anscheinend dem wirtschaftlichen Untergang nur durch Beimischung von Geschmier auf Bildzeitungsniveau entgegenwirken. Wenn also gut recherchierte Nachrichten zu finden, einem Glücksspiel gleicht und der gute Ruf für mehr Klicks billigst hergegeben wird, dann kann man auch Soziale Medien, mit der Arbeit von Journalisten gleichsetzten; also das Ende der Nachrichten ausrufen. Lesen Sie dazu auch meinen kurzen Bericht: Qualitätsmedien oder Schmierfinken?

Vielleicht ist es der Zeitgeist und wir Leser wollen nur noch lesen, was wir selbst bereits glauben und dies hat als alleinige Wahrheit zu gelten. Fakten sind uns hierbei nur hinderlich. Gerade deswegen wären Felsen der objektiven Berichterstattung wichtiger denn je.

Es regt mich schon auf, aber nach mittlerweile 11 Jahren in meiner Wahlheimat Chumphon lebend, habe ich einen gewissen Abstand gewonnen. Wenn Sie so ein Leben interessiert, empfehle ich Ihnen meine Beiträge: Baxida, Ja Muh und Farang, sowie Leben in Chumphon.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

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2 Kommentare

  1. Hallo Matt,

    Du hast ja soooooo Recht, habe gleiches vor fast 10 Jahren bewusst erlebt. Ich bin seit 2008 (Krise=Schnauze voll) überwiegend in Marokko gewesen (Wetter, Golf). Ich habe den arabischen Frühling live in einem arabischen Land erlebt. Internationale Qualitätspresse übertrumpft sich mit Schreckensmeldungen. In Marokko …..nichts….. keine Unruhen …. kein Aufstand ….. keine Demos… sonst überall präsente Polizei und Militär haben sich aber auch zurückgehalten!
    Dann internationale Meldung “ 6 Tote in Kleinstadt arabischer Frühling in Marokko“ Was war passiert…. meine Recherche zeigte : Samstags Nacht Bankeinbruch, beim Versuch Tresor mit untauglichen Mitteln (Feuerzeug oder ähnliches… halt Marokkanische Profis) Bank in Brand gesetzt…. Fluchtweg abgeschnitten…. alle 6 Bankräuber erstickt.
    Aber tagelang berichteten ALLE Medien den gleichen Mist incl. DPA …. keiner hat das je korrigiert!

    Habe noch viele andere Beispiele dafür…. es ist zum ko… heulen!

    Gruss
    Thomas

    1. Vielen Dank für das neuerliche Kompliment. Das mit dem arabischen Frühling in Marokko glaube ich gerne. Wurde doch dieser gerade auch durch unsere Medien extrem gehypt. Über den arabischen Winter heutzutage zu schreiben, ist anscheinend bei unseren Schreiberlingen verpönt. Nach der Devise: Gefällt mir die Nachricht nicht, schreibe ich eben nicht darüber.

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