Leben in Thailand
Essen in Thailand, Tischmanieren, Messer und Gabel

Thailand – Toilettenpapier auf dem Tisch & Mahlzeit ohne Mahlzeit

Aktualisiert am 30. September 2022

Erst kürzlich beobachtete ich ein Pärchen aus Europa, welches beim Reisgericht in Thailand nicht auf Messer und Gabel verzichten konnte. Tischmanieren unterscheiden sich teils gewaltig von Asien zu Europa. Auch innerhalb Asiens sind diese ziemlich unterschiedlich, was jeder bestätigen kann, der nach seinem Urlaub in Thailand mal ein ausgiebiges Essen in China beobachten konnte. Wenn Europäer an Essen in Thailand denken, dann ist wahrscheinlich der erste Gedanke bei der Schärfe. Aber in diesem Beitrag geht es nicht über die, wahrscheinlich nicht nur für mich, beste Küche der Welt, sondern um alles drumherum.

Wir laden ab und an unsere Langzeitgäste auf Baan Metawi, in Chumphon am Golf von Thailand gelegen, zum Essen ein. Nicht zum Essen in einem Restaurant, sondern auf unserem Anwesen. Meine bessere Hälfte kocht dann Thailändisch und gerade am Anfang ist dies für viele unsere Gäste exotisch. Nicht nur das Essen, sondern auch die Tischmanieren, manchmal auch ohne Tisch und Stuhl, fällt vielen, besonders ab Ü60, schwer. Es gibt nämlich ein paar Gerichte in Thailand, bei denen ein rechteckiger Tisch nicht hilfreich ist. Da wir nun keinen Runden haben, setzen wir uns einfach im Kreis auf den Boden, was dann Tischmanieren ein wenig erschwert. Wohingegen man sich schnell gewöhnt, mit Löffel und Gabel und nicht Messer und Gabel zu essen. Wo es dann wieder zur Herausforderung wird, wenn Sie Suppe mit Stäbchen essen sollen.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 8 Minuten

Tischmanieren in der Welser Kuch

Auch für Asiaten sind manchmal unsere Tischmanieren eher exotisch, wie im nachfolgenden Beispiel. In den 90er Jahren war meine thailändische Verwandtschaft aus erster Ehe zu Besuch bei uns in Augsburg. Denen wollten wir natürlich etwas bieten und gingen in die Welser Kuch. Mit Entsetzen musste ich beim Schreiben dieses Beitrages feststellen, dass es dieses Restaurant anscheinend nicht mehr gibt, schade. Jedenfalls war dies für alle Biothailänder in der Runde schon ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Die Welser Kuch war berühmt für ihr mittelalterliches Essen, wie zu Zeiten der Philippine Welser. Die Essensqualität war gar nicht das, was für Nasenrümpfen gesorgt hat, sondern die mittelalterlichen Tischmanieren. Es gab ein großes, fertig gegrilltes Fleischstück auf einem Brett mit einem großen Messer, was eher einer Machete glich. Nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit dieser Axt und den Händen musste das Teil zerlegt werden. Nicht in mundgerechte Happen, wie in Thailand üblich, sondern in Riesenstücke, die Sie gut in der Hand halten können.

Was hingegen bei allen ankam, dass die Damen in der Runde, ausgestattet mit einer schönen Schürze, die Männer bedienen mussten. Nicht weil Thailänderinnen so unterwürfig sind, das Gegenteil ist im wirklichen Leben eher passender, sondern weil es jeden einfach nur Spaß machte. Einzig das obligatorische Rülpsen am Ende des Festmahls passte dann weder zu den Tischmanieren in Thailand noch den heutigen in Deutschland, würde aber gut zu China passen.

Sein eigenes Essen ins Restaurant in Thailand mitbringen, was sonst?

Ab und an wollen die Kinder in ein Fastfood Restaurant, aber insbesondere meine bessere Hälfte kann damit nicht viel anfangen. Also kauft sie sich an einer der überall und zu jeder Zeit vorhandenen Garküchen einen kleinen Imbiss und dieser wird dann im KFC oder McDonalds verspeist. Dies, obwohl es gerade in Kettenrestaurants oft einen Aufkleber in Thailand gibt, der Essen von draußen verbietet. Es interessiert hier aber keinen und seltsame Regeln folgt schon gar niemand. Die für D A CH Länder überlebenswichtige Ordnung ist für Thailänder ein rotes Tuch, was es für mich so lebenswert macht, siehe: Same Same but different.

Dies ist vielleicht nicht so einfach in der Großstadt, aber in Chumphon ist es weiterhin normal, dass mitgebrachtes Essen im Restaurant verspeist wird. Es ist auch völlig normal, dass Sie zum Beispiel eigenen Whiskey in eine Bar mitbringen, siehe dazu: Bar, Zentimeter und Uniform in Thailand. Manche Biergärten in Bayern erlauben tatsächlich bis heute, dass Sie mitgebrachtes Essen im Biergarten verzehren. Dies ist aber für Deutschland die absolute Ausnahme und für Thailand eher die Normalität.

So ist es auch normal, wenn Sie irgendwo in Thailand zu Hause zum Essen eingeladen sind, dass Sie als Gast auch noch ein Gericht mitbringen. Dies erhöht dann nur die Vielfalt und dadurch auch das Wohlbefinden.

Ein paar gewöhnungsbedürftige Tischmanieren

  • Thailändisches Essen ist fast immer mundgerecht zubereitet, d.h. Sie müssen nichts mehr mit dem Messer schneiden. Ein ganzer Fisch lässt sich leicht mit dem Löffel essen. Daher ist dann auch die Grundausstattung im Restaurant nicht Messer und Gabel, sondern Löffel und Gabel, manchmal auch nur Löffel und beide Male wird dieser in der rechten Hand gehalten. König Chulalongkorn wird zugeschrieben, dass er auf seinen Auslandsreisen nicht vom Messer, aber Löffel und Gabel fasziniert war und dies auch in Thailand einführte.
  • Ausschließlich zur Nudelsuppe (mit oder ohne Suppe, siehe: Nudelsuppe und Gewürzkranz in Thailand) werden Stäbchen verwendet und der spezielle Suppenlöffel wird links gehalten.
  • In den meisten Restaurants bekommen Sie keine Servietten und schon gar nicht sind diese aus Stoff. Diese kaufen wir uns tatsächlich ab und an in Deutschland. Es gibt aber Papierspender mit hauchdünnen Tüchern auf jedem Tisch, mit denen Sie sich Ihren Mund abputzen können. Manchmal wird auch einfach nur eine Toilettenpapierrolle verwendet, die in einem runden Plastikbehälter mit Loch am oberen Ende versteckt ist.
  • Es ist normal, dass in der Gruppe viele Gerichte bestellt werden und dann für jeden auf den Tisch kommen. Einzig ein Teller mit Reis gibt es individuell.
  • Im Restaurants liegt dann zu jedem einzelnen Gericht noch ein „Zwischenlöffel“. Damit wird das Essen auf den persönlichen Reisteller transportiert. Erst dann verwenden Sie Ihren eigenen Löffel oder Gabel.
  • Sie sollten von jedem Gericht nur wenig auf Ihren Teller geben und dann essen. Erst danach holen Sie sich etwas von einem anderen Gericht oder auch nochmal demselben. Vermeiden Sie viele Gerichte gleichzeitig auf Ihrem Teller zu platzieren. Diese vermischen sich dann leicht und der Geschmack ist dann nur noch durchschnittlich.
  • Es gibt auch keinen gemeinsamen Startpunkt, wonach jeder dann anfängt zu essen, abgesehen bei offiziellen Anlässen. Essen in Thailand bedeutet, sobald ein Gericht von den vielen bestellten kommt, kann man, muss aber nicht, mit dem Essen beginnen.

Weitere Tischmanieren

  • Thailand hat keine Essregeln, wie in Europa, damit meine ich beispielhaft:
    • wo Messer und Gabel bzw. Löffel und Gabel platziert werden, ist völlig egal
    • der Ellbogen hat auf dem Tisch bei uns nichts verloren, warum nicht?
    • die Serviette hat auf dem Schoß platziert zu werden
    • nachwürzen wird in Thailand erwartet und ist doch eher verpönt in den D A CH Länder.
  • Meist zieht sich kein Thailänder etwas Besonderes für den Restaurantbesuch an. Dieser ist auch nichts Besonderes, da Thailänder fast täglich auswärtig essen. Der Kontrast zu Touristen, die sich gerade abends schön zum Essen anziehen ist auffällig.
  • Zu den Tischmanieren hier zählt dann auch, dass man sich nicht Mahlzeit (ich komm nun mal aus Bayern) oder Guten Appetit wünscht, sondern einfach mit dem Essen beginnt.
  • Ein Essen in Thailand ist kein 100 Meter Spurt, sondern es soll Spaß machen. Sich unterhalten und dabei ein wenig essen ist in Thailand normal. Thailändischen Gerichten ist es ziemlich egal, ob diese im heißen oder lauwarmen Zustand gegessen werden.
  • Im Restaurant ist die Qualität des Essens am wichtigsten. Auf Tischdecken, schönes Porzellangeschirr und aufwendige Dekoration wird wenig Wert gelegt. Wenn Sie nur in Touristengebieten in Thailand zum Essen gehen, können Sie dies nicht nachvollziehen. Dort wird aber nicht für die thailändische Kundschaft, sondern für Touristen gekocht. Dafür dürfen Sie dann aber das 3-Fache und mehr für gleichwertiges oder schlechteres Essen zahlen.
  • Es gibt auch Gemeinsamkeiten zu den Tischmanieren in Europa, wie z.B. nicht mit vollem Mund sprechen. Auch verpönen beide so ziemlich alle Tischmanieren, die üblich in China sind.
  • Leider hat sich das Handy wohl weltweit als Rebell bei den Tischmanieren eingeschlichen. Dies scheint wohl nicht mehr veränderbar zu sein.

Zum Thema Äußerlichkeiten

Gerade in Gegenden von Thailand, wo der ausländische Tourist Mangelware ist, findet man viel typisch Thailändisches. Insbesondere passt sich das Essen auf die jeweiligen Regionen an und nicht auf Touristengaumen. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir fahren oft nur wegen des Essens zum Beispiel nach Bangkok und genießen dort durchaus auch westliches Essen. Aber wenn ich zum Beispiel in Chumphon typisches Essen aus Thailand genießen möchte, hat die Qualität an erster Stelle zu stehen und nicht ob es da eine schöne Tischdecke gibt.

Gerade diese Woche aß Sohn Nummer 1 im Raan Däng (Laden von Däng), einem der angesagtesten Restaurants für Fische und Meeresfrüchte in der Provinz Ratchaburi, ca. 100 km südöstlich von Bangkok. Ich hab dort auch schon etliche Male die Köstlichkeiten aus dem Meer probiert und niemals war der Preis unter ca. € 30 pro Person, was in einer nicht touristischen Gegend in Thailand schon extrem teuer ist. Was ist nun so speziell an diesem Laden?

Typisch für ein thailändisches Restaurant

Das Restaurant liegt im Nirgendwo, der Speisesaal erinnert mehr an eine überdachte Lagerhalle und alle Stühle und Tische sind aus billigem Plastik, an denen die Patina schon gut ersichtlich ist. Ein ähnliches Schicksal ereilt auch die Plastikspeisekarten. Tischdecken gibt es natürlich überhaupt nicht, aber dafür Plastikteller in Hülle und Fülle. Natürlich gibt es keine Messer, aber Löffel und Gabel sind aus sehr biegsamen Aluminium. Nur bei den Gläsern wurde geklotzt, diese sind tatsächlich aus billigem Glas.

Dies erklärt nicht, warum Thailänder bereit sind, richtig tief dafür, in diesem immer gut gefüllten Schuppen, in die Tasche zu greifen. Sobald Sie aber den ersten Löffel im Mund haben, wissen Sie genau, warum die Preise gerechtfertigt sind.

Es ist einfach schön in Thailand, wie das Essen im Vordergrund steht und Tischmanieren zwar anders als in Europa sind, aber auch sehr flexibel gehandhabt werden. Vielleicht interessant dazu:

Leben und wohnen auf Baan Metawi in Chumphon am Golf von Thailand

Wenn Sie sich für einen Langzeitaufenthalt bei uns in Chumphon interessieren, lesen Sie sich das Mietangebot meiner Frau auf Baan Metawi gut durch. Es zeichnet sich im Besonderen dadurch aus, dass es ein sehr nützliches und vielfältiges Servicepaket bietet, welches Ihnen den Schritt zum Überwintern oder Auswandern nach Thailand erheblich erleichtert. Zudem spricht der Ehemann meiner Frau sogar auch Deutsch.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für ihren schönen Beitrag. Vieles vo den Beispielen durfte ich auch erleben. Allerdings scheiterte ich immer an den Stäbchen bei der Nudelsuppe, obwohl ich die Nudelsuppe in Thailand genossen habe. Ich freue mich schon auf ihre kkünftigen Geschichten. Liebe Grüße, Bettina

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