Leben in Thailand
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Die ARD erklärt Thailand – Oberlehrerjournalismus mit Realitätsverlust

Manchmal frage ich mich selbst, ob ich nicht zu polemisch über deutschen und europäischen Journalismus schreibe – insbesondere dann, wenn es um Südostasien und Thailand geht. Allerdings bestätigt der öffentlich-rechtliche Rundfunk meine Einschätzung leider regelmäßig aufs Neue. So auch ein Artikel der ARD über Thailand vom 08.02.2026, von Florian Bahrdt, über die Parlamentswahlen in Thailand mit folgender Überschrift: „Parlamentswahl unter den Augen des Militärs“ (klicken Sie hier und falls der Artikel entfernt wurde, dann hier, für eine PDF-Version, so wie dieser am 10. Februar 2026 im Netz stand).

Nicht nur die Überschrift lässt sorgfältige Recherche vermissen, denn das Militär spielte im Wahlkampf so gut wie keine Rolle. Vielmehr empfinde ich es als ein klassisches Beispiel für Haltungsjournalismus, wo die Realität passend für eine vorgefertigte Meinung gemacht wird. Eine vergleichbare Überschrift zur Bundestagswahl 2025 würde dann in etwa lauten: „Die Wahl 2025 stand unter dem Schatten der Stasi“. Historisch gesehen ist dies nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber für die aktuelle politische Realität schlicht irreführend.

Besonders bemerkenswert ist dabei der Autor selbst

Laut Vita Politikwissenschaftler, Volkswirt und Historiker. Umso erstaunlicher, wie konsequent dieser Hintergrund im Artikel verborgen bleibt. Wirtschaftliche Differenzierung fehlt, politische Komplexität wird leichtfertig reduziert, kultureller Kontext praktisch ignoriert. Übrig bleibt ein Text, der eher Haltung transportiert als Erkenntnis.

Das ist kein Einzelfall, eigentlich typisch für Berichte der ARD über Thailand und Südostasien: viel moralischer Zeigefinger, wenig analytische Tiefenschärfe. Es ist egal, ob Absicht, mangelnde Sorgfalt oder schwacher Journalismus der Grund war, das Ergebnis bleibt problematisch.

Matt Abold leben in chumphon, thailand

Matt Abold heißt der Bub und lebt seit 2009 auf Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Er schreibt übers Auswandern und Überwintern und sozial- und wirtschaftspolitische Themen mit Bezug zu Thailand.
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Typisches Framing der ARD über Thailand

Das instabile Entwicklungsland Thailand, wo das Militär grundsätzlich in einer unvollständigen Demokratie entscheidet und Korruption das Land zerreißt. Das politische System ist sehr fragil und die Wirtschaft nahe am Abgrund und wenn überhaupt ist der Tourismus überragend. Damit wird ein unterschwelliges Narrativ einer Bananenrepublik erzeugt, wo Wahlergebnisse wenig Aussagekraft haben und historische Realitäten werden zum dauerhaften Gegenwartszustand.

Die ARD über Thailand, kommerzielle Medien sind kaum besser, bezeichnet das Land selten offen als Entwicklungsland, aber es wird impliziert und mit Halbwahrheiten oft so dargestellt. Dies wird dadurch erreicht, dass gewaltige Einkommensunterschiede, ein schlechtes Bildungssystem, die Schattenwirtschaft und die soziale Ungleichheit in einer extrem verzerrten Perspektive dargestellt werden. Allerdings wird der sehr diversifizierte Industriestandort Thailand, mit großer Hightech-, Automobil- (größter Automobilhersteller in Südostasien) und Elektronikindustrie überhaupt nicht erwähnt. Ähnlich beim Agrarsektor, wo Thailand in vielen Segmenten zu den größten Exporteuren weltweit zählt. Natürlich passt auch nicht zu diesem kolonial geprägten Weltbild, dass die staatliche Infrastruktur in Thailand, zumindest der in Deutschland überlegen ist.

Sie bekommen Ideologie bei der ARD über Thailand und grundsätzlich

Der ganze Artikel ist eine moralische und ideologische Bewertung ohne kulturellen Kontext anstelle einer Analyse, die man bei dieser öffentlich-rechtlichen Medienanstalt vergeblich sucht. Dabei ist interessant, dass eine konservative Partei von der ARD grundsätzlich nicht nur negativ gesehen wird, sondern auch dem bösen Militär nahesteht und im Artikel keine Stimme bekommt. Nur die progressive Partei für eine junge, hochgebildete urbane Mittelschicht wird seltsamerweise extrem überproportional erwähnt und dann natürlich nur mit positiven Adjektiven belegt.

Eine undifferenzierte Darstellung der Wirklichkeit wird in Deutschland leider stark durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitet. Einen kritischen und objektiven Gegenentwurf zur links-grünen Berichterstattung mit Halbwahrheiten von Sendern wie ZDF und insbesondere ARD findet man häufig in der schweizerischen „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ), klicken Sie hier.

Falls Sie mal lesen wollen, was tatsächliche Journalisten über die Parlamentswahlen in Thailand schreiben, empfehle ich Ihnen: Handelsblatt, BBC, BangkokPost.

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Demokratie nach deutschem Geschmack – oder gar nicht?

Das Grundmuster des Artikels ist schnell erkannt: Thailand entspricht nicht dem links grünen europäischen Idealbild einer Demokratie, folglich problematisch. Im Beitrag wird erwähnt, dass die progressive Move-Forward-Partei (heute People‘s Party), bei der letzten Parlamentswahl vor drei Jahren haushoch gewonnen hatte, aber trotzdem in der Opposition landete.

Warum ist dies erwähnenswert? Lassen Sie mich der ARD mal Nachhilfe in Sachen Demokratie geben. Nicht die Partei, mit den meisten Stimmen bildet automatisch die Regierung, sondern die Koalition, die die Mehrheit hat, wenn es für eine Partei alleine nicht reicht! Auch in Deutschland kommt die stärkste Partei regelmäßig nicht in die Regierung (aktuell AfD-Beispiel auf Landesebene, historisch mehrfach CDU/SPD-Konstellationen).

Dass Thailand politisch anders funktioniert, ist unbestritten. Dass daraus automatisch ein Demokratiedefizit konstruiert wird, zeigt viel mehr das Desinteresse der ARD an Analyse und Fakten.

Weiterer ARD über Thailand Quatsch

Entscheidend könnte die Pheu Thai Party werden. Sie repräsentiert die Dynastie der wirtschaftlich einflussreichen Shinawatra-Familie um den früheren Premierminister Thaksin.“ Schon lange vor der Wahl hat die Partei, aber auch die Shinawatra (wird Schinawat ausgesprochen) selbst, extrem an Ansehen verloren und die Partei hat daher zu Recht mehr als die Hälfte der Sitze im Vergleich zur letzten Wahl 2023 eingebüßt. Sie wird nicht entscheidend werden, wird aber wahrscheinlich in der Regierungskoalition als Juniorpartner landen.

Der Artikel klingt teilweise so, als müsse Thailand nur noch „aufgeklärt“ werden. Tatsächlich zeigen Umfragen seit Jahren eine breite Unterstützung für Monarchie und Militär in großen Bevölkerungsteilen, besonders außerhalb urbaner Eliten. Das gefällt europäischen Medien oft nicht, weil es nicht zum links-grünen Demokratieideal passt. Journalismus sollte zwar erklären, ARD Journalismus möchte aber umerziehen.

ARD über Thailand: Das „Eiserne Dreieck“ und der Wählerwille

Das vom Journalisten erwähnte „Eiserne Dreieck“, also Königshaus, Militär und reiche Dynastien lenkt angeblich die Geschicke des Landes. Es wirkt wie ein unbeholfener Erklärversuch. Machteliten sind schließlich kein thailändisches Alleinstellungsmerkmal. Überträgt man die Logik auf Deutschland, ließe sich ebenso ein stabiles Viereck aus Medien, NGO’s, Großkonzernen und Lobbystrukturen zeichnen.

In vielen meiner Beiträgen gehe ich auf den europäischen moralischen Zeigefinger als Exportschlager ein. Die ARD und viele andere Medien sind hier Vorreiter mit ihrer unterschwelligen Selbstgewissheit. Europa, insbesondere Deutschland steckt aktuell in massiven strukturellen Problemen: Stagnierende Wirtschaft, Bürokratieexplosion, De-Industrialisierung, politische Polarisierung. Und trotzdem erklärt man anderen Ländern gern, wie Demokratie, Wirtschaft und Gesellschaft „richtig“ funktionieren. Das wirkt nicht nur belehrend und realitätsfern, sondern schlicht lächerlich.

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Wirtschaft: Realität oder ARD Realitätsverlust?

Wortwörtlich schreibt Bahrdt zu Thailand:

  • Währenddessen stagniert die Wirtschaft.
    • Ich möchte kein Korinthenkacker sein, aber eine Wirtschaft, die seit Jahren durchschnittlich um rund 2 Prozent wächst, stagniert nicht!
  • Das Interesse ausländischer Investoren sinkt.“
    • Thailand hatte in den ersten 9 Monaten 2025 eine Steigerung von 125 % durch ausländische Investoren. Er schrieb zwar davon, dass 2 Autofabriken (Verbrenner) in den letzten 2 Jahren schlossen, lies aber absichtlich oder versehentlich aus, dass insgesamt 5 Autofabriken (Elektro) eröffnet wurden.
  • „Thailand ist längst abgehängt von südostasiatischen Nachbarn wie Malaysia oder Vietnam.
    • Der ARD über Thailand Journalist haut einfach mal einen Malaysia, Vietnam und Thailand Vergleich heraus, wo ein unbekannter selektiver Vergleich, mit einem fehlenden Zeitraum ohne irgendeiner Kennzahl auf das Schlagwort: Abgehängt, reduziert wird. Auf Deutschland gemünzt wäre die Schlagzeile gleichbedeutend mit:

      Deutschland ist wirtschaftlich längst von Polen und Spanien abgehängt.

      Klingt dramatisch, ist aber analytisch ungefähr so präzise wie ein Wetterbericht mit der Aussage: Heute wird es irgendwie anders als gestern.

Der Artikel vermittelt nicht nur unterschwellig, sondern durch falsche Tatsachenbehauptung das Bild eines politisch instabilen Landes mit wirtschaftlicher Schieflage. Ein Blick auf langfristige Wirtschaftsdaten zeichnet jedoch ein deutlich differenzierteres Bild.

Vergleich Deutschland – Thailand (langfristige Tendenzen)

KennzahlDeutschlandThailand
BIP (KKP, Wachstumstrend)schwach, stagnierend seit Jahrenkontinuierlich wachsend
Arbeitslosigkeitmoderat, aber strukturell steigendseit Jahrzehnten sehr niedrig
Inflation (langfristig)zuletzt deutlich gestiegenstabil und gering (passend: Inflation in Deutschland – Versager an die Macht)
FDI-Zufluss relativ zur Wirtschaftsolide, aber fallendstark in Industrie & Infrastruktur
Anteil an der Weltwirtschaft zwischen 2000 und 2025, gemessen in KKPvon ca. 4 – 4,5 %
auf ca. 2,8 – 3,0 %
von ca. 0,5 – 0,6 %
auf ca. 0,9 – 1,0 %

Besonders bei der Kaufkraftparität (KKP) holt Thailand und Asien seit Jahren auf. Das blendet man im deutschen Qualitätsjournalismus gerne aus, weil es nicht ins Entwicklungsland-Narrativ passt. ARD über Thailand ist nicht nur keine Ausnahme, sie ist mit diesem „Qualitätsjournalismus“ Vorreiter zumindest in Deutschland!

ARD über Thailand – Wiederholungstäter

Kurz nach o.g. Artikel (Parlamentswahl unter den Augen des Militärs) stellte die ARD über Thailand nochmals ihr Können zur Schau. Der neue Beitrag: „Regierende Konservative gewinnen Parlamentswahl“ geschrieben im selben ARD über Thailand Haltungs- und Gefälligkeitsjournalismus hatte unter anderem diese Aussage: „Anutin hatte die vorgezogene Neuwahl Mitte Dezember inmitten eines Grenzkonflikts mit Kambodscha angesetzt. Analysten werteten dies als einen Schritt des konservativen Politikers, um vom zunehmenden Nationalismus zu profitieren.

Ich kann gar nicht glauben, dass diese Falschmeldung keine Absicht war, sondern nur auf journalistische Fehler zurückzuführen ist. Es war nämlich die von der ARD so hochgelobte, in der Opposition sitzende People’s Party (Volkspartei), die ihre Unterstützung für eine Minderheitsregierung Anutins an Neuwahlen innerhalb von 4 Monaten knüpfte. Es war ein politisches Spiel, bei der sich die People’s Party ziemlich verzockt hat.

Beiträge, bei denen europäischer Journalismus eine Rolle spielen
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Schmierfinken berichten auch im politischen Deutschland

Erinnern Sie sich noch an die Anfänge der AfD zu Zeiten von Lucke und Henkel? Es war absolut keine rechtsgerichtete Partei damals, sondern eurokritisch und wirtschaftsliberal. Nach kurzer Zeit und passend in die damaligen politischen Machtspiele, wurde aber die AfD eigenverschuldet, aber extrem verstärkt durch unsere Qualitätsmedien, natürlich ARD mitten drin, immer und immer wieder ins rechte Eck geschmiert bis daraus eine selbsterfüllende Prophezeiung wurde. Heute diskutieren wir leider darüber, wann diese braune Kacke Regierungsverantwortung bekommt.

Lustig dabei, die linksradikalen Kräfte bei der Linken und Teile der Grünen werden seltsamerweise noch bis heute vom Öffentlich Rechtlichen mit Samthandschuhen angefasst. Hier schließt sich dann auch der Kreis zu Thailand, denn für die ARD ist konservativ einfach nur schlecht und progressive einfach nur gut. Lustig hierzu, es war der konservative alte und wahrscheinlich neue Premier Anutin der in 2022 Marihuana legalisiert hat: Marihuana in Thailand oder Ganja, Hanf, Cannabis, etc.

Ganz ehrlich, ich sehe keinen Qualitätsunterschied mehr zu Sozialen Medien. Die ARD wäre gut beraten, insbesondere im Auslandsjournalismus ihre Allergie gegen Fakten zu heilen und den moralischen Zeigefinger besser gegen sich selbst zu erheben.


zeitgeist, leben in thailand

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.


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2 Kommentare

  1. Hallo Matt,
    ja, Du hast es mal wieder fast voll getroffen; sowohl mit dem, was Du geschrieben hast, als auch mit den verlinkten Artikeln.
    Anmerken möchte ich noch, dass ich von thailändischer Seite gehört habe, dass dieses Mal die stimmmotivierenden Zuwendungen erheblich höher waren als sonst üblich.
    Ich mag Anutin nicht, aber er hat es in seiner Zeit als MP geschafft, nicht negativ aufzufallen. Ja, ich hatte sogar den Eindruck, dass in den letzten Monaten die Politik in den Medien keine Rolle gespielt hat; natürlich abgesehen vom Konflikt mit Kambodscha – und da waren sich ja alle Thailänder sowieso einig. Insofern war seine Zeit als MP sogar eine Verbesserung.
    Das Problem aus meiner Sicht ist, dass jetzt alle positiven und modernisierende politischen Veränderungen blockiert sind, da jetzt alle Machtfaktoren, offizielle und inoffizielle auf einer Seite, der alten, stehen. Ob Anutin, da er ja nun quasi freie Hand hat, es schafft die Wirtschaft nach vorne zu bringen, wage ich zu Bezweifeln. Ich kenne keine Zahlen, aber die von mir wahrgenommenen Preissteigerungen bei den Lebensmitteln, der steigende Verschuldungsgrad der Bevölkerung, die steigende Anzahl der geschlossenen Geschäfte und nicht zuletzt das Stimmungsbild in der Bevölkerung, zeichnen ja nicht unbedingt ein positives Bild der gegenwärtigen Wirtschaftslage.

    1. Dankeschön. Du beschreibst den ziemlich normalen politischen Betrieb, so wie er grundsätzlich auch in Deutschland oder Europa geschieht. Auf meinen Hauptpunkt mit der ARD zurückkommend: Diese Doppelmoral bei der Berichterstattung ist allerdings nicht mehr mit normalen Journalismus zu erklären.

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