Leben in Thailand
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Schröpfen von Touristen in Thailand

Aktualisiert am 26. Mai 2022

In 2010 waren wir auf der Suche nach einem Landschaftsgärtner für unser Zuhause, Baan Metawi. Einer lehnte freundlich ab, als er sah, dass ich Europäer war. Farangs wären zu pingelig, war seine Begründung. Damals und heute war es für mich seltsam, aber zumindest wollte mich dieser Gärtner nicht durch einen überhöhten Preis, da ich Ausländer bin, übers Ohr hauen. Weiterhin verbreitet in Thailand sind aber unterschiedliche Preise für ausländische Touristen, auch Dual Pricing genannt. Sei es von staatlicher Seite für alle Ausländer oder, insbesondere in Orten mit Massentourismus, für zum Beispiel Essen im Restaurant oder Hotelunterkunft und andere Serviceleistungen. Touristen mit höheren Preisen zu schröpfen hat also eine gewisse Tradition in Thailand. Allerdings ist es keine thailändische Erfindung. Viele Länder haben höhere Preise für Touristen, wie die Kurtaxe, eine Touristensteuer in Deutschland und beinahe hätten wir ja auch noch eine Ausländermaut bekommen.

In unserer Provinz Chumphon am Golf von Thailand gibt es ein paar Inlandstouristen und so gut wie keine Ausländer als Touristen (nur Wanderarbeiter aus Myanmar), daher ist Dual Pricing, also erhöhte Preise in manchen Geschäften für ausländische Touristen bei uns fast gänzlich unbekannt. Einzige Ausnahme ist unser Nationalpark, im nächste Absatz mehr dazu.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 7 Minuten

Preise für Touristen in Nationalparks und Krankenhäuser

Seit Jahrzehnten wird in Medien über Dual Pricing für Ausländer, meist Touristen, gegenüber Thailänder berichtet. Hier ein paar Quellen: hier Nr. 1, hier Nr. 2, hier Nr. 3. Es passt nicht wirklich zum Image von Thailand, allerdings ist es auch nicht flächendeckend vorhanden. In Gebieten mit Massentourismus kommt es häufiger vor und natürlich auch in ganz Thailand von staatlicher Seite. Am bekanntesten sind die teils 10-fachen Eintrittspreise für Nationalparks, wo mit Hilfe thailändischer Zahlen manchmal versucht wird, Touristen abzuzocken, ohne dass sie es merken. Versuchen Sie nun mit den untenstehenden thailändischen Ziffern (0 bis 9), die Preise für Thailänder auf dem rechten Beitragsfoto zu bestimmen, viel Vergnügen 555.

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Zugegeben, die Preise für Thailänder sind oft so niedrig, wahrscheinlich auch subventioniert, sodass selbst der Eintrittspreis für Ausländer uns noch günstig erscheint. Aber warum nicht offen und ehrlich darauf hinweisen? Thailand schütz bald 30 % von seiner Landfläche und dies kostet nun mal Geld. Ich denke, mit einer ehrlichen Erklärung gäbe es nur wenig Kritik. Allemal besser als dieses unbeholfene Verschleiern durch thailändische Zahlen. Zumindest unser Nationalpark um die Ecke hat auf Arabische Ziffern umgestellt und begnügt sich mit dem 5-fachen Preis, siehe linkes Beitragsfoto.

Dual Pricing im Restaurant in Khanom

Leider mussten wir bei einem kürzlichen Strandurlaub zu viert in Khanom die Preise für Touristen in einem neuen Restaurant beinahe auch zahlen. Genau an diesem Strand, wo ich vor Monaten meine fluiden Gedanken hatte, gefiel uns ein kürzlich fertiggestelltes Restaurant. Ich hatte anfangs nur die Karte gänzlich auf Thailändisch gesehen und deutete dies als positiv. Warum positiv? In nicht zu sehr touristischen Gegenden, wo meist ausländische Touristen exotisch sind (z.B. in Chumphon), wird auf eine englische Übersetzung wenig Wert gelegt.

Beim eigentlichen Essen bekamen wir aber englische Karten und nur auf meine Bitte uns doch eine thailändische zu geben, konnten wir die unverschämten Preise für Touristen mit denen für Thailänder vergleichen. Normalerweise können Touristen kein Thailändisch lesen und sind daher natürlich ideales Freiwild, um mittels Dual Pricing abgezockt zu werden. In diesem Fall lagen die Preise doppelt bis dreifach so hoch.

Dies hat mich insofern aufgeregt, als Khanom eigentlich kein vom Massentourismus zerstörter Ort, wie Pattaya, Teile von Phuket oder Koh Samui ist. Dort ist es normal und der Pauschaltourist von Welt lässt sich so etwas gerne gefallen. Natürlich werden wir dieses Restaurant boykottieren, aber es hat einen negativen Beigeschmack hinterlassen.

Einfach nur überteuert ist nicht abzocken

Mit Dual Pricing oder höhere Preise für Touristen und Ausländer meine ich selbstverständlich nicht teure bis völlig überteuerte Restaurants für jedermann in Touristengebieten. Oder auch die jenseits von Gut und Böse liegenden Preise für Condos (eine Art Eigentumswohnung) meist in diesen Orten. Selten finden sich überhaupt Thailänder als Gast oder Käufergruppe und wenn doch, dann liest man häufig in den Medien darüber (siehe BangkokPost).

Bangkok nimmt hier ohnehin eine positive Sonderstellung ein, da teuer hier oft wirklich günstig ist. Zum Beispiel in den berühmten Skybars kann man einen Cocktail immer noch für unter € 20 bekommen und hat dabei ein einzigartiges Panorama. Selbst in Sternerestaurants wird es schwerfallen in Europa noch ein Menü unter € 100 zu bekommen. Schon vor Covid-19 waren 5 Sterne Hotels in Bangkok günstig, aber während Covid-19 konnte man dort auch mal für € 30 nächtigen.

Zudem kommt, dass ich bei meinen unzähligen Trips nach Bangkok meines Wissens noch niemals mit Dual Pricing abgezockt wurde. Ich bin zwar früher ab und an beim Taxifahren übers Ohr gehauen worden, aber dies geht Bangkokern genauso.

Auch „no money – no honey“ hat nichts mit Dual Pricing zu tun

Insbesondere europäischen Schenkelklopfer in Pattaya, Phuket, etc., für die jede Thailänderin eine Prostituierte ist, schreiben ihr geistig Erbrochenes gerne in Foren. Da beschweren sich diese möchtegern Casanovas über die hohen Kosten und warum Thailand doch froh sein müsste solche geistigen Nichtschwimmer und oftmals Rassisten im Land zu haben. Diese verkannten Genies mit ihrer Hartz IV Apanage können nicht verstehen, dass auch thailändische Prostituierte ihren Stolz haben und besonders hohe Preise, für diese europäischen (in jeder Hinsicht) Abgehängten, verlangen.

Vielleicht denken Sie, dies wäre zu hart formuliert, aber machen Sie doch mal selbst mit, bei diesen deutschsprachigen oder englischen Foren über Thailand. Ich denke, Sie werden Ihr blaues Wunder erleben. Vielleicht hilfreich hierzu:

Grundsätzlich ist Diskriminierung gar nicht so schlecht

Mein paradiesisches Leben in Thailand und insbesondere Chumphon verdanke ich zum Teil auch der Tatsache, dass es in gewissen Bereichen eine staatliche Diskriminierung gegenüber Ausländern gibt. Detailliert habe ich darüber im Beitrag: Thailänder haben Vorteile, keine Ausländer in Thailand zu sein! geschrieben. Ich bin tatsächlich der unverschämten Meinung, dass ein Teil des abendländischen Rassismus auf den dämlichen Versuch unserer politischen Mietmäuler zurückzuführen ist, Ausländern in vielen kritischen Bereichen dem Inländer gleichzustellen. Warum sollte zum Beispiel ein nicht in Deutschland lebender Ausländer Immobilien in Deutschland kaufen dürfen?

Was nun zumindest in Deutschland selten ist, dass private Geschäfte, z.B. Restaurant, Bar, Hotel, etc. extra hohe Preise für Touristen oder Ausländer gegenüber Inländern berechnen. Eine löbliche Angewohnheit meiner alten Heimat. Müsste ich in einem vom Massentourismus gesegnetem Ort in Thailand leben, käme ich sicherlich häufiger mit Dual Pricing in Kontakt und mein paradiesisches Leben hätte ein Delle. Siehe auch: Chumphon, ein magischer Ort und mein Paradies.

Dann gibt es aber auch wieder Beispiele wie mein kürzliches Erlebnis in unserem Nationalpark (Pak Naam Chumphon hat richtig viel zu bieten). Zuerst wollten die Damen am Eingang den üblichen, in diesem Fall 5-fachen Preis für Ausländer von mir haben. Als ich meinen thailändische Führerschein zückte, hatte eine der beiden Erbarmen (man hat grundsätzlich kein Recht darauf) und wollte nur noch den Preis für Thailänder berechnen. Gerade wollte ich zahlen, kam eine dritte Dame vorbei und meinte zu der Kassiererin, dass sie nichts für mich berechnen soll, da ich ja in derselben Siedlung wie Dame Nr. 3, eine mir völlig unbekannte Thailänderin, wohne. Auch nicht schlecht und dabei kam dann gleich noch mein natürlich vorhandener Rassismus zum Vorschein, den wohl jeder Mensch in variabler Stärke in sich trägt. Beschrieben habe ich diesen im Beitrag: Zwei Augen, Nase und Mund.

Helfen Sie mit

Es ist sicherlich schön, dass es in letzter Zeit mehr Online-Kampagnen gegen diese seltsame Preisgestaltung gibt, insbesondere bei Restaurants. Sind Sie selbst davon betroffen, machen Sie es öffentlich. Ist der Druck der Öffentlichkeit ausreichend, sieht man in vielen anderen Fällen, wie schnell die thailändische Politik bzw. lokale Verwaltungen reagieren können. Zumal nach Covid-19 fast täglich darauf hingewiesen wird, wie wichtig die ausländischen Touristen sind.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


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3 Kommentare

  1. Hallo Matt,
    Für mich als großer Naturfan ist es ok , z.B. im Khao Yai National Park einen überhöhten Preis als Ausländer zu zahlen, so lange das Geld dann auch entsprechend verwendet wird.Umgerechnet ca. 10-12 Euro sind da für mich kein Problem, ich besuche solche Parks ja nicht täglich. Schlechte Erfahrungen habe ich speziell nur im Dienstleistungssektor gemacht, z.B. in privaten Baumaterial – Geschäften etc. Auf Verlangen meiner Frau muss ich dann entweder im Auto bleiben oder mich woanders um die Ecke aufhalten, um den „thailändischen“ Preis nicht zu gefährden. Die großen Baumärkte wie Global House oder Home Pro treten in der Beziehung seriöser auf.Da bezahlt jeder den gleichen Preis. Da darf ich dann auch mit dabei sein :-). Das Ausländer bei uns in D Immobilien kaufen dürfen basiert wohl auf EU Recht. Gilt ja auch umgekehrt. Stichwort Mallorca….
    Ein schönes WE und viele Grüsse aus Hamburg ! Joachim

  2. Hallo Matt. Wir in der Schweiz werden täglich abgezockt durch hauptsächlich deutsche Firmen. „Höhere Kaufkraft abschöpfen“ nennt man das in der Marketingsprache. Umgekehrt kann man aber auch schweizerische Produkte im Ausland günstiger kaufen. „Anpassung an die tiefere Kaufkraft“ heisst das dann. Der Kunde ist halt nicht König, sondern die Gier nach noch mehr Profit und Umsatz. Zeit zum Auswandern, habe ich bisher gedacht, doch das scheint auch keine Lösung zu sein …. Im Übrigen habe ich mich beim Besuch des Nationalparks nicht gestört am Eintrittspreis. Angesichts meiner Schweizer Fränkli war das auch spottbillig. Und sehr schön obendrein.
    Liebe Grüsse auch an die Familie
    Karl

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