Leben in Thailand
messen in Thailand, metrisches System, normierung

Ein Inch, ein Hun oder doch nur ein Zentimeter

Aktualisiert am 16. Juli 2021

Darf es ein bisschen DIN, JISC, GB oder doch AFNOR sein?

Was macht eigentlich Thailand bei der Normierung und dem metrischen System? Die Antwort finden Sie weiter unten. Richtig messen will gelernt sein. Dabei hilft die Deutsche Industrie Norm, DIN, und das metrische System schon ungemein. Hat ersteres Deutschland sicherlich im letzten Jahrhundert als Basis für den wirtschaftlichen Erfolg sehr geholfen. Japan ist auch berühmt für seine Normierung, JISC, gefühlt noch mehr als in Deutschland. Sie messen und bauen doch ihre Häuser um ihre Tatami Matten. Diese sind seit Jahrhunderten in der Größe normiert und dienen auch als Flächenmaß.

Aufstrebend in der Normierung im High Tech Sektor ist China, GB, mit ihrer Initiative „China Standards 2035“ und befindet sich schon seit längerem dabei auf der Überholspur. Geschichtlich am meisten hat wohl Frankreich, AFNOR, mit der „Erfindung“ des Meters und Kilogramms dazu beigetragen, dass die Verwirrung international stark abnahm.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Je weniger, desto besser

Viele Länder haben bestimmte Normen mit der Zeit übernommen und so hat sich zum Beispiel das metrische System – angeblich auch in Thailand – weltweit am stärksten durchgesetzt; ähnlich bei der Temperaturmessung für normale Zwecke. Man sollte vielleicht US Amerikaner davon unterrichten, dass Herr Fahrenheit ein Deutscher war. Vielleicht verbieten die USA dann auch das dort übliche Messen in Fahrenheit. Blöd nur, dass die Briten im metrischen System den Untergang der Welt sahen und ihren ehemaligen Kolonien soviel Freiraum ließen. Die Abtrünnigen verwenden zwar andere Maße, aber oft mit der gleichen Bezeichnung, z.B. Pfund, Unze, Gallone.

Für zusätzliche Verwirrung bei Nicht-Angelsachsen sorgt, dass es einen Unterschied zwischen See- und Landmeilen gibt. Da Thailand sich dem metrischen System angeschlossen hat, misst es auf dem Meer natürlich in Meilen. Welche Thailand auf dem Meer benutzt, ist mir als Nichtmeilendenker unbekannt. Wundern würde es mich nicht, wenn Thailand Seemeilen in Landmeilen misst.

In Thailand ist messen, trotz metrischem System gar nicht so einfach

Thailand hat die Sache mit dem Übernehmen von Normierungen vielleicht ein wenig übertrieben. Diversität und Quantität sind hier wirklich fehl am Platz. Man wird mittels Radarfallen darauf hingewiesen, um wie viel Kilometer zu schnell gefahren wurde. Hingegen im thailändischen Baumarkt, messen die Verkäufer meist alles in Inch. Manchmal wird es auch seitens des Verkäufers mit Zentimeter und Meter verwechselt. Auch gar nicht selten, dass ein anderer Verkäufer, es gibt viel Verkaufspersonal in solchen Läden, dann das alte Maß Hun zum Messen verwendet. Dieses ist auch nicht wirklich standardisiert, stört aber in Thailand niemanden.

Zur allgemeinen Verwirrung kommt dann noch, dass Thailänder ihr eigenes Inch haben, den Niu, welches ein wenig kürzer als das ursprünglich Römische (ein Zwölftel eines Fußes) ist. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass der thailändische Durchschnittsfuß doch ein wenig kleiner, als sein britisches Pendant ist. Maßbänder werden hier oft metrisch, in Niu und Fuß verkauft, alles in einem. Einigen konnte man sich hingegen auf 50 cm bei der thailändischen Elle, dem Sok.

Verwirrung in Thailand durch Vielfalt bei der Normierung

Egal, irgendwie passt es dann doch, vielleicht und wenn nicht, macht es auch nichts. Typisch Same Same but different eben. So wie beim Farbeimer, der Inhalt ist meist in Gallonen angegeben. Beim Tanken hingegen sind es wieder Liter. Trotzdem werden Reservetanks oft in Gallonen angeboten.

Die großen Bierflaschen haben mit 0,62 Liter eine seltsame Füllmenge, die auch keinen Namen trägt. Trinkwasser hingegen gibt es in Flaschengrößen mit 0,2 Liter Füllmenge oder 0,33 oder 0,5 oder 0,6 oder 0,75 oder 0,9 oder 1,0 oder 1,25 oder 1,5 aber auch 5, 6 und 30 Liter. Sollte doch für jeden etwas dabei sein.

Gerade auf dem Bau wäre eigentlich eine Normierung ganz hilfreich, jedoch weit gefehlt. Fenster scheinen überhaupt keine Normierung zu kennen. Ziegelgrößen entsprechen wohl eher dem gut Dünken jeder einzelnen Fabrik. Anderes Baumaterial passt sich oft dem Herkunftsland an. Und trotzdem ist Thailand ein Paradies für Baustoffe. In ganz Asien werden thailändische Marken für Fließen, Baustoffe, etc. als hochwertige Güter angeboten. Dies ist keine Selbstverständlichkeit und verdient aus meiner Sicht ein großes Kompliment. Da viele Handwerker Kleinstunternehmer sind, empfehle ich Ihnen auch diese Beiträge:

Thailändische Postboten haben weltweit den schwierigsten Job

Da ist es dann schon ein Einfaches, wenn Grundstücksgrößen ausschließlich in thailändischen Maßen genannt werden, eben in Rai. Dieser entspricht 1.600 m², 4 Ngan ergibt ein Rai, ein Ngan entspricht 100 Wah und 1 Wah entsprich 4 Quadratmeter, alles klar?

Für weltweite Konfusion sorgen aber dann die Häuser auf den Grundstücken. Außerhalb Bangkoks werden Hausnummern oftmals chronologisch der Fertigstellung der Häuser vergeben. Hat zwar nicht direkt mit Normierung zu tun, aber ein bisschen moderneres System wäre schon ganz gut. Wahrscheinlich sind thailändische Postboten hochbegabt.

Irgendwann gewöhnt man sich daran

Wenn Sie nach Thailand auswandern wollen, werden Sie es schnell merken, aber keine Angst, man gewöhnt sich schnell daran und ist aber immer wieder erstaunt, dass es tatsächlich ganz gut funktioniert. Wenn Sie gerade beim Auswandern auf ein bisschen weniger „es wird schon funktionieren“ Wert legen, dann empfehle ich Ihnen die Checkliste fürs Auswandern nach Thailand.

Pfunde werden auch ab und an verwendet. Ob hier nun das US-Amerikanische, das Britische oder aus europäischer Sicht, das richtige Pfund gemeint ist, verschließt sich nicht nur dem Käufer. Dann hilft es mit dem thailändischen Khiit ganz gut, da dieser 100 Gramm entspricht, eine gängige Größe auf jedem Markt hier – mehr dazu, siehe: Markttag in Chumphon. Lustig wird es beim Gold, welches in jedem Goldladen in Baht gewogen und für Baht verkauft wird. Hierbei bezeichnet Baht nicht nur die thailändische Währung, sondern ist auch eine eigene Gewichtseinheit (ca. 15 Gramm).

Bei den Papiermaßen sollten wir uns von vorneherein ergeben, da zwischen DIN A4, dem US Letter und mehreren sehr originellen thailändischen Verwaltungspapiergrößen, alles im Angebot ist.

So etwas Einfaches wie die Uhrzeit, sollte man doch nicht verkomplizieren können. Doch, geht, indem man Thum (ทุ่ม) einführt. In Thailand wird die Zeit, außer bei offiziellen Anlässen, in 4 x 6 Stunden eingeteilt. Ist von 01:00 bis 18:00 Uhr kein Problem, da wir selbst ein System von 2 x 12 Stunden bevorzugen. Der Knackpunkt ist die Zeit von 19:00 bis Mitternacht, wobei 19:00 = 1 Thum, 20:00 = 2 Thum, u.s.w. entspricht. Sie gehen also nicht um 23:00 ins Bett, sondern um 5 Thum.

Apropos Schlafen, dort wird in Thailand nicht das metrische System verwendet, welches Siam angeblich bereits 1923 übernommen haben soll. Es werden Matratzengrößen in Fuß gemessen, hier wohl das Angelsächsische. Wie sind die Briten eigentlich darauf gekommen ein Bett in Fuß zu messen? Wahrscheinlich war dabei auch viel Alkohol im Spiel. Eine 6 Fuß Matratze entspricht dann ungefähr beim metrischen System einer Breite von 1,90 m; na dann Gute Nacht. 

Matt als Comic Freude

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Kokosnusspalme und Meer

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