Leben in Thailand
Thailänderin, Familie, Familienleben in Thailand, Kulturschock

Thailänderin und Familienleben in Thailand

Es ist kein Klischee, dass bei Mischehen hauptsächlich europäische Männer eine Thailänderin heiraten; andersherum ist es die Ausnahme. Warum? Ich würde sagen, dass äußere Gegensätze sich anziehen. Der Partner entspricht dem eigenen Schönheitsideal eher. Wir machen viel für braune Haut, da es in unseren Augen schön ausschaut. In thailändischen Augen ist dies beim Weißen der Fall (siehe auch: Weiße Haut, der asiatische Schönheitswahn). Nicht erklärt wird hierbei allerdings, warum dies im Großen und Ganzen nur auf europäische Männer und Thailänderinnen und nicht umgekehrt zutrifft. Ich höre schon die Erklärungsrufe, dass für europäische Frauen die inneren Werte entscheiden. Allerdings mit dem Hacken, dass dies durch wirklich sehr viele Studien schon längst für beide Geschlechter widerlegt wurde. Egal … Was ist nun anders an der Thailänderin, der Familie und das Familienleben in Thailand bei einer interkulturelle Ehe. Welche Unterschiede gibt es und wie wirken sich diese aus? Gibt es einen Kulturschock? Gibt es überhaupt Unterschiede?

Der Schreiberling ist selbst mit einer Thailänderin verheiratet, sogar schon das 2. mal. Seine Familie lebt in Thailand und Deutschland. Das gewöhnliche Familienleben findet allerdings auf Baan Metawi, unserem Zuhause am Golf von Thailand statt. Für mich war es zwar niemals ein Kulturschock, aber die Unterschiede merkt man eben bei interkulturellen Ehen schon häufig. Nichts Schlechtes, einfach nur anders. Hier einige Beiträge zum Warmwerden:

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 9 Minuten

Kurz zur Thailänderin

Nicht wenige in Europa denken, alle Thailänderinnen wären Waren, bestenfalls Prostituierte. Übertrieben? Ich habe auf Google Deutsch die Suchanfrage: Thailänderin im August 2021 gestellt und nachgenannt sehen Sie die verwandten Suchanfragen:

Wie erklärt sich dies?

Seltsam dabei, dass Thailand heutzutage überhaupt nicht mehr das Bordell der Welt ist – wahrscheinlich auch niemals war, siehe Länderliste. Deutschland scheint sogar noch attraktiver für Sextouristen aus dem Ausland zu sein als Thailand. Ich unterstelle jetzt, dass Google hier ausschließlich die Zahlen sprechen lässt. Derartige Ergebnisse sind dann eine Folge der Häufung bei den Anfragen. Ist dann nicht bei den Anfragenden eine hohe Diskriminierung, wenn nicht sogar Rassismus vorhanden? Genau dies ist ja auch eine Forte des Abendlandes.

Pattaya ist so eine Stadt in Thailand, dessen Ruf auch heute noch mit Prostitution in Verbindung gebracht wird. Lesen Sie sich mal das taz Interview durch (ich kann es selbst nicht glauben, dass ich die taz als Quelle verwende). Das Interview ist aber leider sehr zutreffend, allerdings nur für Pattaya mit seinen ca. 120.000 Einwohnern und nicht ganz Thailand mit rund 70 Millionen Einwohner. Dennoch trifft man auf Diskussionsforen über Thailand seltsamerweise häufig weiße Männer aus Pattaya, die lauthals verkünden, jede Thailänderin wäre käuflich. Dies ist zumindest eine Quelle, die zu solchen Google Suchanfragen führen, aber ich vermute leider, es gibt sie auch noch im deutschsprachigen Abendland. Wenn man sich die Qualität unserer 4. Gewalt anschaut, wundert es mich natürlich nicht. Siehe hierzu: Schmierfinken

Natürlich kann man auch in Pattaya mit einer Thailänderin verheiratet sein und ein normales (was auch immer dies bedeutet) Familienleben in Thailand führen. Denke aber schon, dass dies schwieriger als im großen Rest des Landes sein wird. Sei es drum… Wie schaut nun grundsätzlich Familienleben in Thailand aus und sind dabei die Unterschiede so groß, dass es zum Kulturschock führt?

Wenn Thaifrau, wieso dann nicht auch Deutschmann?

„Meine Thaifrau“ hören Sie gar nicht so selten, wenn deutschsprachige Europäer über ihre Ehefrau, einer Thailänderin, sprechen. Deutschmann werden Sie wahrscheinlich nie hören. Ich vermute, es hat seinen Ursprung in fehlenden Sprachkenntnissen auf beiden Seiten. Vielleicht gut meinend, vereinfacht der Ehemann die deutsche Sprache und legt dort eventuell ungewollt den Grundstein für spätere Diskriminierungen. Im Englischen ist dies ähnlich dem Pidgin, welches mit unserem „Türkendeutsch“ vergleichbar ist.

Daran kann man aber immerhin auch sehen, dass eine Thailänderin, wenn sie einen Europäer heiratet und dort leben wird, zumindest versucht die jeweilige Heimatsprache des Ehemanns zu erlernen. Vielleicht täuscht der Schein hier, denn viele dieser Paare leben in Thailand und die Thailänderin lernt Deutsch!!! Daher denke ich, dass das Gegenteil leider für die Mehrzahl (ein Schätzung von mir) europäischer Ehemänner zutrifft, die eine Thailänderin heiraten und auch für ihr Familienleben Thailand wählen. Wie komme ich darauf?

Oft bekomme ich Komplimente gerade in Bangkok und Touristengegenden für mein Thailändisch und frage dann nach, dass dies doch auch auf viele Farangs (siehe: Baxida, Ja Muh und Farang in Thailand), die in Thailand leben, zutreffen würde. Die Antwort ist immer die gleiche, sehr viele in Thailand lebenden Europäer können sich nicht mal ansatzweise auf Thailändisch unterhalten. Viele sind auch mit einer Thailänderin verheiratet oder leben zusammen. Liebe macht ja bekanntlich blind; nur warum auch stumm? Beiträge, die sich diesem Thema annehmen:

Was bedeutet Familie und Familienleben in Thailand?

Thailand ist kein entsetzlich hochgezüchtetes Industrieland wie zum Beispiel die DACH Länder (Deutschland = D, Österreich = A und die Schweiz = CH). Auch ist es kein Wohlfahrtsstaat, der eine Vollkaskoversicherung für alle Lebenslagen bieten möchte und dadurch Selbstverantwortung erstickt. Familie bedeutet in Thailand tatsächlich noch Familie. Auf einen Nenner gebracht: Blut ist dicker als Wasser!

  • Die Familie ist wichtigstes wirtschaftliches Sicherheitsnetz. Den völlig ausgearteten Sozialstaat, wie zum Beispiel in Deutschland, kennt man in keinem Land in Südostasien, auch nicht im reichen Singapur.
  • Familie definiert sich viel weiter als in Mitteleuropa. Zur Kernfamilie gehören Kinder, Enkel, Geschwister, Großeltern, Urgroßeltern und oftmals auch Onkel und Tanten. Aber natürlich auch die angeheirateten Ehemänner und Ehefrauen. Deutschland sieht in der Kernfamilie ausschließlich Eltern und deren Kinder; es war bei uns auch mal anders. Siehe hierzu auch: Die liebe Verwandtschaft in Thailand
  • Sehen wir in hochindustrialisierten Ländern Familie nicht eher negativ? Wir stellen gar nicht so selten Freunde über die Familie. Dies ist gänzlich unmöglich in Thailand und auch in weiten Teilen Asiens. Es hat auch kaum etwas mit Reichtum oder dem Fehlen dessen zu tun. Siehe hierzu auch: Südostasien, was bedeutet dies eigentlich?

Was ist sonst noch typisches Familienleben in Thailand?

  • Alte werden, wenn es möglich ist, nicht in Altenheime abgeschoben. Ich habe viele Beispiele diesbezüglich kennengelernt. Gut in Erinnerung hierbei eine ehemalige Kollegin von mir in Bangkok. Sie verdiente ca. 200.000 Baht im Monat und hat von heute auf morgen gekündigt, um ihre Mutter zu pflegen. Auf meine Frage, warum sie nicht eine Pflegekraft zahlen würde, um weiterzuarbeiten, kam sie ins Stottern. Nicht weil sie keine Antwort parat hatte, sondern sie konnte nicht glauben, dass ich so eine dumme Frage stellen würde.
  • Alte werden in Thailand tatsächlich noch geachtet, auch wenn sie kein Geld haben und kein Erbe zu erwarten ist. Kinder unterstützen finanziell die Eltern wo immer es geht und outsourcen es nicht zum Staat. Wenn der Schwiegersohn in der Familie der Ehefrau wohnt, wird es von ihm genauso erwartet, wie von der Ehefrau. Dies zusätzlich zur finanziellen Unterstützung der eigenen Eltern des Schwiegersohns. Dies gilt natürlich auch umgekehrt.
  • Kindererziehung läuft oftmals zeitweise oder vollständig über Großeltern. Dieses Modell, lässt viele andere Probleme dadurch erst gar nicht aufkommen:
    • Die Eltern können Vollzeit arbeiten gehen.
    • Dazu kommt noch, dass der thailändische Kindergarten (ca. ab 4 Jahre) ganztags und kostenfrei inklusive Verpflegung ist.
    • Ob Kindergarten, Vorschule oder Schule, die Großeltern kümmern sich um die Logistik selbst oder über Fahrdienste.
    • Daher gibt es auch keine Probleme mit alleinerziehenden Thailänderinnen; sie sind nicht wirtschaftlich abgeschlagenen und können auch immer Vollzeit arbeiten
    • Im Sozialstaat Deutschland sind dies Probleme für Paare. Alleinerziehende Frauen sind zudem wirtschaftlich abgeschlagen und können auch selten Vollzeit arbeiten – hier geht es zu einem interessanten FAZ Artikel hierzu. Siehe auch: Scheidung in Thailand und Deutschland: Ein Vergleich.

Missverständnisse bezüglich Familienleben bei interkulturellen Ehen

Lebt eine Thailänderin nach der Heirat in Europa, ist für sie klar, dass die Familie des Mannes nun auch ihre Familie ist. Andersrum ist es oft nicht so, zumindest wird die Familie nach europäischen Standpunkt definiert und weicht von Thailand stark ab.

Für viele europäischen Ehemänner ist dies ein Kulturschock, bei dem sie nicht bereit sind, sich darauf einzulassen. Meint der Europäer eine Thailänderin zu heiraten, bedeutet es nicht selten eine große Familie. Eventuelle Kinder werden noch akzeptiert aber Schwiegereltern, Geschwister der Frau und eventuell auch Nichten und Neffen!

Natürlich ist gerade auf dem Land der Farang oft der, der im Vergleich zur thailändischen Familie mehr Geld hat. Ist es tatsächlich so seltsam oder abwegig, mehr zu geben, wenn man mehr hat? Dass man dabei manchmal auch Grenzen aufzeigen muss, ist auch selbstverständlich. Aber dies von vornherein ablehnen, scheint mir für das Familienglück die kurzsichtigste Wahl zu sein.

Der Farang, der weiße Geldbeutel, wirklich?

Eine Thailänderin sieht angeblich im europäischen Mann einen Geldbeutel, den es gilt zu leeren. Wird ihnen oft erzählt und manchmal ist dies sicherlich auch so. Es gibt eine Redewendung, die in diesem Zusammenhang gerade in Thailand nicht selten verwendet wird: No Money, No Honey. Wenn der Farang Ehemann sich das so gefallen lässt, selber schuld! War es dann jemals eine wirkliche Ehe, war die Thailänderin wirklich verliebt und fand tatsächlich ein Familienleben statt? Letztendlich bleibt die Frage, ist dies ein Alleinstellungsmerkmal einer Thailänderin zu einem Europäer? Geschieht dies nicht etwa in allen Ländern unabhängig der Nationalität und egal ob Frau zu Mann oder Mann zu Frau?

Wo es allerdings keinen Zweifel gibt, ist einfach die in Thailand übliche Definition einer Familie. Die habe ich hinreichend schon beschrieben. Es wird erwartet, dass ein Paar auch deren Familien hilft. Dies wird vom thailändischen oder europäischen Ehemann genauso wie von der Thailänderin oder einer europäischen Ehefrau erwartet. Nichts anderes, als es früher bei uns üblich war und gerade in südeuropäischen Ländern heute immer noch recht häufig ist. Die Weltmeister bis heute sind diesbezüglich die Chinesen, bei deren in allen Lebenslagen die Familie immer über alles steht.

In Rom, mach es wie die Römer

Bei meiner ersten Ehe war die Familie meiner damaligen Frau, eine Thailänderin, sehr wohlhabend. Gerade am Anfang unseres Familienlebens in Deutschland war das Geld noch nicht so üppig vorhanden. Zu jener Zeit wurden wir auch von der thailändischen Familie in Deutschland finanziell unterstützt. Meine jetzige Herzallerliebste ist nicht arm und nicht reich, trotzdem muss ich nicht lange nachdenken, wenn Hilfe benötigt wird. Ihr leiblicher Sohn wurde von mir adoptiert und eine Nichte und ein Neffe leben bei uns wie Kinder und werden natürlich von meiner Frau und von mir voll unterstützt, was sonst? Wie so oft gilt auch hier: In Rom, mach es wie die Römer. Es ist eigentlich nichts anderes als dem gesunden Menschenverstand (siehe: Der gesunde Menschenverstand) Vorfahrt zu geben. Die ganz unabhängig davon, ob die Ehefrau, der Ehemann und deren Familien aus Thailand oder sonst wo herkommen.

Akzeptiert der weiße Ehemann die in Thailand übliche Definition von Familie und Familienleben nicht, führt es früher oder später zu kleinen und auch großen Problemen, weit größer als vielleicht der anfängliche Kulturschock. Wobei Probleme beim Paar eigentlich schon wieder normal im internationalen Vergleich sind, abzulesen an der hohen Zahl der Scheidungen weltweit. Siehe: Scheidung in Thailand und Deutschland: Ein Vergleich

Noch kurz einiges interessantes

Oft führt bei einer Ehe in Thailand die Thailänderin, also die Ehefrau, die Familienkasse. Getrennte Kassen, auch bei jüngeren Paaren, sind ziemlich unbekannt. So auch bei uns, wo alles über ein Konto meiner Frau läuft. Nur nicht bei den Aktien, da darf ich entscheiden. Mit der Folge, dass meine bessere Hälfte neugierig wurde, wie man mit Aktien Geld verdient. Also wollte sie auch mal ran und kaufte etwas, das ihr gefiel. Erwarten Sie keine Fundamentalanalyse; aber nach ein paar Jahren hat sich ihr Investment verdreifacht. Übrigens, all unser Grund und Boden ist im Namen meiner Ehefrau, warum? Dies lesen Sie in diesem Beitrag: Immobilien in Thailand kaufen, vergessen Sie es!

Sie können mir jetzt auch vorwerfen, dass Liebe bei mir blind macht. Jedoch hat Liebe für mich in erster Linie etwas mit Vertrauen zu tun. Dabei spielt auch niemals die Nationalität eine Rolle.

Zu guter Letzt ein Kulturschock für viele in Europa: Thailänderinnen sind im internationalen Vergleich viel häufiger in führenden Positionen bei Unternehmen aller Größen, selbst auch im Staatsbetrieb. In der Finanzbranche sind sie sogar weltweit führend. Es gibt auch keinen wesentlichen Unterschied in der Bezahlung zwischen den Geschlechtern! Wer hätte gedacht, dass es zum Thema Diskriminierung von Frauen in Thailand keine dezidierten Gesetze gibt? Trotzdem wird viel weniger gegen Frauen diskriminiert, als in den doch so fortschrittlichen Abendländer. Lesen Sie hierzu bitte auch: Me Too und Gutmenschen.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


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Ein Kommentar

  1. Ihr Beitra gefällt mir. Selbst bin ich schon 81 und seit 30 Jahren mit einer Thailänderin verheiratet. Seit über 10 Jahren leben wir im Isaan. So viel Verwandtschaft und Familie und Kinder um mich, ich fühle mich jung. Was ich allerdings nicht schaffe, Thai Wörter in meinem Alter zu lernen. Ich habe aufgege ben, weiß aber genau, daß dies mir eher schadet als hilft. Schreiben Sie weiter, ich lese Ihr Berichte sehr gerne.

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