Leben in Thailand
Bambus für Muschelzucht in Chumphon Thailand

Bambus und Muschelfarm in Thailand

Aktualisiert am 6. November, 2026

Was sich vielleicht wie eine Überschrift, geschrieben im angetrunken Zustand liest, ist tatsächlich eine ziemlich tolle Sache hier. Hier, dies ist meine neue Heimat in Chumphon, Thailand, wo ich oftmals auf mir Fremdes, also Exotisches stoße. So auch vor einigen Jahren, als ich die lokale Muschelzucht „entdeckte“. Was haben Bambus und Muscheln hier in Chumphon gemeinsam? Es ist die wohl natürlichste Methode der Muschelzucht in Thailand, frische Bio Muscheln aus dem Golf von Thailand zu ernten. Ganz ohne Chemie und Umweltzerstörung macht Thailand erfolgreich Bioanbau bei der Muschelzucht seit Generationen. Ähnlich läuft es auch mit dem ufernahen Fischfang unzähliger kleiner und mittlerer Fischerboote, aber auch der gesamten Plantagenwirtschaft hier.

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Bambus ist wohl nach der Kokosnuss die Pflanze mit den meisten Verwendungsmöglichkeiten. Es wächst fast überall in Thailand, braucht wenig Pflege und eigentlich auch keinen Dünger. Die Sprossen und Wurzeln werden in der thailändischen Küche sehr oft eingesetzt und weitere Anwendungen reichen von Medizin bis Hausbau, von Bambusgerüstbau bis zur Muschelzucht in Chumphon. Auch beim Bambus hat China einen enormen technologischen Vorsprung vor der westlichen Welt (Artikel1, Artikel2, Artikel3). Zwei Beiträge beschreiben das selbstverursachte Dilemma der westlichen Welt hinsichtlich China:

Matt Abold leben in chumphon, thailand

Matt Abold heißt der Bub und lebt seit 2009 auf Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Er schreibt übers Auswandern und Überwintern und sozial- und wirtschaftspolitische Themen mit Bezug zu Thailand.
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Bambus im Garten: schön, robust, pflegeleicht und tut weh

Bambus im Baan Metawi Chumphon Thailand

Das Bild zeigt einen von mir angebauten Bambus auf unserem Anwesen, Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Um eine zu starke Wucherung zu verhindern, haben wir den Bambus in große Betonrohre „eingesperrt“, da jede Art von Folie keine Chance gegen die bärenstarken Bambuswurzeln hätte. 2 bis 3 Mal im Jahr setze ich mit schwerem Gerät zum Schnitt an und jedes Mal endet es blutig. Die kleinen hauchdünnen Blätter sind zwar unscheinbar, aber auch extrem scharf. Abstehende Aststumpen sind knochenhart und sorgen regelmäßig für blaue Flecken bei mir. 

Nicht nur ist das Wachstum des Bambus extrem schnell, aber auch wie dieser sich zu einem Strauss durch unzählige Verästelungen verbindet, ist beeindruckend. Getrockneter Bambus ist extrem hart, biegsam und widerstandsfähig. Vor vielen Jahren hatte ich selbst mal ein Hochhausgerüst komplett aus Bambus in Hong Kong gesehen. Diese und andere Eigenschaften machen Bambus auch für die Muschelzucht sehr interessant. Klicken Sie hier, um die in Thailand wachsenden Bambusarten näher kennenzulernen.

Bambus und Muscheln in Chumphon, Thailand – fast schon eine Symbiose

Kanchanaburi, Phetchaburi und Lampang sind die Provinzen in Thailand, wo meine Heimatprovinz Chumphon und alle südlicheren Provinzen den Bambus beziehen. Warum wird er nicht im großen Stil bei uns in Chumphon angebaut? Ganz einfach, hier wächst einfach alles. Palmöl, Kokosnüsse, Kautschuk, Durian, Kaffee, etc. Dies alles ist nicht nur viel ertragreicher hier, sondern bringt auch höhere Einnahmen als beim Anbau von Bambus. Da o.g. Provinzen eher ein tropischen Savannenklima haben, wachsen viele Plantagenfrüchte gar nicht oder nur mit erheblich geringerem Ertrag.

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Wie bereits im Beitrag: Schmierfinken beschrieben, ist der Golf von Thailand über tausende von Quadratkilometer sehr flach. Die Sturmsaison endet bei uns, im oberen Süden von Thailand, meist im Januar. Hierzu sollten Sie sich mal eine Karte von Thailand zurechtlegen. Thailand ist vom Norden bis Süden weit über 2.000 km lang und der Süden fängt offiziell in Chumphon an und endet ca. 800 km weiter südlich an der Grenze zu Malaysia. Genau so eine flache Meerestopographie ist natürlich ideal für die Bio Muscheln am Golf von Thailand und Chumphon ist mittendrin.

Januar ist dann auch die Zeit, wo hunderttausende Stangen von 4 bis 6 Meter langem Bambus aus o.g. Provinzen geordert werden. Mit dem Boot werden diese in Küstennähe „ausgesät“. Nachdem die Bambusstangen in den Meeresboden gerammt wurden, verbleiben sie dort bis zu 8 Monate. Ohne groß etwas zu machen, siedeln sich in diesem Zeitraum Miesmuscheln an. Manchmal wird alles noch mittels eines Netzes ein wenig abgesichert. Trotzdem darf es während der Zeit keine Sturm geben, sonst war all die Mühe umsonst.

Wie kann sich Bambus für die Muschelzucht in Thailand rentieren?

Die Oberfläche von Bambus ist ideal für Muscheln und manch robuste Stange kann sogar 2-mal am Golf von Thailand verwendet werden. Der Bambus, selbst der aus dem 1.000 km entfernten Lampang im Norden von Thailand, kostet ca. 2 bis 3 Baht pro Meter, also durchschnittlich 15 bis 20 Baht pro Stange.

An einer einzelnen Stange können sich nach 8 Monaten im Golf von Thailand rund 20 bis 40 kg Bio Muscheln ansiedeln. Bei 30 Kg Muschelausbeute pro Bambus verkaufen sich diese im Großhandel für ca. 25 Baht pro Kg und bis zu 35 Baht auf dem Markt, siehe hierzu: Markttag in Chumphon, jedes Mal ein Abenteuer. Ferner verkaufen die Fischerfamilien die tagesfrischen Muscheln auch auf der Straße, ohne Zwischenhändler einschalten zu müssen.

Je nach Gewicht, bekommt der Züchter ca. 400 bis 700 Baht pro 20 Baht Bambus, also ein hervorragendes Geschäft. Es gibt noch andere Methoden der Muschelzucht in Thailand, auch ertragreichere. Jedoch sind diese alle teurer und aufwendiger. Da aber die Gegend hier ideal für die „einfache“ Methode ist und Thailänder grundsätzlich mit einem gesunden Menschenverstand (siehe: Der gesunde Menschenverstand) ausgestattet sind, wird sich herbei nicht viel ändern. Es lässt auch unheimlich viel Zeit für Muse zu. Von dieser Lebenseinstellung der meisten Fischer und Plantagenbesitzer hier könnten wir Mittel- und Nordeuropäer uns schon eine Scheibe abschneiden. Passend: Ich warte bis das Wasser kommt!

Jetzt ein paar Bilder mit Bambus für Muscheln und Muschelzucht, wie es im Januar in Chumphon, am Golf von Thailand ausschaut:

Kein immer mehr und mehr, jedoch mehr Lebensqualität

Nicht nur bei der Muscheln mit Bambus, sondern eigentlich bei der gesamten Plantagenwirtschaft und auch bei allem, was sonst noch aus dem Meer kommt, sieht man diese Lebenseinstellung der Thailänder aus Chumphon und dem ganzen Süden Thailands. Kein immer mehr und mehr, sondern einfach mit dem vorhandenen zufrieden sein. Dies sind Kalendersprüche in Deutschland und hier wird es ganz natürlich gelebt.

Würde ich mit meinen europäischen Bankeraugen hinschauen, kämen mir sofort viele Einfälle, um die Rendite nach oben zu schrauben. Mehr Einsatz von Maschinen, mehr Dünger, größere Netze und Boote, längere Arbeitszeiten, mehr legale Ausbeutung meiner Angestellten. Aufkaufen von Wettbewerbern, nachdem ich diese vorher preislich ruiniert habe. Dies sind alles Tugenden des ehrbaren Kaufmanns aus der westlichen Welt. Daher sind wir auch dort, wo wir sind. Für mich behaupte ich, dass ich den Absprung aus dieser Absurdität geschafft habe und endlich lebe. Hierzu passt dann auch:

Chumphons Symphonie

Es gibt sogar einen Beitrag mit einem Gedicht von mir über den Monsun, Chumphon, Radfahren und ganz viel Lebensglück: Tropisch exotischer Monsun in Thailand – ein erfahrenes Gedicht. Auch dies macht für mich die verrückte Welt ein bisschen weniger verrückt.

Während der klassische Ackerbau – wie man ihn etwa aus den D-A-CH-Ländern kennt – meist auf großflächigen, einheitlich bewirtschafteten Feldern basiert (Weizen, Mais, Raps etc.), folgt die Plantagenwirtschaft einem anderen Prinzip. Hier dominieren Dauerkulturen wie Kokos, Kautschuk, Ölpalmen, Durian oder Kaffee, die über viele Jahre hinweg kontinuierlich geerntet werden. Der Unterschied ist nicht nur botanisch, sondern strukturell:

  • Ackerbau = saisonale Kulturen, jährliche Neuansaat, hohe Mechanisierung
  • Plantagenwirtschaft = mehrjährige Kulturen, kontinuierliche Ernte, oft stärker von Handarbeit geprägt

Ein entscheidender Punkt, der in westlichen Debatten oft untergeht: Plantagenwirtschaft ist in Südostasien keineswegs einheitlich organisiert. In Ländern wie Malaysia und Indonesien dominieren in vielen Bereichen großflächige Strukturen – überwiegend Monokultur – mit Arbeitern ohne eigenen Landbesitz sowie Konzern- oder staatsnahen Organisationen. Warum ist der Unterschied zu Thailand so groß?

Thailand wurde nie kolonisiert. Es gab keine systematische Enteignung zugunsten europäischer Plantagenmodelle und keine erzwungene Umstellung auf reine Exportstrukturen. Gleichzeitig blieb Land in weiten Teilen in lokaler Hand, wurde historisch breiter verteilt und wird bis heute häufig von Familien selbst bewirtschaftet.

In Thailand sieht es daher in weiten Teilen anders aus. Es gibt selten Konzerne, aber deutlich mehr klein- und mittelgroße Betriebe im Familienbesitz, wo der Eigentümer selbst noch mitarbeitet. Das lässt sich sogar mit bloßem Auge erkennen: Die Plantagen verändern sich oft schon nach wenigen hundert Metern. Statt kilometerlanger Monotonie entsteht ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Allein dies wirkt wie ein gewisses wirtschaftliches Hedging, da Schwankungen einzelner Agrarpreise abgefedert werden.

Zudem werden auf thailändischen Plantagen häufig verschiedene Kulturen kombiniert – Kokos mit Ananas, Durian, Mangos und Bananen, ergänzt durch kleine Tierhaltung wie Hühner. Das System wirkt dadurch weniger wie industrielle Landwirtschaft und eher wie ein Stück kultivierte Natur. In Europa nennen wir dies heute neudeutsch „Agroforstwirtschaft“. In Südthailand wird dieses Prinzip jedoch seit jeher ganz selbstverständlich und natürlich praktiziert.

Was passiert mit Muscheln und Bambus in Chumphon nach der Ernte?

Speziell Ende Oktober, Anfang November finden sich überall Spuren der Muschelzucht am Golf von Thailand. Direkt am Fluss Chumphon gibt es einen Dorf, welches sich darauf spezialisiert hat und überall liegen Berge der Muscheln, nachdem das kostbare Weichtier in dieser gekocht und weiterverarbeitet wurde. Es ist genossenschaftlich organisiert und jeder hilft mit. Meiner Beobachtung nach haben die Menschen hier Spaß bei der Arbeit. Habe ein paar dieser Arbeiter befragt und jeder meinte nur, dass es gerade in dieser Zeit ein sehr auskömmliches Gehalt sein.

Irgendwie verständlich, sie werden nicht ausgebeutet oder als Tagelöhner von vielen Zwischenhändlern unterirdisch bezahlt, so wie es im Abendland, z.B. im hochgezüchteten und dem moralischen Schein frönenden Deutschland bei Kaffee, Obst und selbst auch bei Schlachtereien im Inland üblich ist. Sogar Nordseegarnelen werden nach Marokko zum Pulen gefahren, um dann im deutschen Supermarkt wieder verkauft zu werden, warum? Wir gönnen uns eine gezinkte soziale Marktwirtschaft für Privilegierte und Thailand lebt soziale Marktwirtschaft auf natürliche Weise. Einige Beiträge, die es mehr veranschaulichen:

📌 Bitte klicken Sie hier:

Jetzt noch ein paar Fotos, die ich bei mehreren Radtouren, in dieser Gegend entlang des Chumphon Flusses, mit dem Duft gekochter Muscheln, machen konnte. Nachdem Tonnen von Muscheln gekocht und von der Schale befreit waren, wurden diese noch sortiert und sofort in bereitstehenden Kühllastwägen zum Verpacken gefahren. Danach machen viele davon dann eine lange Reise und landen nicht selten auch in Supermärkten in den D-A-CH-Länder (D=Deutschland, A=Österreich, CH=Schweiz).

Das Video vom November 2026 zeigt die Entladung der Muscheln.

Der Kreislauf beginnt von Neuen

Immer meist ab Februar sieht man langsam wieder mehr Bambus auf den Straßen. Die Halden sollen voll sein, um mit der „Aussaat“ des Bambus in den Golf von Thailand zu beginnen, wenn mit keinem Sturm mehr gerechnet wird.

Bambus für Muscheln

Schauen Sie sich dies alles doch mal vor Ort an, indem Sie sich mehrmonatig bei uns einmieten. Wie das geht? Ganz einfach, lesen Sie weiter:

baan metawi in chumphon am golf von thailand

Leben und wohnen auf Baan Metawi in Chumphon am Golf von Thailand

Wenn Sie sich für einen Langzeitaufenthalt bei uns in Chumphon interessieren, lesen Sie sich das Mietangebot meiner Frau auf Baan Metawi gut durch. Es zeichnet sich insbesondere durch ein sehr nützliches und vielfältiges Servicepaket aus, das Ihnen den Schritt zum Überwintern, Übersommern oder Auswandern nach Thailand erheblich erleichtert. Frei von Massentourismus erleben Sie bei uns in Chumphon das wahre Thailand mit seiner bezaubernden Meereskulisse inmitten tropisch-exotischer Naturlandschaften. Zudem spricht der Ehemann meiner Frau sogar auch Deutsch.


Interessiert am Auswandern? Siehe dann nachfolgende Beiträge …

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