Leben in Thailand
Guave Farang Ja Muh Baxida Chumphon Thailand

Baxida, Ja Muh und Farang

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie schockiert deutsche Politiker über das Anwachsen von Rassismus gegen Ausländer sind? Schockierend finde ich die Erklärung, dass es überall in Europa und auf der Welt so sei. Warum messen sich unsere Politiker eigentlich mit schlechten Beispielen? Warum nicht mal über den europäischen Tellerrand schauen und Länder zu entdecken, wo es für den Farang, also der weiße Ausländer, umgekehrt ist.

Mehrere würden dann möglicherweise bei Thailand merken, dass die europäische Art Rassismus zu betreiben, hier so gar nicht Anklang findet. Natürlich gibt es hier auch Diskriminierung, aber eben keinen europäischen Rassismus. Der Beitrag: Ein Affentheater, nur warum? zeigt noch eine ganz andere Art von arrogant dummer Diskriminierung aus Europa auf.

In Thailand werden Sie diesen Rassismus gegen insbesondere anders ausschauende Europäer vergeblich suchen. Selbst innerhalb ganz Südostasien hat Thailand hier eine Sonderstellung. Es geht sogar so weit, dass meist westliche Ausländer positiv diskriminiert werden. Je weiter man insbesondere von bekannten Touristenorten entfernt ist, desto angenehmer die Diskriminierung.

Aller Anfang als Baxida ist schwer

Es ist bei den Thailändern eine interessante Ignoranz vorhanden, die zwar anfänglich sehr irritierend sein kann, aber nach einer Weile merkt man wie angenehm diese doch ist. Westliche, sprich weiße Ausländer, werden hier sehr oft als „Farang“ bezeichnet. Bücher und Filme haben diesen Titel, eine deutschsprachige Onlinezeitung heißt sogar so.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Die Guave

Über die Jahre gab es viele Erklärungen hierzu. Am besten gefällt mir die ursprünglich falsche thailändische Aussprache des Wortes für den Franzosen, bis es eingethait nur noch Farang hieß. Ignoranz kann da schon ganz lustig sein, wenn man weiß, dass mit Farang auch die Guave gemeint ist. Die Frucht schaut aus wie ein von Beulen überzogener hellgrüner Apfel.

Im Deutschen haben wir unterschiedliche Wörter in unterschiedlichen Regionen, zum Beispiel Pilze und Schwammerl, oder Semmel, Brötchen, Schrippen. Im Thailändischen haben viele Früchte regional umgangssprachliche Bezeichnungen. Die Guave im Süden wird off Ja Muh und im Nordosten, dem Isaan, Baxida genannt. Daher kann es durchaus passieren, dass Sie im Süden manchmal, Ja Muh gerufen werden und Baxida eben im Isaan. Farang ist aber bei weitem die üblichste Bezeichnung für uns Weiße

Ich komme aus Farangland und spreche Farang

Sie werden auf Granit beißen, wenn Sie glauben, Sie könnten Thais davon überzeugen, dass es keine eigene Farang Sprache und kein Farang Land gibt. Bei allen asiatischen Ländern unterscheidet der Thailänder doch auch. Wir Europäer tun dies gegenüber Asiaten selbstverständlich genauso ignorant. Bestenfalls nennen wir sie Asiaten, oft auch abwertend Schlitzaugen. Warum wir uns mit der Unterscheidung so schwertun behandle ich im Beitrag: Zwei Augen, Nase und Mund

Diese Verallgemeinerung und Ignoranz ist eigentlich sehr gut für uns, für uns Weiße meine ich. Wir gelten für Thailänder, seitdem die Portugiesen vor rund 500 Jahren Handelsbeziehungen mit Siam aufnahmen, als Exoten. Stinkend zwar, aber mit Geld, gelten.

Für das Stinkende tragen wir selbst die Verantwortung. Duschen oder Baden galt teilweise bis ins letzte Jahrhundert und für nicht wenige anscheinend bis heute als krankheitserregend. Dies mag vielleicht in Europa durch ausreichend Duftwasser dem Nahestehenden verborgen bleiben, aber im tropischen Thailand werden wir schnell zur Stinkbombe. 2-mal täglich duschen ist eher zu wenig als zu viel.

Reiche arme Europäer

Das mit dem Geld ist eine andere Sache. Thailänder, die ständig mit Touristen zu tun haben, wissen, dass die Formel Farang = reich meist nicht der Realität entspricht. Jedoch bei der großen Mehrheit der Einheimischen hält sich die Mär beharrlich.

Vorsicht Klischee: Wie sonst lässt sich erklären, dass oft unansehnliche bierbauchverwöhnte Europäer, sehr ansehnliche, meist jüngere Thailänderinnen heiraten? Diese werden dann eingepackt und nach Farangland mitgenommen. Meist gibt es auch überhaupt keine Sprache, mit denen sich das junge Glück tiefergehend verständigen könnte. Zumindest ein bisschen objektiver kann es folgendermaßen erklärt werden:

  • Thailänder wissen, dass viele europäische Touristen sich den teuren Flug und wochenlange Hotelaufenthalte in Thailand leisten können. Da dies umgekehrt in der Masse nicht möglich ist, ist der Trugschluss vom reichen Europäer verständlich.
  • Die Meinungsbildungsmaschinerie von westlichen Filmen, sowie schrägen Wirtschaftstheorien trägt ein Übriges dazu bei.
  • Viele wissen aber nicht, dass das Leben in Deutschland sehr teuer im Vergleich zu Thailand ist. Grundbedürfnisse zu decken ist prozentual zum Gehalt in Europa erheblich teurer als in Thailand. Der thailändische Mindestlohn, wäre ein Beitrag, denn ich hierzu empfehle.
  • Insbesondere in Großbritannien und Deutschland, wo zahlenmäßig die meisten Mischehen leben, ist der Kontrast am größten.
  • Die hohe Lebensqualität als Tourist in Thailand entspricht nicht im entferntesten der Lebensqualität im Heimatland. Zugegeben bei den Eidgenossen ist dies ein anderes Bild; kluge vorausschauende Gesellschaftspolitik gibt es also doch!

Wäre all dies den heiratswilligen Thailänderinnen von Anfang an bewusst, würden viele es sich ganz schnell anders überlegen.

Thailands Understatement

Ein weiterer Grund warum Weiße einen sehr wohlwollenden Status in Thailand genießen, ist die tiefstapelnde Art der Thailänder. Sie sind fest davon überzeugt, dass wir, der Farang, vieles besser können als Thais selbst. Im Gespräch sagen Ihnen Thailänder oft, dass in Europa vieles besser wäre und Thailand noch nicht so weit entwickelt sei.

Zum Beispiel sieht man oft in diversen Produktanpreisungen, dass etwas darin aus Deutschland, England, Frankreich, Italien, etc. kommt; dies gilt als verkaufsfördernd. Manchmal hat dieses Produkt gar nichts mit diesen Ländern zu tun.

Eine lustige Geschichte hierzu: Meine Frau wollte mal gegen meine sich jährlich fortschreitende Glatze am Hinterkopf ankämpfen. Sie lass im Internet von einem Shampoo, beworben durch „mit deutschem Knowhow hergestellt“. Es stellte sich heraus, dass das einzige Deutsche bei diesem Shampoo, die Abfüllmaschine war. Jetzt aber das Seltsame, seit Jahren wasche ich meine Haare mit diesem Zeug und meine Glatze ist fast vollständig verschwunden.

Positiver Rassismus gegenüber dem Farang

Dann kommt auch noch etwas sehr ausgeprägt Asiatisches zum Vorschein. Thailänder haben auch eine positive Grundeinstellung zu uns Weißen, weil wir doch eher weiß sind. Das Schönheitsideal in ganz Ost- und Südostasien ist nun mal eine weiße Haut. Vielleicht denken Sie jetzt, dass ich spinne, aber Thailänder würden alles dafür geben, um eine weißere Haut zu bekommen.

Diametral anders als wir Europäer. So lässt sich auch erklären, warum so gut wie jede Gesichtscreme, Lotion oder Sonnencreme in Thailand, egal ob lokale oder internationale Marken, mit Weißmacher versehen ist. Die Schönheitsindustrie macht jährlich Milliarden Umsätze in Asien mit dem Versprechen von weißerer Haut. Dies geht sogar so weit, dass sich seit Jahren hauptsächlich asiatische Frauen Schneckenschleim ins Gesicht schmieren. Erst kürzlich wurde mit diesem Produkt ein Thailänder zum Milliardär, klicken Sie hier.

Die liebe Liebe

Auch erklärt es ein bisschen die hohe Anzahl an europäisch/thailändischen Ehen. Der Partner entspricht dem eigenen Schönheitsideal eher. Wir machen viel für braune Haut, da es in unseren Augen schön ausschaut und Gesundheit widerspiegelt. In Thailändischen Augen ist dies eben beim Farang der Fall.

Nicht erklärt wird hierbei allerdings, warum dies im Großen und Ganzen nur auf europäische Männer und thailändische Frauen und nicht umgekehrt zutrifft. Ich höre schon die Erklärungsrufe, dass für europäische Frauen die inneren Werte entscheidender sind; allerdings mit dem Hacken, dass dies durch wirklich sehr viele Studien schon längst widerlegt wurde.

Ich sehe es jedenfalls nicht als anrüchig in Thailand zu leben. Nur um politische Korrektheit zu wahren und mich daher nicht mit einem Diskriminierungsbonus ausstatten zu lassen, einzig und alleine weil ich Weißer bin. Im Beitrag Me Too und Gutmenschen, kritisiere ich genau dies. Hier ein paar selbst erlebte Beispiele positiver Diskriminierung:

Erlebte Beispiele

  • Bei Polizeikontrollen, egal ob ich Auto oder Moped fahre, winken mich Polizisten oft durch und kontrollieren lieber den Thailänder hinter mir. Würden dies Polizisten bei anders ausschauenden Ausländer machen, würde die braune Kacke noch mehr profitieren!
  • 2 mal haben mich Polizisten beim Moped fahren ohne Helm erwischt. Jeder Thailänder zahlt dafür zwischen 200 und 400 Baht. Beide male, gab es von den Polizisten nur eine Verwarnung und mein Geld durfte in der Hose bleiben. Für Deutschland gilt ähnliches wie im vorgenannten Punkt!
  • Bei einer Radarkontrolle in einer andern Provinz bin ich erwischt worden. Das Geld wird meist an Ort und Stelle eingefordert. Ich begann mit den Polizisten zu verhandeln und anstelle der Geforderten 500 Baht, meinte einer ein bisschen genervt, ob ich mit 400 Baht einverstanden wäre und zahlte sofort.
  • Bei Verwaltungen oder im Laden werde ich, der Ja Muh, nicht selten als erster drangenommen und wartende Thailänder akzeptieren dies. Ich höre förmlich das Geschrei in Deutschland, wenn zum Beispiel ein Asiate beim Bäcker sich nicht anstellen muss.
  • Thailand ist das Land des Lächelns, trotzdem habe ich das Gefühl, mehr als normal angelächelt zu werden. Um gleich Missverständnisse vorzubeugen, dies kommt am häufigsten bei Kindern vor, aber gleichermaßen auch bei Männer und Frauen. Lächeln in Deutschland ist doch eher verpönt.
  • Auf dem Markt wird bei meinen Preisverhandlungen nachweislich öfters nachgegeben also bei meiner Frau, der Biothailänderin. Absolut undenkbar in Deutschland
  • Das die Thailänder so sind und bleiben beschreibt der Beitrag: Thailänder haben Vorteile, keine Ausländer in Thailand zu sein

All diese Erlebnisse haben eines gemeinsam, ich sprach immer mit den Thailändern auf Thailändisch. Ich lebe hier, also habe ich gefälligst auch die Sprache zu lernen. Der Beitrag „Thailändisch, kein Buch mit sieben Siegel“ befasst sich ausschließlich damit.

Ein Kambodschaner, Myanmare oder Laote wird hier genauso gut oder schlecht behandelt, wie wir unsere ausländischen Gastarbeiter. Dies stimmt jetzt nicht ganz – Covid-19 sei Dank. So menschenunwürdig, wie wir unsere bulgarischen, rumänischen oder polnischen Schlachthofmitarbeiter und Erntehelfer unterbringen und behandeln, würden sich hier nur die wenigsten trauen.

Wo Europäer Exoten sind

In Gegenden in Thailand, wo Touristen eher selten vorbeikommen, also zum Beispiel Chumphon (Chumphon, ein magischer Ort und mein Paradies ist ein Beitrag, den ich Ihnen hierzu empfehle), sehen Thailänder in uns Farangs noch etwas Exotisches und dies auch noch in einem sehr positiven Sinne.

In Deutschland wird von anders ausschauenden Mitbürgern, egal ob Deutsche mit Migrationshintergrund oder Ausländer oft erwähnt, wie ausgegrenzt und diskriminiert sich diese Menschen fühlen. Insbesondere wenn sie von Biodeutschen gefragt werden, woher sie kommen. Jeder merkt sehr leicht, ob es rassistisch gemeint ist oder ob nur eine ehrliche Neugier gezeigt wird.

Dies kann ich überhaupt nicht verstehen; ich unterscheide mich vom Äußerlichen sehr stark von Thailändern und werde oft gefragt, woher ich komme. Vielleicht manchmal zu oft pro Fahrradtour, aber ich finde es toll und habe auch dadurch meine sozialen Kontakte aufbauen können. Jemand zeigt Interesse an einem Andersausschauenden. Was soll daran Anrüchiges sein? Es ist eine sehr positive menschliche Eigenschaft, die es gilt zu fördern und nicht zu unterdrücken.

Auch Europa diskriminiert positiv

Um nun eine Lanze für meiner alte Heimat zu brechen, der diskriminierende Rassismus ist nicht so verbreitet, wie uns die 4. Gewalt im Staat und sehr laute Gutmenschen glauben machen wollen. Mein Sohn aus erster Ehe ist Deutscher und Thailänder, also weder Biothailänder noch Biodeutscher.

Er wuchs anfänglich in Amsterdam und danach ausschließlich in Hessen auf. Sein Aussehen ist offensichtlich nicht wie bei einem Biodeutschen und man erkennt sehr schnell, dass er Deutscher mit Migrationshintergrund ist. Mehrfach habe ich mit ihm, seinen Freuden und früher auch mit seinen Lehrern über Diskriminierung gesprochen.

Siehe da, es gab so gut wie niemals diskriminierenden Rassismus gegen meinen Sohn. Er durfte in Deutschland sogar ähnliche Erfahrungen wie ich in Thailand machen. Schwer zu glauben, aber er wurde gar nicht selten ähnlich positiv diskriminiert, wie ich in Thailand. Auch solche Beispiele werden von der Gutmenschenlobby niedergeschrien; es kann nicht sein, was nicht sein darf. Als Luuk Krueng wird er selbstverständlich in Thailand auch positiv diskriminiert.

Für mich jedenfalls ist Ja Muh zu sein eine Ehre. Ich genieße die bevorzugte Stellung, die es mir bringt, nutze diese aber niemals aus. Es ist schon ein großer Bestandteil, um mein Leben hier als paradiesisch bezeichnen zu können.

Matt als Comic

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


Kokosnusspalme und Meer

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