Leben in Thailand
Schulbetrieb während Corona

Schuluniform in Thailand, das Labyrinth des Unsinns

Aktualisiert am 26. August 2021

Ein Argument in Deutschland für Schuluniformen war immer, weg vom Markenwahnsinn. Es ist ein Wettbewerb der Eltern und Kinder, wer denn die coolsten Schuhe, Taschen, Hosen, etc. hat. Nicht nur teuer für den Geldbeutel, sondern zeigt es auch die Macht der Werbeindustrie auf uns Menschen. Daher kann ich nach wie vor das Argument hin zur Schuluniform sehr gut nachvollziehen. Allerdings gilt dies nicht für die Schuluniform in Thailand

Auf unserem Anwesen, Baan Metawi, gibt es 3 schulpflichtige Kinder, daher ist dies ein leidiger Erlebnisbericht von mir. Siehe auch: Thailänderin und Familienleben in Thailand.

Matt Abold

Mein Name ist Matt Abold und ich lebe seit 2009 als weißer Ausländer im Baan Metawi, in Chumphon, Thailand. Ich schreibe übers Auswandern und Überwintern und verbinde meine Beiträge oft mit sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, die Thailand mit Deutschland und Europa vergleichen, in meiner Rubrik: Zeitgeistkritik.

Das Gute an der Schuluniform

Es ist im Großen und Ganzen eine gute Sache. Sicherlich geht ein Teil der Individualität verloren, da alle im Einheitslook der Schuluniform auftreten. Jedoch wenn es hilft, sich dem Diktat der Markenbekleidung zu entziehen und das Lernen dadurch entspannter, unaufgeregter und sozialer stattfinden kann, dann ist es eine schöne Sache. Einige Bilder von thailändischen Schülern als Einstimmung

Die Situation in Thailand ist nicht uniform, sondern ausgemachter Blödsinn

Thailänder lieben Uniformen; ob Schuluniform, Beamtenuniform oder jede Art von Arbeitsuniformen, es wird gern getragen. Jedoch bei Schuluniformen ist dies für Schüler und Eltern ein Irrsinn. Es ist zum einen viel teurer als Alltagsbekleidung und zum anderen fehlt die Sinnhaftigkeit in der jetzigen Zeit. Es war auch mit ein Punkt für die Demonstrationen in Thailand, die sich nicht nur gegen die Uniformen gerichtet haben, sondern gegen das ganze Schulsystem, siehe Beitrag: Demonstrationen in Deutschland und Thailand, ein Vergleich. Das Schulsystem als ganzes darf zur Recht als Katastrophe gesehen werden. Es zeigt, wenn viel Geld sinnfrei für alles in der Schulindustrie ausgegeben wird, nur nicht für bessere Bildung der Schüler. Hierzu werde ich demnächst noch mal ein Beitrag schreiben, da ich tagtäglich bei 3 schulpflichtigen Kindern diesen unterirdischen Wahnsinn miterleben muss.

Die Schuluniform in Thailand ist individualisiert bis aufs kleinste

Schuluniform Name Klasse Chumphon ThailandDie heutzutage nicht mehr zeitgemäße Individualisierung fängt schon mit dem Aufsticken der Namen und der jeweiligen Jahrgangsstufe an. Das Bild zeigt die Bluse meiner Nichte, den aufgestickten Namen auf thailändisch habe ich unleserlich gemacht. Die 2 violetten Sterne in Verbindung des obigen Symbols bedeutet, dass meine Nichte im 2. Oberstufenjahr ist, entspricht der 5. Klasse von 6 im Gymnasium. Wäre das obige Symbol nicht dort, dann entspricht es der 2. Klasse des sechsjährigen Gymnasiums. Zudem wäre dann auch noch die Kragenform eine andere und auch die Bluse würde sich nicht im Rock befinden. Letzteres ist erst Schülerinnen ab der 4. Klasse Gymnasium erlaubt. Bei meinem Sohn Nummer 2, der in eine andere Schule geht, kann man nur an der Farbe der kurzen Hose erkennen, ob es sich um die ersten 3 Jahre Gymnasium handelt oder bereits um die letzten 3 Jahre Oberstufe. Dies alles ist nicht mal zentral geregelt oder nach Provinz, vielmehr kann jede Schule ihre eigene Variante wählen. Verwirrend? Es kommt noch viel lustiger.

Die Pfadfinderuniform

Ein Tag pro Woche, je nach Schule, ist Pfadfindertag und eine entsprechende Uniform muss den ganzen Tag getragen werden, obwohl der eigentliche Pfadfinderunterricht nur 50 Minuten dauert. Die Uniform ist so ziemlich landesweit gleich, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Farbe des Halstuches, wo Schulen sich unterscheiden können. In Thailand gibt es 12 Schuljahre, davon 9 verpflichtend. Alle Schuljahre werden in Dreierblöcken unterteilt und meist ändert sich dort dann auch etwas an der Uniform.

Jungs dürfen im 3. Schuljahr schon mal vorschnuppern und eventuell ein Halstuch und ein Hut zur Vorbereitung auf die Pfadfinderjahre ab dem 4. Schuljahr tragen. Bei Jungs ändert sich zwischen dem 4. und 6. Schuljahr nichts an der Schuluniform für Pfadfinder erst ab der 1. Gymnasialklasse, also dem 7. Schuljahr gibt es eine andere Mütze bis zum 9. Schuljahr, danach entfällt dieses Brauchtum. Mädchen müssen sich ab der 7. Klasse für eine von 3 Uniformen entscheiden, die dann auch wieder andere Aktivitäten beinhaltet. Auch ab der 7. Klasse gilt für Jungs und für Mädchen, die sich nur für eine ganz bestimmte Uniform von den 3 zur Auswahl stehenden entschieden haben, dass sie jeweils ein roten langen Holzstock tragen dürfen. Warum? Konnte mir weder eines unsere 3 schulpflichtigen Kinder sagen, noch 2 Lehrer. Die Lehrer tragen im Übrigen an diesem Tag auch eine Pfadfinderuniform. Auch hier gilt, dass auf den Hemden bzw. Blusen der Name des Schulkindes aufgestickt ist.

Selbst die Turnbekleidung, gehört zur Schuluniform in Thailand

Einmal in der Woche ist auch Sport, aber anders als bei uns, gibt es eine Turnuniform, mit der man den ganzen Tag herumläuft. Diese ist in der Farbe und im Design der jeweiligen Schule angepasst. Ab dem 4. Schuljahr bis zum Abitur gibt es zumindest für alle die Pflicht lange Turnhosen zu tragen. Und in der Schule von Sohn Nummer 2 wird auch noch beim Turnhemd ab der Oberstufe ein anderes Design gewählt. Zudem kommt, dass einmal im Jahr ein Sportfest stattfindet, wo dann nur Turnbekleidung extra für dieses Fest getragen wird. Auch hier gilt, dass es jeder Schule selbst überlassen ist.

Die eigentliche Schuluniform

Der Blödsinn geht jetzt erst richtig los. Mädchen tragen in den ersten 3 Schuljahren eine weise Bluse ohne Fliege und nicht im Rock steckend. Von Schuljahr 4 bis 6 mit Fliege aber andere Ärmel an der weiterhin weisen Bluse. Zwischen Schuljahr 7 bis 9 wird eine weise Bluse mit anderem Kragen getragen, die aber in den Rock zu stecken hat und bei der Fliege ändert sich die Farbe. In den letzten 3 Schuljahren ändert sich wieder der Kragen und die Fliege fällt weg. Die Besonderheiten beim aufgesteckten Namen habe ich oben schon erwähnt. Der dunkelblaue Rock bleibt tatsächlich über die gesamten Schuljahre im selben Design, nur mit der Verpflichtung die Bluse in den Rock zu stecken, kommt auch die Verpflichtung einen Gürtel zu tragen. Nicht irgendeinen Gürtel, sondern mit dem Emblem der Schule versehen.

Jungs tragen über 12 Schuljahre immer ein gleiches weises Hemd. Die ersten 6 Schuljahre werden schwarze kurze Hosen getragen mit einem schwarzen Gürtel, der mit dem Emblem der Schule versehen ist. Schuljahr 7 bis 9 sind es braune kurze Hosen mit einem braunen Gürtel und erst die Oberstufenjahre sind es wieder schwarze kurze Hosen und einen anderen schwarzen Gürtel.

Sollte sich ein Junge entscheiden, die 2 Jahre Wehrdienst nicht machen zu wollen, kann er die letzten 3 Schuljahre jeweils einen Nachmittag pro Wochen eine Art Soldatenunterricht auswählen, mit selbstverständlich eigener Uniform und Namensstickerei, etc. Hat er in den 3 Jahren eine bestimmte Anzahl von Schulungen erreicht, muss er nicht zum Wehrdienst.

Was kostet das alles?

Alle Uniformen und Anpassung für die Schule gehen ganz schön ins Geld. Die Uniformen sind ohnehin teurer als normale Straßenbekleidung in Thailand und die Häufigkeit diese wechseln zu müssen ist enorm. Es gibt zwar einen staatlichen Zuschuss zur Schulbekleidung, der deckt aber nur auf die Schuldauer gerechnet ca. 25 Prozent. Viele ärmere Familien haben richtig Probleme sich die Schuluniformen leisten zu können und greifen daher oft auf Gebrauchte zurück.

Sicherlich gab es für alle oben genannten Varianten einmal einen triftigen Grund, aber heutzutage kommt es schon sehr altbacken daher. Sohn Nummer 1 war mal einige Jahre in einer internationalen britischen Schule in Amsterdam und da war es ziemlich unkompliziert und gar nicht so teuer mit den Schuluniformen.

Was Thailand daraus gemacht hat ist schon einzigartig und verdient daher das Prädikat: Same Same but different.

Matt als Comic Freude

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Kokosnusspalme und Meer

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