ÖRR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) Journalisten reagieren erfahrungsgemäß empfindlich auf den Vorwurf, ihre politische Haltung beeinflusse ihre Berichterstattung, was dann zu ZDF ARD Haltungsjournalismus führt. Dabei liegt das eigentliche Problem tiefer: Wer seine eigene Weltsicht für die einzig legitime Normalität hält, merkt gar nicht mehr, dass er Haltung transportiert. In den Redaktionen von ARD und ZDF scheint diese „Normalität“ erstaunlich klar definiert zu sein (über 80 % links-grüne Wählerschaft bei ARD Volontäre): Konservative gelten als latent problematisch, das Militär ist per se verdächtig – und wenn beides zusammentrifft, ist der Fall eigentlich schon entschieden. Progressive Akteure hingegen werden selten erklärt, da ihnen der moralische Maßstab impliziert wird.
Thailand ist für dieses Denkschema ein Glücksfall. Ein Land mit Militär, Monarchie und konservativen Strukturen – besser lässt sich das gewohnte Narrativ kaum bedienen. Entsprechend zuverlässig fallen die Schlagzeilen aus: vereinfachend, vorhersehbar, kompatibel mit dem eigenen Weltbild.
Störendes, wie Fakten, werden dabei regelmäßig unter den Teppich gekehrt. Zum Beispiel, dass Thailand eine bemerkenswert diversifizierte Industrie aufgebaut hat, fest in globale Lieferketten integriert ist und ein ca. US 25.000 kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf in 2025 hatte. Solche Fakten sind unbequem, weil sie nicht ins dramaturgische Raster von ARD & Co passen – also werden sie bestenfalls am Rand erwähnt oder wie so oft ganz weggelassen.
Im persönlichen Umfeld bekomme ich oft ungläubige Gesichter. Was, Thailand? – oft begleitet von einem mitleidigen Unterton, wenn ich darauf hinweise, dass dort die Gleichberechtigung pragmatischer gelebt wird als im moralisch so selbstgewissen Deutschland. Ähnlich irritierend wirkt für viele die Beobachtung, dass wirtschaftliche Prinzipien und soziale Absicherung in Thailand oft weniger ideologisch, dafür funktionaler organisiert sind. Und besonders erklärungsbedürftig scheint ein Punkt zu sein, der im Westen fast schon als Tabu gilt: dass ein Staat wie Thailand sich erdreistet, seine eigenen Bürger bewusst zu bevorzugen – und dies politisch offen auch so vertritt.
Unterm Strich zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Progressive Positionen werden bei ARD und ZDF häufig positiv und verständnisvoll eingeordnet, während konservative Perspektiven auffällig oft als Problem erscheinen, das es zu erklären oder zu relativieren gilt. Faktoren, die nicht in dieses Bild passen, werden teilweise gar nicht thematisiert. Das Ergebnis ist kein journalistisches Gleichgewicht, sondern ein sich durch Groupthink im ÖRR stabilisierender Haltungsjournalismus.
Umfangreicher Lesestoff zur Einleitung
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- Die ARD erklärt Thailand – Oberlehrerjournalismus mit Realitätsverlust
- Thailand ist wirtschaftlich viel mehr als nur Tourismus
- Die böse Arm Reich Schere, das Märchen der Ökonomie
- Schmierfinken
- Gleichberechtigung in Thailand – das abendländische Märchen
- Thailänder haben Vorteile, keine Ausländer in Thailand zu sein!

Matt Abold heißt der Bub und lebt seit 2009 auf Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Er schreibt übers Auswandern und Überwintern und sozial- und wirtschaftspolitische Themen mit Bezug zu Thailand.
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Das ARD ZDF Framing beginnt zu Hause
Vor lauter Thailand könnte man meinen, dass ich die gute Arbeit des ÖRR im Inland nicht mehr sehe. Das stimmt, ich sehe es nicht, aber nicht wegen Thailand, sondern weil es in Deutschland genauso ist. Ein kurzer Blick auf einige ARD und ZDF Formate.
Da wäre etwa der „Klar“-Skandal beim NDR – ein journalistisches Versagen, das nicht nur Fragen nach interner Kontrolle aufwarf, sondern vor allem nach der Haltung, die solche Fehlleistungen überhaupt erst möglich macht. Oder die auffällige Tendenz, politische Akteure wie die CSU in die Nähe der AfD zu rücken. Gleichzeitig wird die AfD völlig zu Recht als rechtsextrem beschrieben, aber auffällig ist jedoch die Asymmetrie: Während die rechtsextreme AfD klar und häufig benannt wird, erfährt die Linke und Teile der Grünen eine oft bemerkenswerte Relativierung. Wo auf der einen Seite scharfe Abgrenzung herrscht, genügt auf der anderen Seite nicht selten ein verständnisvoller Kontext.
Besonders deutlich wird diese Schieflage in der internationalen Berichterstattung. Wenn öffentlich-rechtliche Formate beginnen, Terrororganisationen wie die Hamas und den Staat Israel auf eine Ebene zu stellen oder Narrative bedienen, die bis hin zur impliziten Infragestellung der Existenz Israels reichen, stellt sich unweigerlich die Frage nach den Maßstäben. Während „rechte“ Grenzüberschreitungen konsequent skandalisiert werden, erscheinen „linke“ Entgleisungen mitunter fast folkloristisch. Passendes zum Haltungsjournalismus des ÖRR: Fokus, AZ, Standard, Deutschlandfunk, Welt, NZZ, NZZ
Die Mitte wird nicht mehr als Mitte definiert
Diese Verschiebung zeigt sich längst nicht mehr nur in der politischen Berichterstattung, sondern auch im Unterhaltungsbereich. Kabarettisten wie Dieter Nuhr gelten plötzlich als „konservativ“, obwohl sie in vielen Positionen klar der gesellschaftlichen Mitte zuzuordnen sind. Der Grund dafür ist weniger eine tatsächliche Verschiebung seiner Inhalte als vielmehr ein Umfeld, in dem politisch links stehende Komiker im öffentlich-rechtlichen Raum deutlich dominieren.
Und genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Warum existieren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk so viele Formate mit klar erkennbarem Linksdrall – aber kaum vergleichbare mit einer rechten oder auch nur bürgerlich-konservativen Perspektive? Beispielhaft, beim Parteitag der Linken im Juni 2026 wurde „Lustiges“ besprochen: „Israel betreibt Genozid“, „Deutschland verrecke“ und: „schließlich gibt es gerade auch gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, und der AfD“.
Seltsamerweise haben ZDF und ARD fast nur darüber berichtet, so gut wie nicht kommentiert. Während Aussagen der AfD schnell als demokratiegefährdend eingeordnet werden, erscheinen vergleichbare Entgleisungen aus dem linken Spektrum beim ÖRR ohne Einordnung oder als erklärbare Positionen. Wenn auf einem Parteitag der AfD 30 % der Delegierten gegen einen Antrag stimmen würden, der das Existenzrecht Israels bekräftigt (so geschehen beim Linken Parteitag), wie würden ARD und ZDF darüber berichten?
Die Projektionsfläche Thailand beim ZDF & ARD Haltungsjournalismus
Ein nüchterner Blick auf Thailand zeigt zunächst, dass in der öffentlich rechtlichen Berichterstattung erstaunlich selten die Wirtschaft im Mittelpunkt steht. Thailand verfügt über einen großen Dienstleistungssektor und eine bemerkenswert breit aufgestellte Industrie – von Automobilproduktion über Elektronik bis hin zur Lebensmittelverarbeitung und stark wachsender KI. Das Land ist tief in globale Lieferketten integriert und hat sich über Jahrzehnte als verlässlicher Produktionsstandort etabliert. Der Tourismus wird allerdings regelmäßig als Riese dargestellt, mit fantastischen 25 % und mehr Anteil an der thailändischen Wirtschaft, passend: Thailand ist wirtschaftlich viel mehr als nur Tourismus. Private Medien wie Handelsblatt und NZZ berichten differenziert, nicht unser ÖRR. Warum auch, es gibt keine externe, wirklich unabhängige Kontrolle!
Ein konkretes Beispiel zum Haltungsjournalismus liefert die Berichterstattung über die damalige Premierministerin Shinawatra im Jahr 2025. Diese musste zurücktreten, nachdem ein Gespräch mit Hun Sen öffentlich wurde, in dem sie während eines Konflikts mit Kambodscha ihren eigenen General kritisierte und den kambodschanischen Strippenzieher als „Onkel“ bezeichnete. Die Einordnung dieses Vorgangs durch die ARD ist bemerkenswert. Das Gespräch wurde unter anderem als Versuch der „Deeskalation“ beschrieben, während gleichzeitig betont wurde, dass es sich um einen „politischen Affront“ handele – gerade in einem Land, in dem das Militär maßgeblich mitbestimme, siehe ARD.
Haltungsjournalismus und Doppelmoral
Hier stellt sich eine naheliegende Vergleichsfrage: Wie würde eine solche Situation bewertet, würde ein deutscher Kanzler in einer schweren außenpolitischen Krise einen gegnerischen Staatschef öffentlich aufwerten und gleichzeitig die eigene militärische Führung verunglimpen? Genau an solchen Beispielen zeigt sich weniger ein Mangel an Information als wie so oft ein bestimmtes Deutungsmuster des ÖRR, von der offensichtlichen Doppelmoral ganz abgesehen.
Besonders auffällig ist dabei das fehlende Verständnis für die strukturellen Besonderheiten Thailands. Militär und Monarchie werden in der Berichterstattung häufig primär als Problem dargestellt – kaum jedoch als Teil eines Systems, das über Jahrzehnte eine bemerkenswerte Stabilität und Entwicklungskontinuität hervorgebracht hat. Diese Bewertung muss man nicht teilen. Aber sie zu ignorieren, führt zu einem verzerrten Gesamtbild.
Meine eigenen Erfahrungen bestätigen zumindest, dass politische Einschnitte – etwa der letzte Militärputsch in 2014 – in breiten Teilen der Bevölkerung als stabilisierend wahrgenommen wurde. Insbesondere die Jahre danach waren wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich beruhigende Jahre.
Hinzu kommt eine gesellschaftliche Praxis, die sich dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk offenbar nur bedingt erschließt. Fragen von Gleichberechtigung, sozialer Absicherung oder wirtschaftlicher Teilhabe werden in Thailand oft pragmatisch und selbstverständlich gehandhabt – ohne den Einsatz formaler, teils diskriminierender Quotenregelungen. Das Ergebnis ist ein Bild, das in Deutschland gerade in diesen Bereichen häufig verzerrt oder schlicht falsch dargestellt wird. Wer Thailand verstehen will, muss daher bereit sein, über den begrenzten Tellerrand beim ARD/ZDF Haltungsjournalismus hinwegzuschauen und sich selbst ein Bild machen.
Kommen wir zum Höhepunkt des ZDF ARD Haltungsjournalismus über Thailand
Im Beitrag: Die ARD erklärt Thailand – Oberlehrerjournalismus mit Realitätsverlust habe ich auf mehrere Formate der ARD über Thailand reagiert. Noch nie wurde ein einzelner Beitrag von mir binnen 24 Stunden so oft gelesen wie dieser. Aber darauf wollte ich es nicht beruhen lassen und schrieb eine förmliche Beschwerde beim zuständigen Rundfunkrat des NDR. Es war für mich gar nicht leicht, meinen „Hau-Drauf-Schreibstil“ in eine Sprache zu kleiden, die mir nicht wirklich gefällt. Wenn Sie wollen, können Sie die Beschwerde nachfolgend lesen:
Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk – Die ARD Antwort
Muss man sich eigentlich schon freuen, wenn unser öffentlich rechtlicher Rundfunk eine Antwort auf eine Beschwerde schreibt? Insbesondere wenn diese so zeitnah – nicht mal 10 Wochen sind vergangen – eintrifft? Es gibt weder bei ARD noch ZDF eine Ombudsstelle, die unabhängig über Beschwerden entscheidet. Es gibt nur Rundfunkräte, deren Unabhängigkeit sich dadurch zeigt, dass sie dem selben Haus angehören, wie die Redaktion, über die man sich beschwert. Ich frage mich schon, warum ein zwangsgebührenfinanziertes System, mit rund € 10 Milliarden jährlichen Einnahmen, sich keine transparente und bindende Ombudsstelle unterwirft? Ich weiß, eine blöde Frage.
Nachfolgend können Sie sich die Antwort der ARD Redaktion durchlesen. Ich schrieb an den Rundfunkrat, alles was dieser gemacht hat, wie aus der Antwort ersichtlich, mein Schreiben der zuständigen ARD Redaktion zu schicken. Warum dann eine Beschwerdestelle beim Rundfunkrat, wenn eine Postweiterleitungsstelle ausreichend wäre?
Meine Replik, mit klarer Ansage zum Haltungsjournalismus
Mir wären noch zahlreiche weitere Punkte eingefallen, die sich aus dem oben genannten Schreiben ergeben. Auffällig ist etwa die aufgesetzt wirkende Sprache in Formulierungen wie: „Unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten sprechen regelmäßig über die Entwicklungen im Land mit unterschiedlichen Expert*innen …“. Hier zeigt sich nicht nur eine inkonsequente Verwendung unterschiedlicher Genderformen innerhalb eines einzigen Satzes, sondern auch ein sprachlicher Stil, der die Haltung des Journalisten über den eigentlichen Inhalt setzt. Zumindest finde ich meinen Beitrag über Gendersprache lustig: Blödes Schwein oder coole Sau, was denn jetzt?
Ähnlich irritierend ist die ökonomische Einordnung an anderer Stelle. So wird etwa eine Exportproduktion wie im Fall Vietnams von über 90 % des BIP implizit positiv bewertet. Eine derart extreme Außenabhängigkeit ist jedoch keineswegs ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke, sondern ein Ausdruck struktureller Verwundbarkeit bei Krisen.
Egal, ich hab mich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte konzentriert. Sollte ich eine weitere Antwort auf dieses Schreiben bekommen, werde ich es im Beitrag nachreichen. Persönlich empfand ich das ARD Schreiben nicht wirklich professionell und herausfordernd. Es verstärkt sogar meine Behauptung des Haltungsjournalismus. Nachfolgend meine Gegenrede:
Ein ÖRR, bei dem Haltung Journalismus ersetzt
Natürlich hat auch Thailand viele Probleme. Ähnlich lustige Politiker wie in Deutschland, manchmal sonderbare juristische Entscheidungen und viele Reibungsverluste durch geopolitische Spielchen einiger großer Länder hinterlässt auch hier deutliche wirtschaftliche Bremsspuren. Vieles ist hausgemacht, vieles nicht, aber es sind reale Probleme, die man benennen muss. Daher fühlt es sich frustrierend an, wenn der zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst nicht einmal den Anspruch erfüllt, ein vollständiges Bild zu liefern. Statt ergebnisoffen zu recherchieren, werden selektiv Aspekte herausgegriffen, die ins eigene Weltbild passen – der Rest fällt unter den Tisch.
So entsteht kein Journalismus, sondern ein in sich verstärkendes Deutungssystem: Kritik dient nicht der Aufklärung, sondern der Bestätigung bestehender Narrative. Wer sich so verhält, verzichtet auf Ausgewogenheit und ersetzt sie durch Haltung – finanziert von allen, getragen von wenigen, und zunehmend losgelöst von der Realität.

Sozial- und wirtschaftspolitische Themen, die oft Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, finden Sie unter der Rubrik Zeitgeistkritik im Menü. Sind es doch gerade die Bereiche, die mir ein paradiesisches Leben hier in Chumphon, Thailand bereiten.
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