Beim Lesen der Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand frage ich mich zunehmend, ob das Auswärtige Amt tatsächlich die Risiken beschreibt, die für einen Thailand-Reisenden relevant sind – oder ob sich inzwischen eine ziemlich merkwürdige Auswahl und Gewichtung eingeschlichen hat.
Zugegeben, heutzutage schau ich mir für Thailand zur Belustigung noch den Wetterbericht an, aber allgemeine Sicherheitshinweise, die von anderen Ländern über Thailand geschrieben werden, verarbeite ich, falls so auffällig wie dieser, nur noch im Blog. Ich lebe ja in Thailand und werde durch meine Augen sehr gut informiert.
Reise ich allerdings nach Deutschland, interessiert mich schon, was andere Länder als Sicherheitshinweise über Deutschland schreiben. So sollte sich auch jeder Besucher, der nach Thailand reist, vorher über mögliche Gefahren informieren. Dafür gibt es die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Eigentlich eine sinnvolle Einrichtung.
Ich schrieb „eigentlich“ und so wie Sie mich kennen, wissen Sie, dass jetzt noch etwas kommt. Keine Angst, ich werde differenziert schreiben, da ich eben die Sicherheitshinweise für Thailand vom Auswärtigen Amt nicht zu stark mit Ironie versehen möchte. Dennoch müssen sich unsere Beamten schon viel Kritik, wie ich meine, fundierte Kritik, gefallen lassen.
Grundsätzliches
Die Reise- und Sicherheitshinweise, insbesondere Reisewarnungen, des Auswärtigen Amts sind mehr als eine unverbindliche staatliche Information. Bei Pauschalreisen können sie bei der Beurteilung eines kostenlosen Rücktritts eine erhebliche Rolle spielen; Versicherer können in ihren Bedingungen sogar ausdrücklich an eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts anknüpfen. Eine Reisewarnung ist allerdings weder automatisch ein Reiseverbot noch bedeutet sie automatisch, dass jede Versicherung oder jeder Reiseveranstalter zahlen muss.
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Matt Abold heißt der Bub und lebt seit 2009 auf Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Er schreibt übers Auswandern und Überwintern und sozial- und wirtschaftspolitische Themen mit Bezug zu Thailand.
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Zwei offizielle Seiten, zwei unterschiedliche Warnungen
Das Auswärtige Amt veröffentlicht die offiziellen Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand und für die Welt. Daneben betreibt die Deutsche Botschaft in Bangkok eine eigene Webseite. Dort gibt es die Rubrik „Hilfe für deutsche Staatsangehörige“ mit „Allgemeinen Hinweisen der Botschaft“. Beide Seiten stammen vom selben Ministerium und richten sich an deutsche Staatsangehörige. Und trotzdem unterscheiden sich die Informationen bei gleichen Hinweisen.
Die Botschaft warnt auf ihrer Seite beispielsweise ausdrücklich und sehr deutlich: „Vor Erwerb, Besitz, Verteilung, Ein- und Ausfuhr von Rauschgiften aller Art (auch Marihuana, Ecstasy und andere Amphetamine!) wird dringend gewarnt.“ Stand: 25. September 2026, klicken Sie dazu hier.
Das 1. Problem ist nicht die Warnung vor Drogen – die ist selbstverständlich sinnvoll. Problematisch ist vielmehr die pauschale Formulierung „Rauschgifte aller Art“.
Cannabis wurde 2022 aus der Kategorie 5 der Betäubungsmitteln gestrichen (außer bestimmtes Extrakt). In dieser Kategorie sind aber alle anderen aufgezählten Rauschgifte enthalten. Zwischen Marihuana und beispielsweise Heroin liegen bei der Rechtslage und möglichen Strafen Welten. Der private Besitz von Marihuana aus dem Eingenanbau und der Konsum im Privaten ist weiterhin straffrei. Der Konsum in der Öffentlichkeit gilt im Moment als Ordnungsstrafe (siehe: Marihuana in Thailand oder Ganja, Hanf, Cannabis, etc.). Bei zum Beispiel Heroin kann es schlimmstenfalls zur Todesstrafe kommen. Da ist es dann schon Bildzeitungsniveau, wenn die Botschaft schreibt „Schon der Besitz geringer Rauschgiftmengen führt zu hohen Freiheitsstrafen“, was für Marihuana gerade eben nicht zutrifft.
Das 2. Problem, die Sicherheitshinweise für Thailand beim Auswärtigen Amt sind in diesem Falle weniger schlecht, da sie mehr erklären, klicken Sie hier. Nur warum diese Konkurrenz im eigenen Ministerium? Ich vermute sowieso, dass die Detailinformationen bei den Reise- und Sicherheitshinweisen ohnehin von den jeweiligen Botschaften stammen, alles andere wäre kindisch.
Zudem finden sich in der Hilfe-für-deutsche-Staatsangehörige-Rubrik der Botschaft teilweise veraltete Informationen über Eurochecks, alte Telefonnummern, ReiseBank und Postbank sowie Falsches über Auslandsüberweisungen. Welche Information ist aktuell? Was ist glaubhaft? Bleiben wir bei den eigentlichen Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand vom Auswärtigen Amt.
Frauen sollen besonders vorsichtig sein
Das Auswärtige Amt weist Frauen in Bezug auf Thailand ausdrücklich auf besondere Risiken hin und empfiehlt ihnen unter anderem, sich entsprechend vorsichtig zu verhalten. Grundsätzlich ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Sexuelle Übergriffe gibt es in Thailand ebenso wie in Deutschland und anderen Ländern.
Aber dann stellt sich die Frage des zusätzlichen Risikos für Thailand? Denn wenn man Frauen als eigene Risikogruppe behandelt, müsste man eigentlich auch erklären, wodurch sich dieses Risiko konkret von demjenigen anderer Reisender und anderer Länder unterscheidet. Ein allgemeiner Hinweis, dass Frauen auf ihre Sicherheit achten sollten, ist schließlich für jedes Land der Welt geeignet.
Interessanter wäre deshalb eine konkrete, Thailand-spezifische Information: Wo besteht ein erhöhtes Risiko für alleinreisende Frauen? Welche Delikte sind besonders relevant? Und gibt es dafür belastbare Zahlen oder ist es nur eine Meinung? Noch seltsamer, in den Hinweisen für Italien und Spanien findet sich kein Wort davon, dass Frauen vorsichtiger sein sollten, obwohl die Fälle von Vergewaltigungen auf die Bevölkerungsgröße gemessen in diesen beiden Ländern höher als in Thailand sind.
Ohne Daten dafür zu haben, würde ich Thailand als Reiseziel für alleinreisende Frauen bei der Gefahrenlage geringer einschätzen als viele andere Länder, insbesondere inklusive Deutschland. Die Diskussion um das „Stadtbild“ kam nicht aus dem luftleeren Raum.
Mein Gefühl basiert auf meiner Lebenserfahrung in Thailand und Deutschland. Nur bin ich nicht das Auswärtige Amt, und daher sollten alle Sicherheitshinweise auf überprüfbaren Daten und nicht auf Meinungen einzelner Personen basieren. Was insbesondere auch im nächsten Punkt noch relevanter wird.
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HIV bei Prostituierten in Thailand sei angeblich „stark verbreitet“.
Wortwörtlich „AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten sind unter Prostituierten in Thailand stark verbreitet.“ Schon allein die Verwendung des Begriffs „AIDS“ ist nur dumm. Heutzutage ist HIV auch in Thailand so beherrschbar, dass AIDS nur noch selten ausbricht. Die Aussage selbst ist aber auch bemerkenswert. Es klingt nämlich nach einer besonderen Gefahrenlage in Thailand.
Nun sind Prostituierte weltweit eine Risikogruppe für HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Sind also Sexarbeiter in Thailand tatsächlich stärker betroffen als vergleichbare Sexarbeiter in anderen Ländern? Bei den aktuellen HIV-Daten ist das keineswegs nachvollziehbar. Für Thailand werden bei weiblichen Prostituierten je nach Gruppe Werte ausgewiesen, die auch in vielen Ländern Westeuropas, einschließlich Deutschlands berichtet werden.
Noch Interessanter ist die Auswahl des Auswärtigen Amts. HIV-Risiken unterscheiden sich erheblich zwischen verschiedenen Gruppen – und gerade deshalb fällt auf, wen das Amt in seinem Thailand-Sicherheitshinweis ausdrücklich hervorhebt: Prostituierte. Andere Gruppen mit teilweise deutlich höheren HIV-Risiken (z.B. schwule Männer und Transfrauen) werden dagegen nicht erwähnt.
Das ist keine neutrale Darstellung des tatsächlichen Infektionsrisikos, sondern eine auffällige und sonderbare Auswahl. Warum ausgerechnet Prostituierte in Thailand als besondere Warnkategorie herausgestellt werden, obwohl das erhöhte HIV-Risiko von Sexarbeit grundsätzlich kein thailändisches Phänomen ist, bleibt offen. Man kann sich des Eindrucks einer ideologisch geprägten Auswahl kaum erwehren.
Verallgemeinerungen finden sich oft in den Sicherheitshinweisen für Thailand
Das Auswärtige Amt schreibt „Thailand verzeichnet zunehmende Kriminalität“. Eine sehr weitreichende Aussage, für die auf der Seite keine Statistik oder zeitliche Bezugsgröße genannt wird. Wie kommen die darauf? Ich halte es für ziemlich problematisch, eigentlich auch für unprofessionell. Denn anschließend werden Diebstahl, Betrug, Raub, Vergewaltigung, K.-o.-Tropfen usw. aufgezählt und insbesondere Phuket, Koh Samui, Koh Tao und Pattaya hervorgehoben. Soll das als Beweis für die zunehmende Kriminalität dienen?
Wie in den meisten Orten mit Massentourismus weltweit gibt es dort auch eine Häufung von Straftaten, besonders saisonal, also in der Hochsaison. Sicherheitshinweise für Thailand sollte daher für Thailand besonders Auffälliges aufgreifen. Dies ist allerdings nicht der Fall.
Meine auf Daten beruhende Einschätzung
Ist Thailand sicher für Touristen? Zumindest sicherer als in Deutschland und dies nicht nur gefühlt! Ein kurzer Spaziergang durch die wichtigsten Straftaten, die auch Touristen betreffen können, sollte helfen. Es gibt in Thailand auf die Bevölkerung verteilt mindestens 2,5-mal mehr Morde/Totschläge im Vergleich zu Deutschland. Europäische Opfer machen nur einen verschwindend kleinen Teil aus. Die Ausnahmen, wo Touristen ermordet werden, bekommen dann in den Zeitungen extrem viel Aufmerksamkeit, sodass ein falsches Bild entstehen könnte.
Ähnlich, aber umgekehrt bei Vergewaltigungen. Deutschland liegt zwar viel höher, aber in Thailand ist die Dunkelziffer wahrscheinlich höher als in Deutschland. Aber auch hier gilt: Opfer sind meistens Thailänder. Bei Diebstahl, Betrug und Körperverletzung hat Deutschland extrem viel mehr Taten als Thailand, bei gefühlt (ich habe keine Daten dafür!) ähnlicher Dunkelziffer. In Zentren mit Massentourismus werden logischerweise mehr Touristen geschädigt und auch hier könnte das Bild durch die erhöhte mediale Aufmerksamkeit verzerrt werden.
Noch ein paar weitere Verallgemeinerungen
Zutritt zu Bars, etc.
Wörtlich steht unter den Sicherheitshinweisen für Thailand „Personen unter 20 Jahren ist der Zutritt zu Bars, Diskotheken und Massagesalons generell verboten.“ „Generell“ bedeutet ohne Ausnahme. Das klingt also so, als dürfe ein Mensch unter 20 Jahren unter keinen Umständen eine solche Einrichtung betreten.
Das entspricht aber zumindest nicht dem, was man in Thailand im täglichen Leben beobachten kann. Minderjährige können beispielsweise in Begleitung ihrer Eltern durchaus Bars betreten und dort essen. Nun kann man natürlich darüber diskutieren, welche konkreten gesetzlichen Vorschriften für welche Art von Lokal gelten. Ein Familienrestaurant, welches in Thailand oft eine Bar ist, ist schließlich etwas anderes als eine Go-Go-Bar. Aber genau deshalb ist „generell“ eine bemerkenswert pauschale Formulierung.
Das Auswärtige Amt schreibt zum Thema: Strafen
„Jede Verurteilung wegen einer Straftat in Thailand (auch wegen Bagatelldelikten) führt nach Verbüßung der Strafe zur Abschiebung und einem unbefristeten Wiedereinreiseverbot.“
Das klingt ziemlich eindeutig. Nur stimmt diese Aussage zumindest für Verstöße gegen die thailändischen Aufenthaltsbestimmungen so nicht. Bei einem Overstay beispielsweise sieht die thailändische Immigration ausdrücklich befristete Wiedereinreisesperren vor. Das entsprechende Formular „Acknowledgement of penalties for visa overstay“ nennt je nach Dauer des Overstays Sperren von einem, drei, fünf oder zehn Jahren. Also doch kein unbefristetes Wiedereinreiseverbot! Da hilft es nichts, dass Visavergehen nochmal seperat beschriebenen werden, wo diese absolute Formulierung mit unbefristeten Wiedereinreisesperren nicht mehr auftaucht.
Und auch bei anderen „Bagatelldelikten“ stellt sich deshalb die Frage, ob eine derart pauschale und undifferenzierte Aussage des Auswärtigen Amts wirklich sachgerecht ist.
Solche pauschalen Aussagen finden sich allzu viele bei den Reise- und Sicherheitshinweisen für Thailand. Warum so etwas ohne Not geschrieben wird, ist mir unverständlich, was möchte man damit bezwecken?
Was schreibt das Amt bei der Rechtsstaatlichkeit?
Richtig lustig empfinde ich diese Zeile „Strafverfahren in Thailand sind langwierig.“ Zum einen, als ob dies in Deutschland anders wäre und zum anderen werden in Thailand Verhandlungen noch geführt, während zum Beispiel in Berlin, aber auch ganz Deutschland (ARD, Zeit) aus Mangel an genügend Richtern und Staatsanwälten immer häufiger keine Verhandlungen mehr geführt werden. Meint das Auswärtige Amt mit „deutschen rechtsstaatlichen Erwartungen“ die in Thailand nicht erfüllt würden etwa diese Art Rechtsstaatlichkeit?
Daher ist die Aussage des Auswärtigen Amts schon richtig: „Mit … harten Haftbedingungen muss gerechnet werden“. Das ist richtig und richtig gut. Strafbares Handeln muss Konsequenzen haben. Insbesondere bei Gewalttaten. Ist es doch gerade dies, was Deutschland von Thailand heutzutage unterscheidet.
Sicherheitshinweise für Thailand – Warum diese Unterschiede?
Nach welchen Kriterien entscheidet das Auswärtige Amt eigentlich, welche alltäglichen Kriminalitätsrisiken in einem Land ausdrücklich hervorgehoben werden und welche nicht? Warum hält das Auswärtige Amt es bei Thailand für notwendig, deutsche Touristen ausdrücklich davor zu warnen, ihre Kreditkarte im Restaurant aus der Hand zu geben. Ebenso warnt es vor ATM-Manipulation, aber bei den Reisewarnungen für Spanien und Italien nicht? Warum dieser Unterschied?
Wenn dieses Ministerium seine Sicherheitshinweise für Thailand nach besonderer Relevanz differenziert, müsste es dafür irgendeine nachvollziehbare Grundlage geben, warum es zum Beispiel für Thailand bei Kreditkarten „Besonderheiten“ gibt. Ich kann mich irren, aber diese auffälligen Besonderheiten gibt es in Thailand nicht! Und wieder meine Frage nach dem Warum?
Sexuelle Handlungen
Die Sicherheitshinweise für Thailand beschreiben „Nacktbaden, Baden ohne Bikinioberteil sowie sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit sind verboten und können bestraft werden.“ Da Nacktbaden in Deutschlands an bestimmten Orten erlaubt ist, kann man es selbstverständlich aufnehmen.
Aber § 183a StGB stellt öffentliche sexuelle Handlungen in Deutschland unter Strafe, wenn dadurch absichtlich oder wissentlich ein öffentliches Ärgernis erregt wird. Warum muss dies dann für Thailand extra erwähnt werden? Als Reisender aus Deutschland helfen einem die wichtigen rechtlichen Unterschiede viel mehr als das, was man ohnehin schon im eigenen Land kennt.
Seltsame Fehler. Nur, warum?
Die Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand sollten präzise, faktenbasierend und vor allem objektiv sein, so wie für andere Länder auch. Das hat ja bis jetzt nicht so gut geklappt, wo doch das Auswärtige Amt immer damit prahlt, was für besonders gute Mitarbeiter es hat.
Die Sätze „Insbesondere in der Regenzeit von Mai bis Oktober kommt es häufig zu großflächigen Überschwemmungen und Erdrutschen, denen oft Menschen zum Opfer fallen. Im Südosten der Thai-Halbinsel (u.a. auch auf Koh Samui) kommt es auch von November bis Januar zu Starkregen und vereinzelten Tropenstürmen.“ bestechen gleich mit mehreren lustigen Fehlern.
Thailand grenzt an die Andamanensee und den Golf von Thailand, und natürlich auch den großflächigen Norden und Nordosten, mit ziemlich unterschiedliche saisonalen Wetterverältnissen mit zwei sich stark unterscheidenden Regenzeiten. Mai bis Oktober ist da eher unpassend.
Zudem kommt, dass das Auswärtige Amt mit der ziemlich unbeholfenen Formulierung „Im Südosten der Thai-Halbinsel“ anscheinend den Golf von Thailand meint, da es anschließend auf Koh Samui verweist. Nur, Koh Samui ist eine Insel, dies kann also schlecht eine Halbinsel sein. Logisch, oder? Auch liegt Koh Samui eher in der Mitte und nicht im Südosten. Und der richtige geografische Begriff für die gesamte Halbinsel ist „Malaiische Halbinsel“. Es sagt ja auch keiner „Westsee“, sondern „Nordsee“. Darüberhinaus geht die Regensaison im tiefen Süden der Golfküste bis Februar. Das sind schon viele Schnitzer, die sich das Auswärtiger Amt erlaubt. Und wieder. Warum?
Nachfolgend mein Wetter-/Klimachart – Klicken Sie zur Vergrößerung darauf

Vor vielen Jahren habe ich über den Tropensturm Pabuk mit der Überschrift: Schmierfinken geschrieben. Darin habe ich damals das Auswärtige Amt und ihre Filiale, die deutsche Botschaft Bangkok, sogar gelobt für die nüchterne, faktenbasierte Information. Dies würde ich heutzutage wohl nicht mehr machen.
Sicherheitshinweise für Thailand zeigt seltsames bei der Gesundheit
Wörtlich schreibt das Auswärtige Amt „Die medizinische Versorgung im Lande ist insbesondere in Bangkok und auch in den großen Städten von hoher Qualität, auf dem Land entspricht sie ggf. jedoch nicht europäischem Standard. Vielfach fehlt dort auch gut ausgebildetes, Englisch bzw. Französisch sprechendes ärztliches Personal.“
Ich weiß, ich wollte mich beherrschen, aber was haben die denn geraucht? Von welchem europäischen Standard sprechen die? Es sind deutsche Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand. Warum nehmen die nicht den deutschen Standard, den es auch überhaupt nicht gibt, da es regional extreme Unterschiede hat? Ganz zu schweigen von einem derart unterschiedlichen Standard innerhalb Europas. Moldau ist schließlich auch in Europa und wird auf der Negativskala wahrscheinlich nur noch von Großbritannien getoppt.
Dann hauen die noch den Satz raus: „Vielfach fehlt dort auch gut ausgebildetes, Englisch bzw. Französisch sprechendes ärztliches Personal.“ Das empfinde ich schon als Unverschämtheit, zumal Thailand in internationalen Vergleichen der medizinischen Versorgung regelmäßig gut bis sehr gut abschneidet.
Und dann dieser absolute Schmarren mit Französisch. Welcher normal denkende Deutsche geht nach Thailand und versucht, sich mit einem thailändischen Arzt auf Französisch zu verständigen?
Und wieder die Frage nach dem Warum? Übrigens steht in den italienischen Hinweisen nichts davon, dass fehlende Englisch- oder Französischkenntnisse ein Hindernis bei der medizinischen Versorgung darstellen – obwohl Englisch den Italienern noch spanischer erscheint als den Thailändern.
Gerade bei der Gesundheit sollte man objektiv bleiben, oder?
Warum stehen in den Sicherheitshinweisen für Thailand Sätze wie „Nehmen Sie eine Reiseapotheke sowie regelmäßig einzunehmende Medikamente mit“ oder „… mangelnder Hygiene … Insbesondere durch mangelnde Trinkwasser-, Lebensmittel und Handhygiene können Erkrankungen auftreten, die oft mit Durchfällen einhergehen.“? Es fängt schon damit an, dass der Hinweis für eine Reiseapotheke völlig unnütz ist, detailliert beschrieben im Beitrag: Brauch ich eine Reiseapotheke für Thailand? Natürlich nicht!
Selbiges gilt auch bei der Hygiene. Mir ist keine belastbare Datengrundlage bekannt, aus der sich eine derart pauschale Aussage über die hygienischen Verhältnisse in Thailand ableiten lässt. Hygiene macht keinen Unterschied zwischen In- und Ausländern, also müssten doch Thailänder genauso betroffen sein wie zum Beispiel Deutsche?
Reisende können allerdings ein höheres Erkrankungsrisiko haben, weil sie mit ungewohnten Keimen in Kontakt kommen und teilweise keine entsprechende Immunität besitzen. Das ist aber etwas anderes als zu behaupten, die hygienischen Verhältnisse seien problematisch. Außerdem können Durchfallerkrankungen bei Reisenden zahlreiche andere Ursachen haben: ungewohnte Nahrung, scharfes Essen, tropisches Klima etc. Im Beitrag: Restaurant in Thailand: Extrem Same Same but different gehe ich insbesondere auf die Hygiene ein. Und wieder meine Frage, warum schreibt das Auswärtige Amt, eine deutsche Behörde, so etwas?
Was fehlt aber? Der Hinweis, dass in Thailand Leitungswasser nicht zum Trinken gedacht ist. Denn Leitungswasser trinken noch recht viele in Deutschland und gerade deshalb wäre so ein Hinweis hilfreich.
Beiträge, bei denen Gesundheit im Vordergrund steht
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Der Hund der nicht bellte – Was fehlt sonst noch?
Es geht ja um Sicherheitshinweise für Thailand und da fehlt Entscheidendes, wenn man tatsächlich über die Sicherheit und Gesundheit von Menschen informieren möchte.
Seit Jahren wird über die jährliche Brandsaison im Norden und Nordosten Thailands geschrieben. Ab Ende Januar bis April/Mai kann man keinem mehr empfehlen, in dieser Gegend umherzureisen. Chiang Mai zählt in dieser Zeit oft zu den am schlimmsten luftverdreckten Städte weltweit. Passend: Philodendron Manie und Arbitrage in Thailand.
Es handelt sich also um ein vorhersehbares saisonales Ereignis, welches die Gesundheit stark gefährdet. Absolut nichts findet sich darüber aber in den Sicherheitshinweisen. In vielen europäischen Ländern schreibt das Auswärtige Amt aber in den Hinweisen viel über die Waldbrände dort, ist ja auch mittlerweile ein immer wiederkehrendes Ereignis. Nur warum nicht über die Brandsaison im Norden- und Nordosten von Thailand?
Und dann kommt LGBTIQ Thailand
Das Auswärtige Amt hat hierfür einen eigenen allgemeinen Hinweis. In Ländern, in denen homosexuelle Handlungen strafbar sind oder Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung tatsächlich staatlich verfolgt werden, ist das selbstverständlich eine wichtige Information. Nur warum Thailand? Selbst in Deutschland trauen sich in Brennpunktvierteln weder Frauen alleine hin, noch können Schwule ohne Probleme sich öffentlich zeigen.
Das Amt schreibt selbst „Thailand ist bekannt für seine Toleranz gegenüber der LGBTIQ-Community.“ Homosexuelle Handlungen seien nicht kriminalisiert. Gleichgeschlechtliche Ehen seien möglich und genössen vollständige Gleichstellung. Trotzdem folgt der Hinweis „Beachten Sie die allgemeinen Hinweise für LGBTIQ“. Welche besondere Sicherheitsinformation für LGBTIQ-Reisende nach Thailand soll damit eigentlich vermittelt werden?
Folgt man dieser seltsamen Logik, dann müsste konsequenterweise auch ein Sicherheitshinweis für Thailand lauten „Es gibt keinen Schnee in Thailand“. Danach folgt „Beachten Sie bitte die Hinweise für das Verhalten bei Lawinen“.
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Noch schlimmer: Warum diese Gruppe und andere nicht?
Damit sind wir bei der grundsätzlichen Frage. Wenn das Kriterium lautet, dass eine gesellschaftliche Gruppe wegen ihrer Zugehörigkeit im Ausland besonderen Risiken ausgesetzt sein kann, gibt es schließlich zahlreiche andere Gruppen, für die das ebenfalls zutreffen kann. Warum gibt es einen standardisierten LGBTIQ-Hinweis in jedem Sicherheitshinweis weltweit, aber nicht ebenso für:
- Menschen mit Behinderungen,
- ethnische Minderheiten,
- Menschen bestimmter Hautfarbe,
- Kinder und Jugendliche,
- ältere Menschen,
- jüdische Reisende,
- oder Deutsche, wenn ihre Nationalität in einem bestimmten Land ein besonderes Risiko darstellen sollte?
Mein Argument ist nicht, dass all diese Gruppen in Thailand besonderen Gefahren ausgesetzt wären, sondern die fehlende erkennbare Systematik. Da es um Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand geht, wäre dies für Leser schon interessant.
Wenn die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe ein eigenständiges Kriterium für die Reisehinweise sein soll, sollte nachvollziehbar sein, warum bestimmte Gruppen grundsätzlich einen eigenen Hinweis erhalten und andere nicht.
Beispielhaft haben es Rollstuhlfahrer in Thailand ziemlich schwer, sich selbständig in einer Stadt zu bewegen. Thailänder laufen nicht gerne (Füße in Thailand sind nicht fürs Wandern und Spazieren gehen), daher gibt es kaum vernünftige Geh- und Wanderwege. Wenn doch, sind diese oftmals mit Imbissständen verstellt, bei denen es schon für einen Nicht-Gehbehinderten schwierig wird, sich fortzubewegen. Dies ist doch für einen Behinderten wichtig zu wissen, oder etwa nicht?
Ich habe leider einen anderen Verdacht.
Hat das mit der ideologischen und diskriminierenden „Feministischen Außenpolitik“ zu tun?
Baerbock hat während ihrer Amtszeit als Außenministerin die „Feministische Außenpolitik“ ausdrücklich zu einem Bestandteil der deutschen Außenpolitik gemacht. Trotzdem sagt das Auswärtige Amt heute, „Menschenrechte seien Fundament deutscher Außenpolitik“ und stünden jedem Menschen unabhängig von Geschlecht, Religion, Herkunft usw. zu. Wenn das Ziel tatsächlich eine Außenpolitik für alle Menschen ist, warum wurde dann ein bestimmtes Geschlecht zum programmatischen Namensgeber der gesamten Außenpolitik? Da hilft es auch nichts, wenn „Feministischen Außenpolitik“ heutzutage nicht mehr auf der Webseite des Außenministeriums erscheint, aber in vielen Köpfen immer noch praktiziert wird. Passend dazu ein Bericht der NZZ.
Die 2023 veröffentlichten Leitlinien sprechen von Frauen und marginalisierten Gruppen „in all ihrer Diversität“. Auch sexuelle Orientierung wird ausdrücklich als Bestandteil dieser Diversität genannt. Könnte es sein, dass Baerbock dafür gesorgt hat, dass eine diskriminierende Ideologie sich in den Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts bis heute etabliert hat?
Sicherheitshinweise sollen Reisende im Ausland informieren, welche konkreten Risiken am Reiseziel zu erwarten sind. Ideologie hat hier nichts zu suchen und trotzdem findet man diese beim Auswärtigen Amt. Ich jedenfalls empfinde dies verachtenswert und es ist leider so typisch für den heutigen Staatsapparat in Deutschland. Passend hierzu, zwei meiner Kommentare:
- Undiplomatische Diplomaten Mitte 2025 – Ein Lehrstück in moderner Staatskunst
- Ist dummes Zeug reden eine Einstellungsvoraussetzung?
Passend ist auch meine Beschwerde bei der ARD. Siehe dazu den Beitrag: Haltungsjournalismus – Wie die Welt für ARD/ZDF funktioniert.
Fazit
Sie können sich die im Beitrag beschriebenen Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand vom 19. September 2026 als PDF herunterladen. Das PDF hat 22 Seiten (!?!?!), die sicherlich Wichtiges und Richtiges beinhalten, leider aber auch Falsches, Missverständliches, Ideologisches, völlig Unwichtiges (z.B. „Fotografierverbot: Abgesehen von militärischen Objekten besteht grundsätzlich kein Fotografierverbot. Beim Fotografieren von Menschen ist allerdings – wie überall – ein gewisses Taktgefühl angezeigt.“) und so viele Pauschalierungen. Auch im Vergleich der Sicherheitshinweise mit europäischen Ländern kann man bestenfalls von Unbeholfenheit sprechen. Ich sehe aber eine gewisse Doppelmoral!
Warum formuliert eine deutsche Behörde, die deutsche Reisende informieren soll, so unsauber, so pauschal und teilweise so merkwürdig?
Leider sind die Hinweise mittlerweile ein ellenlanges Sammelsurium geworden, das als Reisehinweise eigentlich unbrauchbar ist und als Sicherheitshinweise für Thailand nur sehr bedingt funktioniert.

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